Samstag, 27. Dezember 2003
10.05.2003, Heimkino

"Film is like a battle ground. It has love, hate, action, violence, death. In one word: emotions.", antwortet Samuel Fuller, lässig, vielleicht sogar leicht gelangweilt, an eine Wand gelehnt, während einer Party, jenem Ort also, an dem, dem Ideal nach, die Klassengegensätze aufgehoben, soziale Begehrlichkeiten formuliert und eingelöst werden sollen. Nichts dergleichen hier, es herrscht allein die Sprache der Reklame, des Kommerzes. Ein Leben, das, selbst in eigentlich ja Momenten des Ausbruchs, nurmehr in der Vorgabe dieser Koordinaten, in Begriffen der Verwaltung denkbar scheint.

Es geht also um Emotionen, weiß Ferdinand nunmehr. Er war es, er hatte die Frage zuvor gestellt, was Film denn sei. Und eigentliche Emotionen, das Authentische, scheint es in seiner Welt - die unmittelbare Umgebung gibt ihm recht - nicht mehr zu geben. Er nutzt die Chance des Nunmehr-Besser-Wissens und macht sein Leben zum Film, zum Genrefilm, um genau zu sein. Dazu gehört eine schöne Frau mit einem Geheimnis an der Seite, ein schnelles Auto, viele Dollars, Schlägereien, Polizisten, Verfolgungsjagden, Unfälle, gefolgt von Feuerbällen, eine einsame Insel, wilde Tiere! Und es gehört etwas Außenseitertum dazu, der Ausbruch aus den Konventionen als solcher, und Musik, Liebe, Poesie! Die ganz wilde Räuberpistole also, eine wilde Reise durch's Kino, durch die Genres, liebevolle Hommagen allenthalben.

Vielleicht sogar Godards schönster Film.


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10.05.2003, Heimkino

Samstagnachmittagsfilme, wie ich sie mag: augenzwinkernd, eine geschmeidige Umsetzung und ohne nennenswerteres Drama - alles klappt wie am Schnürchen, am Ende steckt man sich grinsend eine Zigarre in den Mundwinkel und klopft sich gegenseitig auf die Schulter. Dazu, diesseits des Bildschirms, ein paar Gläser White Russian und der Tag ist gerettet.

Ein schöner "Rauben wir gleich die ganze Bank"-Film ist das, mit einem ganz unglaublichen Plan, einer haarsträubenden Umsetzung desselben und reichlich Schlitzohrentum. Sogar der Zuschauer wird an der Nase rumgeführt und das, obwohl er es doch eigentlich, schon allein aufgrund des ersten Clous gleich zu Beginn des Films, besser wissen müsste. Schön, dass Soderbergh mit Ocean's Eleven eigentlich eher ein Remake von The Sting gedreht hat und sich nicht 1:1 an die Vorlage des eher öden Ratpacks gehalten hat.

Köstlich!


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08.05.2003, Kino International

Die Feuertaufe eines Films stellt immer erst die zweite Sichtung dar. Erst hier bewahrheitet sich, ob ein Film in erster Linie davon lebt, dass man ihn schlicht und ergreifend noch nicht kennt und den Zuschauer dadurch bei Laune hält, oder ob er auch jenseits dessen zu begeistern weiß.

City Of God darf sich in dieser Hinsicht, zumindest was meine Person betrifft, entspannt zurücklehnen: Auch beim zweiten Mal ein rundum spannender, sehenswerter und geradezu euphorisierender Film, der zumindest mich ganz ungemein in seinen Bann zieht. Steckt man erstmal drin, in diesem Geflecht, dann möchte man - perfiderweise eigentlich, ob der dargestellten Gewalt - gar nicht mehr heraus. Man möchte sehen, wie es weiter geht, möchte zurückblicken, ob in den Gassen und Hinterhöfen der Favellas nicht noch etwas ausgelassen wurde, ob es da nicht doch noch etwas gibt, was nicht erzählt wurde.

Einmal mehr benommen den Saal verlassen, benommen und begeistert.



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07.05.2003, Heimkino

Im letzten Schnitt wird in einem Essay der Film als Zeitmaschine bezeichnet und Video als deren neue Qualität. Eine Zeitreise stellt, zumindest für mich, die Ausstrahlung von L'Aile ou la cuisse auf dem neuen Senderkonglomerat RBB definitiv dar, eine Reise zurück in frühste Kindheitstage, als der Betamax-Rekorder unterm Fernsehgerät mich zum Film, zur Liebe zum Film brachte.

