Freitag, 5. Januar 2007
04.01.2006, CineStar Sony Center.

Im Kino gewesen, indifferent hinausgegangen. Das Schlimmste, was einem Scorsese-Film vielleicht passieren kann, wird wahr: Man verlässt den Saal und zuckt mit den Achseln. Man könnte sich aufregen, man könnte es sein lassen. Schlimmer wird's nur dadurch, dass The Departed nun alles andere als solche Indifferenz zu bezwecken im Schilde führt. Der Soundtrack erzählt davon: Scorsese fürchtet weder Tod noch Lizenzkosten - und so ist der Soundtrack vollgesogen mit Rolling Stones und Pink Floyd, mit wuchtigem Irish-Folk-Punk der neueren Stunde und allem und jedem, was in den 70ern ein Gesicht auf einem Musikmagazin hatte. Das soll knallen, tut es nicht. Was lief da schief?

Eine Antwort fällt schwer. Es mag die Uninspiriertheit sein, die jedem Import-Remake als "Geschmäckle" mit anhaftet, selbst wenn versucht wird, die Vorlage - ein sehr solider Hongkongthriller aus einer Zeit, als auf das Hongkongkino schon nur noch in Ausnahmefällen (sagen wir: Johnny To) zu hoffen war - so irgendwie noch zu bereichern, selbst wenn einem im Grunde doch nichts einfällt. Die Achsensymmetrie aus Infernal Affairs ist nicht genug, es muss zum Ende hin noch ein bisschen mehr Wallung in den Plot, zu seinen Ungunsten allerdings. Der Unterschied schließlich zum Original ist der für das Nicht-Gelingen prägnanteste: Infernal Affairs setzt eine Idee um, spielt sie durch und ist darin so strikt wie konsequent; The Departed formuliert diese Idee nur (schlimmer: formuliert sie nur nach) und stellt sie in den Raum. Ein bisschen Fleisch legt er drauf, den Rest erledigt Ballhaus und der Music Supervisor und beide waren von der Muse nicht unbedingt geküsst.

Ein Film spult sich ab und es ist egal. Selten war ein Scorsese-Film derart mit Brutalitäten vollgestellt. Man beobachtet das zwar und ist doch eher erschreckt von den "Männermännern" im Kinosaal, die jedes Blut-Actionpainting und jedes "Fuckin' fuck" mit einem debilen höhö kommentieren und sich dabei, vermutet man, noch gegenseitig mit den Ellbogen in die Seite stupsen. So unbeholfen ihre Verbrüderung mit dem Film, so orientierungslos wandelt Scorsese durch seinen Stoff, der in Einzelteile zerfällt, für die sich Scorsese bestimmt was gedacht haben mag, doch allein, die Syntax geht nicht auf. Und der Soundtrack deliriert sich ohne Sinn und Verstand von einer Lizenz zur nächsten. Wie vollkommen sinnlos die Songs auch immer eingefadet werden. Am witzigsten überhaupt nur an diesem Film, dass Alec Baldwin hier aussieht wie Sozen-Wowi aus Berlin.

Genauer, treffsicher und lesenswert dazu: Knörers Kritik auf jump-cut.de, bzw. sein Essay für den Perlentaucher.

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Donnerstag, 4. Januar 2007
Vor rund einer Stunde wurden per Pressemitteilung die ersten Wettbewerbsfilme des 2007'er Festivaljahrgangs mitgeteilt.

Ganz besonders freut es mich, dass Yella, der neue Film von Christian Petzold, und The Good German, der neue Film von Steven Soderbergh, im Wettbewerb vertreten sind. Yella erzählt von einer Brandenburgerin, die im Westen eine neue Arbeitsstelle antritt und von ihrem alten Leben eingeholt wird. In den Hauptrollen sind Nina Hoss, Hinnerk Schönemann und Devid Striesow zu sehen. Weitere Informationen zum Film finden sich hier.

Über The Good German konnte man bereits hier einiges lesen. Ich bin gespannt, wie und ob Soderberghs Experiment, den klassischen Stil von Michael Curtiz zu emulieren, gelungen ist.

Als Internationale Premiere zeigt der Wettbewerb Robert De Niros zweite Regiearbeit The Good Shepherd, der von einem idealistischen Yale-Studenten handelt, der zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in den Geheimdienst eintritt.

Das europäische Kino ist mit Sam Gabarskis Irina Palm vertreten. Der Regisseur hatte zuvor mit Der Tango der Rashevskis debütiert, den ich, ehrlich gesagt, eher für abgeschmacktes Bürgerkino halte. Mit Goodbye Bafana von Bille August scheint sich die penetrant sozialdemokratische Ader des Wettbewerbs zu ihrem Recht zu verhelfen: Die Geschichte um den einstigen Gefängniswärter von Nelson Mandela stellt allenfalls gefühliges "Ich bin ein guter Mensch"-Kino in Aussicht.

