Donnerstag, 9. Mai 2013
... Doch liegt vielleicht gerade darin, dass der Film von Langeweile schlagartig auf gute Unterhaltung umstellt, ein zu denken gebender Knackpunkt: Kenntlich wird darin der Zierrat als Zierrat - und zugleich auch, dass ein einst von einer treuen Fankultur umhegtes Franchise sich auf diese, ähnlich wie die lange Reihe an jüngeren Comicverfilmungen, schon aus Investitionsgründen längst nicht mehr allein verlassen kann. Das Resultat überzeugt am Ende zwar - zum Preis einer gewissen Stromlinienförmigkeit allerdings, in der Distinktion und Differenz höchstens noch als nostalgische Spur für den Abgang zu haben sind. Auch eine Form von Konvergenz, die sich abzeichnet: Die Spezialeffekte stammen eh schon von Lucas Films, als nächstes dreht J.J. Abrams "Star Wars". [der ganze Text beim Perlentaucher]



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Donnerstag, 2. Mai 2013
Soviel Service vorneweg: Wer einen dramaturgisch ausgewogenen, von großartigen Schauspielerleistungen getragenen, plausibel erzählten und schlussendlich mitreißend spannenden Thriller im KIno sehen will, der zudem noch seiner Location - Berlin - Facetten abgewinnt, wie sie im Kino noch nicht zu sehen waren - ist gut beraten, zu Brian De Palmas "Passion" auf Abstand zu gehen. Wer mit solchem, ja ohne weiteres legitimen Anspruch den Kinosaal betritt, wird ihn aller Wahrscheinlichkeit nach verwundert bis verärgert wieder verlassen: Was, bitte, soll das denn nun gewesen sein? Nicht anders mag es Leuten ergehen, die mit dem Namen "De Palma" einen diffusen Begriff von Qualitäts- oder gar Autorenkino verbinden und dann in einem mittig dramaturgisch arg hängenden Amphibienfilm deutsch-französischer Produktionsprovenienz landen: Fürs Fernsehen schon wegen des Namens zu groß, fürs Kino ästhetisch aber eigentlich schon wieder viel zu klein.

Wer solche Ansprüche beiseite legt, kommt dann womöglich aber doch auf seine Kosten - und im Grunde war De Palma eh immer ein Auteur, bei dem stets kaum Vereinbares verquer montiert zusammentraf: Meta-Genrereflexion und Unterhaltungskino, Virtuosität und wirrer B-Movie-Trash, Hitchcock und Bahnhofskino - ein Kino, das das Hollywood-Zentrum immer wieder mit den Obsessionen des Kinos der Peripherie zu neuen Monstren vernähte. [weiterlesen beim perlentaucher]



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Dienstag, 23. April 2013
Am vergangenen Wochenende luden Ralf und Andreas von Vintage Movie Posters und Monstercon zum mittlerweile vierten Monster machen mobil-Festival ins schöne Hamburger Metropolis-Kino und damit zu einem Kino-Wochenende mit alten Trailern, alten Synchros, altem 35mm-Material und vielen netten Menschen, die aus der ganzen Bundesrepublik angereist waren. Im folgenden meine Notizen:

... und vor Lust zu sterben (Roger Vadim, Frankreich/Italien 1960) - Trailer
Ein Technicolor-Gothic-Märchen nach Motiven aus Le Fanus Carmilla, von Roger Vadim virtuos in Szene gesetzt: Teils traumwandlerischer Edel-Sleaze.
Konsequent arbeitet Vadim an der Aufhebung verlässlicher Koordinaten: Da ist die Rahmung durch einen Erzähler, der das, was er erzählt, mangels Zeugenschaft im Grunde gar nicht erzählen kann. Da ist ein zeitgenössisches Setting, in das sich die Vergangenheit geradezu reinsprengt, bis man sich oft aktiv daran erinnern muss, dass der Film im 20. Jahrhundert spielt.
Auch ein Film über Farben im Widerstreit: Da steht das blutrote Auto wie in eine herbstlich-graugrüne Landschaft hineingetupft, da künden nicht minder blutrote Kerzen als dem Bild fremd bleibende Striche wie ein Menetekel von drohender Gefahr - bis schließlich, in einer unfassbar deliranten Traumsequenz, alle übrigen Farben gänzlich aus dem Film weichen und nur saftig strahlendes Rot in den Film schießt und am Ende eine Rose in Händen verwelkt.
Ärgerlich allein: Eine Reihe etwas angestrengt amüsierwilliger Filmfreunde, die sich, trotz hochgradiger Filmkunst, im Mystery Science Theater 3000 wähnten und sich in bravem Pflichterfüllungsgehorsam über die gesamte Strecke des Films zu lautstarken Unterhaltungen aufgefordert sahen.





