Donnerstag, 15. Juni 2006
» ...
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns derzeit in einem der einschneidendsten Medien-Schwellenzeitalter befinden. Und die Schritte, die vollzogen werden, gehen so rasant wie beiläufig vonstatten, dass einem bei näheren Hinsehen schon fast schwindlig wird. Man sieht dies vielleicht an Filmbeispielen, die noch keineswegs lange zurückliegen: Sowohl Fight Club als auch One Hour Photo sind Filme, die, würden sie heute mit diesem Inhalt gedreht, in schwere Rechtfertigungsnöte geraten würden. Die heutige Welt gestaltet sich so signifikant anders und dies in einer solchen Rasanz. Ich bin mir sicher, dass man irgendwann auf diese Jahre mit einer ähnlichen Haltung blicken wird, wie wir heute auf 1895, auf das späte 19. Jahrhundert im Allgemeinen, blicken.


° ° °




Thema: videodrome
Wie gerne ich das folgende erlebt hätte, davon machen Sie sich ja keinen Begriff. Noch befinden wir uns in den frühen 80ern, irgendwo an der Ostküste, die Hardcore-Punk-Bewegung entsteht gerade erst und in irgendeinem angeranzten Schuppen spielen die noch vollkommen unbekannten Misfits eine Coverversion von Black Flag. ... and all hell broke loose.


° ° °




Edith sagt: Scheißendreck, heute ist ja hie und dort ein Feiertag, nur im atheistischen Berlin mal wieder nicht...

Rätselhaft dünn ist die heutige Ausgabe der Feuilletonschau des Perlentauchers geraten. Überraschenderweise findet sich das Feuilleton der Berliner Zeitung nun zur Gänze besprochen, vollkommen verschwunden aber sind die von Süddeutscher und F.A.Z..

Mir schwant, dass das Methode sein soll; beide Zeitungen fahren nämlich eine höchst dümmliche Internetpolitik, welche die Inhalte ihrer Feuilletons entweder größtenteils wegsperrt oder gar nicht erst online stellt. Ein Konflikt, der zumindest Frankfurt und Berlin sich schon häufiger aneinander entzünden und die Schau der entsprechenden Feuilletons zur weitgehend linklosen Erzählung aus der Offline-Welt gerinnen ließ. Hat man sich beim Perlentaucher nun also dazu entschlossen, beide Zeitungen zu ignorieren?

Ein bisschen sieht das so aus, was ich allerdings schade fände. Das Feuilleton der Berliner Zeitung ist mir, ehrlich gesagt, weitgehend egal. Das meiste dort Geschriebene ist übergehenswert, die wenigen Texte, die man zumindest querscannen sollte, lassen sich auch so, oder mit GoogleAlert, mitbekommen. Zwar habe ich mich schon oft darüber geärgert, dass man interessant klingende Artikel aus F.A.Z. und S.Z. nicht direkt per Klick auf den Monitor holen konnte; aber waren mir die "Offline-Besprechungen" doch immer auch Hinweisgeber, um in einer Zeitung entweder in der Bibliothek nachzublättern oder sie zur Not sogar zu kaufen.

Und, wenn man schon dazu übergeht, internet-freundliche Zeitungen zu berücksichtigten (was, wie gesagt, noch zu bestätigen steht), dann hoffe ich doch, dass das Feuilleton der Jungle World in Zukunft ebenfalls berücksichtigt wird. Das ist nicht immer alles super, was da steht, vieles ist auch Wurscht; aber kleine Perlen finden sich dann doch fast jede Woche.

Ein Statement, lieber Perlentaucher, wird erwartet.


° ° °




Thema: radio
Heute abend um 19.30 läuft auf Deutschlandradio Kultur das halbstündige Feature Ausweitung der Kampfzone. Öffentlichkeit in Zeiten der Digitalisierung. von Georg Seeßlen und Markus Metz. Es wurde bereits im November letzten Jahres auf dem Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt, dessen Website auch der folgende Programmtext entnommen ist:
»Platz für soziale Kontakte, für politische Manifestation oder Platz für Konsum - was bedeutet uns der öffentliche Raum in Zeiten von Internet und MP3-Player?

Einerseits: Alle Welt spricht vom Rückzug ins Private. Von den mit Überwachungskameras und Werbung überfüllten öffentlichen Plätzen flüchten die Menschen in ihre privaten Wohnhöhlen, um sich vor Fernsehern, PCs und Spielkonsolen von der realen Welt zu entrücken. Das "Cocooning" ist die letzte große soziale Bewegung - weg von der Gesellschaft.
Andererseits: Lautstark und manchmal mit Gewalt machen die Oppositionellen, die Künstler, und nicht zuletzt die Ausgegrenzten und Vernachlässigten in den Straßen der Städte und Vorstädte auf sich aufmerksam. Noch nie war der öffentliche Raum so begehrt und umkämpft, gerade weil er vollgestopft ist mit digitaler Technologie, weil nur hier die Fernsehkameras warten und die Konsum-Bilder nachhaltig gestört werden können.

Einerseits: Immer weniger Menschen machen sich auf und suchen zum Beispiel einen Ort wie das Kino auf. Immer mehr Menschen ziehen stattdessen das Hi-Tech-Heimkino mit Beamer und Dolby-Surround-Ton vor.
Andererseits: Nachdem sowohl Cyber-Utopisten als auch Apokalyptiker der Modernisierung lange das Verschwinden des öffentlichen Raums unter dem digitalen Ansturm prophezeiten, sprechen Soziologen und Stadtplaner heute von seiner Übernutzung. Mag auch jeder und jede, die sich zu ihm hingezogen fühlen, das Handy, die Pocket-Kamera und einen MP3-Player mitbringen - die Sehnsucht nach der konkreten Face-to-Face-Erfahrung mit realen Zeitgenossen scheint auch im digitalisierten Alltag ungebrochen.«
Ein kleines, unsortiertes, beileibe nicht vollständiges "Seeßlen-Linkarchiv" habe ich im übrigen auf furl angelegt, auf der Filmzentrale finden sich noch viele, viele weitere Filmkritiken im gesonderten Seeßlen-Archiv.


° ° °




Thema: Hinweise
Ein photographischer Bericht von der Reise eines russischen Webdesigners durch Nord-Korea. Zahlreiche, spannende Innenansichten eines abgeschotteten Landes.
Erinnerte mich spontan auch ein wenig an Dear Pyongyang, einen der stärksten Filme der letzten Berlinale, den ich hier nochmals gern empfehlen möchte.


° ° °




» ...
Problembärfans.


° ° °