Anhänger des manieristischen Kinos dürften sich wohl sehr auf Park Chan-Wooks neueste Arbeit I Am A Cyborg But That’s Ok freuen, die im Wettbewerb als Internationale Premiere zu sehen ist. Dass Chan-Wook sich von seiner Lady Vengeance-Überzuckerung erholt hat, steht zwar nicht zu hoffen, wäre aber eine schöne Überraschung. Für die Chefdirektion des Festivals zählt aber wohl ohnehin nur der Prestigegewinn, einen internationalen Festivalliebling in die eigene Königsdisziplin gehievt zu haben. Den (allerdings in der Tat recht hübschen) Trailer zum Film kann man sich hier in sehr zäher Geschwindigkeit herunterladen; ein erstes Poster folgt sogleich:



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Mittwoch, 3. Januar 2007


Ich will gerne nochmals darauf hinweisen, dass ab heute abend und dann noch bis Freitag jeden Abend der wirklich ganz großartige japanische Film Yentown - Swallowtail (auch unter dem Titel Swallowtail Butterfly bekannt) in Berlin-Friedrichshain im mit hinreichend Sofas und Matratzen ausgestatteten b-Ware-Ladenkino mit deutschen Untertiteln läuft. Ehrlich: Das lohnt sich unbedingt.

Wer es aus vollkommen unerfindlichen (und sowieso nicht gültigen) Gründen nicht schafft, darf sich dennoch freuen: Der lange Zeit herbeigesehnte Film ist seit kurzem endlich auch in Deutschland auf DVD erhältlich. Einfach bei Rapid Eye Movies anfragen.


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Samstag, 30. Dezember 2006
Thema: Hoerkino
Bereits vor einigen Tagen habe ich dem Radiohörer für seine Listensammlung meine Top-Platten des Jahres zukommen lassen. Dann kann ich sie ja auch eigentlich gleich hier einstellen, wenn die Arbeit eh schon gemacht ist, näch?

Here we go (ohne interne Reihenfolge):
- jan jelinek: tierbeobachtungen
- sunn o)) & boris: altar
- red sparowes: every red heart shines towards the sun
- the world/inferno friendship society: red-eyed soul
- beirut: gulag orkestar
- tortoise & bonnie 'prince' billy: the brave and the bold
- the kilimanjaro darkjazz ensemble: same
- mouse on mars: varcharz
- ekkehard ehlers: a life without fear
- isis: in the absence of truth
- ten volt shock: 6null3

Und dann noch, mit Dank an Roland für den Hinweis, als kleine nachgereichte Ergänzung:

- console: mono

Die Scheibe hatte ich nämlich so gar nicht auf dem Schirm (auch die Junior Boys könnte sich noch, so nach erstem Hören, als veritable Popscheibe für die nächsten Wochen herausstellen!).



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Unter diesem Titel startet ab Mittwoch die nächste Staffel der sich mittlerweile glücklicherweise institutionalisiert habenden Exploitationfilmreihe der "Freunde des Schrägen Films" im Kino Babylon in Berlin-Mitte. Grob skizziert ließe sich sagen, dass diese Staffel den US-Horrorfilm nach "New Hollywood" thematisch ins Auge fasst. Mit dem rise and fall der "Jungen Wilden", die in die Krise des Studiosystems preschten und dabei die Methoden und Manöver des Autorenfilms ins Herz der Filmindustrie bugsierten (und diese damit gleichsam - etwa ab Der weiße Hai - restaurierten und auf neue Füße stellten), war auch das Horrorkino nicht mehr dasselbe. Regisseure wie George A. Romero, Wes Craven, David Cronenberg und John Carpenter transzendierten das Genre und etablierten es als (zuweilen vehement kulturkritische) Ausdrucksform. In diesem (mehr oder weniger freien) 'Freiraum' entstanden schließlich auch Nischen für Experimente wie beispielsweise Kathryn Bigelows Vampir-Variation Near Dark.

Gezeigt werden immer mittwochs einige ganz prächtige Artefakte aus den 70er und 80er Jahren. Besonders schön finde ich es, dass auch der gemeinhin übergangene B-Movie-Maverick Larry Cohen berücksichtigt wird, der einige der seltsamsten und interessantesten Horrorfilme (und nicht zuletzt - siehe etwa Q - The Winged Serpent - die 'schönsten' New-York-Filme) dieser Zeit gedreht hat.

Im folgenden das Programm:
3. Januar 2007, 22 Uhr
Death Trap/ Eaten Alive (USA 1976, Tobe Hooper, 35mm, amerikanische Originalfassung)

10. Januar 2007, 22 Uhr
Near dark – Die Nacht hat ihren Preis (USA 1987, Kathryn Bigelow, 35mm, deutsche Fassung)

17. Januar 2007, 22 Uhr
Re-Animator (USA 1985, Stuart Gordon, 35mm, amerikanische Originalfassung)

24. Januar 2007, 22 Uhr
Martin (USA 1978, George Romero, 16mm, amerikanische Originalfassung)

31. Januar 2007, 22 Uhr
Die Wiege des Bösen / It's alive (USA 1974, Larry Cohen, 35mm, deutsche Fassung)

7. Februar 2007, 22 Uhr
Nightmare – Mörderische Träume / Nightmare on Elm Street (USA 1984, Wes Craven, 35mm, deutsche Fassung)

14. Februar 2007, 22 Uhr
Society (USA 1989, Brian Yuzna, 35mm, amerikanische Originalfassung)

21. Februar 2007, 22 Uhr
Tourist trap (USA 1978, David Schmoeller, 35mm, deutsche Fassung)

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die letzten beiden Filme noch nicht gesehen habe; für diese kann ich meine Hand also kaum ins Feuer legen (aber ich sage mal: Yuzna war in den 80ern schon eine Bank!). Die anderen aber sind alle auf ihre Art und Weise kleine Juwelen des Genres und allemal eine Empfehlung wert. Wer sondieren muss, sollte unbedingt Martin von Romero sehen (eine ungemein spannende und sensible Aufarbeitung des Vampirmotivs unter dem Zeichen "New Hollywoods", die weit von seinen rabaukigen Zombie-Filmen angesiedelt ist) und dann natürlich Re-Animator, einen der spaßigsten (und, äh, 'einfallsreichsten') Gummi-Horrorfilme der 80er Jahre, zumal im Kino.



