Thema: Blaetterrauschen
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06. Juni 07 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Heute morgen, beim ersten Pott Kaffee, der mit einer allgemeinen Presseschau einher geht, hatte es mich gefährlich in den Fingern gejuckt. Ein "Ihr Pfeifen" wollte ich den "Journalisten" hinterherschreiben, die von basalsten Grundkenntnissen ihrer Profession, die sich selbst schon den frisch Gymnasien entschlüfpten Häschen im Publizistik-Erstsemester erschließen, offenbar noch nie was gehört haben. Dass man nicht hofberichterstattet beispielsweise, dass Verlautbarungsjournalismus unbedingt zu meiden ist, dass man sich eine Sache nicht zu eigen macht, vor allem aber: Dass man seine Informationsbringern immer auch als Vertreter von spezifischen Interessen einer bestimmten Öffentlichkeitswirksamkeit versteht. Vor allem letzteres gilt gerade dann ganz besonders, wenn man seine Informationen von der Polizei und/oder von einer Staatsanwaltschaft erhält. Man muss weder links, noch rechts, noch Verschwörungstheoretiker sein, um das zu begreifen oder zu beherzigen. Dennoch schreiben fast ausnahmslos alle dieser Herolde, als gälte es vor allem Interessen, Sorgen und Nöte vor allem einer Instanz, eben der Polizei, zu schildern und zu objektivieren. Natürlich hält man sich dabei an Fakten. Doch wenn ich ausschließtlich vom Faktum schreibe, dass die Polizei bei ihrem Einsatz Schwierigkeiten habe, perspektiviere ich die Ereignisse eben schon in einer Weise, in der Objektivität, Maß und Kritik von einer bloßen Mitteilungsverdopplung verdrängt wird.
Geschrieben hatte ich dann doch nichts. Und es stellt sich auch nicht mehr die Dringlichkeit, da der Spiegelfechter heute dazu sehr viel geschrieben hat, worauf ich ja eigentlich nur hinweisen möchte.
Und übrigens nicht umsonst schneidet die hiesige journalistische Kultur im Vergleich zu der in anderen Nationen vor allem aus dem anglo-amerikanischen Raum herrschenden so schlecht ab.
Nachtrag: Die taz bilanziert die vor Gutgläubigkeiten und handwerklichen Defiziten strotzende Berichterstattung.
Geschrieben hatte ich dann doch nichts. Und es stellt sich auch nicht mehr die Dringlichkeit, da der Spiegelfechter heute dazu sehr viel geschrieben hat, worauf ich ja eigentlich nur hinweisen möchte.
Und übrigens nicht umsonst schneidet die hiesige journalistische Kultur im Vergleich zu der in anderen Nationen vor allem aus dem anglo-amerikanischen Raum herrschenden so schlecht ab.
Nachtrag: Die taz bilanziert die vor Gutgläubigkeiten und handwerklichen Defiziten strotzende Berichterstattung.
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Thema: unterhaltung in serie
» Jericho?

Der Fall Jericho bleibt weiterhin heiß: Gestartet als last season's Flaggschiff des Networks CBS erwies sich die Serie, in der sich nach einem nuklearen Schlag gegen die USA Überlebende in einer Hinterland-Siedlung namens Jericho sammeln, trotz eines guten Einstiegs nach einer dreimonatigen Pause zunehmend als Quotenenttäuschung (was im Falle des völlig ins bizarre geglittenen US-Serienmarkts soviel bedeutet wie: nur knapp über 7 Millionen Zuschauer...).
Das Urteil wurde bereits vor Seasonende erahnt und folgte schließlich wenig später im Mai: CBS wird keine weitere Season von Jericho in Auftrag geben. Das ist nicht nur für die dennoch zahlreichen Fans der Serie bitter, da die erste Season offen endet, sondern auch für den hiesigen Lizenznehmer Pro7, der die Rechte an der Serie noch vor der Absetzung erwarb und nun ein gewisses Überzeugungsproblem hat.
