Thema: FilmKulturMedienwissenschaft
18. Oktober 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Die Spatzen der Aphrodite halten einen Moment lang inne: Friedrich Kittler ist heute morgen in Berlin gestorben (siehe z.B. hier). Seine Nachrufsammlung auf die Größen der Menschheitsgeschichte von 2002 heißt Unsterbliche - unter diesem Rubrum sollten auch die nun bald folgenden auf Kittler einsortiert werden.
(plus Diskussion)
Und einige MP3s im Netz (gefunden hier):
(plus Diskussion)
Und einige MP3s im Netz (gefunden hier):
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Thema: Hinweise
Eine kleine Ankündigung sachte auch in meiner eigenen Sache: Beim Bertz+Fischer Verlag ist gerade das lang angekündigte Buch über David Cronenberg in den Druck gegangen, um pünktlich zum Kinostart von Cronenbergs neuem Film in den Handel zu gelangen. Neben Beitragen zahlreicher bei diesem Thema erwartbarer Autoren (u.a. Stefan Höltgen, Marcus Stiglegger, Oliver Nöding, aber auch Dominik Graf) findet sich darin auch ein Text von mir, wodurch mir das Buch natürlich besonders ans Herz gewachsen ist.
Und wie ich gerade erfahren habe: Das Buch dürfte bereits Ende nächster Woche beim Verlag vorrätig und lieferbar sein, bis Amazon und Konsorten das Buch ausliefern können, dürfte nochmals eine Woche vergehen. Von daher: Support your local Filmverlag und macht (ebenso wie bei Amazon portofreie!) Direktbestellungen!

Und wie ich gerade erfahren habe: Das Buch dürfte bereits Ende nächster Woche beim Verlag vorrätig und lieferbar sein, bis Amazon und Konsorten das Buch ausliefern können, dürfte nochmals eine Woche vergehen. Von daher: Support your local Filmverlag und macht (ebenso wie bei Amazon portofreie!) Direktbestellungen!
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Thema: Filmtagebuch
12. Oktober 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Im folgenden die kurze Einführung, die ich am 10.Oktober 2011 vor der Vorführung von Jess Francos Venus in Furs bei den "Freunden des schrägen Films" gehalten habe.
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Wenn Meeresschaum junge Frauen ans Land spült, sind die Verlockungen der Liebe nicht weit. In Hesiods Theogonie, den Göttermythen der alten Griechen, tritt Aphrodite, die Göttin der Liebe, später Venus genannte, als Schaumgeborene aus dem Meer an den Strand Zyperns. Und Hesiod zögert nicht, sogleich ihren Liebreiz und ihr Lächeln zu preisen, wohl aber auch ihre betörende List, der ausnahmslos alle erlegen, wie jeder weiß, der den Rausch der Liebe kennt.

Auch am Anfang des gleich gezeigten Films spült das Meer eine Frau an Land – zwar ungleich lebloser, übt sie auf den Jazztrompeter Jimmy dennoch eine nicht mindere Faszination aus. Wie man kurz zuvor erfährt, ist der Mann zerrüttet und mit der Realität nicht mehr recht verhaftet. Von der Realität will auch der Film im folgenden nicht mehr viel wissen – die Zeitebenen wirbeln in der Montage oft durcheinander, der Zeitfluss wird lückenhaft. Es geht von Istanbul nach Rio de Janeiro, wo die tote Frau, Wanda, rätselhafter Weise wieder auftaucht, diesmal äußerlich lebendig, aber mit kalt glänzenden Augen.

Eine berechnende Liebesgöttin. Oder doch eher Rachegöttin, die mit den Mitteln einer Liebesgöttin arbeitet: Wie sich bald herausstellt, war sie in Istanbul im Laufe einer erotisch-dekadenten Seance ermordet worden und zählt nun reihum ab, wer an der Sache beteiligt war.
Wer sich auskennt in der Literaturgeschichte, weiß spätestens jetzt, dass uns heute abend keine Verfilmung von Leopold von Sacher-Masochs Roman Venus im Pelz erwartet. Die Geschichte vom nervösen Severin, der in den Karpaten auf die schöne Wanda trifft und in ihr sein Ideal einer strafenden Herrin im Pelz sieht, die ihren Liebhaber unter die Knute zu nehmen versteht, gab zum einen dem Masochismus seinen Namen und würde zum anderen gut ins von sexuellen Perversionen und Obsessionen geprägte Werk Jess Francos passen. In diesem Fall aber ist der amerikanische Verleiher zu beschuldigen, der sich von dem Titel einen schnöden Finanzvorteil versprach. Franco selbst zieht den Filmtitel Black Angel vor, Elemente aus von Sacher-Masochs Roman sind sowieso nur in Spuren zu finden.

