Satz des Tages: "Mit Wirkung zum 06. September 2011 hat die 31. große Strafkammer des Landgericht Frankfurt am Main die allgemeine Beschlagnahme von Texas Chainsaw Massacre aufgehoben."

Turbine Medien haben nach drei Jahren geschafft, was kaum einer mehr für möglich gehalten hat: Texas Chain Saw Massacre, für mich einer der ganz zentralen Filme des amerikanischen Kinos der 70er Jahre, ist hierzulande nicht mehr staatsanwaltschaftlich beschlagnahmt. Damit sollte auch einem Bundesprüfstellenantrag auf Streichung aus der Liste der indizierten Medien nichts mehr im Wege stehen - und die Bundesprüfstelle hatte ohnedies schon sachte durchblicken lassen, dass sie ihrerseits den Film auf dem Index mittlerweile für deplatziert hält. Am Ende landet der Genreklassiker womöglich doch noch mit einer adäquaten 16er-Freigabe im Kaufhaus - und einer der skandalösesten Fälle von deutscher Filmzensur wäre endlich vom Tisch.

Leatherface jubelt:

thgroh, 12. September 2011 ~ 0 Kommentare ~ comment ~ Kinokultur ~ link



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(via) Senses of Cinema, eines der verlässlichsten, langlebigsten und besten cinephilen Onlinejournale braucht dringend DEINE (und DEINE und DEINE...) Unterstützung. Derzeit läuft ein Crowdfunding an dieser Stelle. Jeder, der Interesse an einer lebendigen, kompetenten Auseinandersetzung mit Film im Netz, sollte eine Spende erwägen. Wer sich nicht sicher sein sollte, warum eine Spende in dieser Angelegenheit wichtig ist, ist herzlich dazu eingeladen, in den Archiven des Journals zu wühlen und zu stöbern - der Rest kommt dann von ganz alleine.

Und zweite, zentrale Säule der Unterstützung: Reicht diesen Aufruf weiter an alle, die es interessieren könnte - per Mail, in Eurem Blog, bei Twitter, Facebook, überall.

thgroh, 08. September 2011 ~ 0 Kommentare ~ comment ~ Kinokultur ~ link



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Ich frage mich gerade, ob Ulrich Köhlers Schlafkrankheit, der nach dem Berlinale-Erfolg im Februar nun auch regulär ins Kino gekommen und unbedingt zu empfehlen ist, über die in Kritiken zum Film schon häufiger angeführten Korrespondenzen zum Kino von Apichatpong Weerasethakul hinaus nicht auch eine zu Dennis Hoppers ruhmhaft gescheitertem Last Movie unterhält. Ein wenig Googelei hat diesbezüglich jedenfalls noch nichts ans Tageslicht gebracht, deshalb will ich hier nur ein paar Spurenhinweise legen, die vielleicht/hoffentlich aufgegriffen werden.

Zum einen gibt es da die persönliche Wertschätzung: Vor wenigen Jahren präsentierte Köhler Hoppers Film im Kino Arsenal zu Berlin (wo ich den kaum sichtbaren Film gesehen habe) im Rahmen der Reihe "Kreativität, Film, Ökonomie", die ein von Köhler an der dffb gegebenes Seminar flankierte, von ihm zusammengestellt und in zwei Fällen - einer davon Hoppers Film - von Köhler persönlich in einer Einführung kommentiert wurde.

Gelegentlich angesprochen wurde auch schon die frappierende Ähnlichkeit, die Köhlers Hauptdarsteller Pierre Bokma in diesem Film mit Köhler selbst aufweist und als biografische Spur verstanden wird: Köhler verbrachte einige Jahre seiner Kindheit in Afrika in direkter Tuchfühlung zum Alltag der Entwicklungshilfe. Dass Bokma in diesem Film aber auch mitunter ähnlich frappierend dem Dennis Hopper zu New-Hollywood-Zeiten ähnelt, scheint bislang noch unkommentiert.

Schließlich handelt The Last Movie, ähnlich wie Schlafkrankheit, vom Versinken und Abtauchen in eine nicht profund fremde, aber, vom Zentrum des eigenen Lebensmittelpunkt betrachteten, peripheren Kultur, in der der für die westliche Kultur zentrale Antagonismus zwischen Zivilisation und Natur, zwischen Mythos und Ratio nicht vollständig etabliert ist. Bei Hopper verliert sich ein Stuntman in Peru, bei Köhler ein Entwicklungshelfer in Afrika. Beide verweigern die Rückkehr, beide nehmen sich in der zum neuen Lebensmittelpunkt gewordenen Umgebung eine neue Frau.

