»... sprechende Kugelblitze und denkende Teigwaren; die Arkana der entlegenen Mathematik und der revolutionären Physik; riesige Fahrzeuge, die unterm Wüstensand nach Schätzen suchen wie U-Boote am Meeresgrund; Bücherwurmlöcher und Rutschbahnen quer durch die Raumzeit; Bühnenzauber und echte Magie; Sprengstoff; sexuelle Peitschenspielchen in den Stallungen der Superreichen und schmuddelige Orgien in den stickigen Quartieren des Lumpenproletariats.«
Dietmar Dath bespricht den neuen Roman von Thomas Pynchon. Und ich bin mir jetzt vollends sicher: Das wird groß. Unglaublich groß.
»... an den Rand des erlaubten Wissens und darüber hinaus.«
[und wie ich jubeln könnte über die "fortschrittliche Nostalgie", die Dath Pynchon erfunden zu haben konstatiert und dann die "großen Alten" anführt: Lovecraft, Verne, Wells. Zukünftigkeit als ein Gestaltbares im Rückgriff auf Retro-Utopismus der die Zukunft längst kolonialisiert habenden Gegenwart entreißen!]
»Mit der gerade erschienenen Ausgabe 14/15 wird KINtop, das seit 1992 bei Stroemfeld erscheinende Jahrbuch zur Erforschung des frühen Films eingestellt. Gegründet und herausgegeben von Frank Kessler, Sabine Lenk und Martin Loiperdinger, war KINtop fünfzehn Jahre lang das Forum für die wissenschaftliche Diskussion und Forschung zum frühen Kino im deutschsprachigen Bereich.«
Äußerst schade - eine der immer wieder interessantesten Schriftenreihen vor allem zur frühen Filmgeschichte geht damit verloren. Ein herber Verlust.

In schöner Regelmäßigkeit, also quartalsweise, ist es mir eine Freude auf eine neue Ausgabe der Splatting Image hinzuweisen.
Das Cover wird diesmal von einem Bild aus Robert Wienes
Die Standardrubriken sind auch diesmal wieder prall gefüllt, wobei sich die weihnachtliche Betriebsamkeit unter den Programmanbietern vor allem an der sehr umfangreich ausgefallenen DVD-Rubrik bemessen lässt. Ansonsten werden wieder tolle Pornos, tolle Kinofilme, tolle asiatische Filme und ein toller schlechter Film in aller Ausführlichkeit besprochen. Genaueres zum Inhalt siehe hier.
Das Magazin ist über dessen Website beziehbar, wo im übrigen noch immer eine Sonderverkaufs-Aktion läuft (ich kann es nur immer wieder betonen: auf Grund seiner Ausrichtung ist das Heft auch trotz älteren Datums keineswegs "erschöpft", sondern auch jenseits von Tagesaktualität und filmjournalistischer Chronistenpflicht lesenswert). Berliner Mitlesende können es beispielsweise direkt in den Videotheken Videodrom und Filmkunst-Cinethek, sowie in anderen Enklaven der Sub- und Filmkultur erwerben.
Ich selbst habe diesmal exklusiv eine Reihe DVD-Besprechungen und eine lange Kritik zu John & Jane beigesteuert.
»So fordert etwa Rainer Flaskamp, Inhaber eines Vertriebs für Filmkunst, dass der Kinobesuch wieder so glamourös wie der des Theaters werden müsse.«
[q]
Widerspruch, energischer. Siehe u.a. Kracauer: Kult der Zerstreuung, aber nicht nur dort.
Und überhaupt: Was heißt hier denn bitte "wieder"?
Und Dein Buch habe ich irgendwann später gelesen, Dein Kuhlbrodtbuch. Und es ist so voll mit Schnittstellen zu mir, auch wenn wir uns gar nicht kennen. In einer Passage erzählst Du von Erlebnissen in Friedrichshainer Wohnungen. Die waren gerade mal wenige Meter von meiner eigenen damaligen entfernt. Dein Buch war das letzte große Abenteuerbuch, das ich gelesen habe. Ein wichtiges Filmabenteuer waren für mich als Teen die Abenteuerfilme von Schlingensief. In denen spieltest Du ja auch mit, der einzige Staatsanwalt, von dem ich Fan bin.
Und heute schreibst Du in der taz über Zeit und Kino - und es ist wieder großartig. Weil Du Zeit-Zwischenräume beschreibst, die für mich ganz wichtige sind: Im Zug sitzen - ich kann nicht anders, aber: im Zug sitzen ist einfach großartig, gerade weil die Zeit darin sich so verschiebt, gerade so als würde man drei Tage durchmachen - und eben im Kino.
