Freitag, 3. November 2006
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Thema: Kinokultur
Die neue Ausgabe des cinephilen Magazins ist soeben online erschienen. Wie immer schön ist die thematische Zusammenstellung, die nahezu keine Ecke und Nische der Filmkultur auslässt, ob es sich dabei nun um Autorenkino, Mainstream-Blockbuster, filmhistorisch relevante Filme, Festivalberichte oder Horrorkino aus der untersten Schublade handelt. Das macht das Magazin, in meinen Augen, ziemlich einzigartig, zumal man der Vielfalt der Themen und Nischen auch mit einer Vielfalt von Textsorten begegnet. Essays stehen neben Reviews neben klassischem criticism und Interviews, ohne dabei allerdings ins Beliebige abzurutschen. Meiner persönlichen Definition von Cinephilie - die sich eben aus Neugier speist und Freude an den unterschiedlichsten Ausformungen eines ganz allgemein geliebten Mediums, und nicht aus territorialen Nischenbesetzungen und wahren Lehren - entspricht dies fast schon exakt. Deshalb ist eine neue Ausgabe auch immer wieder eine ganz besonders große Freude für mich.

Alle aktuellen Artikel finden sich derzeit auf der Startseite des Magazins. Folgende möchte ich zumindest aus thematischen Gründen explizit hervorheben:

In einem kursorischen Round Up befasst sich D.J.M. Saunders mit dem Thema "Sex und Spiritualität im Kino". Jüngste Regungen eines "New Black Cinema" stehen im Mittelpunkt dieses Artikels von Lesley Chow. Wiederum Lesley Chow befasst sich an dieser Stelle eingehend mit den Figuren aus Tsai Ming-Liangs Filmen. Passend zur Jahreszeit - alte Gruselfilme gehen am besten eben nur im November - erfährt die unbestrittene Königin des Italo-Horrorfilms, Barbara Steele, hier eine Reverenz - ach, Barbara! C. Jerry Kuttner geht an dieser Stelle der Frage nach den unzähligen Inkarnationen von Norman Bates nach. Einer der populärsten Figuren des japanischen Schwertkampffilmes, dem blinden Masseur Zatoichi, der es auf stolze 26 Filme, eine Fernsehserie und eine Reprise durch Takeshi Kitano vor wenigen Jahren gebracht hat, fühlt Robert Castle in diesem langen Text auf den Zahn. Asphalt von Joe May entstand 1929 gerade auf der Kippstelle vom Stumm- zum Tonfilm und präsentiert sich schon alleine deshalb als ein formästhetisch höchst ambitioniertes Werk (wie ja überhaupt der allerspäteste Stummfilm eine Meisterschaft entwickelt hatte, hinter die das Kino mit Aufkommen des Tons auf Jahre hin zurückfiel), auch wenn Siegfried Kracauer in seiner zeitgenössischen Kritik dem Film vorwarf, Hintertreppen-Literatur durch Formentand unberechtigterweise zu nobilitieren - aus historischer Perspektive kann der Film hingegen frei atmen und gewürdigt werden; Gordon Thomas tut genau dies (wobei ich das Rubrum "Meisterwerk" in diesem Falle schon hinterfragen würde, aber sei's drum). Kaum genug geschrieben werden kann über eine der begehrenswertesten und spannendsten Stars des frühen Kinos: Louise Brooks, die dieser Tage 100 Jahre alt geworden wäre - Dan Callahan gratuliert.

Vom 44. New Yorker Filmfestival berichtet Megan Rattner. Der Trailer als eigene Filmgattung wird nach wie vor viel zu wenig berücksichtigt - gerade im Bereich der unzähligen exploitation movies, wo der Trailer nicht selten (und aus gutem Grund) mehr in Aussicht stellt als später dann wirklich zu sehen ist, lassen sich die abenteuerlichsten Exponate dieser Form auffinden; Gary Morris hat sich ein entsprechendes Filmprogramm angesehen. Mehr als Uwe Boll nerven nur seine ständigen Computerspieleadaptionen - Adam Elkus umreißt hier die Gründe für den kreativen Fehlschlag des jungen Genres der videogame movies.

