Thema: FilmKulturMedienwissenschaft
26. September 06 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren

Vor kurzem ist die zweite Auflage des vorübergehend nicht erhältlich gewesenen Tagungsbandes Splatter Movies. Essays zum modernen Horrorfilm bei Bertz+Fischer erschienen. Der Band geht auf die 2003 vom Graduiertenkolleg "Codierung von Gewalt im medialen Wandel" organisierte und rege besuchte Tagung "Bodies that splatter" zurück, die internationale Forscher zum Thema zusammenbrachte. Für die zweite Auflage wurden die Beiträge nochmals durchgesehen. Auf der Infoübersicht des Verlages besteht die Möglichkeit, das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung per pdf-Datei einzusehen. (Von mir selbst stammt die Sektionseinleitung "Splatterwerkstatt Deutschland")
Nachträglich wurde der Band in die neue Reihe Deep Focus einsortiert, die das filmpublizistische Angebot des Verlages um dezidiert filmwissenschaftliche Beiträge ergänzen soll. Angekündigt sind bislang unter anderem eine Aufsatzsammlung von Thomas Elsaesser und die Habilitationsschrift von Marcus Stiglegger.
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Noch ein Nachtrag zum Grundeinkommen: Zur sozusagen vollautomatisierten Vernetzung empfiehlt sich natürlich ein Tool wie http://del.icio.us - unter dem Stichwort 'Grundeinkommen' formiert sich ganz von alleine ein kollektiv zusammengetragener Linkdump und Newsticker zum Thema. Und per RSS-Abo des Feeds ist man immer auf dem neuesten Stand (als Online-Reader empfehle ich im übrigen netvibes.com).
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Thema: Hoerkino

Man findet mittlerweile so viele schöne Musik im Netz und das vollkommen umsonst und obendrein legal. Manche Musiken werden mir liebe Begleiterinnen durch Abende und Nächte, als nebenher laufender, nicht ganz easy listening gewordener, aber doch grundierender Soundteppich. Auf eine ganz merkwürdige Weise hat mich dabei die Netlabel-Veröffentlichung Five Jules Verne Herzoes des französischen Akustikbastlers Patrick Wiklacz a.k.a. Ambient Field (hier auch mit Blog vertreten) fasziniert. Der Titel gibt dabei schon das Konzept wieder: Fünf Figuren aus dem Oeuvre Vernes wird musikalisch gehuldigt; und weil Vernes (bekanntere) Romane zumeist von Reisen handeln - hinein in die Sphären des Unbekannten, noch nicht Erschlossenen - reist auch diese Scheibe in Klangwelten.
Und dabei gelingt etwas ganz Entzückendes: Wenn ich das recht verstehe, greift Ambient Field für seine Arbeiten auf analoge und klassische Synthesizer zurück. Es muss an der Haptik dieser Geräte liegen, nicht zuletzt vielleicht an ihrer Taktilität, ihrer Materialität, jedenfalls: Five Jules Verne reist in eine, durchaus retro-futuristisch zu bezeichnende Klangwelt, wie sie in den 70er Jahren etabliert wurde und erweist sich darin anschlussfähig. Da steckt viel Experiment im Klang, vielem kann man zu später Stunde bei gedämpftem Licht nachhören; vielleicht geht das auch deshalb so gut, weil diese Musik nicht am Bildschirm entstand, sondern beim Tasten und Setzen und seinerseitigem Hinhören.
Das Resultat ist geerdet, aber im besten Sinne auch utopisch; wie Verne eben auch utopisch war. Und wie es heute noch ein unbedingtes Vergnügen ist, Vernes Gedankengängen und Verrenkungen nachzuspüren, diesem Glaube an mögliches Zukünftige und der Spekulation, wie es beschaffen sei, so lässt auch Five Jules Verne Heroes Zukunft wieder modellierbar erscheinen - im Rückgriff auf Zukunftsbegriffe des Vergangenen; wie alte Science-Fiction-Hörspiele aus dem Radio. Und dies immerhin ist, als Geste in einem Feld, das unter Zukunft nur mehr kurzfristig wirksame Symptombehandlung versteht, nun nicht eben wenig.
Erschienen bei Nishi Records, hier die Release-Seite auf archive.org.Nemo Michel Strogoff Choir for Dardentor Phileas Fogg Ygene
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