Thema: Blaetterrauschen
15. Februar 04 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
... entgegnet man in der Berliner Zeitung von gestern dem Soziologen Joachim Kersten, als dieser darauf hinweist, dass "Gewalt an der Schule" nicht wirklich messbar zugenommen hat, sondern lediglich die mediale Transparenz. Das ist natürlich den meisten Menschen, die sich mal irgendwie mit eigentlich schon Allgemeinplätzen der Medien- oder Kulturwissenschaft befasst haben, bekannt, dieser Einwurf des Journalisten veranschaulicht aber doch mal wieder auf recht schöne Art und Weise die Bereitschaft in diesem Milieu, den eigenen Bedingungen von Wahrheitskonstruktion unreflektiert auf den Leim zu gehen.
Auch ansonsten ein lesenswertes Interview.
Auch ansonsten ein lesenswertes Interview.
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Thema: TV-Tipps
Wer die Berlinale, bzw. die Retrospektive New Hollywood 1967 - 1976. Trouble in Wonderland nur aus der Ferne beobachten konnte, hat dank einer Filmreihe auf 3sat nun die Möglichkeit, zumindest ein paar Titel nachzuholen, bzw. im Kontext zu sehen.
Die Termine im Einzelnen:
Dienstag, 17. Februar 2004, 20.15 Uhr
Die Reifeprüfung TIPP!
(Mike Nichols, USA 1967)
Dienstag, 17. Februar 2004, 22.25 Uhr
Easy Riders, Raging Bulls (Dokumentation)
(Kenneth Bowser, USA 2002)
Mittwoch, 18. Februar 2004, 22.25 Uhr
Bonnie und Clyde TIPP!
(Arthur Penn, USA 1967)
traeumer@traumtagebuch
Freitag, 20. Februar 2004, 22.30 Uhr
Bill McKay - Der Kandidat
(Michael Ritchie, USA 1972)
Sonntag, 22. Februar 2004, 23.45 Uhr
Asphalt-Cowboy TIPP!
(John Schlesinger, USA 1968)
Dienstag, 24. Februar 2004, 22.25 Uhr
Ehemänner
(John Cassavetes, USA 1970)
Mittwoch, 25. Februar 2004, 22.25 Uhr
Alice's Restaurant
(Arthur Penn, USA 1969)
Donnerstag, 26. Februar 2004, 22.25 Uhr
Der Dialog TIPP!
(Francis Ford Coppola, USA 1973)
Freitag, 27. Februar 2004, 22.30 Uhr
Der König von Marvin Gardens
(Bob Rafelson, USA 1972)
Thomas Reuthebuch:Short Cuts
Montag, 1. März 2004, 23.10 Uhr
Ich bin Wanda (Dokumentation)
(Katja Raganelli und Konrad Wickler, Deutschland 1991)
Dienstag, 2. März 2004, 22.25 Uhr
Wanda
(Barbara Loden, USA 1970)
Mittwoch, 3. März 2004, 22.25 Uhr
Paper Moon TIPP!
(Peter Bogdanovich, USA 1972)
Donnerstag, 4. März 2004, 22.25 Uhr
Chinatown TIPP!
