Donnerstag, 3. Mai 2012
Thema: Hinweise
Andreas Beilharz schreibt auf artechock über die Anstrengungen, die es braucht, in Deutschland gute Filme aus Deutschland zu finden. Gewissermaßen auch eine Ergänzung zu Dominik Grafs Text in Zeit vor kurzem.


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Thema: videodrome
Auf der Website des Amherst College gibt es den Videomitschnitt eines Vortrags von Werner Herzog, den der Regisseur dort vor einigen Tagen gehalten hat. Leider nicht embeddable, macht aber nix.



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Michael (Zoé Héran) ist neu in der Stadt. Es ist Sommer, die Schule hat noch nicht begonnen. Michael freundet sich mit einem Haufen Jungs und einem Mädchen, Lisa (Jeanne Disson), an. Man tollt im Wald, spielt Fußball, rauft, schwimmt. Was Jungs in dem Alter - alle sind um 10 herum - eben tun. Lisa mag Michael, Michael mag Lisa, beide küssen sich im Wald, ganz scheu und zaghaft. Dass Michael Laure heißt, erfährt man vom Film erst später, wenn Laure in der Badewanne mit ihrer kleinen Schwester spielt. [weiterlesen bei Perlentaucher]



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Mittwoch, 2. Mai 2012
Thema: Hinweise
Spread the news und aktualisiert Euren Feedreader: David Hudson wechselt von Mubi zu Fandor. Damit sind auch die DailyTweets nun hier zu finden.


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Sonntag, 29. April 2012
Adrian Hovens nach meinem Kenntnisstand recht rarer Krimi Der Mörder mit dem Seidenschal ist derzeit noch für wenige Tage in der Mediathek von Das Vierte zu sehen.

Ein typischer Kraut-Krimi der damaligen Mode steht bei diesem günstig entstandenen Film aus dem Jahr 1966 allerdings nicht zu erwarten: Weder handelt es sich um eine Wallace-Produktion, noch standen hier die üblichen Verdächtigen (Artur Brauner, Horst Wendlandt) Pate. Auch die Wiener Kulisse hebt den Film vom Teutonen-London der Wallace-Filme und ihrer Plagiate spürbar ab: Kein spätbürgerliches Dekors bestimmt die Kulisse, sondern Innenstadtatmosphäre zwischen modernem Café und Kino, zwischen Kiosk, Boulevard und Hinterhof. Mitten drin: Susanne Uhlen, hier wenige Jahre vor ihrer großartigen Rolle in Brynychs Engel, die ihre Flügel verbrennen, in ihrem Debüt, gerade mal 10 Jahre alt. Mit erschrockenen Rehaugen spielt sie als Symbol der in einer verkommenen Welt zuschanden zu kommen drohenden Unschuld alle an die Wand.

Hoven, der als Schauspieler im muffigsten Sumpf des deutschen Trivialkinos begann und nach einem Zwischenspiel für Jess Franco bei Fassbinder landete, dreht im tänzelnden Flirt mit dem modernen Film einerseits, der Filmgeschichte andererseits eine Art urban-düstere Rotkäppchen-Variante: Die Stadt mit ihrem Betrieb ist der Wald, das ringsum alles bestimmende Profitdenken der böse Wolf und der rettende Jäger ein lange im Dunkeln tappender Polizeibeamter, der das Mädchen, das den Mord an ihrer Mutter beobachtet hat, im Wald nicht findet.

Zwei, drei Schwächen mag es geben - auf Juhnke als jungen Ermittlungsassistent mit Pfiff und Witz, sehr deutlich ein Zugeständnis an vergleichbare Typen beim populären Wallace-Franchise, hätte man vielleicht verzichten können -, von der Entdeckung dieses zumindest in Sichtweite zum gerade in Italien (Co-Produktion!) prosperierenden Giallo vorbeisegelnden Krimis sollte dies indessen nicht abhalten. Auch wegen seiner Koketterie mit der urbanen Verruchtheit scheint mir der Film im direkten Zusammenhang mit Dominik Grafs kürzlicher Kritik am Besinnungsaufsatz-Kino im heutigen Deutschland sehenswert: Es bleibt zu erwägen, ob man Hoven in die Reihe von Regie-Ekstatikern, die Graf dort auflistet, mitaufnehmen sollte.


