Sonntag, 29. Februar 2004
28.02.2004, Heimkino

Auch so eine Lücke meiner Jugend in einem wohlbehüteten Gymnasium in der fränkischen Provinz, die hiermit geschlossen wird. Damals hatte den jeder gesehen, nur ich habe das irgendwie verpasst reinzugehen, wollte aber eigentlich dringend, hatte sich halt nicht ergeben. Nun, endlich, kann ich sagen: Allzu viel verpasst hatte ich damals nicht (gesetzt den Fall, "ich" wäre damals kein Anderer gewesen).



So wirklich schnuckelig ist ja eigentlich nur Christina Ricci als kleine morbide Tochter des Hauses. Der Rest ist zwar irgendwie quirlig und verschroben, aber alles scheint auf einer Ebene des bloßen Scheins, des äußeren Witzes zu verharren. Vielleicht hat man in der Zwischenzeit auch nur weit schwärzeren Humor gesehen? Oder aber Tim Burtons regelmäßige Neuauflagen von nostalgischem Genre-Pulp haben die Meßlatte einfach auf eine Höhe gesteckt, die ein sichtlich auf ein Massenpublikum hinkonzipierte Komödie mit schwazhumorigem Kolorit schlicht nicht erreichen kann.

Außerdem bin ich eh mit den Munsters im Nachmittagsprogramm aufgewachsen (immerhin netter Sidekick in diese Richtung in Sonnenfelds Film), die würde ich ja auch gerne mal wieder sehen.

imdb | mrqe


° ° °




Thema: Kinokultur
Vom 25.02. bis 05.05 zeigt das Filmmuseum München eine an die Berlinale-Retrospektive angelehnte Filmreihe New Hollywood 1967 - 1971. Das vollständige Programm findet sich hier (pdf-Download). Kritiken zur Berlinale-Retro aus dem Filmtagebuch sind hier zusammengestellt.



Desweiteren findet dort im März eine Retrospektive zu Romuald Karmakar statt (Programm, pdf), dessen wunderbarer Die Nacht singt ihre Lieder (Kritik) derzeit in den Kinos läuft.


° ° °




Thema: TV-Tipps
Um 20:15 zeigt 3sat mit Solaris (Andrej Tarkowskij, UdSSR 1972) die erste Adaption von Stanislaw Lems gleichnamigem Roman. In elegischen Bildern untersucht Tarkowskij den Verlust der Beziehung des modernen Menschen zur Natur und dessen Solipsismus. Dabei entfernt er sich narrativ wie inhaltlich sehr stark von der Vorlage und entwickelt daraus, ähnlich wie Steven Soderbergh in seiner erneuten Adaption aus dem Jahr 2002, einen ganz eigenständigen Stoff.(bis 22:55)

Im Rahmen des Boxer-Themenabends zeigt arte um 20:45 Martin Scorseses aufwühlendes Biopic des Boxers Jake La Motta Wie ein wilder Stier (USA 1980). Die hitzige Inszenierung von Privatleben und den Boxkämpfen dieses typischen Scorsese-(Anti)Helden und nicht zuletzt Robert de Niros atemberaubende Präsenz machen diesen Film zu wohl einem der intensivsten der letzten 30 Jahre. (bis 22:45)

Im Anschluss an Tarkowskijs mythologischer Anti-Science-Fiction gibt es auf 3sat einen weiteren, ungewöhnlichen Vertreter dieser Gattung zu sehen: In Dune - Der Wüstenplanet (USA 1984) entwickelt David Lynch eine Sci-Fi-Semantik jenseits von Technikbegeisterung und Weltraumoper, sondern setzt ganz auf eine bewusst überhöhte Messiasgeschichte vor barocker Kulisse. In vielen Dingen ein zwar recht typischer 80er Jahre Genrefilm, doch mit genug Profil uind Eigenheiten, die ihn auch heute noch interessant und outstanding machen. Filmtagebucheintrag hier. (von 22:55 bis 01:00)

Für die Nachteulen läuft dann um 01:15 auf ZDF Hal Ashbys ganz und gar bezaubernder Harold und Maude (USA 1971), in dem kein Stein der bürgerlichen Gesellschaft auf dem anderen bleibt, dabei aber nicht verkrampft ideologisch vorgeht, sondern mit Witz, Fantasie und Charme vorgeht. Erzählt wird die Geschichte des todessehnsüchtigen Bürgersohns Harold, der auf einer Beerdigung die quirlige, fantasievolle, bald 80jährige Maude und damit ein Stück Lebensqualität kennenlernt. Man verliebt sich ineinander und bringt gemeinsam die Verhältnisse zum Tanzen - wunderbar! (bis 02:45)


° ° °