Was habe ich diesen Film doch geliebt! Seine dummen Sprüche habe ich mitgesprochen, mich über Funes' Grimassen amüsiert, zwar nichts vom Plot wirklich verstanden - war ja auch gar nicht nötig! -, aber stets hemmungslos gelacht. Was habe ich diesen Film also geliebt, wie auch alle anderen mit Louis de Funes, oder aber auch mit Pierre Richard, oder mit Bud Spencer und Terence Hill, mit Dudu, dem Käfer, mit Chewbacca und Rocky, mit Conan und dem Orang-Utan Clyde und wie die ganzen Figuren des 70er/Früh-80er Unterhaltungskinos noch heißen mögen, dessen Pforten mir, zum Glück, nicht von pädagogikverblendeten Eltern verschlossen wurden (später, bei Rambo und Konsorten - ich war gerade mal 10 - wurde es dann etwas kritischer, aber man hat ja so seine Wege, bzw. seinen Freudeskreis).

Und heute? Heute ist's ein willkommenes Wiedersehen, ein Sprung zurück in jene Zeit, als dämliche Filme noch unberührte Herzen weit öffnen konnten, als die Welt der Erwachsenen, die meine eifersüchtig gehüteten Juwelen - was ein Drama, wenn eine dieser kleinen Betamaxkasetten abhanden gekommen, vermutlich gar gelöscht worden war! - als "Blödsinn" belächelten und stillschweigend hofften, dass mit dem Alter wohl auch die Einsicht käme, seltsam entrückt wirkte, unerreichbar weit weg. Ich hatte auch gar keine große Lust darauf, irgendwann mal so reif zu sein wie die, um dann etwa - Gott, bewahre! - meine eigenen Filmlieblinge nicht mehr schätzen zu können.

Natürlich, heutzutage würde mich L'Aille ou la cuisse ohne diese biografische Vorgeschichte wohl nicht mehr vom Hocker reißen, klar. Doch anschauen mag ich mir das noch immer sehr gerne, zum Glück! Ich kannte sogar noch einzelne Elemente des Plots - irgendwas bleibt selbst beim größten "Nicht-Verstehen-Müssen", ewigen Wiederholungen sei's gedankt, hängen - und die Witze konnte ich noch immer mitsprechen, auch die Slapstickszenen waren mir noch wohlbekannt. Fast gruselig eigentlich schon, was man selbst noch nach Jahren des "Lange-Liegen-Lassens" dem Hirn an abgespeicherten Informationen entlocken kann. Neu waren mir, da war der kleine Junge vor dem Fernseher dann doch noch zu naiv, ein paar soziale wie politische Seitenhiebe in den Dialogen, die sich aus einer ähnlich rustikalen, ganz spezifisch französischen "mir-san-mir"-Mentalität speißen wie die Asterixcomics und dieser seltsame Antiglobalisierungsaktivist (wie heißt der noch gleich? Dieser Typ, der links daherkommt und rechtes spricht, während er McDonald's an die Fassade pinkelt?). Da passt es dann auch ganz gut zusammen, wenn man auf der imdb nach kurzer Recherche feststellt, dass Claude Zidi, der als Regisseur für diesen Delikatessenklamauk mitverantwortlich zeichnete, in den späten 90ern diese Asterixadaption mit realen Menschen bewerkstelligte.

Irgendwann war der Spaß dann auch vorbei und ließ mich mit dem festen Entschluß zurück, auf dem Regal eine kleine Extrasektion einzurichten: "Kindheitserinnerungen". Der Betamaxrekorder ist lange schon den Weg alles Irdischen gegangen, liegt vermutlich auf irgendeiner fränkischen Müllhalde unter, mittlerweile wohl, 20 bis 30 Metern Hausmüll begraben, die dazugehörigen Kasetten, die sind schon längst von der Sperrmüllabfuhr abgeholt worden, sind vermutlich schon verrottet, die Informationen auf den Bändern schon lange nicht mehr abrufbar. Aber der naive, mit großen Augen staunende Junge, für den diese Kasetten und dann diese Wundermaschine einst ein kleines Stück Paradies auf Erden darstellte, den gibt's noch immer. Manchmal, wenn sich irgendein öffentlich-rechtlicher TV-Sender erbarmt, die alten Bestände aus dem Archiv mal wieder auszuwerten, kommt er zu Besuch.


