Thema: literatur
28. Oktober 06 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
The Electronic Literature Organization today released the Electronic Literature Collection, Volume One. The Collection, edited by N. Katherine Hayles, Nick Montfort, Scott Rettberg, and Stephanie Strickland, is an anthology of 60 eclectic works of electronic literature, published simultaneously on CD-ROM and on the web at collection.eliterature.org. Another compelling aspect of the project is that it is being published by the Electronic Literature Organization under a Creative Commons License (Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.5), so readers are free to copy and share any of the works included, or for instance to install the collection on every computer in a school’s computer lab, without paying any licensing fees. The Collection will be free for individuals.[q]
The 60 works included in the Electronic Literature Collection present a broad overview of the field of electronic literature, including selected works in new media forms such as hypertext fiction, kinetic poetry, generative and combinatory forms, network writing, codework, 3D, and narrative animations. Contributors include authors and artists from the USA, Canada, UK, France, Germany, and Australia. Each work is framed with brief editorial and author descriptions, and tagged with descriptive keywords. The CD-ROM of the Collection runs on both Macintosh and Windows platforms and is published in a case appropriate for library processing, marking, and distribution. Free copies of the CD-ROM can be requested from The Electronic Literature Organization.
Ich habe da jetzt nur ein bisschen quergeklickt und geschaut; aber es schaut zum mindesten sehr interessant aus. Ich bin jedenfalls gespannt, was sich da tun wird. Plötzlich, so scheint es, ist Rom, Blicke wieder ganz aktuell (vom Konzept her, meine ich jetzt, die eine oder andere Platitüde, na gewiss, geschenkt).
Und ich hoffe ja, dass Bibliotheken von dem CD-ROM-Angebot eifrig Gebrauch machen werden.
[via]
° ° °
Thema: Jukebox
28. Oktober 06 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren

Frisch
Releaseinfo ~ archive.org
der kühlschrank brennt
geteiltes sein
snakes reachin' the ballroom
who are you to put me under water
rauschen
oder komplett im Flashplayer.
° ° °
Thema: Kinokultur
Das Zentrum für Antiziganismusforschung hat in der Sache "Borat, der Film" Strafanzeige gestellt.
Siehe hier: http://www.ezaf.org/Borat.pdf
Schade, dass sich so eine wichtige Einrichtung durch so eine Aktion ausweisen zu müssen meint und damit Gefahr läuft, die eigene Arbeit in Misskredit zu bringen; dass es in dem Film ebenso wenig um eine Affirmation des Antisemitismus, wie des Antiziganismus geht, dass es in ihm eben gerade nicht darum geht, Sexismus und Homophobie zu zelebrieren und zu bejahen, lässt sich ohne weiteres an ihm feststellen. Ganz im Gegenteil tritt die erschreckende Naivität hinter solchen Konstruktionen ebenso zutage, wie deren historische Kulturalität. Natürlich strapaziert der Film solche Modelle, bis sich die Balken biegen; gerade darin entlarvt er die tief in ihnen versteckte Barbarei und deren von Grund auf neurotischen, an jeder Evidenz mangelnden Charakter. Es ist ja eben kein Zufall, dass Borat eben nicht in Kasachstan spielt und dort einfach nur barbarische Klischees willkürlich aneinanderreiht (das wäre an Langeweile und Dummheit ja auch kaum mehr zu überbieten); im Gegenteil nämlich, im vollen Bewusstsein um die Wirkung werden hier kulturelle Entwürfe, die sich verbal zwar gerade noch "Guten Tag" sagen können, unter dieser Oberfläche aber schon schreiende Dissonanzen hervorbringen, direkt aneinandergerieben, um ein Spannverhältnis herzustellen, in dem Affirmation schlechterdings schon mangels sicherer Beobachtungswarte nicht möglich ist. Borat macht in der Konfrontation überhaupt erst sichtbar, was an Ätzendem noch hinter Fassaden schlummert. [wiederum falsch aber finde ich die Beobachtungen, die heute in der "Berliner Zeitung" geschrieben stehen und in eine ähnliche Richtung zielen, und dies nicht nur, weil die Wiedergaben der Szenen zum Teil stark verzerrt sind; was hier, auf Seiten der us-amerikanisch "Bloßgestellten", als Affirmation von Barbarei gedeutet wird, ist dies eben gerade nicht, sondern Ausdruck tiefster Irritiertheit, was erst deutlich wird, wenn man das im Film sieht und eben nicht auf verfälschende Wiedergaben zurückgreifen muss; "Borat" ist eben, und Gott sei's gedankt, kein Michael Moore]
Freilich, wer nur geschichtsverbissene Moralität sucht, deshalb über den einzelnen Begriff nicht mehr hinauskommt und ästhetische Verortung und Position im Diskursfeld nicht mehr in den Blick bekommt, mag zum typischen Kurzschlussreflex neigen, der sich immer wieder in der Kulturgeschichte der politischen Bewegtheit nachweisen lässt: Zum Angriff nämlich auf die symbolische Ordnung, in die der politische Kampf verschoben wird, und darin zumeist auch schlechterdings ausgerechnet auf jene Schnittstellen, die gerade irritieren und Krisen auslösen, in denen es um soviel besser wäre, sich zu verorten und zu intervenieren, als die blanke Konfrontationsstellung zu suchen. Das Modell dahinter ist strukturell ur-christliche Schlichtheit: Das Wort wird Fleisch und lebt, seiner allerersten begrifflichen Natur nach. Das Begriffe aber Operatoren ausgesetzt sind, dass es Bedeutungsebenen gibt, ästhetisch-begriffliche Schaltkreise, einrückende Verfahen und Gänsefüßchen, dass eben ein Begriff nie nur an und für sich /ist/, dies will solche Methode kaum wahrhaben.
