08.12.2006, Heimkino.



Es geht um etwas, in diesem Italowestern, doch es ist nicht recht entscheidend, um was genau. Man kann dem Film mit halbem Auge folgen, um zu wissen, zu wem man als Zuschauer besser hält und zu wem lieber nicht (der Gute/der Böse, das sind so Kategorien, die sich ja gerade im Italowestern fröhlich auflösen, deswegen kaum nützlich sind, und auch der 'Gute' hier erscheint nicht recht gut, aber er ist es nunmal, auf dessen Lage der Film sich konzentriert), motivische und motivierende Gründe sind deshalb egal, sie werden ohnehin nur dialogisch übermittelt und wer da nicht aufpasst, hat es eben verpasst, was eben nicht schlimm ist, da die Fronten auch so geklärt sind und Heute ich... Morgen Du ohnehin auf anderes Wert legt.

Jedenfalls, es geht um Rache und wie einer Leute findet, die ihm folgen, damit er Rache nehmen kann. Das geschieht dann am Ende - und mit einigem Effekt - in einem herbstlichen Wäldchen, dem man es kaum abnimmt, dass es in den USA gelegen sein soll, wie überhaupt in diesem Film oft durch neblige Täler geritten wird, die nichts mit der Ikonografie des Westerns zu tun haben und alles mit europäischer Herbsterdigkeit, zumindest wenn es um filmische imagines geht. Ideen zum Drehbuch hat im übrigen Dario Argento beigesteuert, der damals gerade Fuß in der Filmindustrie fasste. Für Spiel mir das Lied vom Tod, muss man allerdings sagen, hat er sich die besseren aufgespart.

Und auf was Wert gelegt wird, ist, dass die Konfrontationsspitzen in diesem im wesentlichen routiniert, vielleicht hie und da aber schon etwas unterambitioniert runtergekurbelten Vertreter seiner Art handwerklich sauber, bzw. effizient inszeniert werden. Der Rest, ach Gott, ist nicht so wichtig. In der Tat ist es erstaunlich, dass Heute ich... zwar über weite Strecken fast schon überkonventionell, wenn nicht einfallslos inszeniert ist, aber immer dann, wenn es an Faustkämpfe in und Schießereien vor Saloons geht, plötzlich ein ganz anderer Modus gewählt wird, der geradezu drauf versessen ist, immer noch ein kleines Quentchen mehr an Wirksamkeit aus den schmalen Mitteln herauszukitzeln.

Freilich, von hoher Actionkunst ist das weit entfernt; wir bewegen uns hier in den Niederungen des italienischen Genremovies; auf, etwa, Peckinpah'sche Eleganz ist hier nicht zu hoffen. Aber so, wie man in diesem Film beobachten kann, wie ein Genreprodukt Zeit schindet - es wird unendlich oft geritten, um von A nach B zu kommen, und der Soundtrackkomponist legt für diese Momente Überstunden ein -, so kann man hier auch beobachten, wie sorgfältig ein Genreprodukt, das unter den Bedingungen des Kinos der späten 60er Jahre entstanden ist, mit seinen wenigen selling points umgeht.

Man merkt dies etwa in jenen Szenen, in denen Bud Spencer, der hier eine Nebenrolle bestreitet, um sich schlägt. Man kennt das zwar aus vielen anderen Filmen, wo es in der Regel burlesk wirkt und comichaft, weil sich die Kamera dazu kaum verhält; hier nun schlägt Bud mit voller Wucht zu, und die Hiebe schmerzen erstmals. Weil die Kamera mitgeht, in diesen wenigen Momenten.

Eine DVD ist in Deutschland bei e-m-s erschienen. Sie beinhaltet den Film in einer weitgehend 'ernsten' Synchronfassung, im Gegensatz zu einer zweiten, die den Film verblödelte, um ihn als Bud-Spencer-Movie vermarkten zu können. In Berlin kann der Film in den Videotheken Filmkunst und Negativland geliehen werden.

imdb


° ° °




kommentare dazu:



orcival, Montag, 11. Dezember 2006, 01:47
mehreres:
zum einen fällt mir bei solchen besprechungen immer ein wenig wehmütig auf, wie sehr ich die institution des nachmittagsfilmes vermisse.
früher wenn ich krank war, oder schlicht aus verschiedensten gründen am nachmittag zu hause, gabs da oft vertreter dieser art. auch artverwandtes wie die höhen und tiefen des piraten und oder mantel- und degenfilms...

zum anderen: ich find es interessant, wie schwer es zumindest mir faellt, bei bud spencer die üblichen klamotten-sehgewohnheiten auch mal beiseite zu schieben, dabei weiss ich den menschen seit seinem maischberger interview noch sehr viel mehr zu schätzen...

schliesslich noch das bedauern, dass e-m-s des öfteren nur die synchronfassungen auf editionen unterbringt und nicht die originalfassungen...


thgroh, Montag, 11. Dezember 2006, 13:13
Das sehe ich alles ganz ähnlich; in der Tat habe ich mir den Kommentar noch verkniffen, dass Heute ich... so ein typischer Film ist, in den man, beispielsweise nachts, zufällig reinschaltet und einfach hängen bleibt, obwohl man gar nicht so recht weiß, warum eigentlich. Einfach auch deshalb, weil das so eine seltsame "Ästhetik der Flaschenpost" ist, die einen da früher oft ergriff.

Dass ems bei solchen Günstig-Angeboten keinen O-Ton beilegt ist auch sicher schade; andererseits muss ich zu meiner Schande auch eingestehen, dass ich gerade bei Italowestern auch gerne mal die Synchro vorziehe. Mir erscheint die oft als griffiger als ein italienischer O-Ton.


orcival, Montag, 11. Dezember 2006, 18:28
was die "griffigkeit" der synchron-fassungen angeht geb ich dir - wie in so vielem - durchaus recht, aber zum einen find ich die italienischen fassungen beiweilen interessanter was die tradition des ital polulärkinos der 60er-70er Jahre angeht, zum anderen bin ich einige stimmen halt eher auf italienisch gewöhnt. von daher...



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