Freitag, 2. Juli 2004
29.06.2004, Heimkino

Nichts an diesem Film will Großartiges, Visionäres. Nichts, was davongaloppieren will, was nicht im Dienste der Story und deren Spannung stünde. Dennoch ist The Taking of Pelham 1-2-3 nicht bloße Realisation, sondern ein zeitloses Stück Genrekost jener Sorte, die man sich im Laufe bemerkenswert kurzer Intervalle immer wieder verabreichen kann, ohne dass Abrieb entstünde.

Alles sitzt und passt. Walter Matthaus Sprüche. Der knarzige Gegner, unten in der U-Bahn mit seinen denkbar unterschiedlichen Komplizen. Mr. Green, Mr. Blue und so weiter. Der trottelige Bürgermeister. Die Frau, die ihre eigene Entführung suffbedingt verpennt. Der schwarze Homo. Der Rassist. Die Szenen in der Zentrale, der Unfall des Polizeiwagens. Das letzte Bild des Films, in das Matthau nochmal den ganzen Charme seines Knautschgesichts legt, und wie der Film dann abblendet. Keine Minute, in der nicht irgendwas von Reiz geschieht, in der der Film nicht hochkonzentriert und stets die Effizienz im Visier zu Werke geht. Unterstützt von der knalligen Musik David Shires ergibt sich ein spannender Thriller, wie er nur in New York spielen und in diesen Jahren in den USA entstehen konnte. Ein Film darüber, warum das Unterhaltungskino der 70er Jahre aus us-amerikanischen Landen so ungemein reizvoll ist (ich räume ein, ich bin altersbedingt mit diesen Filmen in den ersten Homevideo-Jahren aufgewachsen, es mag also auch daran liegen).

Das Fazit kann nur eindeutig ausfallen: Genre-Eleganz, gewitzt, gepfeffert. Unwiderstehlich.

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vor kurzem gesehen, im Heimkino

Natürlich ist das ein Film über die melancholische Liebe des Filmemachers zu seiner Passion, des ins Alter gekommenen zumal. Alles noch größer, noch ziselierter, mit noch mehr filmisch-pathetischer Schwermut vorgetragen als alles andere in der dahingehend ohnehin nicht unbeleckten Filmografie. Ein Film, der das Emblem Meisterwerk zu jeder Sekunde vor sich herträgt.

Ich habe eine Lücke geschlossen. In der Tat habe ich den Film zum ersten Mal gesehen. Daran mag es mithin liegen, dass ich des Filmes formale Güte zwar erkennen, von ihr aber keine wirkliche Begeisterung ableiten konnte. Vielleicht fehlt mir der Bezug zum Film, da ich bei einer Sichtung keine Wiederholung eines Initiationserlebnis aus der Filmenthusiastenbiografie vollziehen kann. Er liess mich im wesentlichen: kalt. Die große Geste, so scheint es mir, erdrückt mich als Zuschauer, ich bleibe außen vor und bin bloßer Zuseher, nie aber wirklich involviert. Das Drama, die große Oper blieb im Film und schaffte den Sprung vom Bildschirm in mein Leben nicht.

Natürlich halte ich den Film nicht für schlecht. Einiges hat mir gefallen, sicher. Ich habe mich auch keineswegs gelangweilt (das heißt, so dann und wann, nun ja, hätte eine Raffung vielleicht recht gut getan). Nur ein Film, der derart breit Raum für sich beansprucht, sollte in der Lage sein, mir als Großes und Ganzes mehr zu bedeuten als nur die Summe seiner einzelnen Teile. Und das hat dieser Film, leider Gottes, bei mir nicht bewirkt. Vielleicht in ein paar Jahren, bei der nächsten Sichtung. Das will ich gar nicht ausschließen.

imdb | mrqe
prisma:Sergio Leone | prisma:Robert de Niro


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Thema: literatur


Wunderschöne Ausgabe, leider nicht in meinem Besitz. Hier im übrigen, auf dem Server des Besitzers, noch etwas größer anzuschauen.


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