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05.05.2003, Filmtheater am Friedrichshain

Schwierig, was zu diesem bemerkenswerten Film zu schreiben, wirklich schwierig. Nur zwei Zitate deshalb, beide via angelaufen.de: "Es sind nur die besten aller Filme, die diesen Wunsch auslösen: Dass man jedes Detail notieren, ihr Universum komplett verstehen, die Geschichte Bild für Bild nacherzählen möchte.", schrieb Tobias Kniepe in der Süddeutschen. Und Tom Tykwer meinte im Spiegel: "Schon lange nicht mehr haben wir etwas so Andersartiges im populären Kino gesehen, eine filmische Erfahrung gemacht, die so substanziell abweicht von all den vielen hysterischen, freundlichen, absurden und biederen Bildern, die uns ständig auf die Netzhaut prasseln. Punch-Drunk Love, so heißt dieser lächelnde Alptraum, diese zärtliche Bestie von einem Film. Er wird niemanden enttäuschen, der noch auf der Suche ist."



Besser kann man diesem Juwel wohl nicht begegnen, ohne ihm Gewalt anzutun. Dieser Film ist herrlich, glaubt den Unkenrufern kein Wort!


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05.05.2003, Pressevorführung

Der etwas bodenständigere Zwilling von George Clooneys Regiedebut: auch hier ein TV-Star, den die Geltungssucht in die Medien treibt, den vor allem aber die Libido umtreibt, auch hier ein retro-chices Ästhetikdestillat der 60er und 70er. Allein, in Auto Focus geht's ein wenig ernsthafter zu als beim "The Showbiz Must Go On"-Kollegen. Bob Crane steht hier im Mittelpunkt, den man hierzulande wohl vor allem als Hogan aus Ein Käfig voller Helden, dieser bisweilen recht witzigen Klamotte im Nazi-Gefangenenlager, kennt, und wie er - Schrader bleibt sich treu - einsam in der Masse ist, mit den Konventionen seiner Zeit nicht umzugehen weiß, an diesen zusehends zu ersticken droht. Am Ende ist er tot: ermordet, 1978, der Schuldige wurde nie gefasst.

Crane ist, wenn auch zunächst noch biederer Familienpappa, sexsüchtig. Mit seinem überaus zwielichtigen Kumpan John Carpenter (nein, nicht etwa zu verwechseln mit...), der Cranes Celebrity-Status bereitwillig nutzt, um ebenfalls zum Zuge zu kommen, dreht er Homemade-Pornos, denn Carpenter ist Technikaficionado und Bastel-Ass, hat zudem einen hohen Posten in der Entwicklung bei Sony und kommt an alle Goodies und Prototypen: Video tritt seinen Weg an, die Welt zu erobern! Die Pornobänder stapeln sich, zusammen (aber ganz klar: nicht gegenseitig) holt man sich vor dem Bildschirm einen runter, redet über den Fick auf dem Bildschirm, weiß schon den Namen der Frau gar nicht mehr: Sex, Lügen, Video. Doch Crane zerbricht an seinen Obsessionen, mit denen er, trotz zweier Scheidungen, noch immer recht naiv umgeht: "Ich liebe Titten! Große, kleine, hängende, straffe - Titten sind was Schönes!", verkündet er aus dem Off und klingt dabei wie ein Kind, das mit leuchtenden Augen von seinen Lieblingsschokoriegeln erzählt. Dem kurzen Ruhm von Hogan's Heroes folgt der lange Absturz, das lange Siechtum, die biederen 70er, die political correctness.

Ein Film über den Wandel, den das davon betroffene Individuum nicht fassen, lediglich fassungslos beobachten kann. Ein Film über den Zeitgeist der Mode also, über die Mode des Zeitgeists. Die Interieurs ändern sich, die Kleidungen ändern sich, die Frisuren ändern sich, Vorstellungen vom gesellschaftlichen und privaten Miteinander ändern sich. Ja, sogar die Technik zur Bildfabrikation, die ändert sich, ebenso wie die Archivierung: die blanken Bandrollen der ersten Videotage werden, geradezu beiläufig, eines Tages von den noch globigen Vorreitern der heutigen Videokassetten abgelöst. In grellen Farben kommen die 60er daher, wie in einem hippen Club in Berlin Mitte sieht das alles aus, die 70er dann schon etwas reduzierter, wenn wir dann am Tiefstpunkt angelangt sind, wechselt gar das Aufnahmemedium: Crane ist - buchstäblich - gefangen im Videobild, grobkörnig, verwackelt, amateurhaft, blass: Video killed the tv-star!