Du kannst Dir vielleicht gar nicht vorstellen, Dietrich, wie sehr mich das gerade gefreut hat, Deinen Text da in der taz gefunden zu haben. Schon bei den ersten Zeilen wusste ich: Wird groß. Ist groß.
Ach, Dietrich, Danke.
[dietrich kuhlbrodt: die zeitmaschine kino und du.]
the music was good and the girls were pretty
I dropped out of the old school
I got kicked out of the new school
I got drunk with some girls from the local art school
Got caught painting on walls, “Gustav Klimt Rules!”
'cause I am addicted to bad ideas
and the beauty of the world
We’ll dance and scream and burn
‘cause you know that anything could happen
I believe in a world of endless possibility
and your tatoos, they're gonna fade.
There's no shame, There is no blame
There's no shame, except for getting caught
I have nothing - You have nothing
I've found something fun for us to do
so why are we waiting?
Let's Steal Everything, Let's Steal Everything!
he wasn't in it for himself, he was in it for you and for me
but he fought it alone and that just makes you bitter and mean,
for a while this could be so good,
for tonight we make the rules here inside this club.
me and the girls are here to tell you:
they're fucking with you 'cause they want what you have
and that things are really pretty damn funny
and that things aren't really quite so bad.
We've got a country between us and our age
We've got a different set of vices but all the rage
It made me less lonely, and it helped me
Conventions that broke your nose hit me
So long to the circus, so long to it all
You should have a good sense of when it’s time to get gone
When the police are about to arrive, when security steps in
Wave goodbye to the circus
Ach, wie großartig es (wieder) war.

Ob man einen Film nun im Kino oder auf einem Heimgerät sieht, ist in zahlreichen Fällen so gehüpft wie gesprungen; andere aber - die großen - sieht man im Kino vielleicht nicht unbedingt zum ersten Mal - diese Gelegenheit gibt es ja kaum mehr -, aber nur hier erlebt man sie erstmals in einer Qualität, die Wirklichkeit für sich beanspruchen kann, und sei es nur die Wirklichkeit des jeweiligen Filmes, der in einem elektronischen Kompromissmedium nur zu Gast ist, darin aber keineswegs haust.
Filme wie Rear Window oder North by Northwest beispielsweise, selbstredend auch 2001, die Western von Leone und ganz bestimmt auch die Filme von Jodorowsky, die ich hoffentlich eines Tages auch im Kino sehe werde. Und schließlich, natürlich, Eraserhead, ein Monstrum von einem Film, das sich wirklich nur in dieser Umgebung vollkommen ins Bewusstsein einzustanzen vermag, bzw dieses nicht zuletzt auf Grund seiner herausragend luziden Tonspur geradewegs wattig ummantelt. Eraserhead wirkt wie ein Kokon, der inwändig betastet wird; für anderthalb Stunden auf dieser Welt gibt es nur self und that - und beides verschmilzt zur transzendenten Erfahrung.
Eraserhead ist wie kaum ein zweiter Film sinnlich. Wenn Henry bei Familie X auf dem Sofa sitzt und nervös seine Finger zwischen den Polstern des Möbels streichen lässt (ein beiläufiges Detail), meint man förmlich, den Horror aus Blümchendecke und anstehendem Familienessen an den eigenen Fingerspitzen zu fühlen. Der Stoff seines Anzugs wird ganz textil, man trägt ihn selbst. Und das Baby, das monströse Baby, entwickelt eine Körperlichkeit, die staunen lässt, als sähe man dieses Ding zum erstenmal. Die filzige Bettdecke mit den Löchern - man schaudert zurück, weil man sich darin nicht betten mag und spürt doch jede Faser. Eine ganz eigene Qualität entwickelt Jack Nances teigiges Gesicht, das die Leinwand nicht zum Bersten, sondern zum Quellen treibt; die Ahnung nachsprießender, aber die Luft noch nicht erreicht habender Barthaare am Hals, die im Kornrauschen beinahe schon untergehen. Körperflüssigkeiten.
Hier, im Kino, handelt Eraserhead auch vom Menschen und seiner Leiblichkeit, und wie diese im Widerstreit steht zur Materie ringsum. Eingebettet, zugedeckt, eingeengt. Das stete Dröhnen im Off gebiert Monster, schiere Visualitäten. An der Wand neben dem Bett: Ein gerahmtes Bild eines Atompilzes, an jener Stelle, wo bei alten Menschen wohl ein Marien- oder Jesusbild zu finden wäre.