Schlussendlich handelt Schlafkrankheit womöglich auch von den Produktionsumständen von Hoppers Last Movie. Im Zuge des Erfolgs von Easy Rider hatte Hopper carte blanche für seine Dreharbeiten in Peru: Ein Geldstrom aus dem Zentrum Hollywoods ins periphere Peru, wo Hopper - wie man es dem Endresultat abspürt, wie man es aber auch in der Dokumentation American Dreamer sehen kann - im zerrüttenden Chaos zu versinken droht und nach kiloweise geschossenem Material schon längst nicht mehr Herr der Lage ist. Im zweiten Teil von Köhlers Schlafkrankheit macht sich ein Doktor aus Frankreich auf nach Afrika, um dort die Grundlagen für Bokmas Entwicklungshilfenprojekt zu evaluieren und um gegebenenfalls den Geldhahn zuzudrehen. Bokmas Figur ist persönlich zerrüttet und enorm erratisch in seinem Verhalten - wie sich herausstellt entbehrt das Projekt mittlerweile tatsächlich jeder Grundlage und dient lediglich der Abschöpfung von Geldmitteln.

Das alles sind jedoch, wie oben geschrieben, nur Spuren, die sich womöglich als haltlos herausstellen können. Falls nicht, wäre ich jedoch an ihrer Konkretisierung enorm interessiert.

thgroh, 02. Juli 2011 ~ 2 Kommentare ~ comment ~ Kinokultur ~ link



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Morgen läuft Das Rote Zimmer von Rudolf Thome an - ein schöner, sehr empfehlenswerter Film. "Das Rote Zimmer ist "ein sanftes, sommerlich entrücktes, von süßer Musik sacht aus dem Hintergrund umspieltes Kinowunder mit wunderbar lakonischem Witz, in dem sich nie erahnen lässt, was einen - buchstäblich - hinter der nächsten Tür erwartet, was in den nächsten zwei Minuten Spielzeit geschieht.", schreibe ich im Perlentaucher (und muss mich glatt korrigieren, denn die im nächsten Satz so benannte "Brandenburgische Aphrodite" wäre natürlich eine Vorpommerische).

Der Film läuft deutschlandweit nur in recht wenigen Kinos. Facebook hält einen hier auf dem Laufenden - oder man verfolgt Thomes Blog mit Hinweisen. Man ist gut beraten, die Möglichkeit zu nutzen, so sie sich denn bietet.

In Berlin bietet sich eine weitere Möglichkeit: Das Kino Tilsiter Lichtspiele veranstaltet zum Kinostart von Das Rote Zimmer eine Werkschau mit 13 Filmen des Regisseurs aus allen Schaffensphasen. Am 15. Januar ist Thome zum Publikumsgespräch anwesend. Das Kino gehört zu den sympathischsten der Stadt, das vor allem auf Basis von viel Herzblut funktioniert und darüber hinaus eine absolut sozialverträgliche Preispolitik vertritt.



thgroh, 12. Januar 2011 ~ 3 Kommentare ~ comment ~ Kinokultur ~ link



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Im vergangenen Jahr gefielen mir sehr gut:

Neu im Kino/DVD/TV
Amer (Fantasy Filmfest)
Caterpillar (Berlinale)
Der Räuber
Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans (den ich allerdings schon 2009 gesehen hatte)
The Last Exorcism
Im Angesicht des Verbrechens
Mad Men Season 4
Tatort: Nie wieder frei sein
Buried - Lebend begraben
Villa Amalia

Außer Konkurrenz, da Kinostart erst am 13.01.2011: Das Rote Zimmer (Thome)

Lobende Erwähnungen: Mary & Max, Still Walking, The Kids Are Alright, The Social Network, Gentlemen Broncos, Youth in Revolt, Wir sind die Nacht, Paranormal Activity, Harry Brown, Robin Hood

Entdeckungen im Kuriositätenkabinett:
Messiah of Evil (Willard Huyck)
The Diabolical Dr. Z (Jess Franco)
The Manitou (William Girdler)

Enttäuschung des Jahres: Enter the Void

Müllhaufen: Immer Drama um Tamara, Predators, Kampf der Titanen, The Tourist

thgroh, 01. Januar 2011 ~ 8 Kommentare ~ comment ~ Kinokultur ~ link



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Nebenan bei Überbau habe ich Wolfgang Bülds Reaktion auf Klaus Lemkes kürzlich vorgelegtes Manifest dokumentiert.