Die mittlerweile buchstäblich hochvernetzte "Serienszene" ließ indes auf Protestaktionen nicht lange warten: In einer wahrscheinlich wirklich beispiellos über das Internet organisierten Kampagne wurden Tonnen von Peanuts bestellt - und an die Lieferadresse von CBS geschickt. Die Aktion ist doppeldeutig: Auch Peanuts, also Nippes-Beträge im Finanzjargon, bringen hinreichend Gewicht auf die Waage, vor allem, wenn sie massenhaft angeliefert werden; und völlig "nuts" müssen die Verantwortlichen bei CBS zu sein, wenn sie nicht den Mut aufbringen, einer vielversprechenden Qualitätsserie den Raum zur Entwicklung und Reifung zu bieten.
Weiterhin ist diese Aktion auch dafür Indiz, dass sich der Serienmarkt unter den neu-medialen Paradigmen des Internets und der digitalen Distribution im dramatischen Maße neu strukturiert und deshalb auch nach neuen Geschäftsmodellen und -praktiken verlangt. Bloße Ausstrahlungsquote alleine ist kaum mehr in der Lage, den Erfolg einer Serie zu messen, da die ausstrahlungssynchrone Sichtung zusehends an Attraktivität verliert: DVD-Auswertung, Online-Streamings, zeitversetztes Sehen via TiVo und legaler oder illegaler Download gewinnen zusehends an beachtlicher Relevanz für die Streuweite zumal nicht auf episodic closure setzender Serien jüngeren Formats.
Ob nun die Nüsse ausschlaggebend waren, sei dahingestellt. Jedenfalls rumort die US-Branche derzeit, dass Jericho doch noch nicht zu den Akten gelegt sein könnte. Mit der LA Times, Variety und dem Hollywood Reporter streuen keineswegs nur Gerüchteküchen Meldungen über eine mögliche Wiederaufnahme der Serie. Konkreten Charakter weist zwar noch keine Meldung auf. Doch stehen die Zeichen nicht zum Schlechtesten, dass Jericho, wenngleich in einem wahrscheinlich abgeänderten Format, zurückkehren könnte. Eine acht Episoden umspannende Mini-Serie scheint die attraktivste Lösung zu sein.
Ich halte das für eine spannende Entwicklung. Seh- und Rezeptionsgewohnheiten strukturieren sich zur Zeit dramatisch neu; sollte Jericho doch noch mit Erfolg in die Verlängerung gehen, könnte sich dies als erstes Indiz für eine darauf reagierende Umstrukturierung von Produktion und Vermarktung neuer Serienformate betrachten lassen. Und vielleicht würde es in Zukunft weit weniger tragische Fehlentscheidungen wie die damalige Absetzung von Firefly geben.
Bleibt schlussendlich abzuwarten, was von Jericho selbst zu halten ist. Was ich bis jetzt schon spannend finde, ist das Detail, dass auch hier ein Weltverlust im Mittelpunkt steht. Ich will daraus keineswegs schon voreilige Schlüsse ziehen, doch scheint sich dieses Motiv gerade wie ein roter Faden durch die Landschaft zumindest ambitionierter US-Serien der letzten Jahre zu zeichnen: Ob nun Lost oder Battlestar Galactica, ob Deadwood oder Jericho und bis zu einem gewissen Grad auch Prison Break: Allesamt handeln sie von einer Gruppe, die, mehr oder weniger schlagartig mit einer neuen Lebensrealität abseits vertrauer Welt-Koordinaten konfrontiert, neue Verhaltenspraxen und Ethiken entwickeln muss. Mit etwas Mut zur steilen These will ich dann doch etwas behaupten: Wer in Zukunft die USA der 00er Jahre verstehen will, wird um einen aufmerksamen Blick in diese Serien nicht herumkommen.
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Thema: Blaetterrauschen
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06. Juni 07 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
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