Flesh Gordon (Michael Benveniste/Howard Ziem, USA 1974) - Trailer
Die große Sexgaudi im Weltall ist im Grunde ein Film, der Sex eigentlich ziemlich hasst. Aus aller demonstrativen Albernheit und Infantilität spricht eigentlich eine sonderbare Lustfeindlichkeit, die sich schon im Plot - Flesh Gordon muss die Erde vor Sexstrahlen vom Planeten Porno retten - ausbuchstabiert, sich aber auch im Bemühen zeigt, den Eros möglichst hässlich aussehen zu lassen. Man fühlt sich mitunter schon auch etwas angeherrscht davon als Publikum: Man soll keine Lust empfinden oder gar kriegen, vielmehr geht es eigentlich bei allem Schangel um eine maximalstmögliche Ablenkung von Geilheit und Erotik.
Was nicht heißen soll, dass der Film im Kino nicht auch Spaß macht und vieles - die Penisaurier z.B. - geradezu entwaffnend hinreißend beknackt ist, auch wenn sich das Geschick des Films, Gags zünden und damit auf sich bewenden zu lassen, durch erstaunliche Abwesenheit bemerkbar macht: Hier wird wirklich alles zu Tode geritten - pun intended.
Sonderbar auch die Unentschlossenheit des Films: Neben Szenen, die fast schon bewusst schlampig und hingerotzt aussehen, stehen etwa die sorgfältigen Stopmotion-Animationen, die zu Ray Harryhausens Meisterstücken nicht gar so sehr auf Distanz gehen wie der restliche Film zur Qualitäts-Science-Fiction.





Astaron - Brut des Schreckens (Luigi Cozzi, Italien 1980) - Trailer
Ungeschriebenes Gesetz der italienischen Horrorfilme späterer Machart: Sie beginnen in New York und enden irgendwo in Exotic County. So auch Astaron, Luigi Cozzis Alien-Ripoff, das an sein fulminantes opus magnum zwar bei weitem nicht heranreicht, mir aber insbesondere in der ersten, quasi der New Yorker Hälfte gut gefiel: Anders als sein Farbeimer-im-Weltall-Experiment Star Crash, das in alle Ecken und Ende gleichzeitig strebt, herrscht hier ein rigoroser, karger, extrem konzentrierter Minimalismus vor : Ganze Szenen wirken wie vor komplett schwarzem Hintergrund gedreht, der Sound bleibt aufs absolute Minimum - Moooooow! - beschränkt. Das verleiht dem Film eine hölzerne Trockenheit von (gerade zum späten Zeitpunkt des Screenings) fast hypnotischer Qualität. Auch ist es nicht völlig uninteressant, wie Cozzi sich darum bemüht, das Figurenensemble des US-Großstadtthrillers und Films Noir in sein SciFi-Setting zu integrieren: Da ist der abgewrackte Profi, der sich im Elend seiner verbauten Biografie suhlt, und dort der agile New Yorker Cop.
Schade, dass der Film mit dem rigiden Ortswechsel viel von seiner Konzentriertheit verliert - und zwar ganz buchstäblich: Plötzlich laufen da minutenlange fill-in-Sequenzen, das zuvor zur Abstraktion neigende Bild wird plötzlich auf (allerdings nicht sonderlich interessante Art) welthaltig und tastet seine neue Location mit der Kamera geradezu ab. Wobei es auch hier schöne Momente gibt: Die Szene im Badezimmer - Hilfe, hier ist ein Ei! - und im direkten Anschluss Siegfried Rauchs (!) großer Auftritt als delirierender Obi Wan Kenobi des Bösen sind psychotronische Goldnuggets, die man allerdings dem ummantelnden Wüstenstaub erst entreißen muss.





