Thema: Berlinale 2007
11. Januar 07 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Auch was die alljährlich interessanteste Sektion des Festivals, das Internationale Forum des jungen Films betrifft, sind erste Regungen zu verzeichnen. Traditionell ist hier vor allem das Weltkino sehr stark vertreten, mit regelmäßigen Ausblicken ins japanische und indische Kommerz-/Genrekino.Besonders gespannt bin ich schon auf den japanischen Dokumentarfilm Senkyo und den neuen Film von Amir Muhammad, dessen letztjähriger Beitrag The Last Communist mir sehr gefallen hat.
Im folgendenen eine erste Auflistung mit Angaben von Filmen aus der heutigen Mail des Forums:
Jagdhunde
R: Ann-Kristin Reyels, D: Constantin von Jascheroff, Josef Hader, Luise Berndt, Sven Lehmann, Judith Engel, Ulrike Krumbiegel, Marek Harloff Deutschland 2007, WP, 35mm, 85 min., Deutsch
Als Zugezogene sind Vater und Sohn Außenseiter in einem Dorf in der Uckermark, ihre Beziehung ist in Sprachlosigkeit gefangen. Während der Vater eine neue Frau ins Haus holt, lernt der Sohn ein Mädchen aus dem Dorf kennen. Zu Weihnachten taucht die Mutter mit einem neuen Liebhaber auf. – "Jagdhunde" ist Ann-Kristin Reyels’ Spielfilmdebüt.
Klopka (The Trap)
R: Srdan Golubovic, D: Nebojsa Glogovac, Natasa Ninkovic, Anica Dobra, Miki Manojlovic, Marko Durovic, Dejan Cukic, Vuk Kostic Serbien/Deutschland/Ungarn 2006, WP, 35mm, 106 min., Serbisch mit engl. UT
Weil er das Geld für die Operation seines todkranken Sohnes nicht auftreiben kann, lässt sich ein Vater auf ein Angebot ein, das ihn in ein unbarmherziges Dilemma treibt zu töten, um das Leben eines geliebten Menschen zu retten.
Pas douce (A Parting Shot)
R: Jeanne Waltz, D: Isild Le Besco, Lio, Steven de Almeida, Yves Verhoeven, Christophe Sermet Frankreich/Schweiz 2006, WP, 35mm, 85 min., Französisch mit dt. UT
Im Affekt schießt eine lebensmüde Krankenschwester im Wald einen Jungen an. Im Krankenhaus treffen die beiden aufeinander. Zunächst drückt sich die junge Frau vor ihrer Verantwortung, doch langsam entdeckt sie Ähnlichkeiten zwischen sich und dem Jungen. Seine Hassausbrüche empfindet sie als willkommene Bestrafung.
L’Esprit des lieux (The Spirit of Places)
R: Catherine Martin Kanada 2006, IP, 35mm, 84 min., Französisch mit engl. UT
Auf den Spuren des Fotografen Gabor Szilasi bereist die Filmemacherineine ländliche Region im Québec. Szilasis 30 Jahre alten Fotografien sind heute Dokumente einer vergangenen Zeit und Lebensweise. Zugleich sind sie Ausgangspunkt für die lebendigen Erinnerungen der verbliebenen Bewohner. – Catherine Martin war bereits 2002 mit "Mariages" im Forum vertreten.
Dans les villes (In the Cities)
R: Catherine Martin, D: Hélène Florent, Robert Lepage, Hélène Loiselle, Ève Duranceau, Béatrice Picard, Markita Boies
Kanada 2006, IP, 35mm, 88 min., Französisch mit engl. UT
Als eine Art Komplementärstück zu "L’Esprit des lieux" erkundet dieser Spielfilm den Alltag und die Gemütszustände von vier Stadtbewohnern in Québecs Metropole Montréal, deren Wege sich kreuzen. So begegnen sich mit der naturverbundenen Fanny und dem blinden Fotografen Jean-Luc – gespielt von Robert Lepage – auch Sehvermögen und das Gespür füreinander.
Dol
R: Hiner Saleem, D: Nazmi Kirik, Belcim Bilgin, Omer Ciaw Sin, Rojin Ulker, Tarik Akreyi Autonome Region Kurdistan/Frankreich/Deutschland 2006, IP, 35mm, 90
min., Türkisch/Kurdisch mit engl. UT
Am Tag seiner Hochzeit muss Azad nach einem Konflikt mit den dort stationierten türkischen Soldaten aus seinem türkisch-kurdischen Dorf fliehen. In der autonomen Region Kurdistan im Nordirak ebenso wie auf seinem gefährlichen Weg in den kurdischen Iran begegnen ihm viele
weitere kurdische Schicksale. – "Dol" wurde vom World Cinema Fund für die Verleihförderung ausgewählt.