Solche Schlichtheit jedenfalls, die von Grund auf ein Bild vom Menschen als höchst dummes Wesen in sich trägt, ist es, die mir weit mehr Angst macht, als der Scherz mit dem Entsetzen, der in Borat Signifikantenketten aufsprengt und einen dabei - ich denke an jene Szene mit den White-Trash-Proleten im Van - Nase und Gebiss voran auf eine blanke Realität des Barbarischen stößen lässt, die - im ganzen Kinosaal - das Lachen angesichts solcher Evidenz verstummen ließ. Zumindest in dieser einen Hinsicht (doch beileibe nicht in jeder) immerhin ähnelt die Figur Borat strukturell einer anderen aus der Filmgeschichte, die durch dynamische Brutalitäten jenseits eigener Interventionsmöglichkeiten taumelt, die grotesk über-affirmierend durch Konventionen und die Physik stolpert und beides dadurch überhaupt erst in den Blick geraten lässt, Chaplin nämlich.
Siehe hier: http://www.ezaf.org/Borat.pdf
Schade, dass sich so eine wichtige Einrichtung durch so eine Aktion ausweisen zu müssen meint und damit Gefahr läuft, die eigene Arbeit in Misskredit zu bringen; dass es in dem Film ebenso wenig um eine Affirmation des Antisemitismus, wie des Antiziganismus geht, dass es in ihm eben gerade nicht darum geht, Sexismus und Homophobie zu zelebrieren und zu bejahen, lässt sich ohne weiteres an ihm feststellen. Ganz im Gegenteil tritt die erschreckende Naivität hinter solchen Konstruktionen ebenso zutage, wie deren historische Kulturalität. Natürlich strapaziert der Film solche Modelle, bis sich die Balken biegen; gerade darin entlarvt er die tief in ihnen versteckte Barbarei und deren von Grund auf neurotischen, an jeder Evidenz mangelnden Charakter. Es ist ja eben kein Zufall, dass Borat eben nicht in Kasachstan spielt und dort einfach nur barbarische Klischees willkürlich aneinanderreiht (das wäre an Langeweile und Dummheit ja auch kaum mehr zu überbieten); im Gegenteil nämlich, im vollen Bewusstsein um die Wirkung werden hier kulturelle Entwürfe, die sich verbal zwar gerade noch "Guten Tag" sagen können, unter dieser Oberfläche aber schon schreiende Dissonanzen hervorbringen, direkt aneinandergerieben, um ein Spannverhältnis herzustellen, in dem Affirmation schlechterdings schon mangels sicherer Beobachtungswarte nicht möglich ist. Borat macht in der Konfrontation überhaupt erst sichtbar, was an Ätzendem noch hinter Fassaden schlummert. [wiederum falsch aber finde ich die Beobachtungen, die heute in der "Berliner Zeitung" geschrieben stehen und in eine ähnliche Richtung zielen, und dies nicht nur, weil die Wiedergaben der Szenen zum Teil stark verzerrt sind; was hier, auf Seiten der us-amerikanisch "Bloßgestellten", als Affirmation von Barbarei gedeutet wird, ist dies eben gerade nicht, sondern Ausdruck tiefster Irritiertheit, was erst deutlich wird, wenn man das im Film sieht und eben nicht auf verfälschende Wiedergaben zurückgreifen muss; "Borat" ist eben, und Gott sei's gedankt, kein Michael Moore]
Freilich, wer nur geschichtsverbissene Moralität sucht, deshalb über den einzelnen Begriff nicht mehr hinauskommt und ästhetische Verortung und Position im Diskursfeld nicht mehr in den Blick bekommt, mag zum typischen Kurzschlussreflex neigen, der sich immer wieder in der Kulturgeschichte der politischen Bewegtheit nachweisen lässt: Zum Angriff nämlich auf die symbolische Ordnung, in die der politische Kampf verschoben wird, und darin zumeist auch schlechterdings ausgerechnet auf jene Schnittstellen, die gerade irritieren und Krisen auslösen, in denen es um soviel besser wäre, sich zu verorten und zu intervenieren, als die blanke Konfrontationsstellung zu suchen. Das Modell dahinter ist strukturell ur-christliche Schlichtheit: Das Wort wird Fleisch und lebt, seiner allerersten begrifflichen Natur nach. Das Begriffe aber Operatoren ausgesetzt sind, dass es Bedeutungsebenen gibt, ästhetisch-begriffliche Schaltkreise, einrückende Verfahen und Gänsefüßchen, dass eben ein Begriff nie nur an und für sich /ist/, dies will solche Methode kaum wahrhaben.