Wenn man genau hinsieht, erkennt man die irrlichternde Schönheit der lady in the radiator mit den grotesken Backen. Der Ton ist der Schlüssel, der einen an sie zieht. Ihre Augen, diese leicht mit dem Bizarren spielenden Zähne. Und doch findet sich in ihren Armen kein Trost, nur das Weißbild, das schiere, ungebrochene Licht im Kinoprojektor als Grundlage jeden Films. Hier ist man immer schon gefangen. [verloren, ausgeblendet, überblendet]
Wer Eraserhead im Kino gesehen hat, fühlt sich wie ein Wesen, das einer schleimigen Flüssigkeit entwachsen ist. Eben, wie ein Mensch am ersten Tag, der schon jetzt die Ahnung hat, dass der Himmel, wo alles gut ist, nicht in dieser Welt zu finden ist. Am Ende also doch: Eros und Thanatos, die alte Leier. Die entmenschlichten Leierkästen im Film - seien es Grammophone oder Spielkästen mit Zirkusliedern - kennen diese Geschichte nicht: Ihnen gehört die Zukunft, ist das Fazit, weil sie keine Wesen sind, die nach dem Sex melancholisch, gar neurotisch werden. Sie kennen das alles gar nicht.
imdb
I believe I'll have another cocktail please
Our tactics are vivid
They take a lot out of me
But that's what I signed up for son
I believe in a world of endless possiblity
The queen of slaves the mistress of misdeeds
The ripped dress debutante, the stuttering fool
I believe I am going to fuck you up, oh yes i do
Oh shit
God damn
I will kill you if I can
Oh yes
Oh man
Maybe far away, or maybe real nearby
I am going to break your fucking back
Spread the tarot american and tell me what it reads
Our fathers were all soldiers
And we, we are all thieves
Our fathers were all borrowers
But the future belongs to me
The snakecharmer
The witch and the moll
The salem mistress, oh I adore
The knight of bridges
The king of stars
Bertender
oh shit
yes man
clever and dying, devil and cad
oh shit
god damn
can you keep a secret, no you can't
give me a minute of your valuable time
bartender give me one more round
and let this sink into your tiny little mind
sure as poison seeps up from the ground
we pursue a world of endless possibility
we pursue it to blow this one away
we follow the trumps or irrevocability
and we love very card we play, how we play
Halbe Stunde, Lovelite: WIFS. (see here and there!)
Jetzt: Absinth.
a) interessant aussieht
b) ich bereits kenne und gut finde und
c) schlussendlich von knoerer hier empfohlen wurde.
Ich sachja, geiler Job! Und das letzte Wochenende verbrachte ich ja mit Battlestar Galactica. Ums mal auf fanboy-ish auszudrücken: So dermaßen geil!! (oder halt auf intelligent hier)
[?]

We ended up flipping out, smashing glass,
grasping hands, biting lips, falling hard
into the Velocity of Love
A night of decadence and social disorder.
Zuerst hörte ich sie in Guy Maddins schon sehr bezauberndem The Saddest Music in the World, recht weit am Ende. Die Melodie hakte sich fest und ich war mir sicher, sie von irgendwoher zu kennen. Schließlich hörte ich kurz darauf den Netlabel-Sampler Two Zombies Later - in einem Song war jene Melodie zu einer Art Lounge-Version ihrer selbst verarbeitet. Aber keine Ahnung, woher die Melodie stammt. Verflucht.
Schließlich schaute ich gestern abend etwas lustlos im Bonusmaterial der DVD des Universal-Klassikers Die Mumie (Boris Karloff als Imhotep auf der Höhe seiner Kunst) herum - als im halbstündigen Bonusfeature doch tatsächlich die gesuchte Melodie ertönte. Ach, die Titelmelodie von Die Mumie ist das? Hübscher Zufall, dass ich ausgerechnet diese erkenntnisstiftende DVD beim letzten Bibliotheksbesuch mit nach Hause genommen habe!
Und gerade höre ich im Soundtrack von Ed Wood herum. Es versteht sich von selbst, dass Komponist Howard Shore jene mich verfolgende Melodie in einem Stück zitierend aufgreift. Gotcha!
Manche Kundenwünsche sind auch seltsam. "Ich suche 'nen Film mit norwegischen Landschaftsaufnahmen." Aha.