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Freitag, 29. Dezember 2006
Heimkino.

Und die Welt braucht ihn doch, Superman. So jedenfalls lautet, nach viel Behauptung, das Fazit von Superman Returns. Am Anfang sieht das noch ganz anders aus: Fünf Jahre war Superman auf der Suche nach seinem Heimatplaneten Krypton und also für den Rest der Menschheit spurlos verschwunden und gerade Lois Lane, jener seltsamen Geliebten Supermans in jener seltsamen Liebschaft, ist es vorbehalten gewesen, einen Leitartikel zu verfassen, der den Titel Why the world doesn't need Superman trägt. Versteht sich, dass am Ende das Gegenteil behauptet werden muss. Weder den einen, noch den anderen Artikel bekommt man im Detail zu lesen; es dämmert einem: Mit gutem Grund.

Aber jetzt ist er wieder da, weil er zurückkehrt, und dies in Permanenz. Zweieinhalb Stunden dauert diese Rückkehr, die sich Bryan Singer, der in Sachen Comicadaptionen eigentlich einen guten Leumund vorweist, ausgedacht hat. Und alleine für die Feststellung, dass die Welt Superman nicht mehr braucht und Superman daran schwer zu knuspern hat, hat der Regisseur nicht enden wollende 90 Minuten investiert. Das zweifelhafte Kunststück dabei ist, dass Singer zu diesem Thema nicht das Geringste zu sagen hat. Superman Returns brütet so irgendwie vor sich hin, macht ein paar hübsche Mätzchen und lässt Superman-Aspiranten Brandon Routh ein paar altbekannte Sätzchen aufsagen, damit auch die Freunde der alten Superman-Filme was fürs Herz mit auf den Weg bekommen. Den Rest erledigt das glossy image, das hier verdächtig oft zum Pastellfarbenen drängt. Sieht super aus, lässt vollkommen kalt.

Dann folgt etwas Zinnober und mal wieder dräuender Weltuntergang. Verantwortlich hierfür zeichnet natürlich Lex Luthor, Supermans Leib- und Magenwidersacher. Kevin Spacey spielt ihn auf höchst lächerliche Weise. Von der seltsamen Ironie, die Gene Hackman seinerzeit dieser Figur fast schon untergejubelt hat, ist Spacey meilenweit entfernt. Wie überhaupt der ganze, noch hastig in den Film reingebutterte Weltuntergangsplot von allem sehr weit entfernt ist: In seiner betulichen Naivität datiert er glatt auf die späten 30er, frühen 40er Jahre. Jene Zeit also, in der Superman als Pionier ein ganzes Comicgenre ausgehoben hat, das seitdem von unzähligen Figuren bevölkert ist, die mal mehr, mal weniger albern ihren Superkraftbefähigungen nachgehen. Vor allem das Verlagshaus Marvel - Superman stammt ja aus dem Hause DC - hat den Superheld als solchen dabei auf ein neues Niveau gehoben; der Filmgänger kann dies den gelungeneren Comicadaptionen der letzten Jahre abspüren.

Superman Returns aber tut am Ende so, als hätte es nie was anderes gegeben als die infantilen Geschichtchen der frühsten Jahre. Immerhin offenbart sich dabei, dass Superman der vielleicht kulturhistorisch wichtigste, im Detail letzten Endes aber der uninteressanteste aller Superhelden ist. Das Vorhaben Singers, Superman als großen Melancholiker zu etablieren, ist vielleicht wirklich von vorneherein zum Scheitern verurteilt, zumindest aber allemal in der vorliegenden Konzeption. Diesen Superman, sorry, braucht kein Mensch.

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Freitag, 22. Dezember 2006



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Mittwoch, 20. Dezember 2006
Heimkino.

Zum Inhalt:
»Verschlafene Örtchen wie Wheelsy gibt es tausendmal in den USA. Seine Bewohner sind höflich, freundlich und ziemlich normal. Unter der Oberfläche allerdings gedeiht etwas teuflisch Böses. Langsam, verflucht langsam, beginnen sich die Dinge zu verändern. Haustiere verschwinden, und der einflussreiche Grant Grant (Michael Rooker) verhält sich plötzlich äußerst merkwürdig.