(Mehr großartige Lobby Cards zu diesem Film hier bei Kino-50er)


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Samstag, 28. April 2012
Thema: Hinweise
Das Oberhausenjubiläum und der Filmpreis bedingen gerade wieder einige Wortmeldungen zur Filmproduktion in Deutschland: Beim Perlentaucher gab's "im Kino" diesmal nicht, wie ansonsten üblich, zwei Kritiken zu neuen Kinofilmen, sondern eine kritische Bilanz von Maximilian Linz, der an der dffb studiert(e?) und für arte creative die Webreihe "Das Oberhausener Gefühl" gedreht und produziert hat. Dazu flankierend hat sich Frédéric Jaeger von critic.de mit Max unterhalten. Bereits im März hat Romuald Karmakar ein Videogespräch mit ihm geführt.

Außerdem findet sich in der aktuellen Zeit ein Grundsatzbeitrag von Dominik Graf wider das deutsche Themen- und Fleißstempelchen-Kino.

Nur Lemke ist die Tage still.


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Donnerstag, 26. April 2012
Für sein Buch Film als subversive Kunst habe ich buchstäblich geblutet: Die schöne Ausgabe aus dem Hannibal Verlag hatte ich mir damals, finanziell ging's nicht eben bestens, mit wöchentlich ein bis zwei Blutplasmaspenden erspart. Wie aufgeregt ich war, als ich das Buch dann in Händen hielt, stundenlang darin blätterte und nicht glauben wollte, wieviele Filme (und was für welche!) es da draußen gibt, was für eine Welt da draußen wartet, weiß ich noch heute.

Ein paar Jahre später sah ich auf der Berlinale den schönen, inspirierenden Portraitfilm von Paul Cronin über ihn. Nun ist Amos Vogel tot, habe ich heute nachmittag erfahren. Gegründet hatte er damals den Filmclub Cinema 16, der Filme aus entlegensten Nischen ans Projektorenlicht holte und damit buchstäblich sichtbar machte. Cinema 16 gibt es nicht mehr, bzw. hat sich dieser Filmclub vielleicht nur räumlich entgrenzt (ein wenig gefällt mir der Gedanke, dass Amos Vogel, der sich in seinem Buch auch viel zu Raum und Zeit im Film äußert, mit diesem Gedanken anfreunden könnte): Dass das Internet heute dieses Cinema 16 ist, das gerade ein paar vereinzelte Gestalten aus hässlichsten Motiven kaputtschlagen wollen, beweist schon die Tatsache, dass Paul Cronin seinen tollen Film über Amos Vogel ins Netz gestellt hat, wo viele andere jener Filme, die Vogel, dieser unermüdliche Bildforscher und -sucher, früher nur mit viel Mühen in einen Projektor brachte, nun auch in fast direkter Nachbarschaft zu finden sind. Rest in Peace, Amos.



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Dienstag, 24. April 2012
Thema: Jukebox
Das vergangene Jahr in der Berliner Volksbühne aufgeführte Konzert vom Nekromantik 2-Soundtrack mit Monika M. kann man sich nun hier bei bandcamp anhören/herunterladen (via)



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Samstag, 21. April 2012
Thema: videodrome
Schöne Netzkunst: Ein unkompletter Torrent-Download einer Episode von Mad Men, den Infochunks beim Träumen von sich selbst zusehen (via)



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Freitag, 20. April 2012
Kommenden Montag läuft im Campingplatzkino, das im .HBC in den ehemaligen Räumlichkeiten des Kino Balasz residiert, der selten gezeigte Liebe, so schön wie Liebe von Klaus Lemke - mutmaßlich von DVD, aber zu günstigem Eintritt. Ausführlicher dazu im Überbau.

Tags darauf zeigt das Filmkunst'66, sonst eher Abspielstätte für Pressevorführungen und meist uninteressanteres Arthouse-Programm, mit Will Trempers Die endlose Nacht eine weitere Rarität, die ich noch nicht gesehen habe, die aber viele - und: geschmackssichere - Verehrer vorweisen kann. Ausführlicher dazu im Überbau.





