Mittwoch, 24. September 2014
Thema: radio
Wer mag schon seine eigene, auf Tonband aufgenommene Stimme gerne hören? Wohl kaum jemand, also auch ich nicht. Deshalb habe ich die Einladung von Frédéric Jaeger und Lukas Foerster, mich gemeinsam mit Ekkehard Knörer mit ihnen beim "Critic's Roundtable" (powered by critic.de) über Christian Petzolds (meisterlichen) Phoenix, über Jonathan Glazers (nicht minder meisterlichen) Under the Skin (über den ich hier und hier schreibe) und über die (nicht ganz so meisterliche) Kinosituation in Deutschland zu unterhalten, dankend angenommen. Das Gespräch kann man hier anhören. Ich hoffe, es ist nicht allzu blamabel geraten und vertraue auf Frédérics Fähigkeiten, ääähs und öööhs sowie nervöse Lacher herauszuschneiden.

Und warum Phoenix so ein toller Film geworden ist, kann man bei Lukas auch nachlesen.



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Sonntag, 24. November 2013
Thema: radio
Gestern wurde der große Filmanarchist Herbert Achternbusch 75. Beim Bayerischen Rundfunk gab es dazu ein Radiofeature (Edit: Wohl eher ein Gespräch), das ich allerdings noch nicht gehört habe. Hier deshalb nur durchgereicht:

(direktlink)

... und natürlich: Szenen aus dem Bierkampf (wo bleibt die DVD?)



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Sonntag, 30. Juni 2013
Thema: radio
"... dann haben sie keine Ahnung vom Theater." Das Ende einer Darlegung in der für mich bislang denkwürdigsten, am meisten von offener Feindschaft geprägten Pressekonferenz, die ich je erlebt habe. Schon ich im Raum fühlte mich allein unter Feinden, wie mag sich erst der Mann gefühlt haben, der vorne auf dem Podium saß und diese richtigen Worte gerade aussprach? Berlinale 2004, Pressekonferenz zu Die Nacht singt ihre Lieder, der zuvor im Berlinale Palast von einer amüsementbeschwippsten Journaille hässlich ausgebuht wurde. Romuald Karmakar verteidigt auf dem Podium seinen Film, messerscharf und dennoch ruhig. Man spürt, wie es hinter dieser Lakonie rumort.

Die Sätze - und vieles mehr - kann man in diesem Radiofeature von Aishe Malekshahi über Romuald Karmakar nachhören. Porträt eines Filmemachers, der in diesem Land als Regisseur vielleicht auch deshalb verschüttet zu werden droht, weil er sich auf unkorrumpierbare Weise damit auseinandersetzt, auch dort wo und bis es wehtut. Hörenswert.



» direktlink


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Sonntag, 9. Juni 2013
Thema: radio
Ein Radiofeature über Bruno S.:



» Direktlink: Bruno S.: "Als ich Mensch wurde, musste ich sterben
2010 fand man Bruno S. in seiner Berliner Wohnung tot am Flügel sitzend. Er war 68 Jahre alt, hatte seinen Nachnamen halbwegs erfolgreich geheim gehalten und galt als "unbekannter Soldat des deutschen Films". So nannte ihn sein Entdecker, der Regisseur Werner Herzog. Musikinstrumente waren für Bruno S. Freunde und Familie. 23 Jahre verbrachte er in Heimen und sogenannten Besserungsanstalten, darunter die berüchtigten Wittenauer Heimstätten, wo während des Nationalsozialismus vermeintlich geistesschwache Kinder Opfer ärztlicher "Experimente" wurden. Erst 1956 "geht der Bruno in Freiheit", wird Gabelstaplerfahrer und zieht als Moritatensänger über Berlins Hinterhöfe. Seine Tiefe und Tragik beeindrucken Werner Herzog, der ihn für die Rolle des "Kaspar Hauser" engagiert. Sie gewinnen die "Goldene Palme" in Cannes. Doch den Menschen traute Bruno lange Zeit "nur soweit, wie ein Schwein scheißen tut!"
Siehe auch diese schöne Reportage aus der New York Times, die kurz vor Brunos Tod entstand.