Ganz erstaunlich auch, wieviele Menschen gezielt nach "deutschen Filmen" fragen. Für mich war das früher ja eher ein Emblem des Schreckens. Vollkommen nicht von dieser Welt zwei junge Menschen mit ausgedruckter Liste, auf der sich allerlei deutsche Filme der letzten Jahre befanden. Penibel sortiert nach Produktionsbudget und Zuschauerzahlen bei Kinoauswertung. Diese Liste an Filmen im Laufe durchzuleihen, sei ihr Begehr. Und dies, weil sie, so sie auf meine verblüffte Nachfrage, was das denn nun wieder für Kriterien seien, einfach mal wissen wollten, was man so für Filme für wenig Geld machen könne, die dann doch so irgendwie erfolgreich sind. Selber wollten sie zwar keine Filme machen, so sie weiter auf meine Frage in diese Richtung, aber sie interessierten sich halt für Vieles und immer wieder Neues - und jetzt sind eben mal kostengünstige Filme aus Deutschland dran. Meine Empfehlung, es doch mal mit Operation Dance Sensation oder den Filmen von Buttgereit zu versuchen, fiel zwar nicht auf fruchtbaren Boden, dafür konnte ich beide davon überzeugen, es lieber nicht mit dem ziemlich miesen Wir, sondern mal mit dem, zumindest interessanten, Sie haben Knut zu versuchen.
Sie merken vielleicht: Ein Lieblingsfilm.

Diese Geschichte ist längst schöne Legende (mit allem, was eine solche ausmacht) und die beiden US-Kritiker Hoberman und Rosenbaum haben schon vor Zeiten ein ebenso schönes Buch darüber geschrieben, das in jede anständig sortierte Filmbibliothek gehört. Samuels' Film nun macht nichts anderes, als die prominentesten Protagonisten dieser Tage nochmals zwischen ausgesuchten Ausschnitten der genannten Filme zu Wort kommen zu lassen. Naturgemäß ergibt sich auf diese Weise lediglich ein schwärmerisches Sich-Selbst-Feiern, das auf wenigen punchlines beruht. Midnight Movies schneidet diese, immerhin gelungen, zusammen und bleibt ansonsten einfalls- und auch erkenntnislos.
Unbestritten ist, dass es eine Freude ist, den Haudegen dieser Tage beim Rakontieren zuzusehen; natürlich sind die Ausschnitte aus El Topo usw. großartig - weil die Filme es selbst ja schon sind. Klar kann man hier ins Schwärmen geraten und sich an eine Kinozeit (die man selbst ja nicht erlebt hat) 'erinnern', in der es noch möglich war, dass ein Film monatelang um Mitternacht lief und die Vorführungen zu dekadenten Parties gerieten. Hier triggert der Film, natürlich, die richtigen Buttons; nur ist dies eben auch die denkbar einfachste Übung, da die Anhängerschaft solcher Filme bis heute zur Romantik neigt (was ja auch, nebenbei gesagt, ihr gutes Recht ist).
Das heißt, lesefaule Menschen bekommen hier nochmals in ein paar wenigen Sätzen das verabreicht, was Rosenbaum/Hoberman dereinst in ein ganzes Buch gepackt haben - allerdings in Instantversion. Wieviel spannender wäre es gewesen, mal Leute zu sehen, die damals im Publikum dabei waren? Allenthalben wird davon gesprochen, dass nicht die Produktionsgesellschaft und auch nicht der Regisseur konzeptuell ein Midnight Movie dreht, sondern dass ein Film erst durch Publikumsaneignung zu einem solchen wird. Dass hier dennoch nur Regisseure und Kinoverleiher sprechen, scheint dabei keinem aufgefallen zu sein. Wo sind die Menschen von damals? Und wie konnte es geschehen, dass El Topo seinerzeit zwar mit einem hochhaushohen Werbebanner am Times Square beworben wurde - und heute nur einer Handvoll Menschen überhaupt noch ein Begriff ist? Auch die Eingangsthese - die Mitternachtsfilme hätten die Filmindustrie, das US-amerikanische Humorverständnis, usw. auf ewig geändert - wird gerademal in die letzten fünf Minuten gepackt und verpufft mangels Argumentation schon wieder beim laufenden Abspann.
