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Timecrimes gehört zu jener Sorte kleiner, clever konstruierter (Genre-)Filme, über die man im Vorfeld möglichst wenig wissen sollte, denn die ständige Perspektivverschiebung, das ständige Spiel mit den (auch durch die mitgebrachten Erfahrungen und Genrekenntnisse bedingten) Erwartungen ist sein Hauptmanöver. Und dies nicht nur auf Seiten des Zuschauers: Gerade und besonders auch die Hauptfigur, Hector (Karra Elejalde), muss hier die Ereignisse, die sich ganz arglos, eigentlich nur durch einen bisschen awkwardness, buchstäblich von selbst - oder doch nicht? - abrollen, von immer wieder neuer Warte aus betrachten. Dass hierbei schon die Promotion des Films auf falsche Fährten lockt, ist nur konsequent.

Dass es um Zeitreisen geht, stellt schon der Titel in Aussicht. Und das sich daraus ergebende, in seiner Auflösung mit dem Kubismus zumindest liebäugelnde Paradox aus Ursache und Wirkung, aus Kausalverhältnissen und Intentionen, ist Vigalondo schon ganz famos gelungen. Selten hat im Genrekino mitpuzzeln soviel Spaß gemacht. Und bei aller Gewitztheit bleibt Timecrimes dem Genrekino durchaus verbunden, im besten Sinne.

Angeberkino hingegen ist Timecrimes nicht. Weder wird der Zuschauer auftrumpfend überrumpelt, noch wird er von ausgestellter Kunstfertigkeit an die Wand gedrückt: Vigalondo hat sein - man muss das wirklich betonen: - Debüt gänzlich unaufgeregt, mit ruhiger Hand, fast schon gedämpft gedreht. Es dauert sogar eine kleine Weile, bis man seinen Film ästhetisch und inhaltlich eindeutig abgrenzen kann von einem mutmaßlichen Beziehungsdrama in einem abgelegenen Familienhaus, wie man es wahlweise von der "Berliner Schule" oder einem Haneke erwarten könnte.

Was aber folgt ist ungeheuer wahnwitzig und von seiner Idee her so naheliegend wie zugleich originell. In seiner Umsetzung vielleicht ein klitzekleines bisschen zu ausgezirkelt, aber nichtsdestotrotz ein Heidenspaß, wie sich das Blatt von einem Kapitel zum nächsten wendet - und doch nicht.

Den Namen Nacho Vigalondo jedenfalls sollte man sich merken. Ich bin mir sicher, da wird noch einiges von Interesse kommen.



° ° °




kommentare dazu:



roland, Mittwoch, 27. Mai 2009, 09:30
Bei mir kam der nicht so an, mir erschloss sich so gar nicht die "Zwangsläufigkeit" mit der sich die Geschichte abspult, heißt die Motivationen kommt mehr so aus der Konstruktion, nicht aber aus den Figuren (was du also vermutlich mit "zu ausgezirkelt" meinst, hatte dann bei mir höheres Gewicht).


thgroh, Mittwoch, 27. Mai 2009, 13:39
gerade das paradox mit der zwangsläufigkeit fand ich hübsch, weil'S eben die kausalketten munter durcheinander würfelt. es entsteht ja der eindruck, alles würde dreimal ablaufen - was auf der imdb zur diskussion führte, wo und wann quasi der "erste beweger" auszumachen sei. was aber natürlich schmarrn ist: Weil alles ja nicht dreimal, sondern einmal abläuft - nur aus drei untereinander verschobenen perspektiven. gerade diesen wunderbaren irrsinn fand ich schon schick :-))



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