Schrader wagt es nicht, über Crane zu urteilen. Klar, das ist schon ein Arschloch, so irgendwie. Egozentriert, geltungssüchtig, gegenüber anderen geradezu sorglos hedonistisch. Doch Crane ist auch ein Mensch, der für seine Veranlagung augenscheinlich nichts kann, für den "Sex vollkommen normal" ist, so normal gar, dass er sein Fotoalbum, darinnen Aufnahmen zahlloser geschobener Nummern der letzten Jahre, bereitwillig jedem zeigt, der sie gar nicht sehen will. Einer also, der mit den bürgerlichen Vorstellungen von Monogamie und Sexualität nichts anzufangen weiß, letzten Endes gerade an der Allmacht dieser Moralvorstellungen im Leben scheitert. Disney wagt es jedenfalls nicht mehr, mit diesem Mann einen Film zu drehen. Nicht, nachdem "diese Fotos" in der Boulevardpresse aufgetaucht sind.

Auto Focus ist sicherlich kein Meisterwerk, auch ob er als großer Klassiker in die Annalen der Filmgeschichte eingehen wird, ist zumindest fraglich. Sorgfältig inszeniertes Qualitätskino, dem man die vielen Jahre seines Urhebers im Geschäft, damit einhergehend dessen Reife hinsichtlich der Wahl und des pointierten Einsatzes filmischer Mittel, in jeder Einstellung ansieht, stellt er aber in jedem Falle dar.


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04.05.2003, Heimkino

Hammer-Retro, Teil 3: 1966 waren die Zombies noch ganz der klassischen Tradition verpflichtet: willenlose Arbeitssklaven, derer man sich mittels exotischer, haitianischer Voodoorituale ermächtigen konnte. Bis zur modernen, esoterischen Hokuspokus gänzlich beraubten Neuinterpretation der Untoten sollte es in der Lumière-Galaxis noch 3 Jahre dauern, erst ein us-amerikanischer Werbefilmer aus Pittsburgh sollte diesen filmgeschichtlich ungemein wichtigen Schritt wagen.

Hier jedoch sind wir einer Einladung der vergleichsweise konservativen Hammer-Studios gefolgt und dort beginnt ein Zombiefilm eben, ganz der Tradition verpflichtet, in einer scharf kontrastierenden Parallelmontage, die das "das Eigene" und "das Andere" nachhaltig betont: hier also das beschauliche England, Cornwall, um genau zu sein, dort das geographisch noch nicht näher lokalisierbare Voodooritual mitten im Verlauf, stilecht in einer Grotte, mit exotischen Masken ausgestattet, von monoton vorgetragenen Beschwörungsformeln getragen und von, nunja, trommelnden "Negern" begleitet, deren filmdramaturgischer Zweck sich allein auf eben jenen exotischen Mehrwert reduziert. Dem folgt eine beinahe etwas behäbige Gruselgeschichte um eben jenes Cornwall, in dem auf überaus mysteriöse Weise in den letzten 12 Monaten ein seltsames Sterben die Runde macht. Der noch junge und noch nicht so recht anerkannte Dorfarzt ruft seinen ehemaligen Lehrmeister in den Ort, um mit dessen Hilfe dem Mysterium auf den Grund zu gehen. Dass die eingeschworene (buchstäbliche) Lokalgemeinschaft beiden nicht traut, ist schon allein den Genrekonventionen geschuldet: "Reing'schmeckte" von Außen sind das, Intellektuelle obendrein, die hinter verschlossenen Türen seltsam vor sich hin forschen.