King Kong, Frankensteins Sohn (Ishiro Honda, Japan 1967) - Trailer
Ishiro Honda bedient sich großzügig beim originalen King Kong, den er mit einer hübsch pulpigen Schwachsinns-Story aus der James-Bond-Ablage um ein geheimnisvolles "Element X" vermengt. Das eigentliche Spektakel - neben den unfassbar schlechten Zähnen des Bösewichts Dr. Who (!) - ist aber tatsächlich Kongs Antlitz: Selten sah ein großer Affenmann bemitleidenswerter aus als hier. Der Herr des Dschungels reüssiert als der Quasimodo der Fauna mit schräger Physiognomie, der sich den ganzen Film glupschäugig verwahrlost gerne was befehlen lässt und zum Dank in einer alle Herzen brechenden Panorama-Aufnahme allein zurückgelassen wird: Drama des ewigen Masturbanten, dessen Notgeilheit die Kamera im affizierenden Close-Up seines Gesichts zur Belustigung des Publikums verlässlich denunziert.





FBI jagt Phantom (Hugo Grimaldi, USA 1965)
Geschwänzt, stattdessen auf der Sternschanze in Omas Apotheke eine hervorragende Pizza Milano gegessen. Der zuvor bereits gezeigte, reichlich trübe Trailer, dessen Tonspur vollmundig Sensationen verkündete, die schon in den dazu gezeigten Filmausschnitten allein durch spektakuläre Abwesenheit glänzten, sowie ein knurrender Magen ließen diese Entscheidung vernünftig erscheinen.






Die Mühle der versteinerten Frauen (Giorgio Ferroni, Italien 1960) Trailer
Eine Art Wunderkammer des Gothic Horror: Kunst, die aufs Leben übergriffig wird, ein Begehren, das zu Schuld und manischer Raserei führt, eine verkantet-undurchdringliche Architektur, überhaupt eine Welt, in der es kaum ein Außen gibt, sondern immer nur Räume und Türen, die zu neuen Räumen führen, in denen wer weiß welche dunklen Geheimnisse lauern (ein mysteriöser Vorhang, der der weiblichen Scham nachempfunden scheint, ist bedrohlich und verlockend zugleich), ein auf wissenschaftliche Füße gebrachter Vampirismus, bizarr verbrennende Puppen und überhaupt: ein brennendes Haus - ganz bildlicher Niedergang einer ins Bizarre übersteigerten Hybris.
Die etwas ausgebleichte und insbesondere im ersten Akt wegen eines erheblichen Wasserschadens irritierend mit der Ästhetik des materiellen Experimentalfilms flirtende Filmkopie bildete Ferronis dunkel glühende Farben zwar nicht mehr adäquat ab, doch unterstrich diese (zweite) Sichtung meinen Eindruck, dass Die Mühle der versteinerten Frauen zu den besten italienischen Gothic-Horror-Filmen zählt - ein Schauergedicht.





Frankensteins Kung-Fu Monster (Lin Chong-Guang, Taiwan 1975) - Trailer
Schade, ganz so hyperaktiv verstrahlt wie der im letzten Jahr gezeigte, quietschbunte Invasion aus dem Innern der Erde ist dieser Szenenzusammenschnitt einer Fernsehserie leider nicht - auch wenn das wirre Werk auf teils recht vergnügliche Weise Aristoteles und seine Überlegungen zur Geschlossenheit von Zeit und Raum einen guten Mann sein lässt: Mitten im Kampfgetümmel wechseln die Schauplätze, Plotpoints bleiben unterkonturiert und am Ende bereitet ein mächtiger Atompilz dem Treiben ein abruptes Ende. Eigentümlich auch das Zwieverhältnis zwischen ruppiger Hektik samt hyperaktivem Gestikulieren in den kunterbunten Actionszenen und der einschläfernden Bequemlichkeit in den Dialogszenen vor rostroten Treaze-Wohnungseinrichtungen: Grenz-Enz in Taiwan.