Senkyo (Campaign)
R: Kazuhiro Soda Japan/USA 2006, WP, HDCAM, 120 min., Japanisch m. engl. UT –
In der Tradition des Direct Cinema begleitet der Filmemacher den Wahlkampf eines politisch völlig unerfahrenen Kandidaten für Japans Liberaldemokratische Partei im Jahr 2003. Ein ungeschminkter und bisweilen hochgradig komischer Einblick in die Eigenheiten der politischen Kultur Japans.
El Telón de Azucár (The Sugar Curtain)
R: Camila Guzmán Urzúa
Spanien/Frankreich 2006, 35mm, 82 min., Spanisch mit engl. UT –
Die Filmemacherin, in Cuba aufgewachsen, kehrt nach Jahren der Emigration zurück, um dem Glück ihrer Schulzeit in jenen "goldenen Jahren" der Revolution nachzuspüren. Der nostalgische Blick auf den einstigen kollektiven Traum weicht nach und nach dem Eindruck einer widersprüchlichen und desillusionierten Wirklichkeit. Wie sie selbst haben die meisten ihrer Generation dem Land den Rücken gekehrt. – "El
Telón de Azúcar" ist Camila Guzmán Urzúas Debüt.
Apa Khabar Orang Kampung (Village People Radio Show)
R: Amir Muhammad
Malaysia 2007, WP, DigiBeta, 72 min., Malaiisch/Thai mit engl. UT
Porträt ehemaliger Angehöriger einer muslimischen Division der kommunistischen Partei Malaysias, die heute als Bauern im thailändischen Exil leben. Ihre brüchigen Erinnerungen an die Guerillakämpfe verschmelzen mit einer örtlichen Radioshow, einem Shakespearschen Drama um Liebe und Verrat. – 2006 war Amir Muhammads "Lelaki komunis
terakhir" ("The Last Communist") im Forum zu sehen.
Tuli (Tuli (The Circumciser))
R: Auraeus Solito, D: Desiree del Valle, Vanna Garcia, Carlo Aquino, Bembol Rocco, Eugene Domingo Philippinen 2006, HDCAM, 113 min., Tagalog mit engl. UT
Die Coming-of-Age-Geschichte einer jungen Frau in einer isoliert lebenden traditionellen Gemeinschaft auf den Philippinen erzählt von Normen und Anpassung, Verweigerung, erwachender Sexualität und sexueller Selbstbestimmung vor dem synkretistischen Hintergrund von Christentum
und Naturreligion. Auf der Berlinale 2006 gewann Auraeus Solito mit "Ang Pagdadalaga ni Maximo Oliveros" ("The Blossoming of Maximo Oliveros") sowohl den Teddy für den besten Spielfilm als auch den Preis der Internationalen Jury des Kinderfilmfestes/14plus.
Ichijiku no kao (Faces of a Fig Tree)
R: Momoi Kaori, D: Yamada Hanako, Momoi Kaori, Ishikura Saburo
Japan 2006, 35mm, 94 min., Japanisch mit engl. UT
Bizarres Familiendrama in einem Tokyoter Vorort: Nach dem mysteriösen Tod ihres Mannes lebt Maasa zeitweise bei ihrer Tochter, bis sie mit einem neuen Mann in das alte Haus zurückkehrt. Dort entwickelt sie nach und nach Wahnvorstellungen. Die ungewöhnlich inszenierte Geschichte mit skurrilen Seitensträngen enthält animierte Passagen. – Momoi Kaori ist als Schauspielerin bekannt, etwa als pfeifenrauchende Lady in "Memoirs of a Geisha".
Don
R: Farhan Akthtar, D: Shah Rukh Khan, Priyanka Chopra, Arjun Rampal, Kareena Kapoor
Indien 2006, 35mm, 169 min., Hindi mit engl. UT
Remake des gleichnamigen Films von 1978. Im Kampf gegen ein international agierendes Drogenkartell bittet Indien die malaysischen Geheimdienste um Unterstützung. Zielscheibe sowohl der Ermittler als auch so mancher vermeintlicher Komplizen ist der gefürchtete Kartellchef Don – gespielt von Bollywood-Superstar Shah Rukh Khan.
Meng Na Li Sha (Mona Lisa)
R: Li Ying, D: Xiu Xiu, A Quiong
Volksrepublik China/Japan 2007, WP, HDCAM, 110 min., Chinesisch (Henan) mit engl. UT
Als ihre Großmutter im Sterben liegt, entschließt sich Xiu Xiu, ihre Adoptivmutter im Gefängnis aufzusuchen und eine letzte
Familienzusammenführung zu erwirken. Während der langen Heimreise entwickelt sich ein zarter Dialog zwischen Xiu Xiu und der Frau, die beschuldigt wird, sie als Kleinkind
entführt zu haben. Mit einfühlsamem Blick und unmittelbarer Direktheit beleuchtet Li Ying das Schicksal einer zerrütteten Familie in der armen chinesischen Provinz. – Li Ying war zuletzt 2003 mit "Aji" ("Dream Cuisine")im Forum vertreten.
