Mittwoch, 30. August 2006
Hallo, Bildblog!

Mit "überklebender Werbung" bei Euch wäre ich eindeutig nicht einverstanden. Selbst wenn ich sie per Buttonklick deaktivieren könnte.

Dabei habe ich (zunächst) nichts gegen Werbung, nur etwas gegen einzelnes Werbeverhalten. Wird Werbung penetrant und vermindert sie eindeutig die Möglichkeit zur Rezeption oder Lektüre eines Medieninhalts, dann schalte ich um / lege die Zeitung weg / verlasse die Website. Würde ich in der Zeitung erst einen Aufkleber von einem Artikel ziehen müssen, um an den eigentlichen Text zu kommen, würde ich dies als blanken Hohn empfinden. Selbst wenn ich am Kiosk gezielt nach einer Ausgabe fragen könnte, die "ohne Aufkleber" kommt, wäre ein solches Verhalten mir gegenüber ein Grund, die Zeitung nicht mehr zu kaufen. Der auf diese Weise Werbung schaltende Produktanbieter bekäme darüber hinaus einen "internen" Makel: Ich kaufe einfach keine Produkte, deren Werbung mich ungebührlich nervt oder mich über das erträgliche Maß hinaus bei der Medienrezeption einschränkt. Es wäre schön, wenn dies bei PR-Agenturen auch mal endlich begriffen werden könnte, dass man Menschen auch vergraulen kann. Nur klappt das wohl nicht, weil in dieser Branche offenbar ohnehin die Ansicht vorherrscht, dass die Mitmenschen eh nur aus dummen, blökenden Schafen bestehen, deren Verhalten man nur mittels geschickter Lancierung steuern müsste.

Die Cookie-Lösung ist aus verschiedenen Gründen nicht akzeptabel:

01. Ganz generell wird einer Werbekultur im Internet Vorschub geleistet, der man sich doch nachgerade in den Weg stellen müsste. Es kann nicht angehen, dass man im Web zunehmend von Werbung angeschrien, angegackert, mit debiler Musik bespaßt oder bei seiner Lektüre durch irgendwelche Stroboskop-artigen Flacker-Pop-Ups behelligt wird, die es einem im zunehmenden Maße erschweren, sich überhaupt zu orientieren und zu konzentrieren. Websites, die auf solche Reklame-Partnerschaften verzichten, machen sich dabei besonders verdient und genießen mittel- bis langfristig ein höheres Ansehen: Hier fühle ich mich als interessierter Leser ernstgenommen und komme gerne wieder. Da Medien mehr und mehr zum Begleiter durch den Tag werden, ist eine solche "Hygiene-Entscheidung" sogar eine Entscheidung für ein Stück mehr Lebensqualität. Wer mich hingegen meint, mich mit Terror-Flackereien und Vorschub-Animationen bespassen zu müssen, die mir erst irgendwelche Klickereien abverlangen, bekommt mich in erster Linie von hinten ansichtig. Nur so als Hinweis: Man kann einen solchen Verzicht auch werbewirksam für sich selbst kommunizieren.

02. Cookies sind weiterhin zwar eine praktische Sache. Aber sie werden im hohen Maße missbräuchlich genutzt und bieten zahlreiche Möglichkeiten zur Überwachung und Profilerstellung. Das will ich vom Bildblog-Cookie zwar nicht behaupten, aber es geschieht doch und alltäglich: Schon bei mühsigem Hin- und Her-Surfen hat man sich schnell einen ganzen Batzen überwachender Langzeit- und Profilcookies eingefangen, die sich gerne bis zum Sanktnimmerleinstag bei einem einnisten wollen und derer man sich deshalb auch umgehend entledigen sollte. Das ist schon eine Sache der persönlichen Computer- und Internethygiene, dass man Cookies überhaupt nur im begrenzten Maße zulässt (wenn überhaupt, ich ziehe eine Zwischenweg vor: "Bis zum Ende der Sitzung", mit einzelnen Ausnahmen) und sie dann auch nicht allzu lange auf seinem Rechner behält. Eine Löschung aller Cookies, ungeachtet ihrer Herkunft, sollte mindestens alle zwei, drei Tage erfolgen, wenn nicht häufiger. Es sei denn, man will sich vollkommen zum Horst machen und täglich Hunderte von Cookie-Ausnahmeregeln basteln und sich damit den Browser vollkleben, der ja bekanntlich auch nur ein Mensch ist. Solche Fuchserei will verständlicherweise keiner auf sich nehmen, deshalb in schöner Regelmäßigkeit weg mit dem Krempel. Folge: Man müsste sich alleweil ein neues Cookie fürs Bildblog besorgen, wenn man sich nicht regelmäßig die halbe Platte mit Hunderten von weit über das gebührliche Maß hinaus an Gott und die Welt Auskunft erteilenden Kerlchen vollhauen will. Das macht doch keinen Spaß!

Weiterhin halte ich es ja für schwer bedenklich, dass Sie offenbar Werbung für ein pinkfarbenes Kommunikationsunternehmen zu machen gedenken. Das ja immerhin wichtiger Partner von Bild ist. Das ist eigentlich unüberlegt, finden Sie nicht?

Schöne Grüße und weiterhin viel Erfolg!


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Thema: Hinweise
Bei meinen Furlereien hatte ich per Kommentar schon darauf hingewiesen, dass es um die bestehende Netzneutralität - die da besagt, dass beim Transport kein Byte über dem anderen steht - derzeit schlecht bestellt ist. Was hierzulande kaum, oder nur in geekigen Newsmeldungen, thematisiert wird, betrifft nichts Geringeres als die Zukunft des Kulturraums Internet und der Beweglichkeit darin. Und geht somit unser aller Interesse unmittelbar an. Sonst hat es sich bald kreuzweise mit schönen Videos for free in Blogs, ja überhaupt mit der Selbstverständlichkeit eines freien Publizierens im Web. Von trafficintensiven Projekte wie tollen Archiven und Datenbanken mal ganz abgesehen - Eintritt nur nach Zahlemann, willkommen in der größten Shopping Mall der Welt, formerly knows as the Internet. Die Dimension wird vielleicht deutlich: Die Weichen und Schaltungen, die hier gerade still und heimlich in Vorstandsetagen umzulegen versucht werden, entsprechen einem, und hier ist das Wort erlaubt, Klassenkampf schlechthin: Unsere Interessenslage gegen die ihre. Und liberal geschwätzige Allesversteher und Abwäger dürfen sich aus diesem Kampf gerne fernhalten; die Interessen sind klar verteilt und ergeben sich aus der jeweiligen gesellschaftlichen Position. Wer meint für privatwirtschaftliche Einzelinteressen versöhnlich-abwägend Partei ergreifen zu müssen, darf sich gerne mal von einem Konzernvorstand ein Eis spendieren lassen, wenn es ihm so sehr nach Anerkennung gelüstet. Ansonsten möge er aber bitte die Klappe halten, Danke.

SaveTheInternet.com ist eine Website, die sich gegen die Bestrebungen der Telekommunikationskonzerne, eine Hierarchie von Bytes einzuführen, wehrt. Und wer sich in dieser Sache nicht ebenfalls wehrt - und wenn es nur Öffentlichkeitsarbeit ist -, dem ist kaum mehr zu helfen.


Mehr Videos hier. Und wer's noch immer nicht verstanden hat: Die gute Seele hinter askaninja.com findet wie immer die richtigen Worte, um schlicht und ergreifend alles zu verstehen:





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