Mittwoch, 25. Februar 2004
24.02.2004, Heimkino

Ich bin mir sehr sicher, gestern den seltsamsten Film meines bisherigen Lebens gesehen zu haben. Selbst der vollkommen in die Binsen gegangene Plan 9 From Outer Space (USA 1959) aus dem Hause Ed Wood scheint gegen den berühmt-berüchtigten Turkish Star Wars geradezu nach Lehrbuch inszeniert. Was nicht heißen soll, dass diesem Film das Herzblut, das drin steckt, nicht anzusehen wäre, oder das Amüsement nur daher rührt, dass eben Türken die Abenteuer bestehen, die normalerweise blonden Collegejungs vorbehalten sind. Es ist diese ganze seltsame Mischung aus unbekümmerter "Das können wir auch"-Attitüde, die sich zwar durch die Gegebenheiten nicht gerade legitimiert, finanziellem Notstand, der es eigentlich nicht erlaubt, Filme zu drehen, und der Liebe zum "Hau ruck"-Kino, in dem irgendwie alles möglich scheint, zumindest aber alles erlaubt ist, die hier für kindlich naive Freude sorgt - manchmal mit dem Film, manchmal aber auch, natürlich, über ihn.



Ein ganz seltsames Patchwork ist das. Es besteht aus munter herausgeschnippelten Actionsequenzen aus dem US-Star Wars, dreistem Soundtrack-Klau, der zudem unbeholfen und nach Steckkastensystem über die Bilder gelegt wird, derbem Sound-Effect-Sampling und einigen selbstgedrehten Szenen vor Plastik- und Plüschkulisse - zusammengehalten wird das alles durch eine Holzhammer-Montage, die Bild und Ton, Zeit und Raum voneinander trennt wie seltsam absurd auch verbindet. Nach anfänglichem Staunen entsteht ein Gespür für diese ganz eigene Filmsemantik, in der eigentlich nichts mehr wirklich erzählt wird, sondern nach Schlüsselreiz-Muster eher schon Brocken vorgeworfen werden, die nicht etwa "großes Kino" sind, sondern dem Publikum zeigen: "So soll großes Kino aussehen". Wie in diesem Schnippselfest aus geklautem und gedrehtem footage die Filmkonventionen selbst, die Vereinbarungen zwischen Publikum und Film offengelegt werden, ja gleichsam, trotz offensichtlicher Konstruktion, dekonstruiert werden, das ist beinahe schon fabelhaft.

Neben all der bierseligen Glückseligkeit, die dieser Film versprüht, diesem Aroma von Salzstangen, Dosenbier und lautem Gepolter diesseits des Bildschirms, besteht der Film deshalb auch als Kommentar zum Genrekino selbst. Und ein in all seiner Unbeholfenheit gar nicht mal so unkluger, will ich meinen. Ich finde ihn jedenfalls großartig, in all seiner zweifelhaften Pracht.

imdb


° ° °