Kurz davor ist es passiert
R: Anja Salomonowitz
Österreich 2006, IP, 35mm, 72 min., Deutsch –
Künstlerische Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Frauenhandels, die auf den realen Erzählungen betroffener Frauen basiert. Ihre Geschichten werden von Personen rezitiert, die mit den geschilderten Ereignissen und Orten in einer Beziehung stehen könnten: einem Zöllner, einer Dorfbewohnerin, einem Bordell-Kellner, einer Diplomatin und einem Taxifahrer. – Auf der Viennale 2006 hat "Kurz davor ist es passiert" den Wiener Filmpreis gewonnen.
A.K.A. Nikki S. Lee
R: Nikki S. Lee
USA 2006, IP, HDCAM, 60 min., Englisch und Deutsch mit engl. UT –
Dokumentation der für ihre Identitätsexperimente bekannten New Yorker Konzeptkünstlerin Nikki S. Lee, in der sie sich selbst in Szene setzt. Ein Jahr lang lässt sie sich von der Kamera auf ihren Reisen um die Welt begleiten und inszeniert die unterschiedlichen Facetten ihrer Arbeit – des Spiels mit immer neuen Identitäten – und ihrer Person.
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Thema: Berlinale 2007
Vor wenigen Stunden wurde die Jury des diesjährigen Festivaljahrgangs vorgestellt. Im folgenden die Pressemeldung der Berlinale:
Ein Mann für gewisse Stunden lautet der deutsche Verleihtitel von American Gigolo, der bekanntesten Regiearbeit des Jury-Präsidenten Paul Schrader. Filmgeschichte schrieb er allerdings mit dem Drehbuch zu Taxi Driver (1976). In der Zusammenarbeit mit Regisseur Martin Scorsese feierte er Erfolge mit Wie ein wilder Stier (1980) und Die letzte Versuchung Christi (1988). Sein Regiedebüt gab Schrader 1978 mit Blue Collar. Es folgte u.a. 1985 Mishima. Herausragend war seine Verfilmung des Romans The Comfort of Strangers (1991) von Ian McEwan mit Nobelpreisträger Harold Pinter als Drehbuchautor. Im Berlinale-Wettbewerb 1992 präsentierte Schrader sein Kriminaldrama Light Sleeper.
Auch die palästinensische Schauspielerin Hiam Abbass schreibt Drehbücher und führt Regie. Die in Paris lebende Schauspielerin hat in herausragenden Filmen der vergangenen Jahre mitgewirkt, so zeigte sie ihre Wandlungsfähigkeit in Satin Rouge und spielte 2004 Die syrische Braut. Zuletzt wirkte sie in Hany Abu-Assads Paradise Now (2005) und Steven Spielbergs München (2005) mit.
Mit Mario Adorf ist ein Kenner des deutschen Kinos Mitglied der Jury. Weit über 120 Film- und Fernsehrollen haben ihn zu einem der bekanntesten Schauspieler Deutschlands gemacht. Adorf spielte in Filmen wie Volker Schlöndorffs Die verlorene Ehre der Katharina Blum und Die Blechtrommel, in Fassbinders Lola und in Helmut Dietls Rossini. Darüber hinaus wirkte er in zahlreichen internationalen Produktionen mit – u.a. von Claude Chabrol, Sergio Corbucci, Sam Peckinpah und Billy Wilder.
Der mexikanische Schauspieler Gael García Bernal ist seit seinem Kinodebüt im Oscar-nominierten Amores Perros von Alejandro González Iñárritu nicht nur in seiner Heimat ein gefeierter Star. Walter Salles besetzte ihn als Che Guevara in Die Reise des jungen Che und Pedro Almodóvar in La mala educacíon – Schlechte Erziehung. 2006 war Bernal in dem Berlinale-Wettbewerbsfilm Science of Sleep – Anleitung zum Träumen zu sehen sowie in Iñárritus Kinoerfolg Babel.
Willem Dafoe gehört zu den profiliertesten US-Schauspielern und gilt als Meister der abgründigen Charaktere. Nach seinem Debüt in Michael Ciminos Heaven´s Gate (1980) erregte er 1986 als Soldat in Oliver Stones Platoon weltweit Aufmerksamkeit. Er beeindruckte in Blockbustern wie Spider-Man ebenso wie in Arthouse-Produktionen von David Cronenberg, Lars von Trier oder Martin Scorsese. Auch als Theaterschauspieler ist Dafoe sehr anerkannt, insbesondere durch die Arbeit mit der legendären „Wooster Group“.
