Sehr erfreulich: Das Filmfest Oldenburg spendiert derzeit Radley Metzger, Meister des Sexploitation-, Erotik- und frühen Pornofilms, eine ausführliche Retrospektive. Noch erfreulicher: Noch bis Sonntag kann man bei MUBI (vormals theauteurs) in Kooperation mit Oldenburg zwei seiner Filme gratis und legal online anschauen (allerdings ist eine Registrierung vonnöten). Dazu gesellen sich weitere Kurzfilme aus dem Oldenburger Programm.
Vor ein paar Tagen im Briefkasten: Die neue Ausgabe der Splatting Image! Diesmal mit US-Exploitation aus den 70ern, einem Gespräch mit Gaspar Noe (das insofern etwas traurig ist, da die Ambitionen, mit denen er an Enter The Void gegangen ist, aus jedem Statement nur so triefen und das Ergebnis dann doch so ungemein enttäuschend ist), einem Artikel über Roboter im SF-Film der 50er und, wie immer, vielem mehr (z.B. diversen DVD- und einer Buchrezension aus meiner Feder).
Erhältlich über die Website, im guten Fachhandel oder am besten gleich im Abo.
Das Kino Filmkunst 66 (Bleibtreustr., nicht weit weg vom S Savignyplatz) zeigt heute abend um 22:30 Tobe Hoopers Texas Chain Saw Massacre im Rahmen einer Abendveranstaltung, die sich mit der Indizierungs- und Beschlagnahmungspraxis im Allgemeinen und mit dem haarsträubenden Verbot dieses Klassikers im Besonderen befasst. Dazu sind Stefan Höltgen und René Bahns (von der juristischen Fakultät der Humboldt Universität) anwesend.
Am Donnerstag läuft der schöne Stopmotion-Animationsfilm Mary and Max im Kino an, den ich hiermit ausdrücklich empfehlen möchte. Zur Einstimmung kann man sich Harvie Krumpet anschauen (der, wenn ich das gerade richtig sehe, legal auf YouTube zu finden ist), für den Regisseur Adam Elliot einen Oscar gewann und der in mancher Hinsicht wie ein Arbeitsentwurf für Mary and Max wirkt:
Durch Zufall bin ich heute auf die traurige Meldung gestoßen, dass polyfilm seine Reihe "Japanische Meisterregisseure" mit der aktuellen Veröffentlichung vorzeitig einstellt. Eine hoch ambitionierte Reihe findet damit einen verfrühten Beschluss und fast noch schlimmer: Der angekündigte große Schwung Ozu-Filme - das eigentliche große Highlight der Reihe - ist damit auch dahin.
Zu den Gründen schweigt sich die Website des Labels zwar aus, es würde mich allerdings nicht wundern, wenn es vor allem an enttäuschenden Verkaufszahlen liegt (aber das ist, wohlgemerkt, blanke Spekulation meinerseits).
Heute Abend, 00:10 im ZDF: Klaus Lemkes neuer Film Schmutziger Süden. "An "Schmutziger Süden" ist gut zu erkennen, dass Lemkes Kino durchaus ein zerbrechliches Kino ist", steht in der taz, die "Welt" hat sich mit Lemke unterhalten und auf YouTube gibt's ein Video vom Fotoshoot:
»Ja, mir kommt es vor,
dass mein Erscheinen in der Welt
ein harter Sturz gewesen ist.«
Gerade erfahre ich, dass Bruno S. gestorben sein soll ist. Ihm gelang es in gerade mal zwei Filmen, Jeder für sich und Gott gegen alle und Stroszek (beide von Werner Herzog), zu einem der wichtigsten und großartigsten deutschen Nachkriegsschauspieler zu werden. Ruhm war ihm kaum gegönnt: Die Berliner Hinterhöfe und Eckkneipen, die ihm lange für sein Akkordeonspiel die Bühne stellten, blieben auch weiterhin - und wie man hört auch bis zum Schluss - seine Welt.
Mit der Filmgazette ist kürzlich ganz still und leise ein neues Onlinemagazin aus der Taufe gehoben worden. Und weil sowas meist täglich (und, mit Verlaub, auf meist sehr uninteressante Weise) geschieht, muss man betonen, warum dies eine Meldung wert ist: Die Filmgazette ist ein side project, würde man im Popdiskurs sagen, von der Filmzentrale, in der Andreas Thomas seit geraumer Zeit aus unterschiedlichen Print- und Onlinequellen lesenswerte Filmkritiken sammelt und archiviert (natürlich immer mit Einverständnis der Autoren). Die Filmgazette nun schöpft aus diesem stattlichen Autorenpool (an dieser Stelle vielleicht der Hinweis: Ich bin auch dabei), bringt aber originäre Texte, auch hier eingebettet in ein funktionales No-Nonsense-Design.
