Thema: Alltag, medial gedoppelt
Sitze so vor dem Rechner, die Balkontür hinter mir offen. Straßenlärm, der mir schon lange nicht mehr auffällt, Geräuschkulisse meines Alltags geworden ist. Plötzlich schwillt an, zu bedrohlicher Lautstärke: Der Soundtrack zu Indiana Jones. Daa-Dada-Daaa Da-Da-Daa, Sie wissen. Kommt von draußen, ist auch gleich wieder weg, schwillt, den Höhepunkt des Pegels erklommen, fast schon symmetrisch wieder ab. Wie eine geisterhafte Nachricht, ohne Sinn, ohne Adressat. Kurz etwas verwirrt, benommen, belustigt gewesen, ein wenig Angst dann vor Leuten bekommen, die im Straßenverkehr mit dieser Vehemenz, am Ende noch mit wehenden Fahnen, Indiana Jones hören.
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Thema: Blaetterrauschen
Er bekomme von sowas Bauchschmerzen, schreibt Georg Diez in der FAZ. Weil er Liberaler ist. Grund für die Beschwerden körperlicher Art: Dyk und Heppner im Duo vereint, allerlei National-ambivalentes singend. Zum einen ja nett, denke ich mir, dass auch die nun nicht unbedingt im Verdacht des Linksextremismus stehende FAZ Kritisches anzumerken weiß und dazu auch gewillt ist. Dann gleichzeitig aber wieder dieses Halbgare. Dieses den Unsinn, der da verzapft wird, ernster nehmen als man ihn müsste. Ihn mit Bedenkenträgermiene aufwerten. Sich letzten Endes doch nur der feuilletonistischen Schöngeisterei verpflichtet fühlen und doch nur Besinnliches, nein, entschuldigen Sie, Nachdenkliches anmerken. Mit Bauchschmerzen aber, immerhin.
Nun sind Bauchschmerzen nichts, was auf Distanz schließen ließe. Wenn man bei etwas Bauchschmerzen hat, dann fühlt man sich ja letzten Endes nur unbehaglich, ist unsicher. Und diejenigen, die heute über Bauchschmerzen klagen, werden in Zukunft wohl die ersten sein, die froh darüber sind, nun nicht mehr an diesen Verkrampfungen von früher zu leiden. Jetzt, so wird man dann sagen, gehe man das ja locker an. Zum Glück, das habe ich hinter mir.
Warum, so frage ich mich bei der Lektüre dieses Textes, der doch nur Gutes will, letzten Endes aber eben doch nur Aufwertung betreibt, zum zwar kritischen, aber eben doch auf Augenhöhe stattfindenden Dialog einlädt, warum nicht einfach mal die geistige Minderbemitteltheit solcher Nationalneurotiker beim Namen nennen, sie ausstellen. Ernsthaft: Wenn eine vor sich hinpubertierende Metalband "I am I and you are you" singt, rümpft man im Feuilleton die Nase. Banales, läppisch, dümmlich. Kaum meint aber einer, mit einem geradewegs wahnwitzig lächerlichem Slogan a la "Wir sind wir" eine national-romantische Saite zum Klingen bringen zu müssen, wird sich allerorten über Bauchschmerzen ausgelassen. Wird Exegese betrieben, schöne Worte gefunden, sich kritisch, aber bewusst auseinandergesetzt. Bedenkenträger beim Tragen von Bedenken. Wir sind wir. Mach Sachen, das wird ja nurmehr von des Müller's Kuh noch übertroffen.
Feridun Zaimoglu hat das letztes Jahr, bei dieser nicht unähnlichen MIA-Debatte, mal ganz gut im Intro auf den Punkt gebracht: "Schwarz ist der Kaffee, rot der Mund, gelb die Sonne - ja, und haarig ist mein Arsch, oder was?" Tacheles sprechen! Wirrköpfe beim Namen benennen! Und vor allem: den liberalen Bauch mal vergessen.
