Montag, 27. September 2004
26.09.2004, Heimkino

Rückblickend betrachtet war Cube ja weniger ein "schlauer Film", sondern eher ein "Schlau'le" von einem Film. Wirklich begriffen habe ich etwa dieses Zahlensystem, anhand dessen sich Position innerhalb des Würfels wie sicher oder unsicherer Charakter einer Würfelzelle ablesen ließe, nie. Funktionierte dennoch, zumindest auf Ebene der Unterhaltung. Eine Schwäche blieb diese vermeintliche Rationalität dennoch, so irgendwie.

Das Sequel - auf Ebene des Szenarios nahezu schon ein Remake von Teil eins - macht es da schon ein klein wenig schlauer, wie ich finde: Der ganze Mathemumbojumbo wird kurzerhand schon in den ersten Minuten mittels Verweis auf die Numerologie von Teil einst entsorgt und eine unheimliche, fast schon übernatürliche Komponente eingeführt. Gebrochene Dimensionen, sich überlappende Dimensionen, Zeitfluss vorwärts, rückwärts - keine Chance, da durchzublicken: Besser so. Hinzu kommt, dass die Charaktere, die sich diesmal im Kubus wider Willen einfanden, selbst alle über fragmentarisches Wissen über Wesen und Charakter des großen Ganzen verfügen, dieses aber, vermutlich aus Sorge um eigenen Vorteil (oder aber: aus Sorge, aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden), oft nur andeuten, nie aber voll einbringen.

Es ergibt sich ein großes Bild der Verwirrung, die in Teil eins vor allem noch nach außen getragen wurde: Was geht draußen vor sich, warum ist dieser Würfel, wie er ist, und wer warf uns hier hinein? In Teil zwei wird diese um einen inneren Aspekt erweitert, da auch innerhalb der Gruppe nicht mehr gewusst wird, wer gegen wen mit wem intrigiert und sich verschwört. Wer welches Wissen besitzt und welchen Wissensvorteil gegen die anderen einzusetzen bereit ist. Entsprechend schnell löst sich die Gruppe wieder auf, ihr Zustandekommen gleicht eher einer Episode als der Grundlage der ganzen Erzählung.

Die spezifische Art des Kameraeinsatzes könnte man anfangs noch als nur manieriert einschätzen, doch fügen sich die extravaganten Einstellungen, das stete Durchschneiden des Raumes bald der Erzählung und stellen sich in ihren Dienst. Die mangelnde Verlässlichkeit von Zeit und Raum - zum Teil wandeln sich gar Gravitationsverhältnisse von einem Kubus zum nächsten - bildet sich in dieser Kamera ebenfalls ab und hinterlässt den Zuschauer in einem steten Zustand der Verwirrung.

Natürlich ist nicht alles gelungen. Hie und da sind einige Schwächen, auch die eine oder andere Beliebligkeit zu bemerken. Doch insgesamt muss ich sagen, dass der Film - der unter IndieGeeks natürlich den Ruf genießt lange nicht so gut wie der erste Filme zu sein -, gerade aufgrund der geringeren Aussicht auf rationale Durchschaubarkeit, die sich im ersten Film eher als Budenzauber erweist, punkten kann. Beinahe möchte ich sagen: Hat mir besser gefallen.

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25.09.2004, Heimkino; Inhalt

Der Beginn: Ein Furiosum. Die Dekadenz des niedergehenden Adels. Der Schuldfall, ein Mord, sogleich darauf: Die Sühne, ein grausamer Tod des jungen von Baskerville und ein Familienfluch. Der wird später im Film, in der eigentlichen Erzählung, spätes 19. Jahrhundert, von Belang sein.

Kurz nach dem Furiosum, mit dem der Film sein gothisches Projekt markiert, narrative Implikationen aber noch nicht erahnen lässt, der Rahmen dieser Exposition: Sie wurde erzählt im Abendkämmerchen nach Dupin'schem Vorbild. Sherlock Holmes, herrlich souverän von Peter Cushing verkörpert, gibt eine Demonstration seiner Kombinationsgabe, die Scharfsinn ausstellt und den Zuschauer ins Szenario einführen soll: Alles ganz einfach, ein wenig Beobachtungs- wie Kombinationsgabe, dann ist da auch drauf zu kommen können.


(von bmovies.de)

Dies ist, wie sich freilich schnell herausstellt, Betrug am Zuschauer in reinster Form: Der Film wechselt die Location, zieht ins britische Hinterland, ins Moor, in die letzte Bastion des verfallenen Adels: Zum Anwesen fernab der bürgerlichen Städte. Hier präsentiert er ein Sammelsurium skurriler, verdächtiger Charaktere, lässt Watson herumtappen und Holmes ins Blaue kombinieren. Er lenkt Blick auf Details, die, durch solche Fokussierung, wichtig erscheinen, haften bleiben und Möglichkeit zur Beobachtung in Aussicht stellen.

Entsprechend auch die Auflösung des Ganzen: Keine Chance zum Mitkombinieren. Die Lösung liegt außerhalb des Bildrahmens begründet, wesentliche Information wird verschwiegen. Drauf kommen kann nicht, wer das zu Wissende sortiert und auswertet, sondern nur, wer das Genre und Gepflogenheit des Drehbuchschreibens kennt: Natürlich ist nicht der der Bösewicht, den als solchen hinzustellen sich der Film stets und lang bemüht.

Man kann dies wissen, auch ohne den Film schon gesehen zu haben. Dass Der Hund kein fairer Krimi ist, etwa im Sinne einer unausgesprochenen Wette zwischen Zuschauer und Film, das lässt sich schon am Furiosum zu Beginn erahnen: Es geht vielmehr um Ästhetik, um Ausstattung, um den Liebreiz vernebelter Bilder aus dem Moor in schönsten Technicolor. Jedes Bild ein kleines Gemälde, jeder Dialog mit einem kleinen Körnchen Salz, die Blicke und deren Organisation im Schnitt sitzen, die Kamera weiß stets, was sie will: Wer hier im wahrsten Sinne des Wortes Zuschauer bleiben kann, fühlt sich aus dem Film mit Gewinn entlassen.

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tv-termine: christopher lee | peter cushing | terence fisher
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