Als dann noch das Vieh eines Farmers erschreckend mutiert und eine junge Frau wie vom Erdboden verschluckt wird, stellen Sheriff Pardy (Nathan Fillion) und sein Team Nachforschungen an ... und das hätten sie lieber bleiben lassen sollen. «

[Text: UIP]

Slither ist zunächst eine erfreulich unambitionierte Reprise des vor allem in den 80ern (und da schon unter Rückgriff auf die spröden Horrorfilme der 50er) beliebten Horror-Motivs "Monströses, vorzugsweise aus dem Weltall, infiltriert us-amerikanische Kleinstadt" - Gremlins, Crittert, Blob-Remakes, Raketenwürmer und hassenichgesehen bevölkerten seinerzeit die Leinwände und noch viel mehr Videorekorder. Diesmal sind es kleine, schmierige kackwurst-artige Wesenheiten, die in Leute schlüpfen und von ihnen Besitz ergreifen - Cronenbergs Parasisten-Mörder wird denn auch in einer Sequenz überdeutlich gehuldigt, wenn man schon die Idee fürs Monster von dort klaut. Und es versteht sich, dass ein Film, der auf den Blick der 80er auf die 50er blickt, sich dazu auch irgendwie verhalten muss. Das macht er, indem er sämtliche Subtexte, die aus dem bekannten Stoff mittlerweile extrapoliert wurden, wie warme Brötchen mitliefert. An allen Ecken und Enden kann man "Kenn' ich" sagen und das beliebte Spiel "Spot the reference" mitspielen.

Nur macht Slither in dieser Hinsicht nicht sonderlich viel Spaß (wobei der eine Moment, in dem, wie beiläufig, in einem Fernseher gerade The Toxic Avenger läuft, schon herzig ist); auch als jungsiger Ekelhorror kann er nicht überzeugen. Am Ende gibt's viel Kautschuk und Blut spritzt und egal ist's einem trotzdem. Das ist zum einen an sich schade und zum anderen Symptom dafür, dass die Sparte des Geek-Horrors sich orientierungslos in einer handfesten Krise befindet. Dies wiederum ist bedauerlich, da Geek-Horror, wie sonst vielleicht nur die RomCom, ein bilderspendender Kompass für Jugendliche ist, weshalb man sich, in Anbetracht von Slither, Sorgen um den Nachwuchs machen muss.

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Thema: Hinweise
»I'd never met a famous person before and I've never met one since who (with the possible exception of Susan Sontag) took such obvious pleasure in being their very own self. An amiable host, Jodorowsky plied us with toritos and showed off some Danish porn (snatching it nervously back when we began to riff on it in public). Outside, he paused to relieve himself against a parked car. "Look, he has made three streams," Mrs. J remarked proudly as we staggered toward a disco named Paz y Amor. The evening provided material for three months of stoned impersonations: "Three streams! I . . . am . . . the Maker of the Topo!"«
» You Had To Be There...


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Montag, 18. Dezember 2006
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Wenn schon Widerstand, dann Widerstand gegen solchen Widerstand. Was dort steht ist: manipulativer Dummfug, von falschen "Fakten" durchzogen und insgesamt auf dem Niveau, um das sich jeder Stammtisch, der gerade so noch was auf sich hält, bemüht. Also kurz: Dummheit galore.

Wer es immer noch nicht begriffen hat, dass gebührenfinanzierter Rundfunk - bei aller Kritik im Detail - eine unbedingt erhaltenswerte Bastion ist, darf sich bei RtlProSiebenSat1usw gerne einen Weihnachtskeks abholen. Auch die Werbeindustrie ist dankbar. Nicht zuletzt die Herren Politiker, für die der ÖR ein Dorn im Auge ist - weshalb sie immer wieder zum Angriff auf denselben blasen.

Und wer jetzt immer noch meint, er müsse keck dahergeschissen kommen, von wegen, "ich zahl' aber nix, was ich nicht nutze", der darf sich gerne mal fragen, mit wievielen Hundert bis Tausend Euro im Jahr er so vollkommen nutzlose wie ungenutzte Dutzende von Privatsendern und noch viel nutzlosere Werbeagenturen über den Umweg der Supermarktkasse finanziert. Sowas nennt sich im Finanzjargon "Unmerklichkeit" - man könnte auch "mangelnde Transparenz" dazu sagen. Mal ganz davon abgesehen, dass eine Öffentlichkeit, die durch eine von Politik und Industrie vergleichsweise unabhängige Einrichtung mitgestaltet ist, jedem Teilnehmer dieser Öffentlichkeit einen Nutzen bringt - und wenn er nur ein mittelbarer ist.

Und nein, ich bin auch kein Freund von diesen Computer-, Internet-, Handy-, etc.-Gebühren.

Und nein: Darüber gibt es auch keine Diskussion. Comments closed.


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Nachdem die Berlinale in diesem Jahr eine Wiederentdeckung des japanischen Genreregisseurs Nobuo Nakagawa ermöglicht hatte, wird im kommenden Jahr erneut ein alter japanischer Haudegen in Erinnerung gerufen werden. Die Rede ist von Okamoto Kihachi, der unter Umständen schon von seinem chambara-Film Sword of Doom her bekannt ist, den Rapid Eye Movies vor nicht allzu langer Zeit auf DVD herausgebracht hat. International bewanderte DVD-Freunde kennen vielleicht auch seinen von Criterion auf DVD veröffentlichen Kill!, ein Samuraifilm, der sich derselben literarischen Vorlage wie Akira Kurosawas Sanjuro bedient und interessanterweise von Sergio Leones Fistful of Dollars (welcher wiederum ein Remake von Kurosawas Yojimbo ist) beeinflusst wurde.

