Für sein Buch Film als subversive Kunst habe ich buchstäblich geblutet: Die schöne Ausgabe aus dem Hannibal Verlag hatte ich mir damals, finanziell ging's nicht eben bestens, mit wöchentlich ein bis zwei Blutplasmaspenden erspart. Wie aufgeregt ich war, als ich das Buch dann in Händen hielt, stundenlang darin blätterte und nicht glauben wollte, wieviele Filme (und was für welche!) es da draußen gibt, was für eine Welt da draußen wartet, weiß ich noch heute.

Ein paar Jahre später sah ich auf der Berlinale den schönen, inspirierenden Portraitfilm von Paul Cronin über ihn. Nun ist Amos Vogel tot, habe ich heute nachmittag erfahren. Gegründet hatte er damals den Filmclub Cinema 16, der Filme aus entlegensten Nischen ans Projektorenlicht holte und damit buchstäblich sichtbar machte. Cinema 16 gibt es nicht mehr, bzw. hat sich dieser Filmclub vielleicht nur räumlich entgrenzt (ein wenig gefällt mir der Gedanke, dass Amos Vogel, der sich in seinem Buch auch viel zu Raum und Zeit im Film äußert, mit diesem Gedanken anfreunden könnte): Dass das Internet heute dieses Cinema 16 ist, das gerade ein paar vereinzelte Gestalten aus hässlichsten Motiven kaputtschlagen wollen, beweist schon die Tatsache, dass Paul Cronin seinen tollen Film über Amos Vogel ins Netz gestellt hat, wo viele andere jener Filme, die Vogel, dieser unermüdliche Bildforscher und -sucher, früher nur mit viel Mühen in einen Projektor brachte, nun auch in fast direkter Nachbarschaft zu finden sind. Rest in Peace, Amos.



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kommentare dazu:



agathos, Dienstag, 8. Mai 2012, 00:52
Danke vielmals für die Buchempfehlung, nach der ich mir die einzige preiswerte (14.-; ist damit weg) Paperback-Version umgehend bestellt habe.

(Nur mal so als Rückmeldung, dass interessante Literaturtipps, über die ich mich immer freue, nicht ungenutzt verhallen.)


thgroh, Dienstag, 8. Mai 2012, 22:24
danke - das freut mich sehr! ich wünsche viel vergnügen beim lesen und entdecken!



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