Kurz bevor der Film droht, langweilig zu werden, tritt er gehörig auf's Gaspedal: Das Grauen, zuvor ja immer nur behauptet, tritt ganz offen, schockierend unvermittelt in den Bildkader: Die Gestorbenen werden - "Von wem?" , "Ja, genau darum geht's!" - ausgebuddelt, werden zu Wiederkehrern! Mit formalen Mitteln weiß man dieses "Einbrechen ins Vertraute" zu unterstreichen: Denkbar spektakulär und reißerisch wird der erste Zombie des Films in Szene gesetzt. Was folgt ist eine, für damalige Verhältnisse und für den Kontext des viktorianischen Gothikgruslers, in dem wir uns bewegen, einzigartige Achterbahnfahrt, die mit Schauwerten nicht geizt: Wo hat man schonmal die Übergangsphase vom Toten zum Wiederkehrer derart charmant aufgelöst gesehen? Wo gab es zuvor - später in Genrefilmen oft zitiert! - einen wildgeschwungenen Spaten zur Dekapitation eines Zombies zu sehen? Die existenzialistische Erfahrung, die Entfremdung, die man desnächtens auf dem Friedhof durchlebt, wenn sich vor den eigenen, ungläubigen Augen die Erde auftut und Untote ausspeit, wurde kongenial mit formalen Mitteln zum Ausdruck gebracht! Und der Showdown, ja, mensch, der wilde Showdown nimmt schon wesentliche Aspekte von Fulcis erst 13 Jahre später entstandenem Heuler Woodoo vorweg.

Jedoch, nicht nur allein die Toten kehren wieder, auch den Sets und Locations wird ein zweites Leben gegönnt: wie's bei den Hammer-Schinken der klassischen Horrorphase schöner Brauch ist, wurden die Bauten, aus ökonomischen Gründen, auch für andere Filme verwendet, für Das Schwarze Reptil, um genau zu sein. Auch einige Darsteller sind dieselben, was zu nicht wenigen, schönen Déja-Vu-Effekten führt, vom heimeligen Gefühls des "Alte-Freunde-Wiedersehens" mal ganz abgesehen, wenn sich die selben Gestalten durch die selben Bauten bewegen. Der Fairness halber sei's aber nicht verschwiegen: Plague ist der eigentlich Ältere der beiden Filme, in der filmischen Biographie des Autors dieser Zeilen jedoch der Zweitgesehene!

Fazit? Plague ist ein überaus schöner, nostalgischer Horrorstreifen, den es zu entdecken gilt. Mit einigen ganz köstlichen, kindlich naiven, genau deshalb aber sehr effektiven Spielereien kann er auch heute noch das Herz des Zuschauers erobern. Grund zur Vorfreude gibt's obendrein: der Film ist für den Mai kommenden Jahres von Anolis in der, bislang, voll zu überzeugen wissenden "Hammer-Edition" den deutschen DVD-Markt angekündigt.

Eine Veranstaltung, übrigens, des "CineClub klassisch", der sich über's Web gemeinsam zum Ansehen alter Horrorklassiker, jeweils zuhause, verabredet. Die anschließende Filmdiskussion zu Plague findet sich hier. Eine sehr schöne Idee, der sich weitere Filmenthusiasten und Freunde des altehrwürdigen, modernden Gruslers gerne anschließen dürfen.


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03.05.2003, Heimkino

Eine alte Swingplatte entdeckt, behutsam aus dem Cover geholt, hier und da schon die Altersspuren auf dem alten Vinyl, und dann sachte aufgelegt. Es knarzt, knistert, zärtlich, und dann, aus heiterem Himmel, geht es los! Es kracht, es fetzt, es swingt, mann, das Timing, es passt exakt, kurzum: es begeistert! Euphorie und, ganz einfach, eine gute Zeit, egal was der Alltag mit sich bringt. Das ist Eskapismus, sicher. Egal, manchmal braucht man das!

Genauso fühlt sich Some Like It Hot an, ein großes Konzert verschiedenster wilder Elemente, die genau aufeinander abgestimmt sind, genau im richtigen Moment zünden und dem Zuschauer keine ruhige Minute lassen. Die Patina, die der Film sicher schon angesetzt hat, schadet nicht im geringsten, unterstreicht eher noch den zeitlosen Charakter!

"Nobody's perfect!", das Schlußwort. Auch kein Film ist perfekt, könnte man ergänzen wollen. Allein, nach diesem Filmerlebnis fällt es sichtlich schwer.


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03.05.2003, Heimkino

Eine alte Swingplatte entdeckt, behutsam aus dem Cover geholt, hier und da schon die Altersspuren auf dem alten Vinyl, und dann sachte aufgelegt. Es knarzt, knistert, zärtlich, und dann, aus heiterem Himmel, geht es los! Es kracht, es fetzt, es swingt, mann, das Timing, es passt exakt, kurzum: es begeistert! Euphorie und, ganz einfach, eine gute Zeit, egal was der Alltag mit sich bringt. Das ist Eskapismus, sicher. Egal, manchmal braucht man das!