Das Internationale Forum der Berlinale, die traditionelle Umgebung für Reprisen asiatischer Klassiker auf dem Festival, zeigt insgesamt neun Filme von Okamoto Kihachi, die als erstes richtig großes Highlight der Filmfestspiele angesehen werden dürfen.

Weitere Informationen können der heutigen Pressemitteilung im ersten Kommentar entnommen werden. Ein ausführliches Feature über den Regisseur findet sich auf midnighteye.com - wo sonst!

Weiterhin bietet die Website der Criterion Collection zwei Essays über Kill!: Einen von Chris D. und einen von Howard Hampton.


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Samstag, 16. Dezember 2006
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Immer wieder an Tunguska denken.



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Nach langer Umbau- und also Programmpause ist das an die Filmkunst-Videothek angegliederte Filmclub-Ladenkino von b-ware wieder back on the map. Ab 18.12. gibt es in der Corinthstraße wieder Programmkino in gemütlicher Atmosphäre. Mit einigen Änderungen: Das LadenKino ist jetzt ein offizieller Kinobetrieb, was mehr Vorführungen pro Woche ermöglicht, aber auch einen geringfügigen Anstieg des Eintrittpreises auf vier Euro mit sich bringt. Dafür gibt es jetzt Raucher- und Nichtrauchertage.

Das angekündigte Programm ist auserlesen: Gezeigt wird zunächst der japanische Hyperhorror-Knaller Hausu, der schon auf dem Fantasy Filmfest die Massen in Entzückung geraten ließ; in ihm werden Kinoträume wahr! Später kommt The House is Burning von Holger Ernst, den ich nicht kenne (weder ihn, noch seinen Film); und schließlich im Januar, was mir eine ganz besondere Freude ist, Shunji Iwais großartiger und jetzt endlich auch in Deutschland auf DVD erhältlicher Yentown - Swallowtail Butterfly, den man gesehen haben muss - Widerrede nicht gültig! In drei aufeinander folgenden Freitagen ist schließlich je ein Teil der mehr oder wenigen unglaublichen Hanzo-Reihe zu sehen, in denen sich das klassische japanische chambara-Genre durch den befremdlichen Waffeneinsatz des großen Gemächts der Titelfigur durch sie selbst auflockert - es versteht sich, dass diese weit abseits des guten Geschmacks angesiedelten Filme nur als Midnite Movies zu programmieren waren.

Weiter Infos und genaue Termine unter http://www.b-ware.tv


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Die B.Z., die nicht mit der Berliner Zeitung zu verwechseln ist, zeigt heute auf dem Titel Kurt Beck. Daneben findet sich das Symbolbild für einen Rasierapparat, darunter die großlettrige Zitation: So rasiere ich mich.

Die B.Z., die auch schon ein Möbelstück qua Frontgestaltung ihrer Publikation in den Rang des Nachrichtenwertes "Thema des Tages" gehievt hat ("auf diesem Sofa planten sie den Anschlag"), blödelt sich nun also völlig ins sinnentleerte Nirvana der Öffentlichkeit. Hygiene-Gewohnheiten eines so unsympathischen wie unerträglichen SPD-Fuzzis als Thema des Tages? Oh dear...

Nicht, dass ich von Käufern dieses Blattes ohnedies eine sonderlich hohe Meinung hätte. Heute aber darf sich jeder, der sich mit diesem Titel in der U-Bahn blicken lässt und, womöglich noch mit aufrichtigem Interesse, in dieser Zeitung liest, meiner größtmöglichen Verachtung gewiss sein. Ihr, die ihr sowas kauft und lest, seid wirklich unglaubliche Deppen und habt es verdient, dass man Euch in aller Öffentlichkeit für Eure Dummheit verlacht. Da tragt Ihr Eure Arbeitskraft im Schweiße Eures Angesichts zu Markte oder werdet, noch schlimmer, von Hartz-IV gegängelt und dann buttert ihr das Wenige, was Euch zugestanden wird, in solche Affenscheiße, hahaha.


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So langsam sind erste Regungen des kommenden Festivals zu verzeichnen. Dass sich die Retrospektive mit dem nicht gerade uninteressanten Thema City Girls. Frauenbilder Stummfilmzeit befassen wird, steht schon seit wenigen Wochen fest, wurde von mir allerdings als Meldung peinlicherweise verschlafen (dennoch freue ich mich schon auf die eine oder andere Stummfilmvorführung mit der einen oder anderen zu erwartenden frischen Kopie). Dafür ist die folgende Pressemitteilung wenigstens aktuell: Hollywood-Maverick Arthur Penn wird mit einer Hommage geehrt und erhält einen Goldenen Ehrenbären (und auch hier freue ich mich schon auf die eine oder andere Vorführung, es gibt schließlich wenig, was an einen alten Western im Kino ranreicht). Im ersten Kommentar der Volltext der Pressemitteilung des Festivals.



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Mann, das wurde vielleicht Zeit: Ennio Morricone bekommt Oscar für Lebenswerk.

Wobei diese Lösung auch einen gewissen faden Beigeschmack mit sich bringt, sicher. Aber dass der große Modernist und Pionier der Soundtrackkunst überhaupt einmal berücksichtigt wird, ist schon erfreulich.

