Dienstag, 18. November 2003
14.11., UCI Kinowelt Friedrichshain

Retrospektiv wird man für diesen nicht umsonst als Krisenjahr des Unterhaltungsfilms bezeichneten Jahrgang wohl wirklich vor allem auf zwei Filme als "gelungen im Sinne der Intention" zurückblicken: Verbinskis Fluch der Karibik und eben diesen hier, The Italian Job, ein Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahr 1969. Das heißt: Zumindest für letzteren wäre es zu hoffen, denn ob die Besucherzahlen wirklich für eine Verankerung des Films im Gedächtnis sorgen werden, bleibt noch abzuwarten.

Er macht im wesentlichen alles richtig: Eine gewitzte, nie aber formal allzu aufdringliche Inszenierung erzählt die Caper-Story ganz in ihrem Sinne. Eine, auch und vor allem was das biografische Element betrifft, liebevoll zusammengestellte und smarte Gruppe an professionellen Dieben gehen unbekümmert und smart ihrem Handwerk nach, ohne aber reine Hüllen bloßer Coolness, wie etwa in Soderberghs Ocean's Eleven (gegen den an dieser Stelle gewiss auch nichts gesagt sein soll), darzustellen. Im Gegenteil: Sie sind Menschen, denen man gerne bei ihrem Treiben zusieht. Die Action ist reich vorhanden und gekonnt dargeboten, nie aber derart in den Vordergrund gerückt, dass eine reine Materialschlacht das Ergebnis wäre. Wie überhaupt sich der durchweg spannende Film als angenehm testosteron-frei entpuppt.

Einen großen Coup zu bringen, ist ein sorgfältig durchzuführender Drahtseitakt sondergleichen. Einen eleganten, durchweg sympathischen und im besten Sinne des Wortes unterhaltsamen Actionfilm ohne nennenswerte Ausfälle auf die Beine zu stellen ganz ebenso. Der Erfolg der einen Ebene wiederholt und potenziert sich glücklicherweise auf der anderen. Was will man mehr?

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17.11., Kino Balàsz

Die Idee an sich ist eine reizvolle: Die Kriminalitässtatistik eines idyllischen Städtchens irgendwo in Schweden tendiert seit Jahren gefährlich gegen 0.Weil die schrulligen Provinzcops nun deshalb einer Schließung ihrer Station entgegen sehen, inszeniert man selbst ein Verbrechen nach dem nächsten. Was rasantes und gewitztes Treiben verspricht, entpuppt sich lediglich als derbes Lustspiel aus dem Bauerntheater, filmisch behäbig und zotig dargeboten.

Nein, es ist nicht witzig und auch nicht spritzig, etwas minderbemittelten Cops dabei zuzusehen, wie sie eine entflohene Kuh auf dem Dorfplatz einfangen. Es ist auch nicht witzig, wenn's den Einen beim Bowling gepflegt auf die Fresse haut. Oder die üblichen "Wir sind zwar aneinandergekettet, aber ich muss trotzdem scheißen!"-Zoten. Und über einen in den Bilderwelten der Polizeithriller lebenden Cop, der bei jeder Gelegenheit unbeholfen über Motorhauben hechtet und dabei irgendwelches "Fucking-Fucker-You Fuck-With-Me-Motherfucker"-Kauderwelsch von sich gibt, vermag ich auch nur sehr bedingt, wenn überhaupt zu schmunzeln. Wie überhaupt die eingestreuten Parodien: Imaginierte Gangster werden im Matrix-Stil außer Gefecht gesetzt, ebenso imaginierte Schußwechsel versuchen das Element der Groteske in der Ästhetik zeitgenössischer US-Actionkracher zu entlarven. Wie das Projekt der unbeholfenen Cops geht natürlich auch dieser Schuß nach hinten los: Wenn schon die Filme sich selbst recht ernst nehmen, so nimmt kein Mensch mehr dieselbst wirklich ernst. Bewusst übertrieben inszenierte Shoot-Outs bieten die ironische Rezeption selbst schon als mögliche, wenn auch unausgesprochene Option an und diese wird - man blicke sich nur mal in den Kinosälen um - auch dankbar angenommen. Wenn der Europäer hier nun also versucht, das Alberne und Groteske in der Kultur des Amerikaners zu enttarnen, dann enttarnt er in diesem Falle nur sich selbst als dümmlich pöbelnden Trampel. Ein Lustspiel aus dem Bauerntheater, eben. Blickt man dann noch im Nachhinein in die Kritiken, wird daraus schnell ein Trauerspiel.

Beim Gang aus dem Saal noch aufgeschnappt: "Prima, wie da auch den Amis mal endlich hintenrum eins reingewürgt wird." Quod erat demonstrandum, ich strecke die Waffen.

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Thema: Kinokultur
Von 20. - 23. November geht das CineAsia-Filmfestival. Gezeigt werden ganz reizvolle Filme aus den typischen Länderschwerpunkten Hongkong und Japan, ergänzt um eine neue (kleine) Sektion Singapur. Sichtlich wurde sich bemüht, dem Festival noch zusätzlichen Glamour zu verleihen: Einige der Regisseure werden zu den Vorführungen ihrer Filme anwesend sein! Das Programm glänzt mit einigen Highlights: Neben obligatorischer neuer Ware von Miike Takashi - der Mann dreht nicht umsonst bis zu sechs Filme im Jahr und ist deshalb mit zwei Filmen vertreten - gibt es den neuesten Sabu und auch Johnnie To und Wai Ka Fei sind mit Running On Karma vertreten. Eine echte Gelegenheit stellt wohl die Sars-Kurzfilmanthologie 1:99 Sars Shorts dar, in der nahezu alle zeitgenössischen Hongkonger Regisseure von Rang und Namen das traumatisierende Sars-Phänomen von Anfang des Jahres verarbeiten. Neben all diesen großen Namen gibt es selbstredend auch vieles am Rande zu entdecken.

Das Filmtagebuch wünscht von Berlin aus viel Spaß und ein gutes Gelingen!



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