Dienstag, 13. Januar 2009
Thema: Kinokultur
Auf eines der ambitioniertesten Filmblogs und dessen Aktivitäten bin ich vor kurzem erst wirklich aufmerksam geworden: In Shooting Down Pictures schließt Kevin Lee seine Lücken in der (wirklich großartigen) Meta-Hyper-Über-Top1000-Liste von They Shoot Pictures. Und nicht nur das: Den Beobachtungen und zusammengetragenen Informationen zu den einzelnen Filmen stellt Lee höchst informative, zuweilen in Kooperation mit Filmbloggern und -kritikern (darunter namhafte wie J. Rosenbaum oder B. Ruby Rich) erstellte, kurz also: ziemlich großartige Videoessays zur Seite, die, was in der Natur der Sache liegt, vom ursprünglichen Material reichlich Gebrauch machen.

Womit wir beim Ärgernis angekommen wären: Wegen vermeintlicher Copyrightverstöße hat YouTube Kevin Lees Account vollständig gesperrt und sämtliche (im Netz mittlerweile weit gestreute) Videos gelöscht (glücklicherweise verfügt Kevin Lee über Backups). Meines Erachtens sollten solche Arbeiten über eine hinreichende Schöpfungshöhe verfügen, um geschützt zu sein, und selbst wenn das Recht nicht auf Kevin Lees Seite stehen sollte, so müsste ein Rechteinhaber doch vom blanken Irrsinn getrieben sein, wenn er in einem aufwändig erstellten Videoessay allenfalls einen Rechtsverstoß sieht, nicht aber die werbewirksame zusätzliche Öffentlichkeit, die einer seiner Backprogramm-Filme durch eine solche Zuwendung erfährt.

Kevin Lees Mitstreiter Matt Zoller Seitz widmet sich auf The House next Door in einem äußerst ausführlichen Posting dem Vorfall: In einer zukünftigen Geschichte des Urheberrechts, schreibt er, sollte der 12.Januar 2009 als einschneidendes Datum betrachtet werden.

Wie auch immer die rechtliche Situation aussieht: Einmal mehr offenbart sich in solchen Maßnahmen das mittlerweile völlig Unzeitgemäße bestehenden Urheberrechts. Ähnlich wie im Falle des in der englischsprachigen Film-Blogosphäre bereits häufig diskutierten Animationsfilms Sita sings the Blues, dem zwar auf Festivals ein ungeheurer Erfolg beschieden war, wegen einiger fast 80 Jahre alter Lieder im Soundtrack derzeit aber nicht veröffentlicht werden kann (auf ihrem Blog schreibt Regisseurin Nina Paley hierzu Näheres), verhindert eine medienhistorisch nicht mehr zeitgemäße Urheberrechtskultur neue Werke und Ausdrucksformen.

Copy kills Music, blies es lange Zeit aus dem zusehends obsolet werdenden rechteverwaltendem Zweig der Musikindustrie (der, man muss es immer wieder betonen, mit dieser /keineswegs/ identisch ist). Die Zeichen der Zeit lassen mehr und mehr erkennen, dass diese Parole eine blanke Charade ist, um die Faktizität des genauen Gegenteils zu verbergen.

Und weil es dazu passt, Stephen Colbert und Lawrence Lessig im Streitgespräch:


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Thema: videodrome


By Art Grootfontein.

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