Sonntag, 5. November 2006
Thema: Hoerkino
  • Sunn o))) & Boris: Altar.
  • Jan Jelinek: Tierbeobachtungen.
  • Isis: The Absence of Truth.
  • Red Sparowes: Every Red Heart Shines Toward the Red Sun.
  • Beirut: Gulag Orkestar.
  • Alle total super - ich würde jetzt schon sagen: meine Platten des Jahres - und um soviel besser als alles an Gefälligkeits-Schmockpop, der einem sonst immer bei jeder Gelegenheit als "total gut ey" angepriesen wird. Überhaupt wie supi-wurscht dieser ganze "Indie"-Tralala ("Indie", mit Gänsefüßchen, heißt im übrigen was anderes als Indie oder Independent (ohne Gänsefüßchen), das entspricht so in etwa dem Unterschied von "Ich bin Student" und "Ich studiere") mittlerweile ist, hihi. Ich mein, mal echt, "Klatscht in die Händ' und sagt: Jawoll" oder die "Arschkalten Affen" und wie die alle heißen: Das ist so super-gähn, da kann man ja gleich wieder ins Bett.



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    Auf der Berlinale hatte mir V wie Vendetta nicht wirklich gefallen, aus Gründen, zu denen ich auch jetzt noch stehe. Was sich aber nach erneuter Sichtung - und die zumal nur vermittels eines kleinen Fernsehgeräts - zeigt, ist, dass der Film abseits eines großen Kinosaals weit besser funktioniert. Als Produktion für den Videomarkt wäre der Film gut zu haben, wenn man ihn hier nun als das Pendant zum eine Spur zu schlecht geratenen Groschenroman begreift, der als Lückenfüller seine Funktion aber erfüllt, für zerstreutes Zusehen eben hinreicht und in den man sich in den passabelsten Momenten zumindest mit etwas Eigenleistung hineinfreuen kann, der qualitativen Mängel dabei voll bewusst. Das klingt jetzt vielleicht herablassender als es gemeint ist, zumal, wenn man die Begriffe als bildungsbürgerliche Kategorien fasste; ich wäre aber jederzeit bereit, auch der nur passablen Trivialität ihre legitime Rolle zuzugestehen und diese zu verteidigen, solange sie sich als solche eben auch begreift und sich entsprechend, dem Rahmen gemäß, verhält. [etwas ganz anderes wiederum ist freilich die fast schon ballistische Dynamik des rundheraus wahnwitzigen Schundprodukts, das weder Gesetz noch Moral kennt und darin seine ganze Größe entfaltet]

    Deswegen sind die Schwächen des Films nicht aus der Welt, auch das Bedauern der ungenutzten Möglichkeiten der Vorlage ist nicht gemindert. Aber man ist doch eher bereit, sie dem Film nachzusehen, wenn er einem nicht von der großen Leinwand auf den Schoß fällt und sich dann nicht recht Erkenntnis einstellt, was man denn nun damit anfangen solle. Im weiten Feld der direct to video-Produktionen wäre Vendetta sicher ein Ereignis gewesen, wenngleich auch nicht der geeigneteste Kronzeuge für eine Apologetik dieses Segments. Aber der Rahmen wirkt eben immer und unbedingt auf das Gezeigte ein; ein Film für einen A-Festival-Wettbewerb - und wenn es sich um den der Berlinale handelt - ist er nicht (und, eben, auch kein Blockbuster, der der größtmöglichen Leinwand bedürfte).


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