Eine schöne Frau, die Männer wie Frauen mit den Liebreizen ihres Körpers umgarnt,um Rache zu üben – eines der vielen Standardmotive in Jess Francos Werk, zu denen etwa auch die typische und hier ebenfalls vertretene Nachtclubszene zählt. In einem Interview sagte Franco einmal, dass er von seinen Filmen eine nicht allzu hohe Meinung habe. Und ich denke jeder, der sich wahllos auf Gutglück ein paar seiner immerhin rund 260 Filme herausgepickt und zu Gemüte geführt hat, wird bestätigen können, dass sich in diesem gigantischen Werk, vorsichtig ausgedrückt, die eine oder andere Kröte versteckt hält. Im selben Interview sagte er aber auch, dass er sich, müsste er drei Filme aus seinem Werk für die Nachwelt erhalten, für Succubus, den im vergangenen Jahr in dieser Reihe gezeigten The Diabolical Dr. Z (a.ka. Miss Muerte) und den heute abend gezeigten Venus in Furs entscheiden würde.

Die Gründe für diesen Segen lassen sich am Film bestens nachvollziehen: Eine flirrend traumhafte Atmosphäre umgibt ihn, die Handlung verliert sich in einer fieberhaften Assoziationskette und ist dabei fast permanent von smoothen und entspannten, zuweilen ins irrlichternde abdriftenden Soundtrack umspült. Francos Kamera ist konzentriert wie selten, stellenweise gelingen grandiose ikonische Momente. Und das Spiel von Klaus Kinski, der hier in einer Nebenrolle ausgerechnet als Türke auftritt, ist auf jene Weise an- und überspannt, die viel Freude bereitet. Vom Standpunkt eines Attraktionskinos aus betrachtet, mag das alles sehr langweilig sein – große Sensationen, vom schwer psychedelischen Abschluss vielleicht abgesehen, finden sich hier nicht. Vielleicht sind Jess Francos ständige Cameoauftritte als Mitglied einer Bar-Jazzband ein Hinweis darauf, dass man sich diesem Film sowieso eher musikalisch nähern sollte, vielleicht so, wie wenn man eine Musikplatte spätnachts auflegt, um sich darin entspannt und interesselos zu verlieren.
Für eine solche Rezeptionshaltung sind die Stühle des Kino Babylon zugebenermaßen vielleicht nicht die beste Voraussetzung. Was mich aber nicht hindern soll, uns eine gute Projektion zu wünschen.

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Wenn Meeresschaum junge Frauen ans Land spült, sind die Verlockungen der Liebe nicht weit. In Hesiods Theogonie, den Göttermythen der alten Griechen, tritt Aphrodite, die Göttin der Liebe, später Venus genannte, als Schaumgeborene aus dem Meer an den Strand Zyperns. Und Hesiod zögert nicht, sogleich ihren Liebreiz und ihr Lächeln zu preisen, wohl aber auch ihre betörende List, der ausnahmslos alle erlegen, wie jeder weiß, der den Rausch der Liebe kennt.

Auch am Anfang des gleich gezeigten Films spült das Meer eine Frau an Land – zwar ungleich lebloser, übt sie auf den Jazztrompeter Jimmy dennoch eine nicht mindere Faszination aus. Wie man kurz zuvor erfährt, ist der Mann zerrüttet und mit der Realität nicht mehr recht verhaftet. Von der Realität will auch der Film im folgenden nicht mehr viel wissen – die Zeitebenen wirbeln in der Montage oft durcheinander, der Zeitfluss wird lückenhaft. Es geht von Istanbul nach Rio de Janeiro, wo die tote Frau, Wanda, rätselhafter Weise wieder auftaucht, diesmal äußerlich lebendig, aber mit kalt glänzenden Augen.

Eine berechnende Liebesgöttin. Oder doch eher Rachegöttin, die mit den Mitteln einer Liebesgöttin arbeitet: Wie sich bald herausstellt, war sie in Istanbul im Laufe einer erotisch-dekadenten Seance ermordet worden und zählt nun reihum ab, wer an der Sache beteiligt war.
Wer sich auskennt in der Literaturgeschichte, weiß spätestens jetzt, dass uns heute abend keine Verfilmung von Leopold von Sacher-Masochs Roman Venus im Pelz erwartet. Die Geschichte vom nervösen Severin, der in den Karpaten auf die schöne Wanda trifft und in ihr sein Ideal einer strafenden Herrin im Pelz sieht, die ihren Liebhaber unter die Knute zu nehmen versteht, gab zum einen dem Masochismus seinen Namen und würde zum anderen gut ins von sexuellen Perversionen und Obsessionen geprägte Werk Jess Francos passen. In diesem Fall aber ist der amerikanische Verleiher zu beschuldigen, der sich von dem Titel einen schnöden Finanzvorteil versprach. Franco selbst zieht den Filmtitel Black Angel vor, Elemente aus von Sacher-Masochs Roman sind sowieso nur in Spuren zu finden.

Eine schöne Frau, die Männer wie Frauen mit den Liebreizen ihres Körpers umgarnt,um Rache zu üben – eines der vielen Standardmotive in Jess Francos Werk, zu denen etwa auch die typische und hier ebenfalls vertretene Nachtclubszene zählt. In einem Interview sagte Franco einmal, dass er von seinen Filmen eine nicht allzu hohe Meinung habe. Und ich denke jeder, der sich wahllos auf Gutglück ein paar seiner immerhin rund 260 Filme herausgepickt und zu Gemüte geführt hat, wird bestätigen können, dass sich in diesem gigantischen Werk, vorsichtig ausgedrückt, die eine oder andere Kröte versteckt hält. Im selben Interview sagte er aber auch, dass er sich, müsste er drei Filme aus seinem Werk für die Nachwelt erhalten, für Succubus, den im vergangenen Jahr in dieser Reihe gezeigten The Diabolical Dr. Z (a.ka. Miss Muerte) und den heute abend gezeigten Venus in Furs entscheiden würde.