Dies ist eben die Crux von Midnight Movies: Die Doku nimmt sich eines herausragenden Phänomens an - und verdoppelt nur einmal mehr alle Legenden und Anekdoten, die man ohnehin schon kennt. Als eigenständiger Film aber ist Midnight Movies selten einfallslos und allenfalls als schnelles TV-Feature zu gebrauchen; auch als DVD-Bonusmaterialien wären die Interviewsequenzen noch von Reiz. Was an diesen Film aber gefallen mag, hat er selbst nicht geleistet - und die wirklich interessanten Fragen fallen ihm erst gar nicht ein. Vollkommen unklar bleibt denn schließlich auch, was nun ausgerechnet Roger Ebert in dem Film zu suchen hat: Zwei-, dreimal sagt er einen Satz in die Kamera, und jedesmal hätte er das genauso gut auch sein lassen können.
Fazit? Mal wieder im Hoberman/Rosenbaum-Buch blättern und diesen Film hier schnell vergessen.
imdb ~ filmz.de ~ georg seeßlen
Schauen Sie in dem Laden doch mal vorbei. Es gibt dort auch Kaffee und nette Menschen.

Kilink ist tot. Kilink lebt. Eine geheimnisvolle Spritze hat das geregelt. Da ist der Film noch keine zwei Minuten alt - und schon ist man mitten drin und Kilink, der Superbösewicht im Skelettkostüm, wohlauf; die Montage hingegen dreht hier schon heftig am deliranten Rad: Kurz und knapp sind die Einstellungen aneinandergetackert, leisten kaum Nachvollzug von Kontinuität. Wie geht Filmemachen als Comicpanel-Aneinanderreihung? In etwa so.
Kilink versteht sich auf zweierlei: Frauen rumkriegen und Welt erobern. Beides ohne gute Absicht. Es geht um eine Formel, die einem Wissenschaftler entrissen wird - Pow, schon ist sie im Besitz und regelt von nun diese Sache mit der Welteroberung. Und es gibt welche, die auf seiner, und welche, die auf seiner Seite nicht stehen. Einem erscheint eine Art - ja, was? Gott? Geist? Wesen übernatürlicher Art? Und stattet ihn jedenfalls mit allen Kräften der griechischen Götter aus. Schreit er nun SHAZAM - wird er eine Art Superman. Die englischen Untertitel nennen ihn fortan schlicht "Superhero", womit ja auch eigentlich alles gesagt ist. Und dieser "Superhero" (Superman-S auf dem Brustkorb, gesichtwärts verschiebt sich die Köstümierung indes zu Batman) kämpft für Gutes, wie beispielsweise auch Gerechtigkeit. Also gegen Kilink, der die Welt ja unterjochen will und hierzu sein headquarter in der Türkei errichtet, von hier kommt der Film schließlich auch her.
Die Musik ist die von James Bond. Sie ist nicht nachgespielt, sie ist es wirklich. Das heißt: Sie ist es nicht ganz. Denn wie auch die Story ein Zusammengekleistertes aus allem ist, was französische Superverbrecher, italienische Comicstrips, britische Spionagethriller und us-amerikanischer Superhelden-Comic so hergeben, ist auch der Soundtrack Patchwork sondergleichen, nämlich ein, sagen wir, naja, "Meisterwerk in Gänsefüßchen" der Samplekunst. Genommen werden die dramatischen Spitzen des James-Bond-Soundtracks und der ganze Film wird damit übermalt; ist eine Sequenz länger als das Sample, wird dieses einfach ein bisschen beackert und in sich nochmals geloopt, bevor es weitergeht. Manchmal hängt die Bandmaschine. Und als "Superhero" endlich fliegen kann (er wird nämlich täglich ein Stück besser in seiner Eigenschaft als Superheld), ertönt, zur Freude aller Anwesenden, Peter Thomas' Thema aus Raumpatrouille.
So geht das, wenn man alte, noch völlig unambitionierte Comichefte in Filme übersetzt und sich nichts dabei denkt, weil man einfach mit den Schultern zuckt, wenn jemand nach etwas anderem als der Kassenbilanz fragt. Und - es macht Freude, muss man sagen, bis da hinaus.
Eine DVD ist in Griechenland bei Onar Films erschienen.
Aber es gibt bereits ein Wiki zum Buch und hier ein Weblog.
Das Lesen eines Romans als kollektive Erfahrung; und im Falle von Pynchon vielleicht auch nur so denkbar.