(Roman Polansk, USA 1974)
Freitag, 5. März 2004, 22.30 Uhr
California Split
(Robert Altman, USA 1974)
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Thema: Berlinale 2004
15. Februar 04 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Lepages La face cachée de la lune (Panorama; Kanada 2003) ist im wesentlichen eine recht aufgeblasene Kleinigkeit. Mit etwas Moderne-Tristesse a la Houellebecq angereichert (ohne aber freilich dessen kontroversen Biss auch nur ansatzweise zu erreichen) möchte man auch gerne sowas wie der Stadtneurotiker der 00er Jahre darstellen, ohne dabei freilich Allens Klasse oder Selbstironie zu erreichen. Aufgelockert wird das Ganze durch nett inszenierte Einschübe, in denen Goldfische durchs Weltall zu schwimmen scheinen und ähnlichen Anbiederungsversuchen an ein bildungsbürgerliches Publikum. Man möchte gefallen, koste es, was es wolle. Und man möchte etwas aussagen. Über den State of the Art des sinnlos dahintreibenden Lebens, den alles bestimmenden Narzismus. Man erschöpft sich in erschreckend schmalen Theoremen der Psychoanalyse, die so naheliegend wie egal sind. Alles in allem: Ärgerlich, auch hinsichtlich des teils euphorischen Medienechos, das dem Film hier wie jenseits des Atlantiks zuteil wurde. Allein das Titelthema bleibt Tage lang hängen und vereint in sich mehr Tristesse als der ganze Film. imdbIm Wettbewerb bekam man Eric Rohmers Triple Agent (Frankreich 2003) zu sehen. Auch ich halte den Film im Sinne der Kritik von jump-cut.de (Link folgt) für intelligent, das ändert aber nichts daran, dass ich mich bisweilen ganz fürchterlich gelangweilt habe. Vielleicht weil ich doch zu sehr Genre-Buff bin. Vielleicht weil mich das Thema über weite Strecken auch nicht sonderlich interessierte, bzw. mir, bei aller Intelligenz des Drehbuchs und der Regie, nicht so recht einleuchten wollte, warum dieser Film nun unbedingt noch gedreht werden musste. Vielleicht auch, weil ich mich mit Rohmer schlicht zu wenig auskenne. Wie auch immer: Froh war ich schon, als es vorbei war, will das aber eben nicht unbedingt dem Film anhängen. imdb
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Thema: Berlinale 2004
15. Februar 04 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Unheimliches trägt sich unter (vornehmlich weiblichen) japanischen Jugendlichen zu: Eine nach der anderen erhält einen mysteriösen Anruf aufs Handy, der nicht nur auch vom eigenen Handy kommt, sondern auch noch aus der näheren Zukunft und nichts anderes als den eigenen Tod überträgt. Der tritt in Folge auch meist recht pünktlich ein. Nachdem Yumis Freundeskreis nicht nur rapide geschrumpft ist, sondern auch sie selbst einen solchen Anruf erhalten hat, versucht sie der Sache zusammen mit dem jungen Natsumi auf den Grund zu gehen. Bald schon zeichnet sich ab, dass ein in der Vergangenheit nicht nur wohlwollend behandeltes Mädchen als Ursache für das paranormale Treiben in Betracht gezogen werden darf.
Sounds like Ringu, doesn't it? Und in der Tat ähnelt der neue Miike auf der bloßen Plot-Ebene dem japanischen Schlüssel-Horrorfilm von 1998 über weite Strecken frappant, wenn nicht gar fatal. Dafür unterscheidet man sich aber auf ästhetischer Ebene doch beträchtlich von Hideo Nakatas Film: Hier werden alle Register des technischen Könnens gezogen, um eine gruselige Atmosphäre zu erzielen. Seien es die oft zum Einsatz kommenden Farbfilter, ein ausgefeiltes Sounddesign oder eine zum Teil atemberaubende Kameraarbeit: Für ein paar somatische Schocks, die sich gewaschen haben, reicht das allemal. Auffällig ist auch, mit welcher rein inhaltlichen Reduktion Miike, dessen Name sonst gerne synonym für ein Kino der Transgression verwendet wird, seine Bilder entstehen lässt. Statt fröhlicher Eskapaden mit organischem Material setzt er in One Missed Call eher auf pointierten Einsatz von Grausamkeiten und sucht sein Heil diesmal eher in einer latent gothisch-makabren Atmosphäre und Ästhetik.
Leider aber hat Miike seinen Film vor allem im letzten Drittel nicht mehr so recht im Griff. Wenngleich auf schwindelerregende Trips ins und durchs Körperinnere diesmal verzichtet wird, bricht sein Film doch noch immer, beinahe schon: wie nicht anders gewohnt, aus und verliert sich im Porösen. Will meinen: Zum Ende hin wirds bisweilen etwas beliebig und dramaturgisch eigentlich schon ungelenk. Das mag zwar gegen den Strich gängiger Inszenierungsmodi gebürstet sein, ist aber im Ergebnis dann doch mitunter nur schlicht langweilig, hat man sich erstmal ausgegruselt. Kurzum: Für das offenbar recht ambitioniert gemeinte Ende - auch und gerade in Hinsicht auf das filmische Vorbild -, ist der Film an sich schlicht nicht ambitioniert genug und bleibt, von einigen Spitzen mit Gänsehautgarantie mal abgesehen, eher durchschnittlich in der Welle jüngster Japan-Grusler. Eigentlich schade.Der Film läuft auf den 54. Internationalen Filmfestspielen Berlin im Internationalen Forum des jungen Films.
>> One Missed Call (Chakushin ari; Japan 2003)
>> Regie: Takashi Miike
>> Darsteller: Kazue Fukiishi, Kou Shibasaki, Shinichi Tsutsumi
imdb | katalog (pdf)
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