Die Gründe für diesen Segen lassen sich am Film bestens nachvollziehen: Eine flirrend traumhafte Atmosphäre umgibt ihn, die Handlung verliert sich in einer fieberhaften Assoziationskette und ist dabei fast permanent von smoothen und entspannten, zuweilen ins irrlichternde abdriftenden Soundtrack umspült. Francos Kamera ist konzentriert wie selten, stellenweise gelingen grandiose ikonische Momente. Und das Spiel von Klaus Kinski, der hier in einer Nebenrolle ausgerechnet als Türke auftritt, ist auf jene Weise an- und überspannt, die viel Freude bereitet. Vom Standpunkt eines Attraktionskinos aus betrachtet, mag das alles sehr langweilig sein – große Sensationen, vom schwer psychedelischen Abschluss vielleicht abgesehen, finden sich hier nicht. Vielleicht sind Jess Francos ständige Cameoauftritte als Mitglied einer Bar-Jazzband ein Hinweis darauf, dass man sich diesem Film sowieso eher musikalisch nähern sollte, vielleicht so, wie wenn man eine Musikplatte spätnachts auflegt, um sich darin entspannt und interesselos zu verlieren.
Für eine solche Rezeptionshaltung sind die Stühle des Kino Babylon zugebenermaßen vielleicht nicht die beste Voraussetzung. Was mich aber nicht hindern soll, uns eine gute Projektion zu wünschen.

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Thema: Filmtagebuch
12. Oktober 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Ich weiß nicht recht, wie und ob mir Restless, trotz vieler schöner Momente, nun gefallen hat oder nicht. Ein bisschen fühlt sich der Film an, als würden in ihm zwei Filme gegeneinander arbeiten. Gegelegentlich ist das schon von Reiz. Meine Unentschlossenheit kann man aber wohl schon meinem Schritt-für-Schritt-um-den-Film-herum-Gehen ablesen - hier beim Perlentaucher, wo heute im übrigen auch Elena Meilicke mit ihrer Kritik zu Kiarostamis Copie Conformé ihren Einstand in unser Team feiert - willkommen!
Was mir an dem Film aber zum Beispiel gut gefallen hat, bringen diese beiden Bilder zum Ausdruck:


Was mir an dem Film aber zum Beispiel gut gefallen hat, bringen diese beiden Bilder zum Ausdruck:


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Thema: Berliner Filmgeschehen
Im Kino Tilsiter läuft bereits seit 08.Oktober und noch bis Ende November eine Auswahl der schönsten Filme von Mario Bava. Hier (unter "Mitternachtskino") gibt es weitere Informationen, in der heutigen Ausgabe der taz schreibe ich aus diesem Anlass einige Zeilen über Bava.


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Thema: videodrome
Werner Herzog war gestern Abend bei Harald Schmidt: Hier das Gespräch, in dem es unter anderem darum geht, dass Herzog gut Bösewichte spielen kann. Und um Cave of Forgotten Dreams geht es auch kurz.
Und: Herzog spielt demnächst im Jack-Reacher-Film neben Robert Duvall mit!
Und: Herzog spielt demnächst im Jack-Reacher-Film neben Robert Duvall mit!
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Thema: videodrome
27. September 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Sehr schön: In der arte-Mediathek steht noch für ein paar Tage Das Weib des Pharao von Ernst Lubitsch online (hier mehr Informationen). Diesen Lubitschfilm kenne ich noch nicht, aber Lubitsch vertraue ich ja blind:
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Thema: videodrome
27. September 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Für eine Weile lang träumte sich das deutsche Kino mit den Edgar-Wallace-Filmen ein oberflächlich internationales, im Grunde seines Herzens natürlich tiefteutonisches Genrekino (auch hinsichtlich personeller Kontinuitäten: Harald Reinl, Wallace-Stammregisseur, inszenierte vor dem Boom im deutschen Heimatfilm), das hier aber immerhin ein gewisses Gran Lockerheit in der Steifheit und nicht zuletzt den einen oder anderen Wahnwitz zuließ, von dem mitunter auch die Soundtracks von Peter Thomas und Martin Böttcher singen. Und immerhin leistete der German Krimi in seiner prominentesten Ausprägung Hebammenhilfe bei der Geburt des Giallos: Über Riccardo Freda, Mario Bava, Massimo Dallamano und, wenn auch nur als Kameramann, Aristide Massaccesi (besser bekannt unter seinem berüchtigten nom de cinematographe, Joe D'Amato) wurde der Edgar-Wallace-Film Schritt für Schritt eingemeindet, von seinem literarischen Übervater befreit und zu einem Subgenre eigenen Rechts erklärt. Nur einige der Gründe, warum ich Edgar-Wallace-Filme im einzelnen nicht immer großartig (von Fall zu Fall aber eben schon), aber stets faszinierend interessant finde.
Bei arte ist noch für einige Tage die Doku German Grusel über den deutschen Edgar-Wallace-Film der späten 50er bis 70er Jahre zu sehen:
Bei arte ist noch für einige Tage die Doku German Grusel über den deutschen Edgar-Wallace-Film der späten 50er bis 70er Jahre zu sehen:
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Thema: festivals
22. September 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Sehr schön geworden:
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Thema: TV-Tipps
22. September 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Messiah of Evil, ein surreal angehauchter (man will fast sagen: Kunst-)Horrorfilm aus den 70ern, zählte zu den ganz großen Entdeckungen, die ich im letzten Jahr machen konnte. Arte zeigt den Film heute abend um Mitternacht und ich kann wirklich nur allen raten: Unbedingt nicht verpassen!
Weitere Infos hier bei arte, plus ein Ausschnitt:
Weitere Infos hier bei arte, plus ein Ausschnitt:
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Thema: videodrome
15. September 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
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Thema: Hinweise
13. September 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Als ich vor zwei Jahren in London war, zählte das Filmmagazin Little White Lies zu den schönsten Entdeckungen - ärgerlich, dass ich das Heft wieder etwas aus den Augen verloren habe, denn wie das so ist, mit detail- und liebevoll gestalteten Printerzeugnissen: Sie sind ruckzuck ausverkauft.
Sebastian Selig verdanke ich nun via Facebook den Hinweis, dass man hier die bisherigen Ausgaben von Little White Lies im (wunderschönen) Originallayout auch online lesen kann. Toll!

