Samstag, 5. Mai 2007
Nun habe ich ja schon seit einiger Zeit keinen Fernsehempfang mehr, da ich zum Umstieg auf DVB-T bislang nicht die geringste Dringlichkeit gesehen habe. Vermutlich wird sich das auch weiterhin nicht ändern. Deshalb hatte ich ja auch keine Ahnung davon, welche Zumutungen man dort dem Publikum mittlerweile gleichmütig andient. Manchmal lässt man sich eben doch was aufnehmen, zum Beispiel einen der vielen Italowestern, die auf Tele5 in schöner Regelmäßigkeit ausgestrahlt werden, um dann, wie heute geschehen, aus allen Wolken zu fallen.

Der Film ist in seiner Darbietung völlig ungenießbar. In der Bildfläche nimmt er allenfalls noch gut ein Drittel ein, der Rest ist vollgestopft mit blödsinnigen SMS-Sprüchen und anderen Reklametafeln. Ungläubig spulte ich vor - das einzige Vollbild, das ich erhalten habe, war das eines nackten Frauenarsches aus irgendeiner Sexhotline-Reklame, der mir in eindeutiger Absicht entgegen gestreckt wurde - hallo, Werbeblock, wenigstens Du bist nicht beschnitten. Aber, ach...

Vom Film habe ich kaum eine Minute angeschaut. Die Aufnahme wandert umgehend in die Tonne. Mir ist es völlig unbegreiflich, wie man sich ein solches Geschäftsmodell ausdenken kann - Profitmaximierung durch nichts anderes als aktive Kundenvergraulung mit Nachhaltigkeitseffekt? Wie, bitte schön, kann man denn unter solchen Vorzeichen für sich überhaupt noch mit "Wir lieben Kino" werben, ohne rot zu werden? Ja, Tele 5, Du bist gemeint!

Das Kabel- und Privatfernsehen - einst werbewirksam als Garant für die Bereicherung von Programmvielfalt angetreten - serviert sich derzeit, scheint's, auf ganz beispiellose Weise selbst ab. Ich werde diesem Markt auch weiterhin nicht mehr zur Verfügung stehen. Ich wühle schließlich auch nicht im Altpapier, um mich mit aus gutem Grund weggeschmissenen Werbeprospekten für die eigene Feierabend-Unterhaltung einzudecken. Ich freue mich auf die erneute Gebührenerhöhung der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender, hoffe darauf, dass die Sender dann noch stärker das Netz nutzen können, und befasse mich dann gezielt mit Qualitätsrundfunk, der sein Geld wert ist. Und weit kostengünstiger als das vermeintlich "kostenfreie" Privatfernsehen ist es noch obendrein [schon mal gefragt, woher eigentlich das Geld für all die Werbung für all die Produkte kommt, die man täglich im Supermarkt kauft?]


° ° °




Thema: Hinweise
» ...
Dietrich Kuhlbrodt bespricht exklusiv für die filmzentrale den neuen Dokumentarfilm Nicht Böse sein!, der im Februar vor den Toren der Berlinale im Regen Premiere feierte.

Kinostart: September 2007. Offizielle Website hier.


° ° °




Thema: Hinweise
Neu auf GreenCine: Ein Interview mit Guy Maddin, einem der derzeit vielleicht interessantesten Experimental-Filmemacher weltweit.


° ° °




Thema: Kinokultur
Unter den wohlwollenden Augen von Günther Rohrbach hat sich gestern die Speersptze des deutschen Gefälligkeits- und Qualitätskino selbst mit Preisen beschmissen. Die Speerspitze des deutschen Gefälligkeits- und Qualitätskino weiß schließlich selbst am besten, dass sie nicht nur für das gute Kino aus Deutschland, sondern überhaupt für das deutsche Kino steht. Gestern abend wurde der Deutsche Filmpreis verliehen. Eine kommentierte Auswahl all dessen, was im Zuge grassierender Betriebsblindheit und Selbstgeilheit noch nicht einmal nominiert wurde, ist heute in der taz zu finden, Cristina Nord und Ekkehard Knörer sei's gedankt.

Ich kenne bislang zwar nicht alle dieser aufgelisteten Filme, doch die, die ich davon kenne, sind großartig. Wenn Sie die Tage in einer Videothek oder im Kino gezielt deutsche Filme kucken wollen, dann tun Sie sich einen Gefallen: Nehmen Sie /diese/ Liste als Orientierungsgrundlage.


° ° °