Solche Schlichtheit jedenfalls, die von Grund auf ein Bild vom Menschen als höchst dummes Wesen in sich trägt, ist es, die mir weit mehr Angst macht, als der Scherz mit dem Entsetzen, der in Borat Signifikantenketten aufsprengt und einen dabei - ich denke an jene Szene mit den White-Trash-Proleten im Van - Nase und Gebiss voran auf eine blanke Realität des Barbarischen stößen lässt, die - im ganzen Kinosaal - das Lachen angesichts solcher Evidenz verstummen ließ. Zumindest in dieser einen Hinsicht (doch beileibe nicht in jeder) immerhin ähnelt die Figur Borat strukturell einer anderen aus der Filmgeschichte, die durch dynamische Brutalitäten jenseits eigener Interventionsmöglichkeiten taumelt, die grotesk über-affirmierend durch Konventionen und die Physik stolpert und beides dadurch überhaupt erst in den Blick geraten lässt, Chaplin nämlich.
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Thema: radio
28. Oktober 06 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Es ist Freitag, das heißt: Die neue Folge von "Hörbar Abstrakt" steht bereit. Und der Hinweis liegt mir diesmal besonders am Herzen, ist die Sendung diesmal doch ganz dem Thema "Art Metal" verschrieben, was hier Bands wie Neurosis, Isis, Cult of Luna, Red Sparowes und dergleichen meint. Und gerade zu Neurosis hege ich schon fast eine innige biografische Beziehung; kaum eine Band erreichte für mich um '95/'96 herum eine derart große Bedeutung - und bis heute bin ich glühender Verehrer der um diesen Zeitpunkt herum veröffentlichen Alben (auf die in der Sendung ebenfalls ein Schlaglicht geworfen wird).
Zwar habe ich mit dem Oberbegriff "Art Metal" meine ganz persönlichen Probleme - weil die gemeinte Sparte sich eben aus der Hardcore-Szene abgekoppelt hat und mich Assoziationen, die sich mir bei einer Verknüpfung von "Kunst" und "Metal" einstellen, eher schaudern lassen -, aber es kommt eben letzten Endes auf die Musik an, die in diesem Falle sehr hervorragend ist. Zumal auch deshalb, da Isis gerade wieder ein ganz herausragendes, episch-ozeanisches Album vorgelegt hat, das nicht nur auf den Herbst einstimmt, sondern auch ganz konkreter Anlass für die thematische Ausrichtung der aktuellen Sendung gewesen ist. Zwei Stunden für lange Abende - listen closely:
Zwar habe ich mit dem Oberbegriff "Art Metal" meine ganz persönlichen Probleme - weil die gemeinte Sparte sich eben aus der Hardcore-Szene abgekoppelt hat und mich Assoziationen, die sich mir bei einer Verknüpfung von "Kunst" und "Metal" einstellen, eher schaudern lassen -, aber es kommt eben letzten Endes auf die Musik an, die in diesem Falle sehr hervorragend ist. Zumal auch deshalb, da Isis gerade wieder ein ganz herausragendes, episch-ozeanisches Album vorgelegt hat, das nicht nur auf den Herbst einstimmt, sondern auch ganz konkreter Anlass für die thematische Ausrichtung der aktuellen Sendung gewesen ist. Zwei Stunden für lange Abende - listen closely:
Hörbar Abstrakt #53
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