Und wer Morricone bloß als den großen Manieristen von irgendwelchen lieblos zusammengestellten "Best of Morricone"-Compilations kennt, ist gut beraten, einmal in die 2005 bei Ipecac erschienene und schlicht hervorragende Doppel-CD Crime and Dissonance reinzuhören.



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Donnerstag, 14. Dezember 2006


Und jetz alle: "Es gibt nur 1 Henry Rollins! Es gibt nur 1 Henry Rollins! Es gibt nur 1 Henry Rooooollins!"

[via]


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Mittwoch, 13. Dezember 2006
» ...
Ich halte Uwe Schünemann von der CDU für sowas von dermaßen und unglaublich dumm, dass ich es als fahrlässig empfände, ihm weiterhin auch nur die geringste politische Entscheidungsbefugnis zuzumessen. Da braucht es auch kein Gutachten. Wenn man dessen Gesummse selbst liest, kann man auch gar keine andere Position vertreten. Der Typ ist so bescheuert, dass es gar keine Alternative zum Amtsenthub gibt. Wenn man versteht, wie verblödet das alles ist, was der in diesem Interview von sich lässt, dann ist völlig klar, dass der für niemanden förderlich sein kann.

Oh, und wenn sich am Ende auch noch herausstellen sollte, dass Uwe Schünemann pervers ist - ja, also dann, äh, ja, dann müsste man ja eigentlich sogar über ein Verbot von ihm nachdenken, äh, oder etwa nicht, äh... ?


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» ...
Lassensies michma sosang: Die Zukunft ist nicht verloren, es gibt Hoffnung. Solange es noch solche gibt. Ma echt: Da geht mir das Herz mehr auf als bei allen Gefälligkeitslieferanten aus Indiehausen.

[via]


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» :-)

[hier ~ via]



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Thema: visuelles
» ...
Battlestar Galacticsimpsons.


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Montag, 11. Dezember 2006
» ...
Glücklicherweise fällt das Programm des kadermäßig betitelten "Studentischen Filmclub der Freien Universität Berlin am Seminar für Filmwissenschaft", abgekürzt FUFC (was nur böse Menschen zum "falschen Fuffziger" erklären), nicht ganz so bürokratisch aus wie die zur Bezeichnung gewählte Selbstbezichtigung. Vielmehr gibt's morgen Sleaze. Naja, nicht ganz. Aber fast!

Für morgen konnte ein echter Doktor Schmuddel als Vortragender gewonnen werden, Lukas nämlich, der am selben Seminar den Film studiert - cool!

Ja aber, Herrgottzack, um was geht's denn überhaupt? Eine Mail klärt auf:
Der Schriftsteller Edogawa Rampo gilt als einer der Begründer der fantastischen Literatur in Japan. Rampos bis heute extrem populäre Erzählungen und Romane nutzen Techniken des westlichen Schauer- und Detektivromans. Im Laufe der Jahre dienten Rampos Erzählungen einer ganzen Reihe von Filmen zur Vorlage. Zwei der Gelungensten, Masumura Yasuzos BLIND BEAST (MÔJUU, Japan 1969) und Tanaka Noborus WATCHER IN THE ATTIC (EDOGAWA RAMPO RYOKI-KAN: YANEURA NO SANPO SHA, Japan 1976), möchte Lukas vorstellen. Beide können auch als Einführung in das "Pinku Eiga"-Genre dienen, die japanische Version des Sexploitationfilms.

Ort des Geschehens ist das miedzy nami Café, das ausgerechnet in Berlin-Mitte liegen muss. Man findet es in der Joachimstr. 11 und das ist nicht weit weg vom U-Bahnhof Weinmeister und vom S-Bahnhof Hackescher. Wer morgen um 20 Uhr da ist, wird reingelassen und darf dabeisein.

Eine Website zu der Reihe - "Die Westöstliche Leinwand" - gibt's auch und den Link habe ich jetzt ja schon verraten. Sie ist nicht eben aktuell, was bestimmt an Christian liegt.



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11.12.2006, Heimkino; zum Inhalt.

Ein Drink wird bestellt. Ein Geldschein landet auf dem Tisch, eine kurze Einstellung, die den Dialog den Geschäftsabschluss drumherum kurz unterbricht. Michael Mann interessiert sich für den Transfer. Präsent wird Geld für den Rest des Filmes bleiben; doch nicht in derart physischer Form. Geld als abstrakter Motor, der alles bemisst, unterwirft, zum Gegenstand eines Tausches macht. Männermuskeln und Frauenärsche standen sich als Äquivalenzen im Kino noch nie derart offen gegenüber.

*

Bewerbungsgespräch im und für den Blockbuster. Vom Dialog her nicht zu unterscheiden ist, ob es um Kriminelles geht, oder ob ein Techniker um Einlass in die Hochsicherheitszone der us-amerikanischen Filmproduktion bittet. I am not buying a service, I buy a result.

*

When you're undercover, you have to be an actor, berichtet einer mit eben diesem Beruf im Bonusmaterial der DVD, der in seiner Profession so gut ist, dass ihm selbst noch Colin Farrell auf den Leim geht. Im Rauschen des Digitalbildes verliert sich die jeweilige Person hinter der äußerlichen Fassade, die erst in den letzten Sekunden des Films eine verbindliche(re) Tiefe erfährt. I don't like the way your partner looks.

