Thema: Weblogflaneur
21. Oktober 03 | Autor: immo | 0 Kommentare | Kommentieren
... für den Herbst bei malorama.
° ° °
Thema: Filmtagebuch
20. Oktober 03 | Autor: immo | 0 Kommentare | Kommentieren
16.10.2003, Heimkino
Großstadtmoloch, Mann malocht. Mann war früher Junkie, jetzt malocht er. Nachts. Frau hat ihn da rausgeholt, früher Drogen, jetzt keine mehr. Nur Maloche. An der Tankstelle. Im Moloch.
Kommt ein anderer daher. Ist gut gekleidet, soverän. Fährt 'nen Porsche, hat viel Geld. Ist ein Schriftsteller. Nimmt Malocher mit. Zu Recherchezwecken, gibt viel Geld. Erzählt auch recht viel. Antimodernistisches vor allem, man ist ja im Moloch. Alles schlimm, alles bäh. Sieht aber verflucht gut aus im Anzug. Ist Libertin, geht in Maso-Sex-Shows mit dem Malocher. Schaut sardonisch zu, wieder Bonmots. So gegen alles, gegen jeden. Leben stinkt! Ist wie 'ne Mischung aus Mephisto und Tyler Durden.
Tyler Durden? Fight Club? Uppsala - genau! Erinnert doch alles sehr daran! Man geht sogar zu Boxkämpfen, unten in Kellergewölben. Halbnackte Männer dort, nackte Faust, viel Blut. Ist der Schriftsteller dann also etwa vielleicht gar nicht... ? Er ist nicht! Alles nur Psychositzung, schau her, was Du hast, Bub! Schau her, was Du verlieren kannst, verloren hast! Der Bub nimmt wieder Drogen, ist alles viel zu viel für ihn.
Irgendwie ein blöder Film. Und langweilig. Am Ende fährt der Bub aus der Stadt hinaus. Ist geheilt, nur weg hier - Moloch, Moloch, pfui pfui pfui! Wieder ein Leben gerettet, der Schriftsteller ist ein Engel. Sagt er zumindest. Vielleicht auch nur ein Arschloch. Oder halt einfach nur ein reaktionärer Film. Unbegreiflich, dass ausgerechnet Lydia Lunch sich für die paar wenigen Sadomaso-Szenen als künstlerische Beraterin in Verpflichtung hat nehmen lassen. Sind nämlich nur spekulativ. Und reißerisch. Aber Masochisten schneiden sich ja gern ins eigene Fleisch. Der Film sich auch.
imdb | rottentomatoes | mrqe
Großstadtmoloch, Mann malocht. Mann war früher Junkie, jetzt malocht er. Nachts. Frau hat ihn da rausgeholt, früher Drogen, jetzt keine mehr. Nur Maloche. An der Tankstelle. Im Moloch.
Kommt ein anderer daher. Ist gut gekleidet, soverän. Fährt 'nen Porsche, hat viel Geld. Ist ein Schriftsteller. Nimmt Malocher mit. Zu Recherchezwecken, gibt viel Geld. Erzählt auch recht viel. Antimodernistisches vor allem, man ist ja im Moloch. Alles schlimm, alles bäh. Sieht aber verflucht gut aus im Anzug. Ist Libertin, geht in Maso-Sex-Shows mit dem Malocher. Schaut sardonisch zu, wieder Bonmots. So gegen alles, gegen jeden. Leben stinkt! Ist wie 'ne Mischung aus Mephisto und Tyler Durden.Tyler Durden? Fight Club? Uppsala - genau! Erinnert doch alles sehr daran! Man geht sogar zu Boxkämpfen, unten in Kellergewölben. Halbnackte Männer dort, nackte Faust, viel Blut. Ist der Schriftsteller dann also etwa vielleicht gar nicht... ? Er ist nicht! Alles nur Psychositzung, schau her, was Du hast, Bub! Schau her, was Du verlieren kannst, verloren hast! Der Bub nimmt wieder Drogen, ist alles viel zu viel für ihn.