Zwar weiß ich nicht recht, was das Mission Statement - "der Filmkritik mehr Kritik bringen - genau sagen soll, aber bei Andreas Thomas bin ich mir sicher: Der weiß schon, was er macht.
In der (ich finde ja: sehr zweifelhaft so benannten) Trashreihe zeigt arte heute Nacht das mexikanische midnite movie Alucarda von Juan López Moctezuma, der einige Jahre zuvor Jodorowskys El Topo produziert hat, einen sehr hysterischen 70s Satanismus/Exorzismus-Film, in dem sich Sleaze- und subversives Autorenkino die Klinke in die Hand drücken. Zwar hatte mich der Film vor einigen Jahren nicht /ganz/ so umgehauen wie erwartet, doch schart der Film glühende Verehrer haufenweise um sich - und spannender als weite Teile des wischiwaschi-Angebots im TV ist das allemal.
In der arte-Mediathek gibt es bereits einen Vorabausschnitt:
Eine Lichtung bei Kulmhof in Polen. Aus der schneeverwehten Ebene wölbt sich das Dach eines Erdhauses, ein Pferd ohne Schweif ist an den rauchenden, klapprigen Schornstein gebunden, der aus dem Boden ragt. In der Höhle hausen Rosa Peham und Józef Najman. Rosa ist die ehemalige Verlobte von Franz Maderholz, der Zahlmeister im Vernichtungslager Kulmhof war. Die Asche der Opfer füllt den Boden der Lichtung, die seit Kriegsende Rosas Heimstatt ist. Franz ist verschollen, Rosa hat sich 1948 mit Józef liiert. Auch ihm wird eine dunkle Vergangenheit nachgesagt. Jahrzehnte später erfahren ein Filmteam und ein Theologe aus alten Akten von Rosa und den damaligen Ereignissen.
In den sechziger Jahren stieß Thomas Harlan bei Recherchen über Kriegsverbrechen auf Gerüchte über das Dorf Kulmhof, an dem die Deutschen die Technologie des Massenmords erprobten. Sein 2000 erschienener Debütroman Rosa ist das Gegenteil einer Bilanz und alles andere als ein Fazit. Der Text ist ein sprachlich-gedankliches Ringen mit einem ungeheuerlichen Stoff. „Regisseur Bernhard Jugel hat die nackte Sprache anstelle einer von Klang- und Geräuschfolien umgebenen Realisation als Medium gewählt. Eine Radio-Adaption, die eine hellere Wahrnehmung hervorruft.“ (Jurybegründung Hörspiel des Monats April 2001)
OneDreamRush ist ein von einem Wodkahersteller gesponsertes Kurzfilmfestival von 2009, auf das ich jetzt gerade erst (via, via) gestoßen bin: 42 Regisseure wurden dazu eingeladen, einen Kurzfilm von 42 Sekunden Länge zu drehen, der sich mit dem Thema "Traum" befasst (dass dem Wodkahersteller de 42 lieb ist, ergibt sich damit wohl von selbst...).
Heute Nacht strahlt arte die neue Episode von Durch die Nacht aus, diesmal mit Michael Haneke und dem Strafverteidiger und Autor Ferdinand von Schirach, die gemeinsam durch Venedig streifen.
In der heutigen taz habe ich dazu ein paar Zeilen beigesteuert, die man hier online findet. Weitere Informationen hier auf der Website des Senders.
Nachtrag: Den Artikel in der "Welt", den ich im ersten Satz referenziere, kann man hier online nachlesen. Eine schöne Reportage.
Heute druckt die "Süddeutsche" in gekürzter Form Dominik Grafs Laudatio auf Klaus Lemke, der in München zu allgemeiner großer Überraschung den Filmpreis für sein Lebenswerk erhielt. Der schöne, unbedingt lesenswerte Text ist, soweit ich das überblicke, online bislang nur Abonnenten zugänglich.
Aus demselben Anlass führte die "Welt" vor kurzem ein Gespräch mit Lemke.
Das im Gespräch erwähnte Musikvideo gibt's noch obendrein:
Film Studies for Free hat freundlicherweise die Videoaufnahmen von einem Lynch-Symposium, das 2009 in UK stattgefunden hat, zusammengefasst. Ein Teaservideo im Anschluss, der Rest gesammelt hier.
Gestern abend begann arte mit der Ausstrahlung der 60s Kultserie The Prisoner, bzw. Nummer 6 im deutschen Sprachraum (hier ein Dossier des Senders, dort ein sehr ausführlicher Text von Hans Schmid zur Serie). Da die vor einigen Jahren bei Koch Media erschienene DVD-Box seit geraumer Zeit ausverkauft und nur zu horrenden Preisen gebraucht erhältlich ist, ist es doch sehr erfreulich, dass arte die Episoden der Serie für begrenzte Zeit auch als Online-Stream anbietet:
Update: Aus die Maus, nach 7 Tagen gehen die Episoden offline!
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