Eine Besprechung gibt es auch in der "New York Times". Angeblich voller Spoiler, weshalb ich sie vorerst nicht lesen werde. Im "NY Mag" wird vom ersten Verkaufstag im New Yorker "St. Mark's Bookshop" berichtet, in dem sich einige sehr seltsame ältere Herren herumgetrieben haben sollen (nudge, nudge, wink, wink) und in dem ich bei meinem New-York-Urlaub ebenfalls zahlreiche Bücher gekauft habe (er ist auch wirklich ein wundervoller Laden).
Deutsche Blätter: Kölner Stadtanzeiger ~ Die Welt ~ FAZ ~ SpOn und dann noch das Deutschlandradio Kultur (zum Anhören).

Ein offenes Weblog zur Dokumentation aktionistischer Betriebsblindheit. Soeben eingerichtet und alle mit blogger.de-Account können automatisch mitmachen (deshalb "offenes" Weblog). Vielleicht hat ja jemand Lust darauf, ansonsten schläft's halt einfach wieder ein. Ein Testballon eben.

Edmund Stoiber verbieten.
Das vorliegende Weblog wird seine Initiative zum Verbot von Edmund Stoiber nochmals in die Öffentlichkeit einbringen, teilte der Autor mit. Es darf keine Ausreden und Ausflüchte mehr geben, betonte er angesichts des neuerlichen Einfältigkeits-Amoklaufs des berüchtigten bayerischen Lokalpolitikers in seinem Büro in München. "Edmund Stoiber animiert Jugendliche zur intellektuellen Verwahrlosung, die typisch ist für ins Kraut schießende Aktionismus-Parolen. Das sind völlig unverantwortliche und indiskutable Argumentationsmuster, die reale gesellschaftliche Probleme und Ursachen kaschieren, soziale Isolationen und somit gesellschaftliche Verantwortung nicht-thematisiert zurücklassen und durch Symptombekämpfung schließlich sogar anti-auklärerische Wirkung zeitigen. In unserer Gesellschaft dürfen solche Reflexe keinen Platz haben", so der bekannte Weblogger.
[lies doch einfach gleich das hier, denn um nichts anderes als um Hallogallo geht es in den ersten drei absätzen]
Aber wirklich, dieser eine: The World, von Jia Zhangke. Schauen Sie ihn sich doch mal an!
Nun denn, es tut jedenfalls gut, wenn der Bagage mal ordentlich was vor den Latz geknallt wird. In Strömen floß der geistige Dünnschiss dieser Tage in der Causa Wrangelkiez. Groß ist die Zahl derer, die in geheizten Wohnungen zur Schreibtischhysterie neigen, und sich nun weiß der Herr alleine was für Albtraumszenarien ihrer morbiden Fantasie abpressen, die sich allerdings auch - und diese Meta-Nachricht sollte vielleicht auch einmal Erwähnung finden - in geronnener, also schriftlicher Form zu einem gewissen Preis verkaufen lassen. Und weil die meisten Journalisten "freie" sind, also denkbar unfrei, da auf Gedeih und Verderb dem Markt ausgesetzt, ist der Preis höher, der Auftrag gewisser, je geiler/heißer/aufgeregter das Geschnatter am Ende ausfällt. So haben eben auch das professionelle Gewerbe und der Journalismus ihre Gemeinsamkeiten.
Und weil es eben gut tut, wenn dieser Bagage mal ordentlich was vor den Latz geknallt wird, gehört der folgend verlinkte Text mit zu den lesenswertesten der letzten Tage. Und darauf wolllte ich eigentlich auch nur hinaus.
»In Neukölln, so vermeldet ein Sprecher des Polizeipräsidenten, haben zwei 10-jährige einen Kaugummiautomaten geknackt und seien mit dem Diebesgut, Hubbabubbas im Wert von geschätzten 3,90 €, über die Herrmannstraße geflohen. Erst einem Großaufgebot der Polizei gelang es schließlich, die Kriminellen in ihrem Kinderzimmer zur Aufgabe zu bewegen. Besonders bedenklich in diesem Zusammenhang sei, dass die Eltern aktiven Widerstand geleistet hätten, nachdem die Wohnungstür aufgesprengt worden war. Die Polizisten seien mit Ausdrücken wie „Huch! Was´n nu los?“ provoziert worden, der Vater habe sogar, wie die Beamten übereinstimmend bestätigten, angeboten, die 3,90 € zu begleichen, wenn die Kinder dafür in Ruhe gelassen würden. Er wurde wegen versuchter Gefangenenbefreiung und Bestechung festgenommen.«
Und hier kompett.