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Freitag, 3. Mai 2013
Thema: radio
Ein Radiofeature über Hans Jürgen Syberberg von Markus Metz und Georg Seeßlen:
"Das Leiden gehört dazu." - Der Inszenierungskünstler Hans Jürgen Syberberg

Hans Jürgen Syberberg ist ein Solitär in der deutschen Filmgeschichte. So weit entfernt vom alten deutschen Film und seinen Genres, war er doch auch nie wirklich ein Regisseur des "Neuen Deutschen Films". Und während er alle kommerziellen Überlegungen verachtet, gehört er doch zu den Regisseuren, die einen erheblichen Anspruch an die Produktion stellen. Sein Material ist weniger die Filmgeschichte als die klassische bürgerliche deutsche Bildung: Literatur, Oper, Bildende Kunst.

Für Syberberg ist das Kino eine große Passion und sein Ziel ist eine Form des "Gesamtkunstwerks". Er hat sich stets mit deutschem Mythos und deutschen Tabu-Themen auseinandergesetzt: Karl May, Hitler, Wagner, Kleist oder Ludwig II. Gelegentlich sind seine Äußerungen (und zum Teil auch seine Arbeiten) der Nähe zur "Neuen Rechten" bezichtigt worden, Konflikte mit der Presse und mit den Kollegen gehörten eine Zeit lang zur Karriere des Hans Jürgen Syberberg. Auf der anderen Seite aber ist seine Arbeit immer auch in gewissem Sinne revolutionär. Er hat die Sprache des Films erweitert und gezeigt, wie man Grenzen der Genres, der Formate und der Aufführungspraxis überwindet. Und als einer der ersten deutschen Filmemacher hat er seine Arbeit ausgedehnt auf das Theater und in den Bereich der Bildenden Kunst.


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Montag, 29. April 2013
Thema: radio
Das gestern auf Deutschlandfunk ausgestrahlte Radiofeature gibt es jetzt auch als Download beim Sender.
Klänge des Grauens

Musik und Geräuschen wird nachgesagt, die Seele des Horrorfilms zu sein. Durch sie erscheinen Leinwandängste noch grausamer und furchteinflößender. Dissonanzen, Atonalität und klangliche Experimentierfreude sind die Markenzeichen des Horrorsounds, der sich nicht an konventionellen Hörerwartungen orientiert.

Das Fremde und Unheimliche widersetzt sich gängigen Normen und klingt anders. Komponisten suchen es in elektronischen Sounds, vermeintlich unschuldigen Kinderliedern, geistlichen Chorälen, plötzlich und laut einsetzender Musik oder seltsamen Geräuschen, die ein Gefühl von Bedrohung und Terror auslösen können.

Die Akustik des Grauens macht die Materialität des Messers spürbar, sie signalisiert die Anwesenheit von Gespenstern oder öffnet den Weg in das Unterbewusste des Psychopathen. Sie schockiert und traumatisiert, verstört und verunsichert. Sie hat dämonische Qualität und nimmt Besitz vom Zuschauer. Man kann sich ihr nicht entziehen.


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Samstag, 2. März 2013
Thema: radio
Das gestern angekündigte Radiofeature über Dominik Graf kann man sich jetzt im Podcast des Bayerischen Rundfunks runterladen:
Der Filmemacher Dominik Graf