Recht spannend, dass jemand wie Büld, der ebenfalls in einiger Distanz zu den Fördertöpfen ans Werk geht und Lemke eigentlich recht nahe steht, auf Lemkes markiges ("NO PAIN, NO SPAIN!") Plädoyer für die Abschaffung der Filmförderung eher abwägend reagiert.

thgroh, 10. November 2010 ~ 0 Kommentare ~ comment ~ Kinokultur ~ link



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In Berlin gibt es seit heute eine bevorzugte Postanschrift für Cinephile: Der in Charlottenburg gelegene, einstmals so benannte Holtzendorffplatz ist nun als Kracauerplatz ausgewiesen. Der nicht berücksichtigte Vorname hat seinen Grund: Der Platz ist sowohl dem Filmtheoretiker Siegfried als auch seiner Gattin Lili zugeeignet.

Einige Zeilen dazu schreibt Arno Frank in der taz, bei Cargo steuert Simon Rothöhler Impressionen und Kommentare bei.

Mich freut die Umbenennung ganz außerordentlich, da Kracauer einer meiner Lieblingstheoretiker ist (womit ich mich explizit auf seine feuilletonische Phase vor dem 2. Weltkrieg beziehen möchte, die im Exil geschriebenen Bücher sind für mich eher nur von filmtheoriehistorischem Interesse), dessen Feuilletons und Essays (die jenseits des Filmjournalismus ganz explizit mitinbegriffen) auch heute noch - mitunter auch als Wegbahnungen für Benjamins Kunstwerkaufsatz - höchst lesenswert sind.

thgroh, 10. Juni 2010 ~ 0 Kommentare ~ comment ~ Kinokultur ~ link



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Fabian vom aufsmaulsuppe-blog (btw.: neue URL!) hat mit Genehmigung von Ulrich Gregor dessen oben genannten Text aus dem Jahr 1971 online gestellt und ruft zur Diskussion auf. Fabian will diese Verfügbarmachung auch ausdrücklich im Zusammenhang mit Lukas Foersters Kritik an der Neugestaltung der "Magical History Tour" des Kino Arsenal (an dessen Begründung Ulrich Gregor seinerzeit maßgeblich beteiligt war) verstanden wissen.

thgroh, 29. April 2010 ~ 0 Kommentare ~ comment ~ Kinokultur ~ link



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Auf YouTube scheint sich gerade so etwas wie ein eigenes Genre für den cinephilen Jahresrückblick zu etablieren: Leute montieren aus dem Material ihres Filmjahrs eine Art essayistische Rückschau.

Ein Vorreiter ist Matt Shapiro, dessen gerade hochgeladene Rückschau 2009 hier eingebettet ist. Bereits seit 2006 - da war er gerade 14! - nimmt sich der junge Cutter jährlich Zeit für solche Rückblicke. Bei den Informationen zum aktuellen Beitrag findet sich wiederum eine kommentierte Rückschau der Rückschauen mit Links zu den einzelnen Videos. Vor dem Hintergrund seines Alters ist es famos zu betrachten, welches hohe dramaturgische Gespür für relationale Bewegungsabläufe (von Kamera zu Gegenstand, von Schnippsel zu Schnippsel, innerhalb von Bewegungstypologien) Shapiro bereits an den Tag legt. Dass sich das sehr an funktionaler Handwerksmontage orientiert, mag man dabei für einen kurzen Moment vergessen.



Dazu als Epigone verhält sich Kees van Dijkhuizen (YouTube-Channel), über den ich auf dieses (Mini-)Phänomen überhaupt erst aufmerksam wurde. Auf seine Rückschau trifft man gerade an vielen Kanälen und Schleusen des Web. Daraus folgt das etwas absurde Ergebnis, dass auf sein Video (das in der internen YouTube-Netzstruktur als Videoantwort auf Matt Shapiros Arbeite gekennzeichnet ist) in den vergangenen Tagen im ansehnlichen sechsstelligen Bereich zugegriffen wurde, wohingegen Shapiros Arbeit noch keine 2000 Zugriffe vorzuweisen hat.