Sebastian Selig verdanke ich nun via Facebook den Hinweis, dass man hier die bisherigen Ausgaben von Little White Lies im (wunderschönen) Originallayout auch online lesen kann. Toll!

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Thema: Kinokultur
12. September 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Satz des Tages: "Mit Wirkung zum 06. September 2011 hat die 31. große Strafkammer des Landgericht Frankfurt am Main die allgemeine Beschlagnahme von Texas Chainsaw Massacre aufgehoben."
Turbine Medien haben nach drei Jahren geschafft, was kaum einer mehr für möglich gehalten hat: Texas Chain Saw Massacre, für mich einer der ganz zentralen Filme des amerikanischen Kinos der 70er Jahre, ist hierzulande nicht mehr staatsanwaltschaftlich beschlagnahmt. Damit sollte auch einem Bundesprüfstellenantrag auf Streichung aus der Liste der indizierten Medien nichts mehr im Wege stehen - und die Bundesprüfstelle hatte ohnedies schon sachte durchblicken lassen, dass sie ihrerseits den Film auf dem Index mittlerweile für deplatziert hält. Am Ende landet der Genreklassiker womöglich doch noch mit einer adäquaten 16er-Freigabe im Kaufhaus - und einer der skandalösesten Fälle von deutscher Filmzensur wäre endlich vom Tisch.
Leatherface jubelt:

Turbine Medien haben nach drei Jahren geschafft, was kaum einer mehr für möglich gehalten hat: Texas Chain Saw Massacre, für mich einer der ganz zentralen Filme des amerikanischen Kinos der 70er Jahre, ist hierzulande nicht mehr staatsanwaltschaftlich beschlagnahmt. Damit sollte auch einem Bundesprüfstellenantrag auf Streichung aus der Liste der indizierten Medien nichts mehr im Wege stehen - und die Bundesprüfstelle hatte ohnedies schon sachte durchblicken lassen, dass sie ihrerseits den Film auf dem Index mittlerweile für deplatziert hält. Am Ende landet der Genreklassiker womöglich doch noch mit einer adäquaten 16er-Freigabe im Kaufhaus - und einer der skandalösesten Fälle von deutscher Filmzensur wäre endlich vom Tisch.
Leatherface jubelt:

