»Sichtlich eilig konzipiert und gedreht, hinterläßt der Film nur ungute Gefühle.« (film-dienst)

Heute Abend um 21 Uhr im Berliner Zeughauskino: Blutiger Freitag, Rolf Olsens phänomenaler Krauts- bzw. Bankübferfalls-ploitation-Film von 1972, der Hans Georg Rammelmayrs Banküberall in der Münchner Prinzregentenstraße im Jahr zuvor einerseits spekulativ ausschlachtet, andererseits aber auch eine Art Zeitbild der sozialen Spannungen in der BRD der frühen 70er Jahre schafft. In der Hauptrolle: Raimund Harmstorf in seiner, wie ich finde, größten Rolle. Vor dem Film gibt es eine kurze Einführung von Philipp Stiasny (CineGraph Babelsberg) zu Rolf Olsen und von mir zum Film selbst.

Auf der Website der Zeit gibt es eine historische Reportage über die Ereignisse von 1971. Auf Youtube gibt es die ersten fünf Minuten des Films (mit ziemlich idiotischen englischen Untertiteln).

Sehenswert ist der Film vor allem auch als Bestandteil einer heute verschütteten und mangels einer befriedigenden DVD-Editionslage auch kaum mehr rekonstruierbaren Genrefilmkultur in Deutschland, die sämtliche Onkelig- und Beschaulichkeit, die man den Wallace- und Winnetou-Filmen (von den Heimatfilmen ganz zu schweigen) vielleicht wirklich attestieren möchte, abschüttelt und roh, dynamisch, rasant auftritt. Kein "Theaterdeutsch" trübt das Spiel, kein Bild wird zulange gehalten, der Schnitt ist grob und packend, die Kamera hochmobil. Über weite Strecken gleicht der hysterische Pegel einem Schlingensief-Film. Olsen, der zuvor St.Pauli-Filme (ebenfalls sehr sehenswert - Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn gibt es gerade bei Das Vierte gratis in der Mediathek) und einen ziemlich sonderbaren Heinz-Erhardt-Film (Immer wenn ich traurig bin...") gedreht hat, ließ hier mit einem Mal italienische Thrillerhärte ins bundesrepublikanische Genrekino einfließen.



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