Thema: ad personam
24. Dezember 04 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren

Und in der Tat wirkt das Revival mit Reformen (die Gäste wurden - ein Pluspunkt! - aus der Show gestrichen) bemüht. Wie ein Versuch an alte Tage anzuschließen, um es irgendwie allen recht zu machen. Nur wenige Gags zünden, die meisten laden eher zum Gähnen ein: Es mangelt ihnen an der Würze, am Pfiff, der nun auch bei der alten Show nicht immer vorhanden war, aber im Falle eines Mangels zumindest gekonnt in Kauf genommen wurde. Der Emnidwitz - 197% der Ostdeutschen befürworten eine Rückkehr Harald Schmidts auf dem Fernsehbildschirm auch wenn dies mit sozialen Härten verbunden wäre - ist ein astreiner Rohrkrepierer und die Castro untegejubelte Bomba Atomica ist unwitziger als das Stolpern des Mannes selbst, in das sie windschief digital eingefügt wurde. Dafür viel Selbstbeschaulichkeit und ungemein angestrengte Versuche, sich selbst im deutschen Diskursboot wieder zu verorten: Fit für Deutschland, "Harold explains Germany" - blasse Kopien früherer Glanzleistungen der Überaffirmation.
Das Spielerische und Experimentelle wolle man kurzhalten, konnte man es aus ARD-Chefetagen im Vorfeld hören. Die neue Schmidtshow hinterließ im ersten Anlauf diesbezüglich den Nachgeschmack eines übereifrigen Gehorsams. Zwar war nicht alles schlecht, doch wirkte vieles eingerostet und nur schwer wieder in Gang zu kriegen. Die öffentlich-rechtliche Saturiertheit, die sich durch die Sendung zog und in Haarwuchs und Bart sich widerzuspiegeln schien, könnte dem Anarchischen, das die Schmidtshow zu ihren besten Zeiten auszeichnete, über kurz oder lang das Genick brechen. Dass es auch bei den gebührenfinanzierten Anstalten anders geht, diesen Beweis hat Schmidt längst erbracht: Seine besten Zeiten hatte er zweifellos bei Schmidteinander, damals noch bei den Dritten.
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