Mittwoch, 2. Juni 2004
schon eine Weile her, Heimkino

Filme, die verkrampft gewollt daherkommen, haben es meist schwer. Undead ist so ein Film, der viel will, sich sehr drum bemüht, und dabei auf ganzer Linie scheitert. Und nervig ist er auch für zwei!

Undead will cooler Trash sein. Dass ihm dabei das Element des spontan Gescheiterten abhanden kommt und er sich nur ungelenk als Pflichterfüllung zu erkennen gibt, scheint ihn dabei nicht zu kümmern, bildet letztendlich aber die Basis für das eigene, höchst unamüsante Scheitern. Um cooler Trash zu sein, erfindet der Film ein Szenario, in dem sowas gut geht: Irgendwo in der australischen Provinz gehen seltsame Meteoriten nieder, die eine bemerkenswerte Treffsicherheit ausweist: Die zielgenau Niedergestreckten stehen als Zombies wieder auf und machen Jagd auf alle anderen. Die obligatorische Gruppe ist schnell zusammengewürfelt: Kreischende Mädels, ein paar trottelige Bullen finden sich im Anwesen eines vollbärtigen, overall-tragenden Aussie-Rednecks ein, der mit lakonischen Sprüchen zur Lage und einigen artistischen Sperenzchen Marke Hongkong-Heroic-Bloodshed der geekiness den Diener machen soll. Schließlich versteigt man sich dramaturgisch unbeholfen zu einer regelrechten Alieninvasions-Travestie, die so recht nicht zu Potte kommt, vielleicht auch, weil die Aliens Abziehbilder der faden Gutmensch-Alienwesen aus Spielbergs A.I. darstellen. Sie wispern sogar ähnlich sphärisch. Am Ende etwas Zynismus, bis dahin viel Comic-Genrealberei.

Nichts ist ernstgemeint. Alles ist Referenz, ironisch doppelt und dreifach gebrochen, albern, "einfach zum Totschießen". Und mit ziemlicher Sicherheit ist das auch der Fehler des Films. Peter Jacksons Braindead mag noch eine spaßig-charmante Sauerei gewesen sein, doch gleichzeitig war sie auch der Endpunkt des Tom-und-Jerry-für-Erwachsene-Splatterfilms. Wer das nicht verstanden hat, ist dazu verdammt, sein Publikum anzuöden. Und genau hierfür steht Undead als Zeuge vor Gericht. Undead ist ein Film über einen Film über einen Film über die Leidenschaft seines Machers zu einem Genre oder einer gewissen Art von Film - und jede Kopiegeneration wurde in Longplay erstellt, auf einem Videorekorder der ersten Longplay-Generation. Das Ergebnis ist verrauscht, kaum ansehnlich, leichenblass, unendlich fad.

Bemerkenswert aber immerhin, wie es Undead gelingt, zu keinem Zeitpunkt soetwas wie Inspiration oder Vision zu entwickeln. Gerade ein solches geekmovie sollte doch dahingehend entsprechend auftreten. möchte man meinen. Doch nichts, wirklich nichts: Ein Kopfüber-Stunt in Zeitlupe mit dabei aus dem Rücken gezogenen Kanonen dient ihm bereits als Lichtpunkt und vermeintlich witzige Zitatenunkerei. Wirkt aber so lieblos wie Klamotten von Lidl. Ein paar coole Sprüche, die wirkungslos verpuffen, machen noch keinen Schenkelklopfer-Film. Die Orientierungslosigkeit, mit der die Macher hier ihre Filmleidenschaft zur Schau stellen, erscheint an manchen Stellen als schier erschreckend: Warum in Gottes Namen hat dieser Film entstehen müssen? Ist denn noch nicht mal mehr auf die Passion der Geeks Verlass? Diese Ratlosigkeit hat eine neue Qualität, die Zeiten eines Typ Regisseurs "Cecil B. Demented", scheint's, vorbei.

imdb | mrqe


° ° °




01.06., Heimkino

Alucarda hat alles, was ein gutes Exploitationmovie benötigt, um als solches durchzugehen: Eine Geschichte um ein Kloster und junge Mädchen darin, die Luzifer anheim fallen, viel Blut, eine gute Portion Blasphemie, eine wagemutige kinematografische Arbeit in seinen frei delirierenden Momenten, etwa wenn die satanische Initation stattfindet oder Beelzebub persönlich einem Haufen nackter Leiber den Segen zur Orgie ausspricht.

Warum er aber dennoch nicht funktioniert, das weiß vermutlich allein der Teufel. Zum einen gestaltet sich der Zugriff durch die Geräuschkulisse schon als schwierig: Bald 80 Minuten hysterisches Gekreische hält selbst der wohlwollendste Freund abnormer Filme kaum aus. Dann behandelt der Film seine eigentlich knalligen Zutaten recht stiefmütterlich und scheint sich selbst nicht ganz sicher zu sein, was er eigentlich will: Die große künstlerische Vision steht als Behauptung stets im Raum, doch versickert das Visionäre, das Manische, vielleicht auch das manisch-visionäre Scheitern an der Unbeholfenheit, mit der hier einzelne Balken nicht zu einem tragenden Gerüst konstruiert, sondern zu einem bloßen Haufen aufeinander geworfen werden. Die Kulissenhaftigkeit, das Theatralische im Spiel der Darsteller tun je ihr übriges, um einem den Film fremd bleiben zu lassen.

Das ist umso bedauerlicher, da manche Szenen wirklich das Zeug gehabt hätten, ganz große Kunst im Sinne des Exploitationkinos zu sein, wäre da noch etwas mehr Pfeffer im Spiel gewesen. Kamera-, Schnitt- und mise-en-scène-Experimente machen den Film hie und da schon fast spannend, auf formale Weise. Und dennoch fehlt da was, die Vision scheint kaum ehrlich. Bald überkommt einen der Gedanke: "Das ist ein Film, wie ihn Leute drehen, die nur von wenig eine Ahnung haben, aber gerne bekunden, dass sie regelmäßig vor ihrem geistigen Auge "ganz tolle Bilder für einen Film" halluzinieren." Und ganz ehrlich: Von solchen Leuten möchte ich am wenigsten einen Film sehen.

Insgesamt: Schade.

imdb | mrqe | mondo macabro (dvd-label)


° ° °