»Tübingen und Umgebung, Anfang der 70er Jahre. Die junge Michaela Klingler (Sandra Hüller) verlässt ihr streng katholisches Elternhaus, um ein Studium zu beginnen. Glücklich, das kleinbürgerliche Umfeld hinter sich gelassen zu haben, genießt sie die ersten Schritte in der neuen Freiheit und findet mit Hanna (Anna Blomeier) und Stefan (Nicholas Reinke) schnell Freunde.
Doch Michaela wird von ihrer Vergangenheit eingeholt: Trotz ärztlicher Behandlung hat sie immer öfter mit epileptischen Anfällen und Wahnvorstellungen zu kämpfen. Sie hört Stimmen und glaubt, von Dämonen besessen zu sein. Schließlich begibt sich Michaela in die Obhut eines jungen Priesters und stimmt einem Exorzismus zu ...«
[Text: X Verleih, offizielle Filmwebsite]
Es sind Menschen im vertracktesten Elend, die Hans-Christian Schmid in seinen Filmen interessieren. Sei es der Hacker Karl Koch in 23, das Ensemble an randständigen Existenzen in Lichter oder eben hier Michaela Klinger, deren Schicksal - ihre Epilepsie entfremdet sie ihrem provinziell-religiösen Umfeld, was schließlich zum Verdacht der satanischen Besessenheit führt - einem realen Vorfall in den 70er Jahren nachempfunden ist. Ganz minutiös folgt Schmid dabei den Umständen, in denen sich die jeweiligen Personen bewegen und in die sich schließlich verstricken, während der Blick auf die Eskalation der (nur sozusagen) 'realen' Hölle nicht geworfen wird: Weder sehen wir den Tod von Karl Koch, und wenn in Lichter die Mädchen für eine Nacht lang prostituieren müssen, sehen wir zwar, wie es dazu kommt, doch folgt dem abschließenden Schnitt eine Ellipse zum nächsten Morgen, und das, möchte man fast sagen, Martyrium von Michaela Klinger schließlich bleibt einer Notiz im Abspann vorbehalten: Nach zahlreichen Exorzismen stirbt Klinger an Entkräftung, verkündet weiße Schrift auf schwarzem Grund. Schmid legt Strukturen und Szenarien offen, der gaffende Blick aber, der Elend zu reiner Äußerlichkeit degradieren würde, findet sich in seinen Filmen nicht.
In Requiem sind es kleine Details auf einem langen Leidensweg, zu dem der Film nur das Vorspiel liefert, die Wegsteine markieren. Ein schneller Blick, der noch über die Schulter geworfen wird, von der stets bewegten Kamera, die immer dicht an den Figuren hängt, ihren Bewegungen nachspürt, fast schon beiläufig, man möchte fast sagen: zufällig, eben gerade so noch eingefangen. Ein Detail in der Bewegung. Ein Gespräch, das nicht von Offenheit geprägt sein kann, einfach im Verlauf ist, und doch zu Missverständnissen führt.
Wo Lichter in dieser Hinsicht oft ausgezirkelt und aufgestellt wirkte, gelingt es Requiem seinen Stoff zu erden, zu verankern. Vor allem Sandra Hüller ist dies zuzuschreiben, die in ihrer Verkörperung der Michaela eine ungeheure Präsenz und Realität entwickelt; sie stammt vom Theater, was es nur erstaunlicher macht, wie viel ihrer Figur sie noch in kleinste Details von Gestik und Mimik zu legen vermag. Am eindrucksvollsten sind die Sequenzen, in denen sie tanzt: Hier findet die Transitposition ihrer Figur - zwischen Aufbruch, den das begonnene Studium fern des Heimatdorfes markiert, erste Parties, der erste Freund, all das, und der allmählichen Entfremdung von ihrer Umgebung, die sich ins grob Hysterische steigern wird - formvollendeten Ausdruck. Und die Kamera schließt die Welt um sie qua ihrer Perspektive bereits aus: Sie tanzt für sich, in einem sozialen Raum zwar, doch die Fäden zur Außenwelt scheinen bereits gekappt.
Dass Schmid weiterhin darauf verzichtet hat, seinen Film in eine nostalgische 70er-Travestie zu verwandeln, ist ihm hoch anzurechnen; angesichts des jüngsten Trends in dieser Hinsicht, wäre eine solche Entscheidung nahe gelegen. Requiem präsentiert keine Abfolge von props und Fummeln, auch wenn er seine Geschichte in eine sich am Äußerlichen festmachende 70ness zwar einmantelt, doch eben gerade nicht erdrückt. Requiem ist auch kein Horrorfilm geworden: Plumpe Ästhetisierungen von Michaelas Phantasmen finden sich nicht; die Kamera bleibt Instrument zur Beobachtung und wird keines der Subjektivierung. Und sie erklärt nichts, sie folgt nur nach; am allerwenigsten von Interesse ist, was Michaela Klinger wirklich umtreibt.
