Samstag, 29. April 2006
Thema: literatur
Dicht gedrängt stehen wir in der U-Bahn, eine weitaus Glücklichere sitzt unweit von mir, auf ihrem Schoß eine dicke, aufgeschlagene Schwarte. Das kann nur Schätzings Schwarm sein, denke ich mir, weil dieser Roman, so schien es zumindest die letzten Monate, der einzige ist, der in Berliner U-Bahnen noch gelesen wird. Kaum gedacht, klappte die Leserin auch schon ihr Buch zu, wir waren in eine Station eingefahren und hier wollte sie aussteigen. Und von selbst versteht sich, dass mich in diesem Moment der bekannte schwarz-blaue Einband anlächelte. Wusst' ich's doch.

Gelesen habe ich Schätzings Schwarte freilich nicht, wohl aber mir aus der Bibliothek das zehnteilige, von Schätzing selbst betreute Hörspiel besorgt und angehört. Hübsche Spannungsunterhaltung, über weite Strecken sogar fesselnd. Und viel Gedanken hat er sich gemacht, von den Recherchen ganz zu schweigen. Etwas geärgert haben mich die letzten zwei CDs, das war mir dann doch zuviel naturwissenschaftlicher Positivismus; von den fünf Jahren Biologie-Recherche hätte er vielleicht auch ein halbes Jahr abknapsen und sich kulturwissenschaftlichen und philosophischen Überlegungen widmen können. Dann wäre das Projekt noch ein bisschen runder (und unter Umständen vielleicht auch ein bisschen weniger "deutsch") geworden.


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