Thema: Berliner Filmgeschehen
Erst vor kurzem habe ich erstmals Grey Gardens von Albert & David Maysles gesehen und war von dieser Dokumentation/diesem Portrait schwer beeindruckt (bzw. gerade das ja nicht, weil der Film von einer Ästhetik des Beeindruckenden dann doch so weit entfernt ist, eher war ich, weiß nicht, "von den Socken", "angetan", "begeistert" - you name it!). Umso erfreulicher, dass das Kino Arsenal den beiden Machern des Films (man müsste im übrigen sagen: den Machern hinter der Kamera, weil die beiden vor der Kamera ja auch ganz entscheidend beitragen) im Mai/Juni eine kleine Reihe namens "Direct Cinema" widmet. Hier der Programmtext.
Außerdem wird begleitend zu einem Seminar an der Berliner Filmwissenschaft das jüngere taiwanesische Kino vorgestellt und im japanischen Filmclub ist Kaneto Shindos Onibaba zu sehen.

Außerdem wird begleitend zu einem Seminar an der Berliner Filmwissenschaft das jüngere taiwanesische Kino vorgestellt und im japanischen Filmclub ist Kaneto Shindos Onibaba zu sehen.
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Thema: FilmKulturMedienwissenschaft
25. April 06 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Übrigens, weil ich gerade auf Thomas Pynchon zu sprechen kam: Pynchon Notes ist eine akademische Zeitschrift, die sich ausschließlich mit dem literarischen Monolithen befasst und seit 1979 erscheint. Hier die etwas kärgliche Website, auf der sich allerdings sehr zu meiner Freude die ersten 23 Ausgaben im pdf-Format herunterladen lassen (hier obendrein ein Interview mit dem Herausgeber).
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Thema: literatur
Ich sitze auf der Parkbank und lese Thomas Pynchons Gravity's Rainbow, als sich ein, schätze ich, 20jähriger neben mich setzt und Dr. Sex von T.C. Boyle in der Hardcover-Fassung aufschlägt. Zuvor hatte er sich den Weg durch die gröhlenden Hartz-IV-Opfer gebahnt, die den Boxie immer dann umgehend mit vielen Flaschen Bier bewaffnet einen Sommer lang in Beschlag nehmen, wenn sich die ersten Sonnenstrahlen bemerkbar machen. Offenbar wähnte er in mir einen Verbündeten, zumindest lächelt er mich auf seltsame, mir allerdings vollkommen unsympathische Weise an, als er sich neben mir niederlässt und das Buch eine Spur zu demonstrativ aufschlägt.
Boyle mochte ich mal ganz gerne, ist aber auch schon einige Jahre her. Das letzte Buch, das ich von ihm gelesen habe, habe ich nicht zuende geschafft, weil es mich geschafft hat; immer dieses zwanghafte Verschrobene, immer diese ähnlichen Versatzstücke und Formulierungen, mit denen er seine Romane zusammenschraubt (was, zugegeben, auch eine Schwäche der Übersetzung sein könnte, üblicherweise bin ich viel zu faul für originalsprachliche Ausgaben). Aber mir scheint, dem Jungen neben mir gefällt das, sicher, für einen Frühlingstag ist das gute Lektüre für einen Schmökerer. Und er sieht auch ein bisschen so aus, wie man sich einen Schmökerer vorstellen kann, so eine Spur zu bieder, zu hilflos geraten.
Bal geht er auch schon wieder mit seiner unterhaltsamen Ferienlektüre, viele Seiten hat er nicht geschafft. Ich glaube, dreimal ein Blättern gehört zu haben. Vielleicht waren ihm die Gröhler mit ihren Hunden zuviel oder aber er hatte sich das irgendwie etwas romantischer vorgestellt, eben so im Park sitzen und lesen und all das. Keine Ahnung. Ich verbeiße mich wieder in Gravity's Rainbow (den ich natürlich auf Deutsch lese, aus obengenannten Gründen, aber der englische Titel hat einfach mehr Klang als der deutsche), dieses unfassbar in sich verkarstete, schillernde, faszinierende Werk. Uni-Lektüre ist das (und ich bin froh drum, ehrlich gesagt, dass ich studiere, mit was ich mich ohnehin gerne und oft befasse, zumindest fast immer), ein Seminar bei Kittler wird sich ausschließlich mit diesem Buch befassen. Ich bin gespannt.
"Geht alle scheißen!" sagte Slothrop.
