Donnerstag, 18. Dezember 2003
17.12.2003, Heimkino

Im Kino damals konnte ich bisweilen herzlich auflachen, die erneute Sichtung unter Heimkinobedingungen gestaltete sich dann aber doch beinahe als Geduldsprobe. Gewiss, das Thema ist reizvoll und seine Umsetzung erfrischend unbekümmert. Aber irgendwie schleppt man sich doch sehr, bis man zu jenen schwarzhumorigen Momenten kommt, die dann, weil man sie ja eben doch schon kennt, höchstens noch das Schmunzeln des Wiedererkennens und Erinnerns hervorrufen. Und das ist irgendwie das Traurige an diesem Film, dass man da Zeuge wird, wie er sich - trotz damaligen Titelbilds auf dem Filmdienst - langsam, aber sicher aus der Wahrnehmung und der Filmgeschichte verabschiedet. Das macht beinahe schon etwas böse, dass ein zwar sichtlich ambitionierter Filmemacher dann doch nicht mit genügend Ehrgeiz an seinen Film herangeht, um ihm ein kleines Quentchen Zeitlosigkeit zu verleihen. Und das übel versöhnliche Ende stieß mir schon damals im Kino etwas auf, jetzt scheint es den vorangegangen Film noch auf der Zielgeraden desavouieren zu wollen.

Immerhin: Da doch alles noch recht gut in Erinnerung war, konnte sich auf die für einen Arthaus-Film doch ungewöhnlich dynamische Kameraarbeit konzentriert werden. Kaum eine Szene, die als Totale gefilmt wäre, in der von vorneherein alles klar ist. Immer ist die Kamera in Bewegung, umkreist die Darsteller, ergänzt am Rande die Bildinformationen. Schade indes, dass es Premiere vorzieht, solche Arbeit mit zweifelhaftem Drang zum Vollbild zunichte zu machen: Rechts und links wird das Widescreenbild einfach abgeschnitten, was bereits im Vorspann, wenn nur die halben Einblendungen zu sehen sind, mißmutig stimmt. Vielleicht lag's dann eben doch nur daran: Dass man von vorneherein wusste, eh nur zwei Drittel des Films zu Gesicht zu bekommen. Unbegreiflich, wie willfährig man - neben Zensur,schlechten Synchronisationen oder generellen Unterschlagungen - noch immer mit Filmen umgeht.

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"Schließe die Augen, und was du siehst, gehört dir!", schreibt Susan Vahabzadeh über Solaris. Vielleicht ist es ja wirklich kein Zufall, dass der mysteriöse Plasmaplanet in Soderberghs Adaption des Lem'schen Gedankenexperiments so aussieht wie jenes Spiel aus Farben und Formen, das hinter verschlossenen Lidern nach dem langen Blick ins Helle stattfindet und von dem sich auch Hermann Hesse in seinen Büchern dereinst immer wieder fasziniert zeigte. Wie auch immer: Das liest sich gut, wie auch die übrigen Dankdarbietungen heute, in der Süddeutschen Zeitung. Dort lassen deren Filmkritiker das (noch nicht ganz) vergangene Kinojahr Revue passieren. Erfreulich ist (nicht, weil ich gerne küngele, sondern eher, weil es schön ist, in Jahresrückblicken sich mit dem Autor an ähnlich enthustiatisch stimmende Kinoerlebnisse zu erinnern): Dem meisten lässt sich ohne weiteres zustimmen. Und dort, wo man das nicht kann, kann man sich zumindest rausreden, den Film nicht gesehen zu haben. Und wenngleich sehr kritisch gegenüber Jet Lis jüngstem Schaffen in den Vereinigten Staaten, komme ich nicht umhin, mich nun auch für Born 2 Kill zu interessieren. Die führt da doch glatt Roger Corman an und ein Herz für B-Movies diesen Schlags habe ich doch allemal!


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