Mit der Filmproduzentin Nansun Shi aus Hongkong kommt eine Frau nach Berlin, die zu den „50 einflussreichsten Machern im internationalen Filmgeschäft gehört“, so das Branchenfachblatt Variety. Einer der großen Erfolge in ihrer 20-jährigen Karriere ist der preisgekrönte Hongkong-Thriller Infernal Affairs, der die Vorlage für Scorseses Departed bildete. Außerdem produzierte sie das Martial-Arts-Epos Die sieben Schwerter von Tsui Hark, der 2005 die Biennale in Venedig eröffnete.
Die Cutterin Molly Malene Stensgaard aus Dänemark schnitt fast alle Filme ihres Landsmannes Lars von Trier - von der Serie Hospital der Geister über Idioten, Dancer in the Dark, bis zu Dogville und Manderlay und hat somit den dänischen Film mit ihrer Handschrift geprägt. Sie arbeitete unter anderem auch für die Regisseurin Anette K. Olesen, deren Film Forbrydelser (In deinen Händen) vor drei Jahren im Berlinale-Wettbewerb zu sehen war.
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Thema: videodrome
Wenig im Leben hat mich als Persönlichkeit so beeinflusst wie Monty Python. Wobei die Pythons für mich im wesentlichen immer eher mit ihrer TV-Serie affiniert waren, während mich an den Filmen, zumindest für eine gewisse Zeit lang, deren Allgegenwärtigkeit abstieß; die Jokes aus dem Kokosnuss-Film schien jeder Depp auf dem Schulhof nacherzählen zu können, den wahren Stoff hingegen gab es am Wochenende spätnachts in den Programmschienen der Dritten Programme, wo der Flying Circus (allerdings mäßig gelungen) untertitelt gezeigt wurde. Bis heute ist die Serie ein Meilenstein und vielleicht das wichtigste Stück Philosophie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Doch kann auch ein schlechtes Publikum gute Filme nicht kaputtkriegen, weshalb vor allem The Life of Brian selbstverständlich einer der ganz großen Filme ist, die man gesehen haben muss. Sei es, weil man als Lateiner den Horror von Deklination und Konjugation nur allzu gut kennt; oder weil man sich als Freund eines ätzenden wie aufklärenden Humors am Witz über hyper-religiösen Irrsinn nicht satt erfreuen kann. Und nicht zuletzt, weil der Film immer exakt diejenigen, wegen denen er gedreht wurde, zum Aufheulen bringt. (wir wollten den Film damals an Ostern im Latein-Unterricht kucken, wohlwissentlich, dass unser Lehrer auch (katholischer) Religionslehrer war, was entsprechend erfreuliche Abwehrreaktionen bis hin zum offenen Blasphemie-Vorwurf nach sich zog) Man wünscht sich solche Filme auch heute wieder, deren Witz radikal respektlos ist, ohne ins dümmliche Geunke zu verfallen.
Auf YouTube kann man sich derzeit die Dokumentation The Secret Life of Brian anschauen, in dem unter anderem die zeitgenössischen Reaktionen auf diesen Film zusammengefasst werden. Sehenswert!
Doch kann auch ein schlechtes Publikum gute Filme nicht kaputtkriegen, weshalb vor allem The Life of Brian selbstverständlich einer der ganz großen Filme ist, die man gesehen haben muss. Sei es, weil man als Lateiner den Horror von Deklination und Konjugation nur allzu gut kennt; oder weil man sich als Freund eines ätzenden wie aufklärenden Humors am Witz über hyper-religiösen Irrsinn nicht satt erfreuen kann. Und nicht zuletzt, weil der Film immer exakt diejenigen, wegen denen er gedreht wurde, zum Aufheulen bringt. (wir wollten den Film damals an Ostern im Latein-Unterricht kucken, wohlwissentlich, dass unser Lehrer auch (katholischer) Religionslehrer war, was entsprechend erfreuliche Abwehrreaktionen bis hin zum offenen Blasphemie-Vorwurf nach sich zog) Man wünscht sich solche Filme auch heute wieder, deren Witz radikal respektlos ist, ohne ins dümmliche Geunke zu verfallen.
Auf YouTube kann man sich derzeit die Dokumentation The Secret Life of Brian anschauen, in dem unter anderem die zeitgenössischen Reaktionen auf diesen Film zusammengefasst werden. Sehenswert!
[via]
Und weil es einfach so ein wunderbares Dokument ist, das mir regelmäßig die Tränen in die Augen treibt: Graham Chapman, co-author of the Parrot sketch, is no more.
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