Boyle mochte ich mal ganz gerne, ist aber auch schon einige Jahre her. Das letzte Buch, das ich von ihm gelesen habe, habe ich nicht zuende geschafft, weil es mich geschafft hat; immer dieses zwanghafte Verschrobene, immer diese ähnlichen Versatzstücke und Formulierungen, mit denen er seine Romane zusammenschraubt (was, zugegeben, auch eine Schwäche der Übersetzung sein könnte, üblicherweise bin ich viel zu faul für originalsprachliche Ausgaben). Aber mir scheint, dem Jungen neben mir gefällt das, sicher, für einen Frühlingstag ist das gute Lektüre für einen Schmökerer. Und er sieht auch ein bisschen so aus, wie man sich einen Schmökerer vorstellen kann, so eine Spur zu bieder, zu hilflos geraten.
Bal geht er auch schon wieder mit seiner unterhaltsamen Ferienlektüre, viele Seiten hat er nicht geschafft. Ich glaube, dreimal ein Blättern gehört zu haben. Vielleicht waren ihm die Gröhler mit ihren Hunden zuviel oder aber er hatte sich das irgendwie etwas romantischer vorgestellt, eben so im Park sitzen und lesen und all das. Keine Ahnung. Ich verbeiße mich wieder in Gravity's Rainbow (den ich natürlich auf Deutsch lese, aus obengenannten Gründen, aber der englische Titel hat einfach mehr Klang als der deutsche), dieses unfassbar in sich verkarstete, schillernde, faszinierende Werk. Uni-Lektüre ist das (und ich bin froh drum, ehrlich gesagt, dass ich studiere, mit was ich mich ohnehin gerne und oft befasse, zumindest fast immer), ein Seminar bei Kittler wird sich ausschließlich mit diesem Buch befassen. Ich bin gespannt.
"Geht alle scheißen!" sagte Slothrop.
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Thema: Alltag, medial gedoppelt
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25. April 06 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Gestern in der ersten Sitzung der Vorlesung über das Mediensystem fragte der Lehrende, ein Medienökonom, wer der Anwesenden im Saale denn Weblogs lese, woraufhin sich drei, vielleicht vier von etwa 100 Leuten meldeten, was ich vor dem Hintergrund, dass die Leute da allesamt Medien und so studieren, schon recht enorm, also: wenig, finde. Daraufhin der Lehrende, wir, also die Webloglesenden, sollen das vergessen, weil in einem Jahr seien die, also die Weblogs, ohnehin wieder verschwunden, weil sich ja doch kein Mensch für sie interessiere. Meint er einfach so, und ich glaube, er meinte doch vielmehr die allgemeine Medienblase, die sich um das Ganze jüngst gebildet hat und die, in der Tat, gerne in einem Jahr verschwunden sein darf.
Geschrieben am Tag 919 des laufenden Betriebs, volle Fahrt voraus.
Geschrieben am Tag 919 des laufenden Betriebs, volle Fahrt voraus.
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Thema: Hoerkino
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25. April 06 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Als ich letztens den neuen Song von Blumfeld zufällig im Radio hörte, überkam mich spontaner Würgreflex. Irgendeine betuliche Scheiße von Tieren wurde da geträllert und eine seltsam masochistisches Interesse ließ mich die ganze Spieldauer am Gerät sitzen und fast schon paralysiert zuhören. Das kann nicht ernst gemeint sein, dachte ich mir, damit kann er, Distelmeyer also, nicht durchkommen.
Und doch, ernst gemeint ist das und, noch höflich ausgedrückt, der letzte Dreck, den sich eine in gemütlich postgraduierter Bürgerlichkeit angekommene Einstmals-Boheme ausdenken kann. Und ich dachte, Virgina Jetzt und Tomte seien schon schlimm, vor allem aber: Das Ende der Fahnenstange. Nein, weit gefehlt. Blumfeld empfehlen sich zusehends als neuer Platzhalter im klassischen Genesis-Spruch: "Ja, die kann man sich nicht anhören, aber, weißt Du, also die alten< Platten, ja also die..."
Das mit Blumfeld was gehörig nicht stimmt, kann man schon lange ahnen. All das Geträllere auf den letzten Platten, dieses rundherum fürchterliche Picknick-Backcover auf der, ich glaube, letzten Scheibe, mit Honigkuchenpferd Distelmeyer mittendrin. Nun aber darf man ruhigen Gewissens auch wissen, dass aus dem Hause Blumfeld nurmehr Schmu zu erwarten ist, Seelenbalsam für all die "Man muss auch mal erwachsen werden können!"-Penner, die sich nun einrichten in ihrer übersichtlichen kleinen heilen Welt, dabei von allem, gegen was man, meistens ja eh nur, ansang, nun nichts mehr wissen wollen, da man ja eh schon die Grünen wählt und also sich selbst qua solcher Selbstbezichtung ins Lager der ohnehin schon dufte Guten. Man ist ja auch dennoch locker geblieben. Meint man.