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Freitag, 1. März 2013
Thema: radio
(via) Hinweis auf eine Radiosendung: Morgen um 08:05 und am Sonntagabend um 20:05 sendet Bayern2 ein knapp einstündiges Feature von Moritz Holfelder über Dominik Graf. Die Sendung dürfte anschließend wohl im Podcast der Sendereihe abrufbar sein. Der Programmtext:
Dominik Graf arbeitet sich an Deutschland ab. Er macht Filme über seine Heimat. Über Schiller, Goethe und Brentano. Aber er geht auch dorthin, wohin kaum ein anderer Regisseur geht: Er erzählt vom Aufstieg und Fall eines Zuhälters. Er wagt sich ins Milieu der russischen Mafia in Berlin. Er ermittelt in Sachen Mädchenhandel im oberfränkischen Hof. Egal ob Provinz oder Großstadt – immer ist da ein profundes Interesse an Lebenswirklichkeiten, die ein ganz anderes Land repräsentieren als das, welches wir sonst aus dem Kino oder dem Fernsehen kennen. Der 1952 in München geborene Filmemacher und vielfache Grimme-Preisträger erzählt leidenschaftlich von Verbrechen und Städten, genauer gesagt: von Orten und Tatorten.
Dominik Graf macht ein Kino der Selbsterforschung – darüber, wie einsam und dabei entschlossen Menschen bisweilen sind. Er entwickelt eine große Neugierde auf den Einzelnen und bezieht immer das gesellschaftliche Umfeld und die gebaute Umgebung mit ein. In seinem im Jahr 2000 gedrehten Filmessay "München – Die Geheimnisse einer Stadt" heißt es zu Beginn: "Dies ist München, aber es könnte auch jede andere Stadt sein, die groß genug ist zu zeigen, wie die Lebensgeschichte jedes Einzelnen verstrickt ist in die Geschichte eines Ortes, wie sich das Persönliche und das Anonyme dort ineinanderschieben und ergänzen. Ob man will oder nicht, so trägt jeder seine eigene innere Stadt in sich, und wie bei einem Baum würde ein Schnitt Altersringe sichtbar machen, die sozusagen abbilden, wie die Stadt in uns allen wächst oder andersherum: wie man selbst in die Stadt hineinwächst."
Moritz Holfelder begibt sich in seinem Feuilleton "Rotlicht und andere Bezirke" gemeinsam mit Dominik Graf auf die Suche nach den Biografien von Menschen und Städten, an Orte, denen ihr Geheimnis erst entlockt werden muss.


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Freitag, 15. Februar 2013
Thema: radio


Michael Baute wies Anfang Februar auf dieses Radiofeature von Werner Dütsch hin. Beim Deutschlandfunk kann man es mittlerweile herunterladen:
» Kindermord und Ordnungswahn. Fritz Langs erster Tonfilm M.

In 'M' lässt Fritz Lang 1931 eine Stadt einen Kindermörder suchen. Er interessiert sich dabei ganz und gar nicht für die Mordtaten und auch sein Umgang mit Kindern ist völlig unsentimental. Ihn interessiert das Echo: Wie erfährt die Öffentlichkeit überhaupt davon?

Warum nutzt der mutmaßliche Mörder die Presse und warum empört das die Politik so heftig? Was ist das für eine öffentliche Aufmerksamkeit aus Stammtisch, Verdächtigung, Denunziation und Lynchjustiz? Welche Strategien verfolgt die Polizei und warum sind diese den Aktivitäten der Halb- und Unterwelt zum Verwechseln ähnlich?

Gern hat man in "M" eine Vorahnung des Naziterrors gesehen und in dem Buchstaben M auf der Schulter von Peter Lorre den zukünftigen Judenstern: riskante Interpretationen. Verblüffend sind aber in "M" die Diskussion um die Behandlung eines Triebtäters, die Vorführung zukunftsweisender Kontroll- und Überwachungssysteme, die kühle Präzision, mit der Lang die Entstehung kollektiver Hysterie vorführt, die Produktion dessen, was man heute einen Hype nennt.

Fritz Lang lässt Töne und Bilder einander widersprechen, stiftet produktive Missverständnisse, lässt provozierende Ähnlichkeiten aufscheinen, scheut weder Horror noch Kalauer, legt falsche Fährten - in einem Film über mörderische Lust und bedrohlichen Ordnungswahn.


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Montag, 16. Juli 2012
Thema: radio
Die 19. Folge vom Podcast El Diabolik ist seit wenigen Tagen online und wieder ein Füllhorn kompetent kommentierter psychotronischer Soundtracks. Hier die Tracklist und hier die Coversleeves. Der Youtube-Channel ergänzt den Podcast schließlich noch um eine visuelle Komponente.



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lol