Dienstag, 29. August 2006
Thema: Kinokultur
»Beim „Parfum“ standen wir damit erst einmal vor einem riesengroßen Berg von Problemen, und wir mußten alle Regeln des Filmemachens brechen, um sie zu lösen. Es gibt hier keinen Kampf zwischen Gut und Böse. Es gibt keinen Protagonisten, der für das Gute kämpft. Es gibt keine Liebesgeschichte, es gibt noch nicht einmal eine Geschichte, wenn Sie so wollen, denn es gibt keine Konflikte. Das allerschlimmste für einen Film ist, daß der Held nichts lernt. Unser Film kann damit, anders als neunundneunzig Prozent aller anderen Filme, nicht über Identifikation funktionieren, sondern nur über so etwas wie Faszination. Wir haben lange darüber nachgedacht, ob es einen Film gibt mit einem düsteren Hauptdarsteller, der keine Freunde, kein soziales Umfeld hat, einen Helden, in dessen Seele man nicht reinkommt, weil er keine Gefühle hat.«
So kommt das heute Bernd Eichinger im FAZ-Gespräch über die Lippen und anzunehmen ist, dass er dabei noch nicht einmal ein bisschen rot geworden ist. Und es ist bezeichnend für einen - und von einem solchen auch nur erwartbar -, der eben nichts anderes ist als lediglich ein verwaltender Technokrat des Films, von Vision und Feingefühl, oder zumindest aber: Verständnis von Film und seinen Regeln, allerdings so weit entfernt ist wie Benedikt zu Rom von einem Satanistenkonzert. Das Parfum, so konnte man es vorab schon hören und es wundert ja auch nicht im geringsten, sei vor allem vollgestellter Illustrationsfilm geworden, der gerade die Spezifität des Buches außer Acht lasse. Sowas kommt, wenn vorab sich einer zu meinen bemüßigt fühlt, "alle Regeln des Filmemachens" über Bord werfen zu müssen, und damit doch nichts anderes meint als, dass es ja, vor allem eben aus Sicht eines bilanzierenden Buchhalters, doch recht ärgerlich sei, dass Süskind nicht auch noch eine schnuffig-kassenträchtige Liebesgeschichte ins Buch bugsiert hat.

Es ist nur einmal mehr zu betonen: Der größte Nagel im Sarg hiesigen Filmemachens hört auf den Namen Bernd Eichinger.


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»Gut dass wir uns auflösen! Um nicht nur rumzumosern von hier noch ein Gruß an den sympathischsten Päderasten der Republik: Klaus N. Frick. Der frühvergreiste erschien in Begleitung einer 16- jährigen Gymnasiastin, wir hoffen unsere Bekanntschaft hat bei ihr Eindruck schinden können so das du sie schänden konntest . WWK, die den Abend musikalisch eröffneten zeichnen sich dadurch aus, dass sie menschlich die liebsten Westerwaldpunks der Welt sind, musikalisch jedoch eher rüpelhaft daherkommen. Unvergessen ist mir ihr 17 Jahre altes Demotape, bei dem auf Reim und Versmaß dermaßen geschissen wird, dass es sich anhört als würde ein Marktschreier mit einem Megafon vor einer Großbaustelle ein anarchistisches Flugblatt verlesen.Dann kamen wir und lieferten das drittschlechteste Konzert unserer Tour ab. Daniels Schwiegervater hat es aber gefallen, so dass ich den Abend doch als fulminanten Erfolg verbuchen würde. Beim zu Bett gehen störte ich noch versehentlich den WWK- Gitarristen beim Hintenrumverkehr mit seiner Freundin. Endlich mal was erlebt auf der Tour.«
Prost Mahlzeit, Herr Gesangsverein, es lebe der Tourbericht zur Hammerhead-Abschiedstour, die da allerdings schon im Jahre des Herrn 2004 stattfand. Überhaupt verdient ja jenes Genre des Punker-Tourberichts eine Renaissance unter den journalistischen Textformen. Und klar, der Klaus, um den's hier geht, ist der Chef von Perry Rhodan, auch so ein Kuriosum.

Jedenfalls, der Hammerhead-Film Sterbt Alle!, lange angekündigt, ist nun fertig. Premiere hat er die Tage, am 01.09.2006 in Bonn. Abendgarderobe Pflicht. Auch so ein Film, den ich unbedingt sehen muss, weil Hammerhead einfach die letzte wirkliche Punkrock-Band aus Deutschland waren. Und der Trailer ist so verflucht gut, dass es nur so eine Art hat:


Noch 'ne Spur besser allerdings dieser erste Vorab-Trailer von Anfang des Jahres:



Einiges anhören? Hier.



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