Mittwoch, 16. Juni 2004
Thema: TV-Tipps
The Getaway (Sam Peckinpah, USA 1972)
22:00 bis 00:00 Uhr, NDR: Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Jim Thompson, inszeniert Sam Peckinpah ein fulminantes Meisterwerk des Thriller- und Actionkinos der 70er Jahre: Steve McQueen als unter dubiosen Bedingungen aus dem Zuchthaus entlassenen Gangster, der für einen korrupten Polizisten eine Bank überfallen soll ... Groß!
[imdb|mrqe]

Ulysses (Joseph Strick, Großbritannien 1967)
22:25 bis 00:25, 3SAT: Der 100. Bloomsday wird auf 3sat mit dieser Adaption begangen. Ob sie was taugt - ich weiß es nicht.
[imdb|mrqe]

Der Todesrächer von Soho (Jess Franco, Deutschland/Spanien 1971)
00:10 bis 01:25, ZDF: "Jess Franco"-Reihe auf dem ZDF? Scheint so, mit diesem (unter dem Pseudonym "Jess Frank" gedrehten) Film zeigt man, kurz nach dem reichlich wirren, letztendlich aber auch deshalb einigermaßen vergnüglichen Der Teufel kam aus Akasawa (Deutschland/Spanien 1971), einen weiteren Film des spanischen Viel-, Schmuddel- und Schrägfilmers. Auf seine sleazig-wilden Filme wird man wohl auch bis auf weiteres im TV verzichten müssen, hier gibt es einen lose der Wallace-Reihe hintan gehängten Film zu sehen, dessen literarische Vorlage aber eigentlich von Sohnemann Bryan Edgar Wallace stammt. Immerhin darf Horst Tappert durch das "outrageously incoherent" (Kommentar auf imdb) Machwerk als Ermittler stapfen. Was für Nachteulen mit ehrlicher Freude am schlechten Film also.
[imdb|interview mit franco]

Das Dorf der Verdammten (Wolf Rilla, Großbritannien 1960)
1:23 bis 02:50, arte: Klassisch-gediegener Gruselfilm im Spätprogramm.

[imdb|mrqe]


° ° °




» ...
Ganz zufällig gestern entdeckt: Den Stadtpark in Lichtenberg. Obwohl ich früher sogar mal wirklich mit dem Arsch dran gewohnt habe. Entdeckt im übrigen nicht beim sinnbefreiten Flanieren, sondern im Internet auf dem Online-Stadtplan. Ganz zufällig eine große Portion Grün da auf dem Bildschirm, sogar mit einem See, gar nicht weit weg von hier, wenn man "oben rum" geht.

Nach etwas Hin und Her kann ich S. davon überzeugen, da mal hinzugehen. Jetzt. Ihr geht's gerade nicht gut, das typische Existenzangst-Ding halt, wegen des Geldes, wie immer also, jene Sorte, die ich auch oft habe, sich bei mir aber nicht so schnell nach außen hin abspielt. Ich rede ihr zu, dass so eine Entdeckung vielleicht ja die Stimmung zu heben in der Lage ist. Sie will nach Hause in ihr Bett, sich hinlegen, wegsperren von der Welt. Gerade das wäre doch jetzt fatal, meine ich, dann brütest du doch nur. Dann also doch der Park.

Es ist ein ungemein schöner, etwas verrupft vielleicht, aber egal. Von der Art der Anlage her - weiß Gott nicht von der Größe oder der Pflege her! - vielleicht ein klein wenig mit dem Central Park vergleichbar: Geschwungene Wege, lauter kleine Hügelchen, dann mal viele Bäumchen, beinahe schon nutzlose kleine Umweg-Wege, plane Grasflächen dann wieder, alles sehr in sich verschlungen, Bänke mit sorglos zeitlos vor sich hintreibenden Menschen drauf. Es gefällt mir, es ist ruhig, abwechslungsreich, man kann schön lustwandeln darin, es sind nicht allzu viele Menschen da, die wenigen, die da sind, sehen es ähnlich und schweben so vor sich hin.

Komische kleine Oase. So ganz anders als der atmosphärisch an die Liegewiese eines Schwimmbads erinnernde Forckenbeckplatz oder der zwar nette, aber viel zu weit entfernte, an sich aber auch recht langweilige Volkspark. Vom Boxi ganz zu schweigen, der zwar sehr schön ist, um dort ein Bier zu erstehen, um dann dort Zeitung zu lesen, aber mit einem Buch möchte ich da auch nicht unbedingt ankommen.

Der Stadtpark in Lichtenberg dann also. Viertelstunde zu Fuß von hier. Früher sogar noch näher. Man kann noch immer Entdeckungen hier machen, nur ein paar Straßen weiter. Dafür liebe ich diese Stadt, dieses Viertel (und alles, was in direkter Nähe dazu liegt). S. sah das, wesentlich entspannter dann, ähnlich.


° ° °




Wie wir um den Tisch sitzen und über Evaluation reden und Bollywood (die Weblogdiskussion ist schon lange vorbei) und M. ist schon lange verschwunden, ohne dass ich es zunächst bemerkt hätte, versumpft in jenem Zimmer, aus dem E. ein Flackern sieht, grünlich, bläulich, wie von einem Kamin, in den jemand etwas Ekliges geworfen hat, das mir perspektivenbedingt allerdings verborgen bleiben muss, so dass ich nicht wissen kann, dass dort ein Fernseher von mir unbemerkt heimlich seinen Dienst verrichtet, wie also M. dort, in diesem Zimmer, sitzt, in dem B. zuvor in einer Kiste saß und unmissverständliche Blicke aus dieser zu werfen wusste, in denen, trotz allem, mehr Weisheit zu liegen schien, als man sie in Blicken etwa auf der Straße erwarten darf, und wie dann immer von drüben Laute herüberschwappen, mal verschämt und unterdrückt, dann jubilierend und, beinahe, schon orgiastisch, wie E. dann immer aufspringt und losstürmt und später dann noch schreibt, er hätte gerne mehr gestürmt, hin zu den Stürmenden (hätte er es doch getan, man ist ja nun kein Unmensch), und wie ich Fussball eigentlich, darüber sprechen dann die dann Verbliebenen, eigentlich gar nicht mag, wie mir aber dieser Laut von drüben gefällt, immer wieder, weil in ihm eine Passion liegt, ein ehrliches Leben und Lebenwollen, das, auch abstrahiert vom primären Auslöser, ankommt, verstanden und geschätzt wird.


° ° °




Ob das, dass ich, am 15. Juni 2004, sage und schreibe drei ansonsten recht gut sortierte Buchhandlungen abklappern muss, um mir endlich meine Ausgabe von Ulysses zu besorgen, nun etwas über mich oder über die Läden aussagt, vermag ich nicht zu beurteilen.


° ° °