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Thema: radio
10. September 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Im September gehe ich gerne nachts durch Berlin, in meinem Fall: durch Friedrichshain spazieren. Die Straßen sind etwas leerer, das Klima etwas feuchter, alles etwas dreckiger. Neulich habe ich das wieder gemacht, vor allem wegen einer Sache: Im Nachtstudio von Bayern2 habe ich so kurz nach Mitternacht entdeckt, dass bereits im Juli dort ein Gespräch mit Dominik Graf ausgestrahlt wurde, das der Sender auch als mp3 vorrätig hält:
» Nachtstudio-Gespräch mit Dominik Graf
Das habe ich mir (nachdem ich mir kurz dachte, dass es ja eigentlich immer irgendwelche langen Gespräche mit Dominik Graf im Radio gibt und dass man die mal archivieren müsste und wie wichtig es ist, auf diese Form oraler Filmkultur doch unbedingt mal hinzuweisen) auf den Player geholt, um es anschließend beim Spazierengehen zu hören. Dabei gefallen mir vor allem die Gebiete westlich der Warschauer Straße immer besser, also die Gegend um das Berghain, in dem es deutlicher menschenleerer zugeht als auf der anderen Seite. Schön ist es auch, nachts dann rüber in das Gebiet zwischen S-Bahn-Achse und Hafen rüberzulaufen, wo manchmal noch weniger los ist und die Oberbaumcity wie ausgestorben wirkt (manchmal sind da noch ein paar Prolls unterwegs, da liegt dann ein Hauch von Gefahr in der Luft).
Es passt gut, denke ich mir beim Laufen, dass es in dem Gespräch zum einen (sehr schön) über Dominik Grafs Schreiben über Film geht (das Gespräch wurde wenige Tage vor Michael Althens Tod aufgenommen), dann aber vor allem um Dominik Grafs und Michael Althens schön entrückten Essayfilm München: Geheimnisse einer Stadt, weil ich ja gerade selber nachts durch eher geheimnisvolle, in der Kartografie des trendbewussten Berlins weniger erschlossene Straßen unterwegs bin. Zu den Geheimnissen meiner Stadt gehört zum Beispiel, dass ich an einer Nazi-Bude in einem typischen Ost-Berliner Wohnhaus vorbeilaufe, die im Erdgeschoss die Rollos runtergezogen hat und sehr laut, so dass ich es auch noch mit Kopfhörer höre, Schrei nach Liebe von den Ärzten auf eine Weise grölt, die das Anti-Nazi-Lied offensichtlich lächerlich machen soll. Zu den Geheimnissen zählt auch, dass ich alle fünfzig Meter, während ich durch dunkle Friedrichshainer Straßen laufe, mindestens ebenso dunklen Polizeipatrouillen zu Fuß begegne, deren musternde Blicke - ich besitze nunmal fast nur schwarze, also ebenfalls sehr dunkle Kleidung - ich selbst im Finsteren noch spüre. Währenddessen erzählt Graf in meinem Ohr munter weiter, ausgerechnet der Polizeifilmregisseur. Warum so viel Polizei, frage ich mich kurz, na klar, der brennenden Autos wegen.
Irgendwann, langsam gegen Ende der Aufnahme, komme ich die Moderssohnbrücke rauf, wo ich eine Weile meinen Blick über die Stadt wandern lasse. Währenddessen erzählt mir Graf im Ohr davon, wie man im Alter an einen Punkt kommt, an dem man die Stadt nicht mehr entdeckt, sondern sich zu ihr erinnernd ins Verhältnis setzt. Wenn ich von der Moderssohnbrücke aus nach Westen schaue, also fast von der Grenze des Stadtzentrums in dessen Inneres, sehe ich eine Stadt, die sich massiv gewandelt hat. Dieses Arreal vor meinen Augen war mal eine ganz wunderbare Mondlandschaft, wie ein widerborstiger Dorn inmitten der Metropole - heute steht da die O2-World, wegen der ich schon längst meinen Mobilfunkvertrag mit O2 gekündigt haben wollte. Und wenn ich nach Osten blicke, sehe ich im Dunkeln die Großbaustelle schimmern, in der eines der schlimmsten Architekturverbrechen der Gegenwart ausgebrütet wird: Das Ostkreuz, einer der einstmals spannendsten, ältesten und verwinkeltsten S-Bahnhöfe der Stadt, wird abgerissen, dafür entsteht ein weiterer, anonymer Großbahnhof, der aussieht, wie sowas eben aussieht, siehe Südkreuz, wo dasselbe vor ein paar Jahren schon stattfand.
