Montag, 11. Dezember 2006
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Glücklicherweise fällt das Programm des kadermäßig betitelten "Studentischen Filmclub der Freien Universität Berlin am Seminar für Filmwissenschaft", abgekürzt FUFC (was nur böse Menschen zum "falschen Fuffziger" erklären), nicht ganz so bürokratisch aus wie die zur Bezeichnung gewählte Selbstbezichtigung. Vielmehr gibt's morgen Sleaze. Naja, nicht ganz. Aber fast!

Für morgen konnte ein echter Doktor Schmuddel als Vortragender gewonnen werden, Lukas nämlich, der am selben Seminar den Film studiert - cool!

Ja aber, Herrgottzack, um was geht's denn überhaupt? Eine Mail klärt auf:
Der Schriftsteller Edogawa Rampo gilt als einer der Begründer der fantastischen Literatur in Japan. Rampos bis heute extrem populäre Erzählungen und Romane nutzen Techniken des westlichen Schauer- und Detektivromans. Im Laufe der Jahre dienten Rampos Erzählungen einer ganzen Reihe von Filmen zur Vorlage. Zwei der Gelungensten, Masumura Yasuzos BLIND BEAST (MÔJUU, Japan 1969) und Tanaka Noborus WATCHER IN THE ATTIC (EDOGAWA RAMPO RYOKI-KAN: YANEURA NO SANPO SHA, Japan 1976), möchte Lukas vorstellen. Beide können auch als Einführung in das "Pinku Eiga"-Genre dienen, die japanische Version des Sexploitationfilms.

Ort des Geschehens ist das miedzy nami Café, das ausgerechnet in Berlin-Mitte liegen muss. Man findet es in der Joachimstr. 11 und das ist nicht weit weg vom U-Bahnhof Weinmeister und vom S-Bahnhof Hackescher. Wer morgen um 20 Uhr da ist, wird reingelassen und darf dabeisein.

Eine Website zu der Reihe - "Die Westöstliche Leinwand" - gibt's auch und den Link habe ich jetzt ja schon verraten. Sie ist nicht eben aktuell, was bestimmt an Christian liegt.



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11.12.2006, Heimkino; zum Inhalt.

Ein Drink wird bestellt. Ein Geldschein landet auf dem Tisch, eine kurze Einstellung, die den Dialog den Geschäftsabschluss drumherum kurz unterbricht. Michael Mann interessiert sich für den Transfer. Präsent wird Geld für den Rest des Filmes bleiben; doch nicht in derart physischer Form. Geld als abstrakter Motor, der alles bemisst, unterwirft, zum Gegenstand eines Tausches macht. Männermuskeln und Frauenärsche standen sich als Äquivalenzen im Kino noch nie derart offen gegenüber.

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Bewerbungsgespräch im und für den Blockbuster. Vom Dialog her nicht zu unterscheiden ist, ob es um Kriminelles geht, oder ob ein Techniker um Einlass in die Hochsicherheitszone der us-amerikanischen Filmproduktion bittet. I am not buying a service, I buy a result.

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When you're undercover, you have to be an actor, berichtet einer mit eben diesem Beruf im Bonusmaterial der DVD, der in seiner Profession so gut ist, dass ihm selbst noch Colin Farrell auf den Leim geht. Im Rauschen des Digitalbildes verliert sich die jeweilige Person hinter der äußerlichen Fassade, die erst in den letzten Sekunden des Films eine verbindliche(re) Tiefe erfährt. I don't like the way your partner looks.

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Eskalation des Professionalismus, narratios- und produktionsimmanent. Wie armselig im Rückblick der vollgestellte Inselfilm von Michael Bay wirkt. Der Shoot- und Showdown am Ende - minimal ist die Anordnung, exakt die ihm zu Grunde liegende Kartografie - raubt den Atem, trotz mangelnder Gigantomanie - oder gerade ihretwegen.

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Michael Mann berichtet, wiederum im Bonusmaterial, vom Dreh im tiefsten Südamerika, wo Markenschutz ein Fremdwort ist. They had everything, I bought 'Collateral' on DVD for $2 there. Er lacht und es ist kein Falsch in diesem Lachen.

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Written and Directed by Michael Mann

imdb ~ siehe auch: rothöhler, knörer



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