Genauso fühlt sich Some Like It Hot an, ein großes Konzert verschiedenster wilder Elemente, die genau aufeinander abgestimmt sind, genau im richtigen Moment zünden und dem Zuschauer keine ruhige Minute lassen. Die Patina, die der Film sicher schon angesetzt hat, schadet nicht im geringsten, unterstreicht eher noch den zeitlosen Charakter!

"Nobody's perfect!", das Schlußwort. Auch kein Film ist perfekt, könnte man ergänzen wollen. Allein, nach diesem Filmerlebnis fällt es sichtlich schwer.


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03.05.2003, Heimkino

Mai in Berlin, Frühling! Von wegen, vor meinem Wohnzimmerfenster ist Herbst, mit allem was dazugehört: grauer Wolkenhimmel, steifer Wind, hochgekrempelte Kragen, dann und wann ein kleiner Regenguß. Außerdem ist's Samstag Nachmittag, man hat so richtig gar nichts geplant - keine Verabredungen, keine Verpflichtungen! -, hat seine Wohlfühlklamotten an, etwas Kuchen und eine frischgebrühte Kanne Kaffee stehen ebenfalls bereit. Was bietet sich da besseres an, als sich faul vor die Glotze zu flätzen, das schlechte Wetter ein genau eben solches sein zu lassen und sich einen alten Schinken der legendären Hammer Studios (siehe auch schon 28.04.) anzusehen? Eben! Und die erst jüngst erschienene DVD zu Yeti, der Schneemensch fristet ja auch noch ungesehen ihr Dasein im Regal.

Mit Hammer, wie man's eigentlich kennt - knallig farbig, gotisch -, hat Yeti, auf den ersten Blick, nicht allzu viel zu tun: In kontrastreichem schwarzweiß kommt er daher und auch wenn sich der Film motivisch hier und da ein wenig an King Kong anlehnt, ist das keiner der klassischen Hammer-Grusler - wurde ja auch noch kurz vor der Initialzündung Curse Of Frankenstein gedreht -, sondern vielmehr ein Abenteuerfilm mit gruseligen Untertönen: eine kleine Gruppe unterschiedlich motivierter Abenteurer macht sich, ausgehend von einem tibetanischen Kloster, in die Höhen des Himalayas auf, um den "abscheulichen Schneemenschen" (so der ins Deutsche übertragene Originaltitel) ausfindig zu machen. Kein Monster aus alten Universal-Filmen, keine Schlösser, keine Aristokraten!

Was sonst eigentlich diversen SciFi-Filmen als gängiges Motiv vorbehalten ist, findet sich in Yeti wieder: die Reise einiger, gewissermaßen archetypischer Repräsentanten der Menschheit in eine Zone jenseits der Grenzen zur Zivilisation, zum Vertrauten entpuppt sich als existenzielle Parabel, als Diskurs über die Rolle des Menschen im Weltgefüge von Zeit und Raum. Man kennt das ja, aus Filmen wie 2001, Stalker oder Solaris, wenngleich Yeti seinen recht grimmigen Unterton längst nicht derart verkopft ausformuliert.

Und gruselig ist er dann auch noch - ja, und wie! Die Klaustrophobie des Zeltes, das stets präsente Pfeifen des eisigkalten Windes, das dichte Schneetreiben, so dass man kaum die Hand vor Augen sieht und dann noch das Wissen, dass sich, irgendwo da draußen, die Gefahr befindet (vielleicht aber auch gerade nicht unbedingt da draußen? Der Film ist dahingehend recht tricky!). Eine diffuse Gefahr zudem, die niemals wirklich in Erscheinung tritt, immer nur erahnt werden kann - trotzdem Tote! Was für ein atemberaubender Moment dann, wenn man endlich - endlich! - ein Detail des Schneemenschen, in aller Deutlichkeit, zu Gesicht bekommt, wenn das "Außen" ins "Innere" vordringt. Tastend, zaghaft, dennoch bestimmt.

Ein rundes, überaus spaßiges Genrewerk mit düsteren Untertönen und einem, wie immer, mit Leib und Seele agierenden Peter Cushing. Mehr davon!

imdb | mrqe | bmovies.de | hammer studios

tv-termine: peter cushing
filmtagebuch: peter cushing | val guest | hammer studios


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lol