Samstag, 15. Juli 2006
»Zur Sache: Franken ist durch anbiederisches Verhalten der Altbaiern gegenüber Napoleon zum Beutegut Baierns geworden. Ohne diese Franken wäre Bayern heute in jeder Beziehung ein mittelmäßiges Bundesland (etwa 35 % der Einwohner, etwa 30 % der Wirtschaftsleistung, kulturell erheblich ärmer). Die Franken sind alles andere als Deppen. Vielmehr sind sie sind in 200 Jahren Beutegeschichte von Altbayern zu nützlichen Idioten im Freistaat Bayern gemacht worden. Franken als Teil Bayerns - auch nach 200 Jahren eine Fehlentwicklung der Geschichte.

Die Franken sind zurückhaltender. Sie zu gewinnen dauert seine Zeit. Sie zu haben, ist aber auch ein dauerhaftes und verlässliches Gut. Bussi-Bussi-Heuchelei und sonstige Oberflächlichkeiten sind nicht ihr Ding. Die Franken sind echt, unverfälscht und authentisch. Sie leben ohne Schminke. Und das ist vielen fremd in einer Zeit, wo viele glauben, die Scheinwerfer müssten immer auf sie gerichtet sein. Die Münchner Welt ist ein Spiel vor der Kamera. Die Franken leben ohne Filter.«
Worte zum Geleit der Franken-Group auf last.fm, gerade entdeckt. Tränen gelacht, weil's eben so ist, wie es ist, und über den unversöhnlichen Furor, der da immer noch herrscht.

(Aber am besten ist der Satz "Die Franken sind alles andere als Deppen", was da alles an gewähnter Unterstellung drin liegt, haha!)


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Nach dem ganzen, schrecklich uninformierten, dümmlich fahrlässigem Schmarrn, den man sich die letzten Tage anhören musste, wo also "Journalisten" mit sehr wenig Ahnung eben einfach nur das schreiben, was sich halt, zumal in Deutschland, soweit ganz gut und irgendwie schon richtig anhört und obendrein auch ein bisschen Quote/Auflage/Kasse garantiert (weil immer alle lesen wollen, dass natürlich, und: von vornherein, der Gärtner der Mörder ist, in etwa dieser Logik folgt der ganze Zirkus ja), ist es deshalb heute schon eine Frage der Hygiene, zumindest aber: der Ausgeglichenheit, Broders Kommentar zu lesen. Damit man wenigstens einmal nicht mit verkürztem Quatsch belästigt wird.


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Thema: Hinweise
»Our intent was to create a broadsheet containing a short series of slanted opinions designed to be read on the L train back and forth to Manhattan. [...] we started publishing a double-sided, Xeroxed sheet on a weekly basis. Five years hence, I defy anyone to read an entire issue of the current Rail on a single train ride, even an F from Jamaica to Coney Island.

The original goal of the Rail was to provide an open forum for criticism of the arts, politics, and the world around us. [...] In our art and culture coverage, we’ve run extended critical treatments, in-depth analyses of the offbeat, as well as the occasional hatchet job. In so doing, we are clearly out-of-sync with PR-driven journalism.«
So kann man das im Selbstverständnis des Brooklyn Rail lesen, einer Art eklektischem Stadtkulturmagazin aus dem bekannten New Yorker borough, auf das ich gerade via GreenCine Daily gestoßen bin und in das ich mich sogleich verliebt habe. Zum allerersten deshalb, weil ich das Layout und Design der Website ungemein gediegen und ansprechend finde, weil mir hier sogar der Einsatz von Serifenschrift gefällt, was ich im Internet sonst eher für bestenfalls gewöhnungsbedürftig halte. Und dann, natürlich, weil der Inhalt stimmt, weil dort in schöner Regelmäßigkeit sehr kundige Texte zu erlesenen Themen zu lesen sind, die in hiesigen Stadtmagazinen wohl eher distanziert behandelt würden, mit dieser leicht blödelnden amüsierten Grundhaltung. Ein Interview beispielsweise mit Albert Maysles findet sich da, eine Besprechung eines Pasolini-Bandes und schließlich ein Abdruck eines Vortrags zum Avantgarde-Kino (unter anderem auch eines) Brakhages. Und das ist nur das Filmressort. Auch in den anderen findet sich, ersten Blickes, höchst aufregendes, ansprechend geschriebenes - und alles ohne die Belustigung popkultureller Post-Studenten-Provenience der Generation Praktikum oder die asketische Körnermümmelei nurmehr verschrobenen Kritikertums. Toll.

Sollte man im Auge behalten, ich werde das auf jeden Fall tun. Und natürlich wünsche ich mir sowas auch für hier.


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Thema: Hinweise
Neu auf apple.com: Der hinreißende Trailer zu dem auch wirklich hinreißenden Film The Science of Sleep von Michel Gondry, den ich auf der Berlinale schon gesehen habe und unbedingt empfehlen möchte. Der Film läuft in den nächsten Tagen in mehreren Städten auf dem Fantasy Filmfest und meines Wissens dann auch später im Jahr im regulären Kinobetrieb.




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Ein dream come true für Freunde des Hongkong-Kinos, die in den letzten Jahren wahrlich viel darben mussten: The Iron Triangle ist ein Projekt der genannten drei Regisseure, allesamt - und jeder auf seine Weise - Helden des modernen Hongkong-Kinos. Jeder der drei wird ein Segment des Filmes inszenieren und wie monkeypeaches.com meldet, wurden die Segmente mit Bedacht zugewiesen: Tsui Hark , der schon manche meisterliche und begeisternde opening sequence zu verantworten hat, wird den Beginn des Films schießen, Ringo Lam kümmert sich um das Mittelfeld und Johnnie To, Meister der dramaturgischen Zuspitzung und wider alle Genrekonventionen sich aufbürstenden Auflösungen, besorgt das Finale. Die Handlung lautet, monkeypeaches.com zufolge, so:
»A few guys with little money and a lot to worry about gather together to chat about how to get rich. Then a mysterious man sitting in the same room approaches them with a treasure map. However, to get their hand on the treasure, the map is only the first of a series puzzles they have to solve.«
Klingt zugestandenermaßen wenig versprechend, doch sind alle drei Regisseure dafür bekannt, Stories vor allem als Gerüst und Stichwortgeber zu nutzen, auf denen sie dann ihre eigentliche Meisterlichkeit aufbauen. Ich bin jedenfalls gespannt wie ein Flitzebogen. Drehbeginn ist Ende Juli.

Und jetzt wird es endlich auch mal Zeit, die letzten To-Filme nachzuholen; so soll er ja mit den beiden Election-Filmen eine neue Messlatte für seine ohnehin schon von vielen Perlen geschmückte Filmografie erreicht haben.


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