Irgendwie ein blöder Film. Und langweilig. Am Ende fährt der Bub aus der Stadt hinaus. Ist geheilt, nur weg hier - Moloch, Moloch, pfui pfui pfui! Wieder ein Leben gerettet, der Schriftsteller ist ein Engel. Sagt er zumindest. Vielleicht auch nur ein Arschloch. Oder halt einfach nur ein reaktionärer Film. Unbegreiflich, dass ausgerechnet Lydia Lunch sich für die paar wenigen Sadomaso-Szenen als künstlerische Beraterin in Verpflichtung hat nehmen lassen. Sind nämlich nur spekulativ. Und reißerisch. Aber Masochisten schneiden sich ja gern ins eigene Fleisch. Der Film sich auch.
imdb | rottentomatoes | mrqe
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Thema: Blaetterrauschen
20. Oktober 03 | Autor: immo | 0 Kommentare | Kommentieren
So titelte einst ein knappes Plädoyer von Katja Nicodemus in der Zeit.
Viel genützt hat's offenbar nicht. Im heutigen Tagesspiegel moniert man an einer Aufführung des restaurierten Alexander Newski von Eisenstein die allgemeine Kritiklosigkeit gegenüber diesem Propagandafilm. Ein guter Führer darf nicht sterben nennt man sein kurzes Gegreine und schreibt darin auch Sätze wie Man stelle sich einmal vor: Ein deutsches Propagandawerk wie Kolberg würde feierlich in Moskau aufgeführt - und alle beklatschten brav das Kunstwerk und seine Restaurateure.
Danke schön, offenbar nichts kapiert.
Viel genützt hat's offenbar nicht. Im heutigen Tagesspiegel moniert man an einer Aufführung des restaurierten Alexander Newski von Eisenstein die allgemeine Kritiklosigkeit gegenüber diesem Propagandafilm. Ein guter Führer darf nicht sterben nennt man sein kurzes Gegreine und schreibt darin auch Sätze wie Man stelle sich einmal vor: Ein deutsches Propagandawerk wie Kolberg würde feierlich in Moskau aufgeführt - und alle beklatschten brav das Kunstwerk und seine Restaurateure.
Danke schön, offenbar nichts kapiert.
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Thema: Filmtagebuch
16.10.2002, UFA Palast Kosmos
Das Miramax-Logo ist noch nicht ganz zerbröselt, da werden einem die Referenzen schon um die Ohren gehauen: Eine Fanfare ertönt, das ist doch - ja! - die altbekannte Shaw-Brothers-Tröte, wenig später auch gleich das liebgewonnene Insert: "Presented in Shaw-Scope", vermutlich sogar wirklich aus alten Filmrollen einkopiert. Das Zitat in seiner höchsten Entwicklungsstufe: Nicht mehr nur Hinweis, sondern identisch mit dem eigentlich Referierten.
Das ist symptomatisch für den Film, der folgt: Selten spielte Tarantino mit derart offenen Karten, bei Jackie Brown war's zumindest nur der Soundtrack, der den Quellen entnommen wurde, und, okay, Pam Grier als Ikone der Blaxploitation. Man könnte den knapp 100minütigen Zitatenreigen mit leichter Hand als plump, leicht durchschaubar und bar jeder nuancierenden Fingerfertigkeit abtun. Und ginge damit komplett am Thema vorbei.
Kill Bill ist ein hermetisch in sich geschlossenes Filmuniversum, ein Geschmeide, fabriziert aus den wildesten Genre-Rohstoffen. Man könnte vielleicht sagen, dass er ein filmisches Pendant zu jener Kinderträumerei ist, was wohl die Spielzeuge zuhause treiben, während man in der Schule sitzt (oder sich gerade umgedreht hat), ob sie wohl von ganz alleine das spielen und tollen anfangen: Vor Shaw-Kulisse tobt der Samuraifilm gegen 80er Hongkong-Kino, unterlegt von balladenhaftem Italowestern-Score - in den 80ern machten Videonerds schlecht zusammengeschnittene Best-Of-Tapes aus ihren Schätzen. Heute dreht Tarantino analog dazu einen ganzen Film, seinen ganz eigenen. Man sieht ihn förmlich vor sich, wie er sich selbst mit großen Augen mit dieser Wundertüte beschenkt. Und das Ergebnis macht unheimlich Spaß.