Zu den großen, ganz großen Klassikern des us-amerikanischen Kinos im Allgemeinen, des New Hollywood bezeichneten Zusammenhangs im Besonderen ist unbestritten Monte Hellmans Two-Lane Blacktop; Tom Sutpen hat ihn erneut gesehen. Zeit der Wölfe zählt sicherlich zu den verstörendsten Filmerfahrungen meiner frühen Jugend (bis heute habe ich mich nicht mehr an diesen Film rangewagt) - Victoria Large spürt der sexual-surrealistischen Motivik des Meta-Märchenfilms nach. Weit entspannter dürfte es in diesem Interview mit Richard Linklater zugehen (von dem ich ja selbst School of Rock wirklich ganz doll gerne hab'!).

Weiterhin erschließt das Magazin nach und nach auch seine früheren Printausgaben dem Internet. Diesmal ist das Noir-Special aus dem Jahr 1994 dran: Es geht um die 'Knights of the Road' des "Genres" (warum ich Film Noir nicht als Genre verstehe, kann man bei Burkhard Röwekamp nachlesen), um Noir County, um das Verhältnis zwischen William Faulkner und Film Noir, um die Nachzügler des Films Noirs nach seiner Blütezeit, um Mike Leighs Naked (was ich jetzt einigermaßen interessant finde...), um Red Rock West als Vertreter einer Konzeption von "Neo Noir" und schließlich um einige Noir-Filme, die nun, wenn ich das richtig verstehe, endlich auf Laser-Disc vorliegen (this is '94, baby!). Mehr Noir schließlich in dieser Übersicht.

Phew. Das Wochenende kann kommen. (und dies ist natürlich nur eine Auswahl - noch viele weitere Artikel gibt es in der Übersicht der aktuellen Ausgabe, und natürlich im Archiv).

(und zwischen den Ausgaben natürlich immer wieder: Das Weblog des Magazins mit allerlei verstreutem und zerstreutem, beispielsweise vor kurzem ein Plädoyer für den '31er Dracula von Tod Browning, der ja nun nicht eben im besten Rufe steht (also, der Film jetz'))


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Thema: videodrome
Noch was für die Nacht: Gesprächsrunden neigen ja oft zur Sterbenslangeweile. In seltenen Fällen nehmen an ihnen aber auch illustre Gäste wie David Cronenberg, John Landis und John Carpenter teil und dann wird das schon aus frisurhistorischen Gründen eine vergnügliche halbe Stunde (und natürlich auch, weil John Landis einfach ein Sonnenschein von einem Menschen ist und dies im umso größeren Maße, je mehr er von wundervoll schlechten Filmen redet). So geschehen irgendwann in den frühen 80er Jahren und die Videos davon gibt's im ersten Kommentar.

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Thema: videodrome
In Bayern hat es gestern geschneit, nördlicheren Gefilden wird für die kommende Zeit ganz ähnliches prophezeit. Dabei ist es gerade mal wenige Stunden - naja, okay, Tage - her, dass ich dem Schnee gesagt habe, dass er endlich abhauen soll. Was die Einsicht mit sich bringt, dass 2006 (aus sehr verschiedenen Gründen) nicht nur ein ziemliches beschissenes, sondern vor allem ein ziemlich rasches Jahr gewesen ist. Wie sagt man zu solchen Anlässen trefflich? Genau! Fuck!

Zur Einstimmung auf die kommenden Wochen und zur Erbauung aller Anwesenden und Mitlesenden im folgenden ein Griff in die angestaubte Flimmer-Kiste der Flimmer-Filmgeschichte. Moskau im Schnee, gedreht 1908. Schon damals war der Schnee ein ganz besonders mieses Stück.




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Thema: videodrome
Die Beiträge des Webcuts.06-Festivals gibt es hier online für zum Ankucken! Braves Internetz!

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