Das Grab des Dr. Calligari (Manuel M. Delgado, Mexiko 1958)
Plötzlicher, wenn auch vereinzelter, dafür aber umso lautstarker Jubel im Kinosaal beim Vorspann: "Synchronisation und Dialogregie: Rudolf Lubowksi" steht da für alle Anwesenden überraschend zu lesen - Lubowski, ein noch völlig Unbesungener des deutsches Para-Kinos, dessen Sünde mit Rabatt auf dem Hofbauer-Kongress im vergangenen Dezember verrätselt, fasziniert und begeistert hat (siehe drüben bei Lukas), der nach seiner Karriere beim Film neben einer Robin-Hood-Hörspielreihe auch noch ein völlig delirantes Hörspiel über Kindesmissbrauch sowie später diverse Kinderbücher verfasst hat, zeichnet nun also für die Eindeutschung des mexikanischen Horrorfilms Misterios de la Magia Negra verantwortlich, in dem sich ein verschrobener, der Esoterik verbunden fühlender Professor nicht nur andauernd darum sorgt, dass man ihn loswerden will, sondern mittendrin auch recht abrupt losgeworden wird. "Verschiedenes" an dieser Geschichte ist "oberfaul", gibt der Inspektor zu bedenken, der zugleich der Liebhaber der Professorentochter ist und rätselhafter Weise von der Synchro mit einem etwas sonderbaren spanischen Akzent beschlagen wurde. Erst gegen Ende weist sich des Rätsels Lösung: Eine mit Zaubertinte, in Mexiko natürlich auf spanisch verfasste Nachricht wird dem Publikum in Großaufnahme präsentiert - die im Original stumme Szene wird in der synchronisierten Fassung nun von einem erhellenden "Ah, das ist spanisch, es heißt..." begleitet - und irgendwie muss ja im Vorfeld kenntlich werden, warum Inspektor Raúl des Spanischen mächtig ist.
Auch ansonsten: Schön ins psychotronische spielende Schauderkunst zwischen expressionistischer Lichtsetzung, okkultistischem Firlefanz und Lust am Bizarren. Und mittendrin wie ein stummer Chor: Eine umwerfend großartige Eule, die über weite Strecken lüstern hechelt und einmal, als es der Tür klopft, um die Ecke schaut, was denn da los ist.





Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen (Amando de Ossorio, Spanien 1974) - Trailer
Die reitenden Leichen wechseln zwar das bevorzugte Fortbewegungsmittel, doch sonst ändert sich nichts am bewährten Grundrezept: Junge Leute in klaustrophobischem Setting mit dörrobstgleichen Templerleichen unter zelebrierter Entdeckung der Langsamkeit. Dazu wie gehabt: Bizarre Klangkulisse, das es knarzen und knirschen lässt bis dem Tontechniker die Ohren bluten, und ein Soundtrack, der alle Register vom stöhnenden Kirchenchor bis zur geheimnisvollen Schweineorgel zieht.
Geisterschiff ist sicher nicht der beste Film der Reihe - ganz so harsch wie Christian Keßler würde ich damit allerdings nicht ins Gericht ziehen. Vielleicht liegt es am Effekt von großer Leinwand, leicht ausgetrübter Kopie und Lauflinien: Mir haben die Templer auf hoher See mit ihrem Geknarze und Gestöhne soweit sehr gut gefallen. Man muss den Film vielleicht eher als ambient-artige Klangcollage mit gelegentlich narrativen Einsprengslern betrachten.