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Mittwoch, 18. April 2012
Vielleicht braucht es das wirklich: Eine Art dritten Weg, wie man Superheldenfilme drehen könnte, neben den glattpolierten Kaugummi-Filmen, wie sie die Marvel Studios derzeit am laufenden Meter auf den Markt werfen und den weltenschweren Wagner-Opern, in denen sich die DC-Gallionsfiguren Superman und Batman in den letzten Jahren im Kino positionierten. Der dritte Weg, den Chronicle vorschlägt, ist - wohl auch: aus Kostengründen - keiner Comicvorlage geschuldet, sehr diesseitig in der Welt orientiert (genauer: recht glaubhaft in dem spezifisch amerikanischen Soziotop zwischen Provinz und Metropole rund um die High-School-Partyszenen und den angeschlossenen sozio-okönomischen Hierarchien und Ausschlusslogiken angesiedelt), eher am Potenzial von Mystery- und Awesomeness-Serien wie Lost und Heroes als an überschaubaren Weltenbrand-Szenarien interessiert (mit einem gewissen Schuss Manga- und Anime-Irrsinn gegen Ende) und arbeitet, schlussendlich, mit der zuletzt sehr populären Handkamera- und Found-Footage-Ästhetik, die die raumgreifenden Allmachtsfantasien des Superheldenstoffs mit der Fragilität (wenn auch pseudo-)dokumentarischer Bilder durchkreuzt. [weiterlesen beim Perlentaucher]



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Mittwoch, 18. April 2012
Thema: videodrome
(K)eine Sekunde zu lang:



(vgl. auch dies)


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Vergangene Woche bin ich für ein paar Tage beim International Film Festival in Istanbul gewesen. Dazu gibt es heute ein paar Zeilen in der taz.

Ein schönes, entspanntes Festival im übrigen - von der thematischen Ausrichtung her mit dem Fokus auf politisches Kino der Berlinale im übrigen gar nicht so unverwandt. Was bei der Berlinale aber oft den Eindruck erweckt, es handle sich bei der Veranstaltung um die Selbstvergewisserung SPD-naher Befindlichkeitspolitik, gewinnt in Istanbul, insbesondere wenn man die türkischen Filme sieht, die die Leute direkt angehen und bewegen, nochmal einen ganz eigenen Drive, nicht zuletzt weil dort ein sehr junges Publikum filmhungrig in die Säle zieht - wohingegen das Berlinalepublikum nicht selten vor allem an der Teilhabe am Event interessiert zu sein scheint. Schon auch, weil das Festival in Istanbul hier wirklich mitten im Stadtzentrum stattfindet - die zentralen Kinos befinden sich direkt in der belebten Fußgängerzone, an dessen Spitze der Taksim-Platz liegt -, und nicht wie in einer künstlich am Leben gehaltenen, faktisch aber lebenslosen Zone wie sie der Potsdamer Platz darstelt, hat man hier den Eindruck, dass Filme samt Festival für einige Tage unmittelbar zum öffentlichen Leben der Leute dazugehören. Auf die Filme färbt dies mitunter, zu ihrem Vorteil, ab.



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Sonntag, 15. April 2012
Auf Abstürze versteht sich der Mann: In The A-Team (2010) ließ Regisseur Joe Carnahan noch einen ganzen Panzer aus heiterem Himmel zu Boden stürzen, natürlich ohne dabei den Leuten darin auch nur ein Haar zu krümmen, gemäß den Auflagen des familientauglichen Popcorn-Blockbusters und der Vorabend-TV-Serie, die als Vorlage figuriert und den Ruf besitzt, noch aus wildesten Scharmützeln alle Beteiligten mit dem Leben davonkommen zu lassen. Ganz anders sieht die Angelegenheit in seinem neuen Film The Grey - Unter Wölfen aus, der sehr konsequent und sehr eindringlich auch die Verwundbarkeit selbst noch robustester Männerkörper zum Thema hat: Mit einiger affizierender Wucht und mit deutlichem Augenmerk auch auf die traumatisierenden Ausmaße inszeniert Carnahan hier frühzeitig im Film einen Flugzeugabsturz über der Eiswüste Alaskas, der als diabolus in machinam sogar noch den Film selbst samt Tonspur ins Stocken geraten lässt. [weiterlesen beim Perlentaucher]