*

Eskalation des Professionalismus, narratios- und produktionsimmanent. Wie armselig im Rückblick der vollgestellte Inselfilm von Michael Bay wirkt. Der Shoot- und Showdown am Ende - minimal ist die Anordnung, exakt die ihm zu Grunde liegende Kartografie - raubt den Atem, trotz mangelnder Gigantomanie - oder gerade ihretwegen.

*

Michael Mann berichtet, wiederum im Bonusmaterial, vom Dreh im tiefsten Südamerika, wo Markenschutz ein Fremdwort ist. They had everything, I bought 'Collateral' on DVD for $2 there. Er lacht und es ist kein Falsch in diesem Lachen.

*

Written and Directed by Michael Mann

imdb ~ siehe auch: rothöhler, knörer



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Sonntag, 10. Dezember 2006
» ...
danke!

Darauf ein Lied:



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Thema: videodrome
Ah, it's that time o'year. Gemeint ist natürlich nicht die Weihnachts-, sondern die langsam heran nahende Oscarzeit. Und da denken sich die in Hollywood immer die wildesten Sachen aus, um die Aufmerksamkeit der Academy-Typen zu erlangen. "For Your Consideration" steht dann immer in den Anzeigen der us-amerikanischen Branchenblätter, und damit sind freilich nicht die Kinogänger ansgesprochen, die jetzt noch mal irgendwelche Schinken aus dem letzten halben Jahr ins Auge fassen sollen.

Auch David Lynch wirbt fleißig. Für Laura Dern, damit die was kriegt, wenn's Goldjungen regnet. Deshalb sitzt David Lynch an einer Straßenecke. Eine Kuh hat er auch dabei.



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08.12.2006, Heimkino.



Es geht um etwas, in diesem Italowestern, doch es ist nicht recht entscheidend, um was genau. Man kann dem Film mit halbem Auge folgen, um zu wissen, zu wem man als Zuschauer besser hält und zu wem lieber nicht (der Gute/der Böse, das sind so Kategorien, die sich ja gerade im Italowestern fröhlich auflösen, deswegen kaum nützlich sind, und auch der 'Gute' hier erscheint nicht recht gut, aber er ist es nunmal, auf dessen Lage der Film sich konzentriert), motivische und motivierende Gründe sind deshalb egal, sie werden ohnehin nur dialogisch übermittelt und wer da nicht aufpasst, hat es eben verpasst, was eben nicht schlimm ist, da die Fronten auch so geklärt sind und Heute ich... Morgen Du ohnehin auf anderes Wert legt.

Jedenfalls, es geht um Rache und wie einer Leute findet, die ihm folgen, damit er Rache nehmen kann. Das geschieht dann am Ende - und mit einigem Effekt - in einem herbstlichen Wäldchen, dem man es kaum abnimmt, dass es in den USA gelegen sein soll, wie überhaupt in diesem Film oft durch neblige Täler geritten wird, die nichts mit der Ikonografie des Westerns zu tun haben und alles mit europäischer Herbsterdigkeit, zumindest wenn es um filmische imagines geht. Ideen zum Drehbuch hat im übrigen Dario Argento beigesteuert, der damals gerade Fuß in der Filmindustrie fasste. Für Spiel mir das Lied vom Tod, muss man allerdings sagen, hat er sich die besseren aufgespart.

Und auf was Wert gelegt wird, ist, dass die Konfrontationsspitzen in diesem im wesentlichen routiniert, vielleicht hie und da aber schon etwas unterambitioniert runtergekurbelten Vertreter seiner Art handwerklich sauber, bzw. effizient inszeniert werden. Der Rest, ach Gott, ist nicht so wichtig. In der Tat ist es erstaunlich, dass Heute ich... zwar über weite Strecken fast schon überkonventionell, wenn nicht einfallslos inszeniert ist, aber immer dann, wenn es an Faustkämpfe in und Schießereien vor Saloons geht, plötzlich ein ganz anderer Modus gewählt wird, der geradezu drauf versessen ist, immer noch ein kleines Quentchen mehr an Wirksamkeit aus den schmalen Mitteln herauszukitzeln.

Freilich, von hoher Actionkunst ist das weit entfernt; wir bewegen uns hier in den Niederungen des italienischen Genremovies; auf, etwa, Peckinpah'sche Eleganz ist hier nicht zu hoffen. Aber so, wie man in diesem Film beobachten kann, wie ein Genreprodukt Zeit schindet - es wird unendlich oft geritten, um von A nach B zu kommen, und der Soundtrackkomponist legt für diese Momente Überstunden ein -, so kann man hier auch beobachten, wie sorgfältig ein Genreprodukt, das unter den Bedingungen des Kinos der späten 60er Jahre entstanden ist, mit seinen wenigen selling points umgeht.

Man merkt dies etwa in jenen Szenen, in denen Bud Spencer, der hier eine Nebenrolle bestreitet, um sich schlägt. Man kennt das zwar aus vielen anderen Filmen, wo es in der Regel burlesk wirkt und comichaft, weil sich die Kamera dazu kaum verhält; hier nun schlägt Bud mit voller Wucht zu, und die Hiebe schmerzen erstmals. Weil die Kamera mitgeht, in diesen wenigen Momenten.