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Donnerstag, 4. April 2013
(Eine etwas magere Kinowoche. Daher haben wir uns beim Perlentaucher dazu entschlossen, heute nur eine Aktualität statt wie üblich zwei zu besprechen. Dafür schreibe ich über Ulrich Schamonis tollen Chapeau Claque von 1974, der diese Woche endlich auf DVD erscheint.)



Eigentlich folgerichtig für einen Film, der für sich in Anspruch nimmt, archäologischer Splitter zu sein, dass er auch tatsächlich lange Zeit kaum greifbar war. "Möge dieser Film für Sie so sein wie diese Scherbe für mich", adressiert Regisseur Ulrich Schamoni in der Rolle der Hauptfigur Hanno Giessen ein nicht näher identifiziertes Publikum, "in 1000 oder 10000 Jahren oder überhaupt einer Zeit" und hält dabei mit dem unvergleichlich schiefen, Bös' noch Arg nicht kennenden Ulrich-Schamoni-Grinsen eine im ägyptischen Sand entdeckte Scherbe aus antiken Zeiten hoch. Ein Fragment aus längst vergangenen Zeiten, ephemer und fragil, im Vorbeigehen aufgelesen - Deutungshoheit oder gar repräsentativen Charakter beansprucht es für sich nicht, auch wenn es uns wohl einiges erzählen kann. Wie dieser Film, der bislang ähnlich unaufgehoben im Sand der deutschen Filmgeschichte schlummerte, den man nur bei raren Kinovorführungen oder in Form einer unter Freunden weitergereichten, qualitativ fragwürdigen Fernsehaufnahme aus den 80ern sehen konnte. (...)

Das Fragment, das Übriggebliebene, das Übersehene, Aufgelesene und Aufgehobene, all das ist in der allein auf Schamonis eigene Villa in Berlin-Grunewald beschränkten Welt dieses Films reich vorhanden. Schon Hanno Giessen selbst ist so etwas wie eine Endmoräne großkapitalistischer Unternehmertage, von seinem mit allerlei liebevoll zusammengetragener Curiosae der Alltagskultur aus längst vergangenen Zeiten vollgestelltem Anwesen ganz zu schweigen. [weiterlesen beim perlentaucher]



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Donnerstag, 28. März 2013
Eine Kinoempfehlung:

Das erste Bild: Ein Alpenpanorama - im Hintergrund die weiße Pracht, im Vordergrund, auf einem grauen Plateau, neben einem Haufen dicker Industriekabelrohre eine Frau und ein Mann in traditionellen Kostümen. Beide beginnen mit einem Lied auf die Heimatliebe, die Kamera nähert sich ihnen schleichend aus dem Panorama in die Totale an. Der Wandel der Einstellungsgrößte entbirgt den galligen Gehalt des Bilds: Die Skianlagen im Hintergrund treten deutlicher hervor, man sieht Menschen und Skifahrer auf dem Berg, die Kabelrohre nehmen mehr Raum im Bild ein. Die unberührte Heimat der Berge: Ein Kitschbild im Spielkasten vor den beiden, von dem keine Spur mehr zur faktischen Realität führt, Sache der Sachwaltung von Heimatvereinen und Nostalgikern. [weiterlesen beim perlentaucher]

Hinweis auch auf drei Kommentare des Regisseurs zu drei Bildern aus dem Film, zu finden hier (runterscrollen) bei Revolver.



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Donnerstag, 21. März 2013
Heute in der taz: Ein paar Zeilen zu den Fantasy Filmfest Nights, die derzeit durch Deutschlands Städte touren und am kommenden Wochenende in Berlin Rast einlegen. Mit besonderem Fokus auf Don Coscarellis vielleicht nicht unbedingt gutem, aber doch respektabel absonderlich geratenen John Dies at the End.



