20.11., UCI Kinowelt Friedrichshain

Was den transnationalen Konzernen recht ist, scheint dem Franchise nur billig: Die Fusion. Getreu der Regel, dass ein Sequel - zumal in einem Serial, dass das Element des Seriellen schon innerhalb der Narration zum eigentlichen Gegenstand erhoben hat - immer schneller, dramatischer, knalliger und besser zu sein, vor allem aber von allem ein deutliches Mehr aufzuweisen habe, stellt Freddy vs. Jason den logischen Endpunkt zweier Slasherfilmwelten dar. Noch bizarrer hätte man Freddys Traumwelten vermutlich nicht gestalten, noch vertrackter als in New Nightmare (Wes Craven, USA 1994) hätte man das Verhältnis zwischen Film, Traum und Realität wohl kaum verhandeln können und wo hätte man Jason Voorhees noch morden lassen können, nachdem er in der vorangegangenen Inkarnation bereits in einer futuristischen Science-Fiction-Umgebung die Machete schwingen durfte? Die Konfrontation innerhalb einer Akkumulation beider Universen - seit Jahren Gegenstand spekulativer Pausenhofgespräche und Internetdiskussionen - bietet hier eine so naheliegende wie ökonomisch gut verwertbare Option.

Doch die Konfrontation ist zunächst keine. Freddy Krüger leidet unter den Konsequenzen der effizientesten Form der Zensur, dem geflissentlichen In-Vergessenheit-geraten-lassen. Jeder Mord, der im Zusammenhang mit dieser Kreatur steht, wurde aus den Mikrofilmarchiven der Bibliotheken gestrichen, die wenigen Überlebenden bei Nacht und Nebel in weit entfernt liegende Psychiatrien eingewiesen, um dort als Versuchskaninchen für traumunterdrückende Medikamente herzuhalten, die Hausnummer 1428 in der Elm Street, dereinstige Wirkstätte des Kindermörders, von Grund auf renoviert, der Name Freddy Krüger aus dem Sprachgebrauch verbannt. Dergestalt im Nachhinein aus den Diskursen gestrichen, geht Krüger der Quelle seiner Macht verlustig: Angst. Ein Plan gegen das Verschwinden ist schnell geschmiedet: Der untote Jason Voorhees aus der Freitag der 13.-Reihe wird wiederbelebt und in die Elm Street entsandt, um dort wieder die Angst vor Krüger entstehen zu lassen.

Der unachtsam ausgesprochene Name Krügers wird ihm dabei zum Komplizen. Er verbreitet sich wie ein Lauffeuer unter den verstörten Jugendlichen, die darob nach jenem ominösen Bürger der Stadt und den vertuschten Vorkommnissen zu forschen beginnen. Und vom Wort zum Fleisch ist's bekanntlich kein weiter Weg: Von harmlosen Schreckspielchen aus führt dieser in den Träumen der Opfer in spe über ausgemachte Metzeleien hin zur ganz physischen Auseinandersetzung im Hier und Jetzt. Dies ermöglicht freilich ein dem ersten Teil des Reihe entommener Kniff, der dafür sorgt, dass was im Moment des Erwachens im Traum festgehalten wird, sich auch im Wachzustand noch in den Händen befindet.

Die symbiotische Aufteilung der Wach- und Traumwelten unter den beiden Slasherhelden entwickelt anfänglich gewissen Reiz, zumal dann, wenn sich erste Konkurrenzen auftun: Ein Wettlauf um die Opfer beginnt. Wer immer in seiner Domäne ein solches richtet, schnappt es dem anderen, meist buchstäblich, vor der Nase weg. Diese Allegorie auf die ökonomische Beziehung zwischen den beiden Serials (die nach der Übernahme der Rechte am Friday-Franchise durch New Line Cinema - Grundlage für die Entstehung dieses Films - eh nur noch bestenfalls symbolischer Natur war) begründet letztendlich das "versus" im Titel: Die finale Auseinandersetzung zwischen beiden ist erklärtes Ziel des Films, den Teenagern fällt nach gut halber Spielzeit, alleine schon aus offensichtlichem Eigennutz, nur mehr die undankbare Rolle der Organisatoren dieses Treffens anheim.

In dieser Stringenz liegt im wesentlichen auch die Schwäche des Films (von allerlei Drehbuchlöchern und einigen seltsamen Dialogen abgesehen, die wohl, man habe Nachsicht, schon als konstitutives Element des Genres angesehen werden dürfen). Steht Krüger und dessen filmhistorisches Erbe zu Beginn noch spürbar im Vordergrund, markiert nicht nur die konsequente Bewegung der Erzählung hin zum Camp Crystal Lake, Voorhees' primärer Wirkstätte, dass es sich bei Freddy vs. Jason am ehesten noch um Friday 11 und kaum umNightmare 8 handelt. Ein Malus, da die Friday-Reihe, wenn auch wie Nightmare in erster Linie Nummernrevue, alleine schon durch weitgehende Ausblendung des Übernatürlichen wesentlich redundanter zu Werke geht. Der Reiz der Nightmare-Filme - immer bizarrere Traumgebilde zu entwickeln, den Raum des Traumes immer weiter in sich zu brechen - fehlt, von ein paar markigen Sprüchen abgesehen, beinahe zur Gänze. Dafür scheint man sich darin zu gefallen, die gewiss effektiv inszenierten Gefechte zwischen den Kontrahenten mit ein wenig an und für sich deplazierten Martial Arts zu bereichern.

Auch hat man es versäumt, Freddys Dilemma zu Beginn als konsequente Fortschreibung des Schicksals der Kunstfigur Freddy Krüger diesseits der Leinwand zu begreifen: Die einst sehr ernste und schockierende Reihe erfuhr im zunehmenden Verlauf eine stete Ironisierung mit bekannter Konsequenz: Freddy eroberte als kaum mehr angstverbreitender Popstar Bravohefte und Kinderzimmer. Hier hätte man ansetzen müssen, um aus Freddy vs. Jason einen wahrhaft furchteinflößenden Horrorfilm zu machen, allein, man bleibt im wesentlichen unreflektierter Actionfilm mit Splatterästhetik. Dies mag für den einen oder anderen unterhaltsamen Moment herhalten, dass aber Wes Craven mit seinem New Nightmare, in dem unter Ausblendung aller vorangegangen Sequels das Produktionsteam des ersten Nightmare-Films (Wes Craven, USA 1984) von Freddy heimgesucht wird, schon wesentlich weiter war, dieser schale Nachgeschmack obsiegt letztendlich.

Ab 20.11. im Verleih von Warner Bros, hier der Trailer (15,9 mb). Hier "Freddy vs. Jason re-enacted by Bunnies in 30 seconds" (viel Spaß).

>> Freddy vs. Jason, USA 2003
>> Regie: Ronny Yu
>>Darsteller: Robert Englund, Ken Kirzinger, Monica Keena,
Kelly Rowland, Jason Ritter, Chris Marquette, u.a.

Offizielle Site | imdb | mrqe


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