Dienstag, 5. Oktober 2004
04.10.2004, Heimkino

Screwball comedies zünden schnell und mit Rhythmus. Man denke an die besten Wilder-Komödien. Die männliche Kriegsbraut hingegen geht es etwas langsamer, aber weiß Gott mit nicht weniger Rhythmus an: Die meisten Gags werden von langer Hand aufgebaut, ihre Elemente sorgfältig und nacheinander eingeführt und so letzten Endes auch ein Spiel mit den infolge entstehenden Erwartungen (die mal erfüllt werden, mal nicht) entwickelt. Wiederkehrende Motive - Ein Königreich für ein Bett! - kristallieren sich erst nach einer Weile heraus und werden dann, nach ihrer Einführung, auch nicht mit Brachialität als solche ausgestellt. Ganz im Gegenteil entblättert sich alles langsam und behäbig - mal mit deutlichem Gewinn (vor allem, wenn die Bürokratie mit ihren langsamen Mühlen ins Visier genommen wird), mal ohne ihn.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich das nicht vollends überzeugt hat. Aber in seinen besten Momenten kamen der Film und ich gut ins Gespräch. Mal schauen, was eine zweite Sichtung ergibt, auch wenn diese nicht unbedingt in absehbarer Zeit stattfinden muss.

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tv-termine: howard hawks | cary grant
filmtagebuch: howard hawks | cary grant


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Im Film starb sie den berühmtesten Tod der Filmgeschichte. Ihr echter Tod war weit weniger spektakulär: Janet Leigh, vermutlich Hitchcocks bester red herring, starb am vergangenen Sonntag im Alter von 77 Jahren in Beverly Hills.

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02.10.2004, Heimkino

The Parallax View ist unbestritten einer jener Glücksfälle des us-amerikanischen Kinos der 70er Jahre, wo sich Genre- und Autorenkino zu fruchtbarsten Allianzen verbrüderten: New Hollywood.

Auf der Retrospektive der diesjährigen Berlinale hatte ich den Film bereits im Kino sehen können - ich hatte gelegentlich so meine Sprachprobleme, da Warren Beatty doch arg nuschelt. Die formale und ästhetische Klasse hatte ich jedoch schon damals bemerken können.

Nun also die erneute Sichtung ohne Sprachprobleme. Und ich bin baff: Viel verpasst hatte ich nicht. In der Tat ist Parallax View ein Film, der nur vorgibt diegetisch zu erzählen, während sich sein eigentliches Projekt auf ästhetischer Ebene abspielt: Die vollkommene Auflösung verlässlichen, integeren Raumes. Die Paranoia der Hauptperson spiegelt sich in der harschen Monatge, den ausgeklügelten Bildkompositionen und dem großzügigen Gebrauch von Schwarzflächen exakt wieder - ein zuvorderst sinnliches Erlebnis.

Selbstzweckhafte Actionszenen, die an Western - Stichwort: Kneipenschlägerei - erinnern, funktionieren ebenfalls weniger auf begrifflicher, direkter Ebene. Vielmehr wägen Sie den Zuschauer in Sicherheit, die er nicht haben sollte, ähnlich wie auch die Hauptfigur stets meint, immer ganz dicht an der Lösung des Ganzen zu sein, dabei aber nicht weiter entfernt sein könnte. Gelegentlich bemerken wir das, dass die Zuversicht der Figur keine Berechtigung genießt und die hohe Kunst des Filmes ist es, den Zuschauer, trotz dieser vemeintlich souveränen Position, ebenfalls im an sich Unsouveränen zu belassen. Ganz im Gegenteil sogar: Je tiefer der Reporter - ein investigativer Mensch, der Wahrheit zutage fördern sollte - sich in seine Ermittlungen verstrickt, je mehr er die vorgeblich recht faktische Ausgangssituation - ein Mord an einem Senator im Wahlkampf - durchleuchtet, umso weiter entfernen wir uns, mit ihm, von den Koordinaten jedweder verlässlichen Faktizität. Wir haben viel gesehen, doch letzten Endes haben wir gar nichts gesehen - das Ende ist ein Berg von Fragen und dies ganz ohne Erzählebenenhuberei und dergleichen.

Oder kurz: Ein Meisterwerk.

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01) Gerade noch in der Küche gestanden, im Begriff gewesen, eine Suppe zu kochen. Im nächsten Moment wieder im Wohnzimmer, vor dem Rechner Blogs lesen. Keinerlei Erinnerung an den Weg dazwischen, noch daran, was mich veranlasst haben könnte, alles stehen und liegen zu lassen, um an den Rechner zu spurten.

02) Mich über Individualismustendenzen von Tütensuppen gewundert. Dass manche in kaltes, manche in warmes, wieder andere in kochendes Wasser geworfen werden wollen. Wieso eigentlich?

03) Beim Schreiben dieses Beitrags beinahe die Suppe auf dem Herd vergessen. Gerade noch rechtzeitig - puh!


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