Ich gehe weiter, es ist schon fast halb drei. Das Gespräch ist an sein Ende gekommen, doch als Bonusmaterial gibt es noch eine Radiorezension eines Buchs über die Geschichte der Cahiers Du Cinéma, von Graf zwar nicht gelesen, aber von ihm verfasst. Seine Leidenschaft gefällt mir wahnsinnig gut - und während ich exakt an jenen Mauern in der Revaler Straße vorbeigehe, denen Dominik Graf am Ende seines wunderbaren Filmessays Den Weg, den wir nicht zusammen gehen (zu finden im insgesamt wenig sehenswerten Omnibusfilm Deutschland 09) ein Denkmal in Form einer filmmaterialästhetischen Liebeserklärung setzt, kommt Graf auf die hiesigen Kinoblogs zu sprechen, deren Furor er in der Tradition der Wut und Leidenschaft der frühen Cahiers sieht: Natürlich hoffe ich kurz auf eine Erwähnung, kommt aber nicht, egal, denn er erwähnt Cargo, Revolver und, was mich sehr freut, die Eskalierenden Träume (und unter "und wie sie noch alle heißen" fühle ich mich ganz einfach ebenfalls aufgehoben). Wer braucht eigentlich noch brave Filmzeitschriften, denke ich kurz, und wie toll das ist, was "wir" und dabei aber jeder für sich, ganz mühelos, scheinbar, aufgebaut haben/hat.
An der Mauer aus Der Weg, den wir nicht zusammen gehen bin ich einen Weg mit Dominik Graf gegangen, bin euphorisiert, beschließe, wieder mehr zu bloggen. Gesagt, getan,
» Nachtstudio-Gespräch mit Dominik Graf
Das habe ich mir (nachdem ich mir kurz dachte, dass es ja eigentlich immer irgendwelche langen Gespräche mit Dominik Graf im Radio gibt und dass man die mal archivieren müsste und wie wichtig es ist, auf diese Form oraler Filmkultur doch unbedingt mal hinzuweisen) auf den Player geholt, um es anschließend beim Spazierengehen zu hören. Dabei gefallen mir vor allem die Gebiete westlich der Warschauer Straße immer besser, also die Gegend um das Berghain, in dem es deutlicher menschenleerer zugeht als auf der anderen Seite. Schön ist es auch, nachts dann rüber in das Gebiet zwischen S-Bahn-Achse und Hafen rüberzulaufen, wo manchmal noch weniger los ist und die Oberbaumcity wie ausgestorben wirkt (manchmal sind da noch ein paar Prolls unterwegs, da liegt dann ein Hauch von Gefahr in der Luft).
Es passt gut, denke ich mir beim Laufen, dass es in dem Gespräch zum einen (sehr schön) über Dominik Grafs Schreiben über Film geht (das Gespräch wurde wenige Tage vor Michael Althens Tod aufgenommen), dann aber vor allem um Dominik Grafs und Michael Althens schön entrückten Essayfilm München: Geheimnisse einer Stadt, weil ich ja gerade selber nachts durch eher geheimnisvolle, in der Kartografie des trendbewussten Berlins weniger erschlossene Straßen unterwegs bin. Zu den Geheimnissen meiner Stadt gehört zum Beispiel, dass ich an einer Nazi-Bude in einem typischen Ost-Berliner Wohnhaus vorbeilaufe, die im Erdgeschoss die Rollos runtergezogen hat und sehr laut, so dass ich es auch noch mit Kopfhörer höre, Schrei nach Liebe von den Ärzten auf eine Weise grölt, die das Anti-Nazi-Lied offensichtlich lächerlich machen soll. Zu den Geheimnissen zählt auch, dass ich alle fünfzig Meter, während ich durch dunkle Friedrichshainer Straßen laufe, mindestens ebenso dunklen Polizeipatrouillen zu Fuß begegne, deren musternde Blicke - ich besitze nunmal fast nur schwarze, also ebenfalls sehr dunkle Kleidung - ich selbst im Finsteren noch spüre. Währenddessen erzählt Graf in meinem Ohr munter weiter, ausgerechnet der Polizeifilmregisseur. Warum so viel Polizei, frage ich mich kurz, na klar, der brennenden Autos wegen.
Irgendwann, langsam gegen Ende der Aufnahme, komme ich die Moderssohnbrücke rauf, wo ich eine Weile meinen Blick über die Stadt wandern lasse. Währenddessen erzählt mir Graf im Ohr davon, wie man im Alter an einen Punkt kommt, an dem man die Stadt nicht mehr entdeckt, sondern sich zu ihr erinnernd ins Verhältnis setzt. Wenn ich von der Moderssohnbrücke aus nach Westen schaue, also fast von der Grenze des Stadtzentrums in dessen Inneres, sehe ich eine Stadt, die sich massiv gewandelt hat. Dieses Arreal vor meinen Augen war mal eine ganz wunderbare Mondlandschaft, wie ein widerborstiger Dorn inmitten der Metropole - heute steht da die O2-World, wegen der ich schon längst meinen Mobilfunkvertrag mit O2 gekündigt haben wollte. Und wenn ich nach Osten blicke, sehe ich im Dunkeln die Großbaustelle schimmern, in der eines der schlimmsten Architekturverbrechen der Gegenwart ausgebrütet wird: Das Ostkreuz, einer der einstmals spannendsten, ältesten und verwinkeltsten S-Bahnhöfe der Stadt, wird abgerissen, dafür entsteht ein weiterer, anonymer Großbahnhof, der aussieht, wie sowas eben aussieht, siehe Südkreuz, wo dasselbe vor ein paar Jahren schon stattfand.