Eine DVD ist in Deutschland bei e-m-s erschienen. Sie beinhaltet den Film in einer weitgehend 'ernsten' Synchronfassung, im Gegensatz zu einer zweiten, die den Film verblödelte, um ihn als Bud-Spencer-Movie vermarkten zu können. In Berlin kann der Film in den Videotheken Filmkunst und Negativland geliehen werden.

imdb


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Samstag, 9. Dezember 2006

So langsam kriege ich Lust. Und alleine die in Aussicht gestellte Gegenüberstellung Virtual Champion vs. ehrliche Muskelkraft sollte den Film hinreichend interessant machen. Wir sehen uns im März - tryin' hard now, gonna fly now!

[Ich muss dazu sagen: Ich finde die Rocky-Reihe ja wirklich nicht nur aus 'jungsigen' Gründen toll, 1-3 sind großartig, Teil 4 in einer Archäologie der us-amerikanischen Kulturgeschichte unverzichtbar und Teil 5 ist halt leider Teil 5.]



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Thema: videodrome

[direktlink ~ via]

Was fürs popkulturelle Knabenherz: Das Harryhausen-Bestiarium in chronologischer Reihenfolge.



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08.12.2006, Heimkino.

Eine amerikanische Familie im Wohnwagen. Eine Urlaubsfahrt. Eine Wüste. Einmal falsch abgebogen - und schon in die Falle gegangen. In den Hügeln ringsum - nahe eines einstigen Atomwaffentestgebiets - hausen Mutanten, die auf Blut aus sind, solange es das Blut von Stadtmenschen ist, die dumm genug waren, sich auf solches Terrain hinauszuwagen. Sado-Spielchen, brutal und blutig, blood, sweat and tears all over. Eine gespenstische Stadt, bizarr allenthalben, als Kulisse für den Showdown. Nun wird zurückgeschossen.

Haute Tension, der vorangegangene, noch in Frankreich produzierte Film von Aja, mit dem der junge Franzose erstmals ein breiteres Publikum auf sich aufmerksam machen konnte, zählt zu den interessanteren Splatterfilmen der letzten Jahre - und sicher auch zu den meistdiskutierten, was weniger an der (gegebenen) Detailfreude, mit der Aja ans blutige Werk geht, liegt, sondern eher am Ende des Films, das die bisherige, sehr schematische Anordnung dieses Films radikal auf den Kopf stellte - ob zum Besseren oder Schlechteren sei hier dahingestellt.

Jedenfalls, man kann von Aja deshalb einiges erwarten, wenn er sich für ein Remake eines der (allerdings kleineren) Klassiker der Backwood-Horrorfilme der Siebzigerjahre annimmt, die zuletzt in den Kinosälen eine erstaunliche, hinsichtlich ihrer Bedeutung und Funktion allerdings noch zu diskutierende Renaissance erfuhren (überhastige Allegorien - damals Vietnam, heute 9/11 - scheinen mir eher unscharf).

Ein bisschen schade ist es deshalb, dass Aja hier eigentlich nur production value-Muskeln spielen lässt und die konsequente Grimmigkeit, mit der er Haute Tension noch zu einem fiesen, wenn zwar nicht hervorragenden, so doch vielversprechenden Film reifen ließ, ein wenig zurückstellt. Zwar wird auch in dieser von Großfirmen alimentierten Produktionsumgebung nicht gerade vor Geschmacksempfinden und Familienkompatibilität gekuscht; doch der auf dem Soundtrack behauptete Zynismus (das Bildgeschehen konterkarierende Songs aus den 60s und 70s) ist in erste Linie ausgestellte Attitüde mit der Konsistenz von dünner Pappe. Es braucht seine liebe Zeit bis das Remake von Wes Cravens bizarrem Hügelfilm so recht in Fahrt kommt. Das ist alles sehr slick und gritty, was Aja hier abfeuert; doch hebt der Film für den Genrefreund erst richtig ab - und dies leider ein wenig spät -, wenn er sich vom Backwood-Horror zum blutigen Rachewestern-meets-Splatterfilm mit leicht verwirrenden Untertönen wandelt: Von dem Wahnsinn und der unbekümmerten Haltung eines maverick, die das letzte Drittel des Films durchtränkt, hätte man sich gerne mehr gewünscht.

Stattdessen aber wird die erste Stunde lang die us-amerikanische Kleinfamilie seziert, wie es eigentlich nurmehr Konvention ist. Alles atmet zur Methode geronnenen Subtext, der als vorneweg antizipierter und eingefügter ein solcher ja eigentlich schon nicht mehr ist. Der Vater also ist Republikaner, der Schwiegersohn Demokrat und also Waffen gegenüber zunächst sehr distanziert eingestellt; der Clou, dass sich dies zu einer Art ins groteske übersteigerten Neuauflage von Straw Dogs wandelt, ist zu betulich von langer Hand vorbereitet. Interessant aber immerhin, welch triumphaler Unterton sich schließlich in das Geschehen am Ende mischt: Harsche Pespektiven von unten und Trompeten auf der Tonspur inklusive. Hier entwickelt The Hills... schließlich eine irritierende Stärke, die man nicht für klug halten muss, die sich vielleicht sogar mit Fug und Recht als Dummheit lesen lässt, aber immerhin eine Diffusität in den Film trägt, die sich, dies stünde zur Diskussion, unter Umständen schon als subversiv auffassen lässt. In welche Richtung freilich, dies bleibt offen.

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