Ich sehe sie schon vor mir. All die freiwilligen Gehirnspender, die dennoch meinen, aus Blumfeld-Texten noch irgendwas rauslesen zu können, die Blumfeld noch immer für diskursbestimmend und womöglich noch Strategie angebend halten, womöglich als Sprachrohr einer Post-Pop-Linken oder sowas, irgendwelche Konzepte in all dem Quark wähnen, "Subversion der Neuen Bürgerlichkeit aus Ihrer Mitte heraus" oder irgendsoein Dreck wird ihnen schon einfallen, irgenwas eben, mit dem man sich die eigene Mittelschichtigkeit ein bisschen bunt anstreichen und dem eigenen bequemen Konsum angesagter Tonträger Subversivität andichten kann. Konnte die Pop-Linke schon immer gut.
Bullshit. Warum nicht gleich Reinhard Mey? Der macht exakt das Gleiche. Nur eben ein bisschen zwiebeliger. Da kommen Blumfeld auch noch hin. Und er sang ja auch von Freiheit, muss also auch so irgendwie links sein, so irgendwie, wenn auch nur über den Wolken, ein bisschen Hirngespinst also, eigene Innerlichkeit, Bequemlichkeit im eigenen Ghetto, zwischen Tante Emma und der Erbauung dienlicher Grünanlage. Sehet die Vögel, wie sie piepen, sehet den Distelmeyer, wie's bei ihm piept.
Lass uns nicht mehr von Blumfeld reden.
Und doch, ernst gemeint ist das und, noch höflich ausgedrückt, der letzte Dreck, den sich eine in gemütlich postgraduierter Bürgerlichkeit angekommene Einstmals-Boheme ausdenken kann. Und ich dachte, Virgina Jetzt und Tomte seien schon schlimm, vor allem aber: Das Ende der Fahnenstange. Nein, weit gefehlt. Blumfeld empfehlen sich zusehends als neuer Platzhalter im klassischen Genesis-Spruch: "Ja, die kann man sich nicht anhören, aber, weißt Du, also die alten< Platten, ja also die..."
Das mit Blumfeld was gehörig nicht stimmt, kann man schon lange ahnen. All das Geträllere auf den letzten Platten, dieses rundherum fürchterliche Picknick-Backcover auf der, ich glaube, letzten Scheibe, mit Honigkuchenpferd Distelmeyer mittendrin. Nun aber darf man ruhigen Gewissens auch wissen, dass aus dem Hause Blumfeld nurmehr Schmu zu erwarten ist, Seelenbalsam für all die "Man muss auch mal erwachsen werden können!"-Penner, die sich nun einrichten in ihrer übersichtlichen kleinen heilen Welt, dabei von allem, gegen was man, meistens ja eh nur, ansang, nun nichts mehr wissen wollen, da man ja eh schon die Grünen wählt und also sich selbst qua solcher Selbstbezichtung ins Lager der ohnehin schon dufte Guten. Man ist ja auch dennoch locker geblieben. Meint man.
Ich sehe sie schon vor mir. All die freiwilligen Gehirnspender, die dennoch meinen, aus Blumfeld-Texten noch irgendwas rauslesen zu können, die Blumfeld noch immer für diskursbestimmend und womöglich noch Strategie angebend halten, womöglich als Sprachrohr einer Post-Pop-Linken oder sowas, irgendwelche Konzepte in all dem Quark wähnen, "Subversion der Neuen Bürgerlichkeit aus Ihrer Mitte heraus" oder irgendsoein Dreck wird ihnen schon einfallen, irgenwas eben, mit dem man sich die eigene Mittelschichtigkeit ein bisschen bunt anstreichen und dem eigenen bequemen Konsum angesagter Tonträger Subversivität andichten kann. Konnte die Pop-Linke schon immer gut.
Bullshit. Warum nicht gleich Reinhard Mey? Der macht exakt das Gleiche. Nur eben ein bisschen zwiebeliger. Da kommen Blumfeld auch noch hin. Und er sang ja auch von Freiheit, muss also auch so irgendwie links sein, so irgendwie, wenn auch nur über den Wolken, ein bisschen Hirngespinst also, eigene Innerlichkeit, Bequemlichkeit im eigenen Ghetto, zwischen Tante Emma und der Erbauung dienlicher Grünanlage. Sehet die Vögel, wie sie piepen, sehet den Distelmeyer, wie's bei ihm piept.
Lass uns nicht mehr von Blumfeld reden.
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