Ich gehe weiter, es ist schon fast halb drei. Das Gespräch ist an sein Ende gekommen, doch als Bonusmaterial gibt es noch eine Radiorezension eines Buchs über die Geschichte der Cahiers Du Cinéma, von Graf zwar nicht gelesen, aber von ihm verfasst. Seine Leidenschaft gefällt mir wahnsinnig gut - und während ich exakt an jenen Mauern in der Revaler Straße vorbeigehe, denen Dominik Graf am Ende seines wunderbaren Filmessays Den Weg, den wir nicht zusammen gehen (zu finden im insgesamt wenig sehenswerten Omnibusfilm Deutschland 09) ein Denkmal in Form einer filmmaterialästhetischen Liebeserklärung setzt, kommt Graf auf die hiesigen Kinoblogs zu sprechen, deren Furor er in der Tradition der Wut und Leidenschaft der frühen Cahiers sieht: Natürlich hoffe ich kurz auf eine Erwähnung, kommt aber nicht, egal, denn er erwähnt Cargo, Revolver und, was mich sehr freut, die Eskalierenden Träume (und unter "und wie sie noch alle heißen" fühle ich mich ganz einfach ebenfalls aufgehoben). Wer braucht eigentlich noch brave Filmzeitschriften, denke ich kurz, und wie toll das ist, was "wir" und dabei aber jeder für sich, ganz mühelos, scheinbar, aufgebaut haben/hat.
An der Mauer aus Der Weg, den wir nicht zusammen gehen bin ich einen Weg mit Dominik Graf gegangen, bin euphorisiert, beschließe, wieder mehr zu bloggen. Gesagt, getan,
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Thema: Hinweise
10. September 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Jedes Quartal immer wieder schön: Die neue Ausgabe der Splatting Image ist erschienen, die, ebenso wie Cargo, zu abonnieren ich unbedingt jedem meiner Mitlesenden von Herzen empfehle. Auch die aktuelle Ausgabe bietet wieder einen liebevoll gepflegten Garten mit dem Schönsten, was die Nebenarme der Filmgalaxis zu bieten haben. Ausführlich werden die Filme von Roger Michael Watkins vorgestellt. Herschell Gordon Lewis steht im Interview Rede und Antwort, der Indiana Jones der Filmgeschichte, Christan Keßler, bringt bei der Dschungelexpedition durchs Dickicht des amerikanischen Exploitationkinos wieder einige längst verloren geglaubte Preziosen ans Tageslicht (wer hätte wohl gewusst, dass es eine in Gebärdensprache gedrehte Variante von Dracula namens Deafula gibt?). Dazu gesellt sich ein Portrait von Gerhard Heinz, ein Filmmusik-Komponist, dessen teutonischer Name alleine ihn schon prädestiniert, die teutonischen Schlager-/Softsex-/Abenteuer-Filme der LISA Film musikalisch zu begleiten, sowie ein True-Crime-Portrait von Lynette „Squeaky“ „Red“ Fromme, die seinerzeit Charles Manson treu ergeben war.
Dazu das übliche Serviceprogramm: Filmbesprechungen, die sich auf deutsche Kinostarts gar nicht erst verlassen, eine dicke Packung Besprechung aktueller DVD-Neuerscheinungen usw. usf.
Aus meiner Feder stammen Filmkritiken zu Attack the Block, Don't Be Afraid of the Dark und Road to Nowhere, sowie einige DVD-Besprechungen. Bezug wie immer über die Website des Magazins oder im ausgesuchten Fachhandel. Ich wünsche viel Spaß bei der Lektüre!
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Thema: videodrome
10. September 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Leider nicht embeddable: Beim Guardian gibt es ein Videointerview mit Werner Herzog über dessen neuen, gerade in Toronto gezeigten und von mir heiß herbeiersehnten Dokumentarfilm Into the Abyss (hier erste Stimmen).
Dann immerhin doch embeddable: Einige Clips aus dem Film:
Dann immerhin doch embeddable: Einige Clips aus dem Film:
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Thema: Kinokultur
08. September 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
(via) Senses of Cinema, eines der verlässlichsten, langlebigsten und besten cinephilen Onlinejournale braucht dringend DEINE (und DEINE und DEINE...) Unterstützung. Derzeit läuft ein Crowdfunding an dieser Stelle. Jeder, der Interesse an einer lebendigen, kompetenten Auseinandersetzung mit Film im Netz, sollte eine Spende erwägen. Wer sich nicht sicher sein sollte, warum eine Spende in dieser Angelegenheit wichtig ist, ist herzlich dazu eingeladen, in den Archiven des Journals zu wühlen und zu stöbern - der Rest kommt dann von ganz alleine.
Und zweite, zentrale Säule der Unterstützung: Reicht diesen Aufruf weiter an alle, die es interessieren könnte - per Mail, in Eurem Blog, bei Twitter, Facebook, überall.
Und zweite, zentrale Säule der Unterstützung: Reicht diesen Aufruf weiter an alle, die es interessieren könnte - per Mail, in Eurem Blog, bei Twitter, Facebook, überall.
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Thema: videodrome
08. September 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
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Thema: Filmtagebuch
08. September 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren

In jenem Seitenarm der Filmgalaxis, aus dem die Geeks und Nerds stammen, genießt Marcus Nispel nicht den allerbesten Ruf. Ein Grund dafür mag sein, dass der Werbefilm- und Musikvideoregisseur im Spielfilmbereich vor allem Remakes liebgewonnener Genreklassiker aus den unteren Videothekenregalen dreht und dabei einer Hollywood-Frischzellenkur unterzieht - in quasi-religiöser Logik also ein Sakrileg. Man kann von solcher, leicht mönchisch anmutender CineMoral aber auch abrücken und sich eingestehen, dass fast alle Genrefilme, auch die liebgewonnenen, auf gewissen Mustern und Strukturen basieren, die sie sich für einen eigenen ästhetischen Überbau zunutze machen - wodurch filmhistorische Kettenbildung von vornherein legitim ist (und mit dem Begriff der Kettenbildung wäre ohnehin auch die "Übertünchung", die mancher Freund der alten Klassiker beim Remake fürchtet, dahin).
Zwar kannte ich bislang von Nispel bislang nur dessen Texas Chain Saw Massacre-Remake - und das halte ich, obwohl Tobe Hoopers Film einer meiner All-Time-Favorites ist, für einen gelungenen, schön herben Horrorfilm (gerade für einen unter Hollywoodbedingungen entstandenen). Dass der Film kaum zu Subtext-Exegesen einlädt wie das 70er Massaker - nun gut. Muss man als Genrefilm ja auch nicht notgedrungen.
Für Nispels neuestes "Remake", den neuen Conan-Film, gilt glatt dasselbe (man muss den Begriff Remake hier unbedingt in Gänsefüßchen setzen, denn der Begriff ist hier mehr als schwammig: zwar bedient sich Nispels Film beim Schwarzenegger/Milius/Stone-Film deutlich und ist sich dessen Existenz stets bewusst, doch gleichzeitig ist der Film auch weit deutlicher an den originalen Stories von Robert E. Howard, von denen man einige im australischen Projekt Gutenberg nachlesen kann, angelegt). Für ein mythopoetisches Projekt, das man dem ersten Conanfilm der 80er Jahre noch mühelos attestieren kann, interessiert sich Nispel kein Stück - dafür wird mit seinen Filmen womöglich aber wieder ein Konzept vom Genrefilm sichtbarer, das man, wäre der Begriff nicht gar so bräsig, als "ehrliches Handwerk" bezeichnen könnte: Durchaus aufrichtig in seinem Anliegen, unterhalten zu wollen, gerne auch mit Schaueffekten, dies aber eben nie ganz so wahllos und in Richtung Publikum geschleudert, wie das (Nispels ehemaliger Produzent) Michael Bay zu tun pflegt. Nispels Filme wollen nicht hoch hinaus, sondern innerhalb der Reglementierungen und ökonomischen Zwänge des Genrekinos bestehen, ohne aber bloß altbacken routiniert zu sein. Dieses Vorhaben gelingt ihnen , für meinen Geschmack, bislang recht gut - ich habe nach dem Conan-Film jetzt jedenfalls große Lust, auch seine weiteren Remakes seit dem Texas Chainsaw Massacre zu sehen.
Meine Kritik zu Conan ist hier in der taz zu finden, beim Perlentaucher schreibt Lukas Foerster auch sehr schön über den Film. Dass wir beide einen nahezu identischen Einstiegssatz gewählt haben, ist, obwohl wir uns nach der Pressevorführung über den Film unterhalten haben, blanker Zufall.
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Thema: Hinweise
08. September 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Die neue Ausgabe von Cargo war gestern in meinem Briefkasten!Die nächtliche Querlektüre brachte schon einige Freuden mit sich: Ekkehard Knörer schreibt da sehr schön über Google+ (mich finden Sie hier), spannend, wenngleich für meinen Geschmack eine Nuance zu kulturpessimistisch ist Geert Lovinks Essay über die Datenbankförmigkeit heutiger Videokultur, einen schönen Text hat Michael Baute über Kelly Reichardts Meek's Cut-Off (dessen DVD, schöner Zufall, mir gestern ebenfalls in die Hände fiel), ganz wunderbar ist Bert Rebhandls Text über Lars von Triers Melancholia (den ich bereits in Prag im Kino gesehen habe und der mir meinen Glauben an von Trier zurück gegeben hat), ebenfalls unbedingt lesenswert sind Simon Rothöhlers Streifzüge durch die Post-London-Riot-Fahndungsbilddatenbanken und nicht zuletzt die vielleicht schönste Kritik zu Monte Hellmans (ganz großartigen) Road to Nowhere (dazu mehr von mir in der Septemberausgabe der Splatting Image).
Noch nicht gelesen, aber viel versprechend sind Lukas Foersters Notizen über das Hollywoodjahr 1980, Praschls Blick auf die Aktienkurse während der Londoner Riots und so vieles mehr. Wunderschön: Eine Bildstrecke mit Bildern aus Berlin-Kreuzberg und dem Ruhrgebiet der 80er Jahre - süße Ästhetik des industriellen Verfalls im prä-sanierwütigen Zeitalter.
Kurz: Cargo ist eine Oase der hiesigen, oft schrecklich provinziell anmutenden Filmpublizistik. Schon aus reinem Eigennutz empfehle ich jedem Mitlesenden hier ein Abo einzurichten, sofern das noch nicht geschehen ist. Es lohnt alle paar Wochen immer wieder aufs vortrefflichste.
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Thema: Weblogflaneur
31. August 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Auf dem Weg zum Filmfestival in Toronto begibt sich Bert Rebhandl mit einem Leihwagen auf Western-Spurensuche. Sein ester, schöner Bericht hier bei Cargo. Ich freue mich schon sehr auf die weiteren Notizen.

photo by bert rebhandl

photo by bert rebhandl
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Thema: radio
31. August 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Die 11. Episode des großartigen Soundtrackpodcasts El Diabolik ist jetzt online. Hier das Tracklisting, dort die tollen Cover der vorgestellten Soundtracks. Auch der zum Podcast eingerichtete YouTube-Kanal ist im übrigen einen Blick wert.
» El Diabolik #11

» El Diabolik #11

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Thema: Filmtagebuch
27. August 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
Warum man sich das aktuelle Crossover-Franchise ziemlich sparen kann, schreibe ich einmal im Perlentaucher und einmal in der taz (unterschiedlich geschrieben, selbes Fazit).


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Thema: Berliner Filmgeschehen
27. August 11 | Autor: thgroh | 0 Kommentare | Kommentieren
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