Dienstag, 18. Juli 2006
Thema: Hinweise
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A blog dedicated to the archaeology of Jess Franco's films and career... [via]


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Immer wieder beeindruckend finde ich den Output der deutschen Filmindustrie der 20er Jahre. Heutzutage subsumiert man das ja gerne anhand einiger Schlagworte; Expressionismus, Metropolis, Mabuse, ein bisschen Lang und Murnau, ein bisschen UFA, Schatten gäbe es in diesen Filmen oft zu sehen und Hitlerfiguren wurden da überall schon vorausgewähnt. Aus den Zahlen, die ich gerade vor mir habe, da ich für eine Klausur (allerdings an der Publizistik) lerne, geht indes hervor, dass alleine im Zeitraum von 1923 bis 1929 in Deutschland sage und schreibe 1519 Langfilme produziert wurden. Alleine diese Dimensionen - und die Tatsache des immensen finanziellen Erfolgs der seinerzeitigen deutschen Industrie - verdeutlichen, dass der Verweis auf Filmexpressionismus und Schattengestalten nur höchst unbefriedigend sein kann; Filmwissenschaftler wie Thomas Elsaesser betonen schon lange die motivische und ästhetische Differenziertheit des Weimarer Kinos und heben zahlreiche Beispiele für elaboriertes Filmemachen in dieser Spätphase des Stummfilms hervor.

1519 Spielfilme in 7 Jahren, man muss sich das mal vorstellen. Ich bin mir sicher, dass dort neben viel Unerheblichem auch eine Großzahl filmischer Juwelen vergraben liegt, die einen anderen Blick auf Filmgeschichte gestatten. Umso schmerzlicher ist es, dass schon gerade mal nur die allerüberkanonisierten Filme es überhaupt auf DVD schaffen. Der Rest, darf man wohl sagen, ist zumindest einer über Filmhistoriker und andere Experten mit Zugang zu Archiven hinausgehenden Öffentlichkeit auf ewig verloren.


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