Sonntag, 3. Oktober 2004
Es folgten nunmehr zwei längere Stücke, und es war nicht zu sagen, wie lasterhaft sie waren. Eine schwüle Sinnlichkeit wehte von den verdorbenen, also üppigen Gestalten herüber, sie gaben sich den unerhörtesten Genüssen hin - aber während wir Gelegenheit hatten, diese Raffinements zu bewundern, bot eine Kellnerstimme gefällig Bier an. Worauf mit Recht aus dem Dunkel ein tiefer Raucherbass ertönte: "Ach, wer braucht denn hier jetzt Bier!" Das wurde lebhaft applaudiert, und von nun an beteiligte sich das Publikum intensiver an den Darbietungen: Rufe, ratende Stimmen, Grunzen, Beifall und anfeuernde Aufschreie wurden laut, einer gab vergleichende Privatfreuden zum Besten, viele lärmten und schrieen.

Aus: Kurt Tucholsky: Erotische Films. In: Die Schaubühne 9 (1913)

gefunden in: Jörg Schweinitz (Hg.): Prolog vor dem Film. Nachdenken über ein neues Medium 1909 - 1914.


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Am Abend durch allerlei Geböller von draußen gestört worden. Ziemlich laut, obwohl doch hörbar weit entfernt. Feuerwerk. Rausgegangen, auf den Balkon, geschaut, ob man was sieht. In der Ferne, kurz hinter dem Fernsehturm dann in der Tat deutlicher Rauch, dann und wann etwas illuminiert. Wieder rein dann. An Film weiterkucken war kaum zu denken. Knall, böll, knall. In einer Tour. Kurz genervt überlegt, ob man Deutschland wegen Ruhestörung anzeigen kann.


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02.10.2004, Heimkino; Inhalt



Eine Welt aus sattem Rot, giftigem Grün, schimmerndem Violett und cremefarbenen Tönen, in die man einzutauchen bereit sein muss, will man seinen Genuss aus ihr ziehen. Am besten für dieses Vorhaben eignet sich ein Herbstnachmittag am Wochenende, dazu eine Kanne Kaffee, ausreichend Kuchen, zugezogene Gardinen und viele Kissen und Decken auf der Couch. Dann verblasst die Welt ringsum für eine Weile und man bewegt sich durch schönstes Eastmancolor, das seinen schauerromantischen Stätten im Sekundentakt faszinierende Bilder abringt. Ein visuelles Gedicht, voller Eleganz und Freude am Schönen. Ein Film, der es einen lehrt, Filme, trotz offensichtlicher Schwächen, innig und ohne Distanz zu lieben.

imdb | mrqe | bmovies.de (mit zahlreichen, wunderschönen aushangmaterialien)

filmtagebuch: mario bava


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