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Sonntag, 8. April 2012
Thema: videodrome
Die neue Episode von Durch die Nacht mit steht jetzt für eine Woche online in der arte-Mediathek. Diesmal dabei: Michael Rooker, den ich seinerzeit im viel zu lange nicht mehr gesehenen Henry - Portrait of a Serial Killer anbetungswürdig fand, und James Gunn, dessen Slither ich nicht ganz so gut wie Henry fand.

Update: Das Video ist mittlerweile offline. Zum Trost: Zwei Ausschnitte aus Hasko Baumanns YouTube-Kanal.





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Samstag, 7. April 2012
Ivette Löckers sehr guter Dokumentarfilm Nachtschichten ist, wenngleich von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, mittlerweile im Kino zu sehen - etwa noch bis 12.April im neuen Berliner Kino Zukunft. Lukas empfiehlt den Film in seinem Blog, eine Empfehlung, der Simon Rothöhler von Cargo bereits gefolgt ist. Da Lukas auch meinen Text in der Dezemberausgabe der Splatting Image anspricht und ich wiederum Lukas überhaupt ursprünglich den Hinweis auf den Film verdanke, will ich den Text gern (wie das immer so ist: in ganz sacht überarbeiteter Form, Texte sind bekanntlich nie fertig) auch hier dokumentieren, in der Hoffnung einerseits, dass mehr Leute die Splatting Image kaufen, vor allem aber andererseits: dass mehr Menschen diesen schönen Film im Kino sehen.

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Mögen die Metropolen der Welt mit ihren Lichterzügen auch noch so dagegen ankämpfen, ihre dunkle Faszinationskraft, ihre Andersweltlichkeit, ihren leicht magischen, leicht unheimlichen Touch hat die Nacht auch heute nicht verloren, wie jeder bezeugen kann, der sich an durchwachte Kindernächte erinnert, in denen Geräusche ein Eigenleben entwickeln oder die Lichter von vorbeifahrenden Autos das eigene Zimmer fremd erscheinen lassen. Von solchen Erlebnissen berichtet auch Ivette Klöcker anfangs in ihrem schönen Dokumentarfilm Nachtschichten und verleiht ihm dadurch von Anfang an eine persönliche Note, ohne allerdings – und dies zum Glück – diesen wunderbar dunkel funkelnden, ganz diesseitigen Film im folgenden in persönliche Noten zu tränken: Kein Voiceover, kaum (keine?) fremde Musik, auch die porträtierten Menschen sind nur selten der Kamera im Gespräch zugewandt. Beobachten, Material sammeln, dieses für sich sprechen lassen.

Die Nacht als Thema also, zumal die Berliner Winternacht, die zum bittersten zählt, was man in Zentraleuropa diesbezüglich erleben kann: Nachtgeschichten über Nachtschichten, um die Schichten der Nacht freizulegen: Zwei Graffitikünstler pirschen sich durchs Feld, ein Polizeihubschrauber leuchtet Berlin aus, eine Nachtwächterin mit ausgesprochener Tierliebe patrouilliert über das Hafengelände, zwei Frauen sind im Auftrag der Stadtmission unterwegs, um nach Obdachlosen in der Kälte zu sehen, ein Lone Wolf genießt es, nachts ganz allein durch die Straßen Berlins zu ziehen, Solo-Basketballspiel mit imaginiertem Ball am Alex inklusive, ein Obdachloser sucht eine trockene Unterkunft, eine Japanerin bereitet sich auf ihren DJ-Gig vor. Allen ist eigen: Weite Teile ihrer Existenz spielen sich „nach Sonnenuntergang“ ab, wie das japanische Wort für „Nacht“ wortwörtlich heißt, wie uns die DJane wissen lässt. Ivette Löcker und ihr Kameramann Frank Amann folgen ihnen auf ihren Wegen in gerade jener schwierig aufrecht zu erhaltenden Zwischenphase zwischen behutsamer Distanz und Einfühlsamkeit, die einerseits dem Gegenstand, andererseits dem Zuschauer keine Gewalt antut, sondern es gerade letzterem gestattet, einen Blick in eine ein zwei, drei Schritte neben dem Alltagstrott liegende Welt zu werfen, ohne diese bereits mundgerecht vorgefertigt vorgesetzt zu bekommen.



