Donnerstag, 19. Februar 2004
Ein ganz und gar ehrgeiziges Projekt hat sich der Autor Rudolf Ramge vorgenommen: Nichts weniger als eine Chronik des Horrorfilms, so umfassend wie möglich, verschwenderisch in der Ausformulierung von Details. Mehrere tausend Seiten sind angepeilt. Ein Projekt also, das keinem Verlag anzubieten wäre. Ergo: Ein Internet-Projekt.

Das Schöne: Man darf am work in progress teilhaben. Hier auf der Website des Autors kann man sich regelmäßig Updates und/oder den aktualisierten Stand der Dinge runterladen. Stolze 450 Seiten sind es schon geworden, als pdf auch schick gestaltet. Weit ist man dennoch nicht gekommen: Gerade mal das Jahr 1929 wurde angerissen, noch nicht mal James Whales Frankenstein war da gedreht. Allein dies sollte schon eine ungefähre Ahnung vermitteln, welche Ausmaße dieses Projekt eines Tages mal angenommen hat, sollte es, was der Autor nicht unbedingt verspricht, fertig gestellt werden.

Ein schönes Projekt. Regelmäßiges Vorbeischauen wird dringend empfohlen. Weiterschreiben sowieso.


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Thema: Hoerkino
Bei ausgedehnten Streifzügen durchs Internet lasse ich mir meine Gehörgänge gerne von elektro-minimalistischem Geklicker und Geklacker umschmeicheln. Als wahre Fundgrube dahingehend hat sich http://www.subsource.de entpuppt, ein Web-Label mit Dutzenden von stream- und downloadbaren Releases und DJ-Sets. Zum Teil wunderschönste Klangwelten. Empfohlen wird Zen Sauvage.


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Gerade überlegt, ob ich nicht auch ein paar kluge Worte zu einer unsäglichen Kampagne einer größeren deutschen Boulevardzeitung gegen eine Schauspielerin in den letzten Tagen schreiben soll. Dann aber doch zu dem Schluss gekommen, dass manche Dinge es so offensichtlich nicht wert sind, dass man sie auch noch großartig kommentiert, weil sie von so einer unfassbar bornierten Dummheit ihrer Urheber zeugen, dass man sie am besten lediglich mit Ignoranz bedenkt. Alles andere wertet diesen kindischen wie unerheblichen Sermon nur mit an sich nicht vorhandener Relevanz auf.


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Thema: TV-Tipps
Im Tokyo der späten 90er sorgt eine Kette von Beinahe-Morden für Aufsehen: Zahlreiche Personen werden von einem jungen Mann mit dicker Brille mit einer Waffe bedroht, es wird auch geschossen, doch die Kugel trifft nie ihr Ziel. Schnell ist ein Name für den glücklosen Killer gefunden: Four Eyes. Die Schwester des auf Four Eyes angewiesenen Polizisten begibt sich auf die Suche nach dem Phantom. Eine seltsame Form der Annäherung findet inmitten von Metropole und Artefakten der Popkultur statt - und es stellt sich heraus, dass die gescheiterten Anschlägee durchaus im Sinne des "Mörders" sind. In einer Nebenrolle zu sehen: Takeshi Kitano.

Ganz dicke Empfehlung meinerseits! Zwar habe ich den Film vor knapp 4 Jahren das letzte Mal gesehen, aber ich habe ihn noch in bester Erinnerung: Ein wunderbar lakonischer Thriller, der sich vollkommen unangestrengt mit einer Liebesgeschichte und klassischem Arthouse-Stoff mengt. Heute abend, 18.02., um 23:30 auf dem WDR in der deutschen Synchro zu sehen. Soweit ich weiß, ist der Film auf Konserve nur aus Asien zu importieren - also Videorekorder programmieren!

imdb


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16.02.2004, Heimkino

Ruhigen Gewissens kann man dieses Sequel zu Clint el solitario (Italien 1967) zu den Nebenwerken des italienischen Westerns zählen. Ein zwar handwerklich routiniert inszenierter und erzählter Film, dem aber für eine signifikante Rolle innerhalb des Subgenres doch die Impulse fehlen. Seiner späten Entstehungszeit - 1972 hatte der Italowestern seinen Zenit bereits überschritten, hierzulande kam der Film gar erst drei Jahre später in die Kinos - mag es zuzusprechen sein, dass der Film dafür eher schon als Zitatarchiv funktioniert. Wenn Clint, der Einsame aus dem Titel, nach fünf Jahren Flucht vor Kopfgeldjägern und ähnlichen Häschern nach Hause zurückkehrt, wo ihn Gattin und Sohn verstoßen haben und die kleine Tochter ihn nicht wiedererkennt, um dort dann als Arbeitskraft sukzessive in den Schoß der Familie zurückkehren, fühlt man sich unweigerlich an Peter Fondas The Hired Hand erinnert, der ein Jahr zuvor enstanden ist. Auch Klaus Kinski als wortkarger, zynischer Kopfgeldjäger erinnert bisweilen an seine Figur in Corbuccis Il Grande Silenzio, auch wenn ihm hier, zum Ende hin, der Luxus einer sogar recht menschlichen Note gewährt wird. Kein Wunder: Wenn der Italowestern ein Kino der allgegenwärtigen Auflösungserscheinungen ist, dann fungiert der späte Il Ritorno di Clint il solitario, nicht bloß narrativ, beinahe schon als Rückkehr zu Frau, Heim und Herd: Der Anti-Held des italienischen Westerns ist 1972 bereits alt geworden.

Spannend aber ist, wie der Film seine Vorgeschichte zu Beginn kurz rekapituliert. Auch wer den ersten Teil nicht kennt, kann dieses Patchwork aus Erinnerungen und melancholischen Gesichtsausdrücken - ein klein wenig Kenntnis der typischen Stories des Subgenres vorausgesetzt - schnell deuten und erfassen. Gleich zu Beginn entsteht dadurch eine Dynamik in der Geschichte, die einem das Gefühl vermittelt, bereits einen ganzen Film vorneweg gesehen zu haben und schon tief in diesen Film involviert zu sein. Das sorgt für Spannung und Aufmerksamkeit. Gottlob verfällt der Film anschließend nicht in Apathie, sondern kann seine nur minimalistisch erzählte Geschichte, in der sich die Jagd eines Kopfgeldjägers auf Clint elegant mit dem typischen Genremotiv der zu erlösenden Stadt, die von einer mafiösen Clique terrorisiert wird, koppelt, spannend erzählen und schlüssig auflösen.

Wie gesagt, der Film ist sicher im Genre nichts Besonderes. Aber er ist eben doch solide und vermag zu unterhalten. Nicht zuletzt auch Kinskis pointierte Mimik trägt dazu bei. Ein netter Film also. Schade bloß, dass der TV-Ausstrahlung offensichtlich eine gekürzte Fassung zugrunde lag.

Ein Einsamer kehrt zurück (Il Ritorno di Clint il solitario; Italien 1972)
Regie: Alfonso Balcázar; Drehbuch: Enzo Doria, Giovanni Simonell; Kamera: Jaime Deu Casas; Musik: Ennio Morricone; Darsteller: George Martin, Klaus Kinski, Marina Malfatti, Augusto Pescarini, Susanna Atkinson, Daniel Martín, Fernando Sancho u.a.
Länge: ca. 85 Minuten (geschnittene Ausstrahlung auf Tele 5 im Dez.2003)

imdb | kinski:tv-termine



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