Wenn diese Form des Jahresrückblicks - oder der obligatorischen Jahresbestenliste - sich gerade auf dem besten Weg in ihre Klassik befindet, dann dürfte es spannend zu beobachten sein, welche Ausformungen auf diese folgen werden.

Nachtrag: Siehe z.B. auch Jim Emerson:

jim's favorite movies of 2009: the movie from Jim Emerson on Vimeo.

thgroh, 02. Januar 2010 ~ 0 Kommentare ~ comment ~ Kinokultur ~ link



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Unter Vorbehalt mein Jahresbeschluss 2009. Womöglich tut sich die Tage da noch etwas, einige Kandidaten liegen hier jedenfalls zur Sichtung bereit. Wie immer: Keinerlei interne Reihenfolge, nur Erstsichtungen und viel zu vieles verpasst.

Kurz vor dem Jahreswechsel noch zwei Updates: Zum einen hatte ich, warum auch immer, Bad Lieutenant vergessen. Zum anderen habe ich gerade Adventureland gesehen. Update2: Ach, und Edmond hatte ich ja auch in diesem Jahr gesehen.

Große Leinwand
. Inglourious Basterds (Quentin Tarantino)
. Public Enemies (Michael Mann)
. Jerichow (Christian Petzold)
. Love Exposure (Shion Sono)
. Soul Power (Jeffrey Levy-Hinte)
. Ramses (Romuald Karmakar; Segment in Deutschland 09)
. Der Weg, den wir nicht zusammen gehen (Dominik Graf; Segment in Deutschland 09)
. Pink (Rudolf Thome)
. Hunger (Steve McQueen)
. Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans (Werner Herzog)
. Adventureland (Greg Mottola)

Lobende Erwähnungen
. Gran Torino (Clint Eastwood)
. Kommissar Süden und der Luftgitarrist (Dominik Graf)
. The Wrestler (Darren Aronofsky)
. Shopping Center King (Jody Hill)
. Absolute Evil (Uli Lommel)
. Beast Stalkers (Dante Lam)
. Zum Vergleich (Harun Farocki)
. Los Cronocrimenes (Nacho Vigalondo)
. JCVD (Mabrouk El Mechri)
. Beeswax (Andrew Bujalski)
. Der Knochenmann (Wolfgang Murnberger)
. Séance (Christoph Hochhäusler; Segment in Deutschland 09)

Großes Fernsehen
. Mad Men Season 1 und 2
. Dexter Season 2
. How I Met Your Mother - Season 1-4
. Lost Season 5
. Family Guy: Road to the Multiverse (Episode)

Positiv überrascht
. Burn after Reading (Coen Bros.)
:: durchwachsene Kritiken, doch erstaunlich unterhaltsam
. The International (Tom Tykwer)
:: viel besser als erwartet, schöner Thriller.
. Terminator 4 (McG)
:: Genrekino, simple as that.
. Trick'rTreat
:: schickes Halloween-Movie
. Dark Country (Thomas Jane)
:: Detour auf dem Lost Highway

Backkatalog
. Night of the Demon (Jacques Tourneur)
. Detour (Edgar G. Ulmer)
. Eaten Alive (Tobe Hopper)
. Schwitzkasten (John Cook)
. Vase de Noces (Thiérry Zeno)
. Der Mafiaboss - Sie töten wie Schakale (Fernando di Leo)
. Sedmikrásky (Vera Chytilová)
. The Bed Sitting Room (Richard Lester)
. Edmond (Stuart Gordon)

Enttäuschungen
. District 9 (Neill Blomkamp)
. Star Trek (J.J. Abrams)
. Die wundersame Welt der Waschkraft (H.-C. Schmid)
. Brüno (Larry Charles)
. Dexter Season 3 (nach der tollen Season 2 irritiert Season 3 durch erschreckende Orientierungslosigkeit)
. True Blood (nicht schlecht, doch wesentl. mehr erwartet)
. House of the Devil (nicht schlecht, doch wesentl. mehr erwartet)

Mistgabeln & Scheiterhaufen
. Chéri (Stephen Frears)
. Mammoth (Lukas Moodysson)
. Der Vorleser (Stephen Daldry)
. Der seltsame Fall des Benjamin Button (David Fincher)
. Transformers 2 (Michael Bay)
. zahlreiche Segmente in Deutschland 09

thgroh, 28. Dezember 2009 ~ 4 Kommentare ~ comment ~ Kinokultur ~ link



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