Nun sind Bauchschmerzen nichts, was auf Distanz schließen ließe. Wenn man bei etwas Bauchschmerzen hat, dann fühlt man sich ja letzten Endes nur unbehaglich, ist unsicher. Und diejenigen, die heute über Bauchschmerzen klagen, werden in Zukunft wohl die ersten sein, die froh darüber sind, nun nicht mehr an diesen Verkrampfungen von früher zu leiden. Jetzt, so wird man dann sagen, gehe man das ja locker an. Zum Glück, das habe ich hinter mir.
Warum, so frage ich mich bei der Lektüre dieses Textes, der doch nur Gutes will, letzten Endes aber eben doch nur Aufwertung betreibt, zum zwar kritischen, aber eben doch auf Augenhöhe stattfindenden Dialog einlädt, warum nicht einfach mal die geistige Minderbemitteltheit solcher Nationalneurotiker beim Namen nennen, sie ausstellen. Ernsthaft: Wenn eine vor sich hinpubertierende Metalband "I am I and you are you" singt, rümpft man im Feuilleton die Nase. Banales, läppisch, dümmlich. Kaum meint aber einer, mit einem geradewegs wahnwitzig lächerlichem Slogan a la "Wir sind wir" eine national-romantische Saite zum Klingen bringen zu müssen, wird sich allerorten über Bauchschmerzen ausgelassen. Wird Exegese betrieben, schöne Worte gefunden, sich kritisch, aber bewusst auseinandergesetzt. Bedenkenträger beim Tragen von Bedenken. Wir sind wir. Mach Sachen, das wird ja nurmehr von des Müller's Kuh noch übertroffen.
Feridun Zaimoglu hat das letztes Jahr, bei dieser nicht unähnlichen MIA-Debatte, mal ganz gut im Intro auf den Punkt gebracht: "Schwarz ist der Kaffee, rot der Mund, gelb die Sonne - ja, und haarig ist mein Arsch, oder was?" Tacheles sprechen! Wirrköpfe beim Namen benennen! Und vor allem: den liberalen Bauch mal vergessen.
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Thema: Blaetterrauschen
26. August 04 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Der "Caligarismus" war für ihn ästhetisch eine Sackgasse, soziologisch aber der Stoff für sein größtes Denk-Abenteuer zum Film: "Von Caligari zu Hitler" handelt von Filmen, die den Tyrannen schon träumen, bevor er in der Wirklichkeit seine Gestalt gefunden hat. Seitdem behandeln wir Filme nicht mehr nur als "Abbilder", sondern auch als "Symptome". Da hat er uns ein neues Spielfeld hinterlassen, der "Dr. Kracauer". Und eine neue Fehlerquelle.
Georg Seeßlen bereits am vergangenen Sonntag in der WamS mit Mit Kracauer ins Multiplex, anlässlich der Neuauflage des Werks des Filmsoziologen.
[via filmfilter]
Georg Seeßlen bereits am vergangenen Sonntag in der WamS mit Mit Kracauer ins Multiplex, anlässlich der Neuauflage des Werks des Filmsoziologen.
[via filmfilter]
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Thema: Kinokultur
26. August 04 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Generically, The Brown Bunny is a low-budget road movie in which, after losing a meet in New Hampshire, itinerant motorcycle racer Bud Clay (Gallo) drives back to Los Angeles, plaintive folk-rock on the soundtrack and his windshield increasingly bug-spattered. As Gallo's superbly eccentric first feature, Buffalo '66, rewrote and deflated Taxi Driver's portrait of loner alienation, so his second punctures the self-aggrandizing narcissism and self-conscious social psychodrama of Easy Rider right down to the lyrical light-struck footage and perverse literalization of the Peter Fonda character's petulant punchline: "We blew it!"Jonathan Haberman in der Village Voice über Vincent Gallos Brown Bunny.
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