Donnerstag, 9. September 2004
Thema: Kinokultur
Die neue Ausgabe des Berliner Filmmagazins ist da.



Neben zahlreichen Film- und DVD-Besprechungen zu aktuellen Filmen aus der westlichen wie östlichen Genrewelt gibt es eine Werkschau Alain Resnais, ein Interview mit Francis Matthews, den man als (meist Neben-)Darsteller zahlreicher Filme der Hammer-Studios kennt, der zweite Teil des Interviews mit B-Movie-Held Brad Harris und natürlich Buchbesprechungen, Pornotions, Jungmutationen, ein Tati-DVD-Special und so weiter. Beziehbar über diverse Mailorder oder direkt via der oben verlinkten Website.


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Thema: DVDs
"September 21st is September 11th for Star Wars fans", so geistert es schon eine ganze Weile durchs Fandom. Der Grund: Die ohnehin in den 90er Jahren ergänzte und nachbearbeitete Edition der klassischen Star Wars Trilogie wurde für die am 22. September nach Jahren endlich erscheinende DVD-Ausgabe nochmals überarbeitet, um einen einheitlichen Look zwischen den nachgeschobenen Prequels und den alten Filmen zu gewährleisten. Ob von den alten Filmen überhaupt noch etwas übrigbleibe, fragte man sich angesichts dessen, und ärgerte sich noch mehr, weil die klassischen Filme in ihrer ursprünglichen Form wohl nie auf DVD erscheinen werden und somit filmhistorisch unterzugehen drohen.

Digitalbits.com entwarnt nun ein wenig im wahrscheinlich ersten Review der neuen Box. Die Veränderungen seien minimal und machten zudem Sinn. Der neueingefügte Jabba, der in Episode 4 trotz der sinnvollen Einfügung aufgrund seiner äußerlichen Erscheinung einen eher schalen Eindruck hinterließ, wurde digital aufgepeppt und fügt sich jetzt auch vom Aussehen her nahezu nahtlos in die Saga ein (screenshot). Der kurze Auftritt des Imperators in Episode 5 - damals noch mit anderem Darsteller - wurde mit dem eigentlichen Darsteller neu inszeniert. Dabei wurde auch der Dialog ein wenig geändert, was, so die Mutmaßungen, der Story einen neuen Unterton verleihen könnte: Hat Vader sein Wissen um seinen Sohn vor dem Imperator versteckt, um mit Luke den Imperator zu stürzen? Die nächstes Jahr ins Kino kommende Episode 3 wird hier hoffentlich Licht ins Dunkel der Mutmaßungen bringen.

Eine Frage beschäftigt das Fandom vor allem: Wird endlich wieder Solo als erstes in der Mos Eisley Bar schießen? Die bittere Antwort: Leider nein - Greedo still shoots first! Aber die zuvor auch in ihrer Machart eher lächerlich hingebogene Szene wurde erneut bearbeitet und erscheint nun, dem Vernehmen nach, wesentlich plausibler.

Kleinere Änderungen betreffen das Aussehen der Lichtschwerter, Flugbewegungen einzelner Objekte und eine Einblendung des Anakin-Darstellers aus Episode 2, Hayden Christensen, am Ende als "Force ghost" über die eigentliche Einblendung von Sebastian Shaw. Auch diese macht, vielleicht nicht filmhistorisch, aber eben innerhalb der Narration des Ganzen, Sinn.

Screenshots zu den einzelnen Veränderungen finden sich hier. Mir scheinen die Veränderungen minimal und sinnstiftend genug, dass man die Box als Fan annehmen kann. Dass die Filme in ihrer Urform wohl nicht offiziell auf DVD erscheinen werden, ist hingegen nach wie vor ärgerlich.