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Mittwoch, 20. März 2013
Unsere Mütter, unsere Väter - eine Zumutung zum Preis von 10 Millionen Euro Gebührengeldern. In Prunk und Glorie des Eventfilms wird hier etwas zelebriert, was hinter vieles fällt, was die deutsche Nachkriegsgeschichte sich in Film und Fernsehen an Zugängen zur Geschichte erarbeitet hat. Und die Feuilletons stehen dazu stramm bei Fuß, rufen das nationale Hochamt aus. In der Welt - dafür nun wahrlich kein Link - rät man noch glatt, das Bier kalt zu stellen, so mache Geschichtsaufarbeitung schließlich Spaß. Mutti, bring' doch noch Schnittchen aus der Küche mit, heut' gibt's wieder irgendwas mit Nazis im Fernsehen!


Ein Gruselfilm zwischen Historienbombast, der sich Deutungshoheit und Repräsentationsanspruch erbombt, und Bläterrauschen, ein transmedialer Gruselfilm, der nochmal eindrücklich unterstreicht, dass hierzulande noch immer viel im Argen liegt.

Und nachdem im Großereignis viele brave Deutsche überhaupt erst unter den Strapazen des Russlandfeldzugs zu bösen Deutschen wurden, was ihnen - wie der Film mit allen Mitteln stets zu unterstreichen sich beeilt - deutlich mehr Leid zufügt, als den Menschen, die unter ihnen zu leiden haben, dürfen dann auch im anberaumten Diskussionsevent Schulkinder dem Drehbuchautor brav Bericht erstatten, was ihnen nun klar geworden ist: Nämlich wie sehr die Menschen seinerzeit zu leiden hatten. Wohlgemerkt: Menschen übersetzt sich hier sehr widerstandsfrei in: die braven Wehrmachtssoldaten-Deutschen. Echte Nazis, nun gut, die gibt es hier auch: Sie tanzen gelegentlich geckenhaft durchs Bild, geben Schmiere aus dem Groschenheft, aber "unsere Mütter, unsere Väter" sind sie jedenfalls nicht. Selbst noch die prolligen Wehrmachtssoldaten, die sich nicht direkt wie die Vorhut der ehrbaren Bundesrepublik benehmen, sind im Grunde fast schon bloß kernige Jungs im maskulinistischen Überschwang. Der jüdische Freund aus der Clique, um die es hier geht, hat's zumindest im ersten Teil der Schmonzette ja noch einigermaßen kommod im Vergleich zu den entbehrungsreichen Abenteuern, auf die sich die anderen vier einlassen. Dazu bitte etwas American Beauty-Emo-Musik - ach, schön habt ihr das gemacht.

Sehr gerne hätte ich mit viel Ärger noch einiges mehr dazu geschrieben, gottlob hat aber Ekkehard Knörer diesen Job bereits übernommen. Seinen Darlegungen kann ich mich vollkommen anschließen.


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Mittwoch, 6. März 2013
Wir erinnern uns: Der Zauberer von Oz aus dem gleichnamigen Technicolor-Hollywood-Klassiker (respektive dem Kinderbuchklassiker von L. Frank Baum) war ein Scharlatan, ein Mann des faulen Budenzaubers, der hinter Vorhängen für den maximalen Effekt an Drehrädchen kurbelte, auf Knöpfchen drückte und sich von avancierter Technik sein an sich recht umgängliches Stimmchen böse aufblasen ließ. Der neueste "Oz"-Film - bereits in den 80ern drehte Disney eine Art Sequel, an das sich heute allenfalls von dessen düsterer Atmosphäre traumatisierte Kinder erinnern - erzählt nun die Vorgeschichte: wie der Scharlatan wider Willen zum Helden wurde, im Grunde seines Herzens aber Scharlatan blieb.