"Die Braut", eine Rolle, die Uma Thurman, wortwörtlich, auf den Leib geschrieben ist. Sie ist wie kaum eine zweite heroische Kämpferin des vergangenen Sommers der Action-Weiblichkeit Körper: Geschunden, zerschlagen, vergewaltigt, immer wieder aufs Neue blutig geschlagen, gelähmt, drangsaliert. Die Kamera bricht jede Distanz auf, filmt selbst ihre hässlichen Zehen im Detail und wird, wenn ein Insekt "die Braut" sticht, gar zum Mikroskop. DOch auf Uma zeichnet sich nicht nur die Gewalt, ebenfalls wortwörtlich zu verstehen, ab, nein, sie ist auch Souveräne. Der atemberaubend geschnittene erste Kampf ist eine Ode an die Beherrschung des Raums.
Viel war geunkt worden, dass Kill Bill in zwei Teilen in die Kinos kommt. Nach der Sichtung macht das durchaus Sinn. Sechs Jahre hat Tarantino für diesen Film gebraucht, derart angefixt wäre es nicht auszudenken, benötigten die nächsten Bilder aus seinem Kopf eine ähnlich lange Anlaufzeit. Dieser Winter verspricht, bis kommenden Februar einer der längsten zu werden.
Das Miramax-Logo ist noch nicht ganz zerbröselt, da werden einem die Referenzen schon um die Ohren gehauen: Eine Fanfare ertönt, das ist doch - ja! - die altbekannte Shaw-Brothers-Tröte, wenig später auch gleich das liebgewonnene Insert: "Presented in Shaw-Scope", vermutlich sogar wirklich aus alten Filmrollen einkopiert. Das Zitat in seiner höchsten Entwicklungsstufe: Nicht mehr nur Hinweis, sondern identisch mit dem eigentlich Referierten.
Das ist symptomatisch für den Film, der folgt: Selten spielte Tarantino mit derart offenen Karten, bei Jackie Brown war's zumindest nur der Soundtrack, der den Quellen entnommen wurde, und, okay, Pam Grier als Ikone der Blaxploitation. Man könnte den knapp 100minütigen Zitatenreigen mit leichter Hand als plump, leicht durchschaubar und bar jeder nuancierenden Fingerfertigkeit abtun. Und ginge damit komplett am Thema vorbei.Kill Bill ist ein hermetisch in sich geschlossenes Filmuniversum, ein Geschmeide, fabriziert aus den wildesten Genre-Rohstoffen. Man könnte vielleicht sagen, dass er ein filmisches Pendant zu jener Kinderträumerei ist, was wohl die Spielzeuge zuhause treiben, während man in der Schule sitzt (oder sich gerade umgedreht hat), ob sie wohl von ganz alleine das spielen und tollen anfangen: Vor Shaw-Kulisse tobt der Samuraifilm gegen 80er Hongkong-Kino, unterlegt von balladenhaftem Italowestern-Score - in den 80ern machten Videonerds schlecht zusammengeschnittene Best-Of-Tapes aus ihren Schätzen. Heute dreht Tarantino analog dazu einen ganzen Film, seinen ganz eigenen. Man sieht ihn förmlich vor sich, wie er sich selbst mit großen Augen mit dieser Wundertüte beschenkt. Und das Ergebnis macht unheimlich Spaß.
"Die Braut", eine Rolle, die Uma Thurman, wortwörtlich, auf den Leib geschrieben ist. Sie ist wie kaum eine zweite heroische Kämpferin des vergangenen Sommers der Action-Weiblichkeit Körper: Geschunden, zerschlagen, vergewaltigt, immer wieder aufs Neue blutig geschlagen, gelähmt, drangsaliert. Die Kamera bricht jede Distanz auf, filmt selbst ihre hässlichen Zehen im Detail und wird, wenn ein Insekt "die Braut" sticht, gar zum Mikroskop. DOch auf Uma zeichnet sich nicht nur die Gewalt, ebenfalls wortwörtlich zu verstehen, ab, nein, sie ist auch Souveräne. Der atemberaubend geschnittene erste Kampf ist eine Ode an die Beherrschung des Raums.
Viel war geunkt worden, dass Kill Bill in zwei Teilen in die Kinos kommt. Nach der Sichtung macht das durchaus Sinn. Sechs Jahre hat Tarantino für diesen Film gebraucht, derart angefixt wäre es nicht auszudenken, benötigten die nächsten Bilder aus seinem Kopf eine ähnlich lange Anlaufzeit. Dieser Winter verspricht, bis kommenden Februar einer der längsten zu werden.
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