Von Seelsorge-Kitsch und der Rhetorik eingeschworener Gemeinschaften gottlob keine Spur, vom Rabaukenstil einschlägiger Boulevard-TV-Magazine selbstverständlich ganz zu schweigen Nachtschichten ist ein Dokumentarfilm im besten Sinne, da er beobachtet und zugleich ein ästhetisches Verhältnis findet, in dem der Film eine Instanz eigenen Rechts bleibt und der Stadt Nachtansichten abringt, die sich dem blanken Auge im Alltag womöglich entziehen: Vom Himmel betrachtet wird eine Wohnsiedlung mit orangenen Lichterzügen zum glühenden Ornament auf samt-schwarzem Grund, ein Schwan schwimmt durch Schollen auf dem Wasser, ein blinkendes Licht aus der Ferne verrät den einsamen Graffitikünstler auf dem Dach. Überhaupt ist der Film, im Dokumentarfilm mit seinen Legionen von „talking heads“ eben doch so selten, von vorne bis hinten ein ästhetischer Genuss, der sich als solcher aber nie zum eigentlichen Reiz des Films aufspielt – Berliner Winternacht, eine Filmambient-Symphonie der Großstadt.



Ganz beiläufig rückt da der gewandelte sensorische Umgang mit der Nacht ins Bild: Der Graffitikünstler erzählt im Voiceover, wie er zum Fuchs wird, der auf den Hasen lauert, wenn er eine Sprühsituation vorab taxiert. Der Schnitt verlässt währenddessen das Geschehen und schiebt das Statement aus dem Inneren des Berliner Polizeihubschraubers über die Bilder, wo ein Beamter mit angestrengtem Blick die Nachtsichtmonitore absucht – immer auf der Suche nach den Graffitisprühern, die in diesem Fall vom Fuchs zum Hasen werden. Es ist eine Art Predatorenlogik, mit der sich viele der Leute durch die kalte Großstadtnacht bewegen, wenn die Nachtwächterin ihren Taschenlampenlichtkegel über und zwischen Container wandern lässt (einmal entdeckt sie dabei eine weiße Ente – was für eine wundervolle Szene, der der Film spontan Raum lässt), die Polizei ein dunkles Wäldchen ausleuchtet, der Obdachlose die Türen von Banken abklappert, ob sie ihm nicht Zugang zum geheizten Automatenraum gehören („gut zu wissen“, sagt er an einer Stelle als er eine geöffnete Tür findet, als recherchiere er für ein Agentenszenario, wo jeder Wissensvorteil Gold wert ist), selbst noch die japanische DJane sucht und jagt die Beats in ihrer Vinylsammlung, die sie mit bunten Stickern nach jeweiliger Klangstimmung vorsortiert.

Schlussendlich bleibt in diesem reflektierten, hypnotisch-faszinierenden Dokumentarfilm vor allem eine Qualität als die herausragendste bestehen: Es menschelt nicht in Nachtschichten, aber er ist menschlich.



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Thema: videodrome
David Lynch als Mickey Mouse.



Bonus: Lynch on Clowns.


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Donnerstag, 5. April 2012
Thema: videodrome
Über die Doku, die Archivmaterial schwedischer Reporter aus besagtem Zeitraum bündelt, hatte ich beim Kinostart etwas für den Perlentaucher geschrieben. Gestern lief der Film auf arte und ist nun für einige Tage in der Mediathek zu sehen. (via) (Nachtrag: Es handelt sich um eine um knapp 30 Minuten gekürzte Fassung - sehr ärgerlich.)



Ein Mixtape zum Film gibt's im übrigen auch:



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