Der Beginn erfolgt stilecht in Schwarzweiß mit leichtem Sepia-Stich und im (zumal für einen 3D-Film) beengten 4:3. Wie im "Zauberer von Oz" ist Kansas bildästhetisch als Residuum einer Unzeitgemäßheit gekennzeichnet, zu dem die (auch hier nur im fürchterlichsten Sturm betretbare) Zauberwelt von Oz einen bonbonfarbenen Gegenentwurf bildet - allein aus Technicolor ward Digitaleffekt im Breitbildformat. [weiterlesen beim perlentaucher]



Bonus: The Wonderful Wizard of Oz (1910)


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Mittwoch, 27. Februar 2013
"The Sweeney" ist die Londoner Polizeieinheit fürs Grobe, ein Überfallkommando. Wenn sie zum Zugriff auf den Mob ansetzt, kommt keiner ohne Blessuren davon, am allerwenigsten die Tatverdächtigen: Fäuste, Baseballschläger sausen durch die Luft. Ein Schlägertrupp, bei dem - in Aktion mit dem Gegner - nicht mehr unterscheidbar ist, wer es wie mit Recht und Gesetz hält: Ein Überfall durch ein anderes Verbrechersyndikat sähe kaum anders aus. An der Spitze der Einheit steht der alte, bullige Jack Regan (Ray Winstone), der mit an der Grenze zur Unverständlichkeit gebrummten Satzfetzen, seiner wuchtig physischen Präsenz (einmal aalt er sich dickbewampt auf der Couch, beim Sex ist er animalisch gierig, bei den körperlichen Auseinandersetzungen so knorpelig rüstig wie agil) und der schwarzen Lederjacke selbst aussieht, wie das, was man in Mafiamob-Kreisen "muscle" nennt: Der Mann, der die Straße frei fegt. [weiterlesen beim perlentaucher]



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Sonntag, 24. Februar 2013
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Das erste Bild: Gemalte Kulisse, ein britisches Anwesen, künstlicher Nebel steigt auf. Ein Bild, dessen Künstlichkeit so offenbar ist, dass der Film den sich im Nu einstellenden Spott des Zuschauers bekräftigt und zugleich unterwandert: Eine Art Theatervorhang hebt sich und gibt den Blick frei auf ein Bild, das noch viel grotesker ist. Ein kleiner Hans Clarin vor großer Büste am Klavier und dahinter steht ein Pferd.



Das fröhliche Spiel mit Bildern, doppelten Böden und allerlei anderem herzigen Unsinn setzt sich im weiteren fort, passend zum knobeligen Whodunnit, der rein auf dem Papier dröge hausbacken wirken muss, in den Händen eines Regie-Ekstatikers wie Alfred Vohrer aber zum tollen Spiel mit dem Wahnwitz gerät: Auf einem Anwesen auf einer schottischen Insel winkt das Testament eines verstorbenen Patriarchen, dessen Erben (untereinander buchstäblich reichlich uneins: der eine hat nur reingeheiratet, der andere - Klaus Kinski in der Paraderolle als nervöser Künstler - stammt aus einer Liaison am Rande) nur dann Aussicht auf den Reichtum haben, wenn sie es ein paar Tage und Nächte miteinander aushalten. Schon bald lichten sich die Reihen, mittendrin Heinz Drache als Anwalt und Testamentsvollstrecker, der nun als Ermittler alle Hände voll zu tun hat.

Freilich, als Ermittler taugt er nicht viel. Voreilige Schlussfolgerungen, auf Vorbehalten mutmaßende Einschätzungen und andere Fehlurteile verhelfen dem Film zur vollen Spielzeit. Ungeheure Freude macht er deshalb vor allem auf rein visueller Ebene: Vohrer, als Spezialist fürs moderat Durchgeknallte, hebt dem onkeligen Treiben viel bösen Scherz und - Vohrer war schwul - einen Hauch queeren Witz unter (und wenn es nur die vielsagende Schweigesekunde auf die Frage ist, wie es denn sein könne, dass zwei Männer einander in der Sauna begegnen ohne miteinander ein Wort zu wechseln). So steht hier zweierlei gegenüber: Ein Plot auf dem Papier, dem folgen kann, wer will, und ein wunderbarer Bilder- und Montagereigen, der sich, wo er sich von den Lettern weit entfernt, ganz und gar als Film versteht.



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