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Ein kleines bisschen Tragik umfleucht den Film: In den 80ern war der Retro-Horror-Cheese von der Provinzstadt, die sich einer Bedrohung von outer space oder sonst woher erwehren muss, ja ziemlich hipp. 1988 aber, wie's scheint, nicht mehr so ganz, denn sonderlich erfolgreich war der Film nicht. Das ist ärgerlich, weil die Macher, wie sie heute sagen, ganz bewusst viele Ideen nicht verarbeitet, sondern für das zu erwartende Sequel-Franchise aufgespart hatten, das nun nie gedreht wurde. Zum anderen merkt man die Lust und Leidenschaft der Macher für den cheese der Filmgeschichte in jeder Sekunde. Sie steckt im Titel, sie steckt in der Idee, sie steckt im Willen, einen Film zu drehen, der absolut hilarious ist (und sie ist im Bonusmaterial der DVD zu finden, wo sich alte Super8-Filme der Chiodo-Brothers finden, wo sie, damals noch kleine Kinder, im Keller ihre Matinee-Lieblinge re-inszenierten) . Doch so recht kommt man nicht zu Potte, immer ist da die Technik, die im Wege steht, das kleine Budget, das nun vielleicht nicht vollends vorhandene Talent, eine gagreiche Nummernrevue, die die Gattung zum Gelingen verlangt, spritzig zu inszenieren. Das Märchen von den Filmgeeks, die nur leidenschaftlich genug an ihre Sache glaubten, dann im folgenden große Kunst gestalteten und mit dieser alle auf ihre Seite ziehen, dieses Märchen findet, in diesem Falle, keine Erfüllung: Killer Clowns from Outer Space blieb Stephen Chiodos einziger Film; er verdingt sich heute, wie auch seine Brüder, die an dem Film maßgeblich beteiligt waren, als Zuarbeiter für TV- und kleiner Videoproduktionen, vornehmlich in der Special-Effects-Ecke.

Das schmerzt ein wenig beim Zusehen. Eigentlich will man den Film ja lieben, schon seiner Idee wegen, ohne Erklärung, ohne Rationalisierung Alien-Clowns stilecht mit bizarren Zirkuszelt-UFO auf eine Provinzstadt loszujagen. Da steckt einiges an Lust drin. In den Masken, der Menagerie des außerirdischen Flugobjekts, in den kleinen Miniaturen, die sich in der Konfrontation ergeben. Und man weiß um die eigene Tradition: Der Sci-Fi-Trash der 50er Jahre stand Pate, ebenso wie der Horrorfilm aus selber Dekade. Wir haben den strahlenden Zahnpastareklame-Cop, der alles zum Guten wendet. Wir haben die heimlich auf dem Hügel in Autos knutschenden Pärchen. Wir haben den alten Redneck, der mit seinem etwas abseits der Stadt lebt, seinen Tag vor allem mit Biertrinken auf der Veranda verbringt und, natürlich, als erster das UFO, mit zu erahnenden Folgen, entdeckt.

Doch dem Film mangelts an Dynamik und an Witz, der über das Naheliegendste hinausginge. Der Slapstick, die Gags bleiben an sich eher müde und erfahren auch über die eher behäbige Inszenierung keine zusätzliche Ebene. Auch das Potenzial des Kuriosums, das Aliens mittels eines ins Groteske verzerrten, aber an sich gänzlich irdischen Zeichensystems auf Menschenhatz gehen - geradewegs so, als seien unsere Bilder der Unterhaltungskultur kosmischen Ursprungs, der auf eine Art erhabene Natürlichkeit des Clowns oder gar des Zirkuszelts verweisen könnte -, bleibt nahezu ungenutzt. Das klingt jetzt härter als es eigentlich gemeint ist, denn, wie gesagt, eigentlich wollte ich ja, dass mir das gefällt. Der Film schob sich dazwischen - tragisch, wie gesagt.

imdb | trailer/sound bites


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Thema: Kinokultur
Im RadioOnDemand-Angebot (keine Angst, es ist kostenfrei) des DeutschlandRadios gibt es ein Feature zum Stand des Filmkritikers als Mp3-Download (ca. 7 mb). Etwas larmoyant geraten, aber sicher doch mit einigen Wahrheiten versetzt, die sich, im Zusammenhang mit den Mythen, die sich um jene Zunft ranken, zu benennen mal lohnen.

Scheint mir schon älter zu sein; ein Herr vom Filmkunsthaus Babylon etwa spricht von Honoraren in Höhen von 100 Mark und eine Kritiker der, soweit ich weiß, schon längere Zeit eingestellten Zeitschrift Filmforum beklagt den Niedergang der Filmkritik.


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