Die Geschichte einer Entfremdung, die klar strukturiert ist, nie kalt ihrem Gegenstand gegenüber bleibt, aber auch nicht zum Sentiment der Einfühlsamkeit neigt. Emphase jenseits der Empörung und jenseits des Skandals; die Geschichte eines Menschen, dem man zuhören und in seiner erlebten Realität für voll nehmen hätte müssen.
imdb ~ filmz.de ~ movie magazine search engine ~ movie blog search engine

Plot Outline: Women who work in the adult film industry talk and sing songs about their experiences making pornographic films for a living.
Hitchcock, Hartley and the Poetics of Cinema Functions of Film Style Writing on Film Style Levels of Engagement
Und es gäbe da noch soviel Potenzial.
»Now in Pan's Labyrinth, which he wrote, directed and produced, this latterday Welles has created a Citizen Kane of fantasy cinema - a modern masterpiece made entirely on his own terms.«
Mehr: Sight & Sound
Der Kinostart ist bislang für den 15.02. nächsten Jahres angekündigt.
Eigentlich mag ich Deine Website sehr, da sie funktional und gut navigierbar ist. Und Dein Feuilleton halte ich für eines der überregional lesenswertesten.
Ich habe auch vollstes Verständnis dafür, dass Du Werbung machen musst. Ich gehe sogar soweit, dass ich Dich in dieser Hinsicht durch gelegentliche Klicks unterstütze. In der Regel ist das sogar ein Klick pro gelesenem Artikel; ich finde, so etwas ist nur anständig (und liegt letzten Endes auch in meinem Interesse).
Dass es seit kurzem nun auch flash-animierte Wackelbilder mitten in Artikeln gibt, habe ich schon etwas zurückhaltender zur Kenntnis genommen. Kein wirklich guter Weg, wie ich finde. Denn wichtiger noch als "viel Werbung" ist "viele Leser", denn nur "viele Leser" sorgen dafür, dass sich "viel Werbung" in "viel Geld" übersetzt. Wer Leser aber abschreckt, die eigene Website mit Werbung tapeziert und dabei eben zusehends den eigenen Content verdrängt, verdrängt eben auch "viele Leser". Eine Litfaßsäule hat naturgemäß keine Stammleser.
Aber gut, Flash-Werbung, bitte, wenn's denn sein muss. Es gibt ja noch die Druckversion, die zur Lektüre ohnehin vorzuziehen ist. Aber, liebe taz, und das ist jetzt mal ganz unter uns Pfarrerstöchtern: Dass man jetzt seit neuestem von Eurer Flash-Werbung angekrischen wird, dass man jetzt damit rechnen muss, dass Eure Flash-Werbung anfängt, beschissene Lieder loszuschmettern, das, liebe taz, ist wirklich nichts anderes als SCHEISSE.
Wie gesagt, ich habe Verständnis für Werbung. Ich habe aber kein Verständnis dafür, wenn Websites meinen, sie hätten ein Anrecht auf den Gebrauch der Technik, mit der ich unterwegs bin. Wenn ich beim Surfen Musik höre - und ich mache das entweder über die Stereoanlage oder über Kopfhörer -, dann will ich nicht, dass ich wegen Eurer geradewegs lächerlich laut gestellten Werbung eine Anzeige wegen Ruhestörung erhalte oder mir um mein Trommelfell Sorgen machen muss. Ich halte ein solches Werbegebaren für eine ZUMUTUNG sonderhausen - und ich hoffe und denke, dass viele Menschen das ähnlich sehen. Mit solcher Werbung macht man sich für ein paar lausige Kröten seine Leserschaft kaputt - ist es das wirklich wert?
Jedenfalls, solange ich von Dir angeschrien und angekrischen werde, noch dazu mit beknackten U2-Songs, werde ich mich mit Anzeigenklicks auf Deiner Website spürbar zurückhalten.
Danke für die Aufmerksamkeit!
[direktlink]
Kommentar? Hihi. Nachlesen? Hier.
Ach, und wenn Benjamin, der alte Cartoonist, das noch hätte erleben dürfen...
[via]

