
Das Kino der (zumal frühen) 1970er Jahre ist eine wahre Schatztruhe, deren Wert wohl kaum je vollständig zu ermessen sein wird. An der historischen Schwelle zu home video und der (produktions- wie auswertungs-)ökonomischen Konzeption des Blockbusters findet sich hier eine Verschaltung einerseits elaborierter, allerdings noch nicht finanziell vollkommen entrückter Filmtechnik(en) mit andererseits einem noch so strukturierten Filmmarkt, der weniger die vereinzelte Großproduktion, sondern eher die massenhafte Produktion kaum überschaubarer Filmmengen bevorteilt. Vor dem Hintergrund nicht nur der ökonomischen und studio-internen Krise Hollywoods, sondern auch politischen und sozialen Krisen weltweit, formierten sich hier widerständige Formen des Kinos, deren Brisanz und Sprengkraft nicht zufällig auch dem heutigen Kino einen filmhistorischen Fix- und Bezugspunkt liefern, ohne dass dieses dabei allerdings nennenswert über eine material- und motivästhetische Lektüre der Oberflächen hinaus käme (dem Trailer nach zu schließen, dürfte mit der Rodriguez/Tarantino-Coproduktion Grindhouse im kommenden Jahr die, zugestandermaßen auch von mir herbeigesehnte, Vollendung und Apotheose einer ästhetischen Übersetzung dieser Lektürehaltung in die Kinos kommen).
Doch kommen wir zu The Spook who Sat by the Door, der für den Geist dieser Kinotage in mancher Hinsicht charakteristisch ist. Basierend auf dem offenbar kultisch verehrten Roman gleichen Namens von Sam Greenlee (in seinem Standwerk That's Blaxploitation schreibt Darius James: "[a] required reading among my circle of homies in high school"), erzählt The Spook... die Geschichte des Afro-Amerikaners Dan Freeman, der eine fadenscheinige Kampagne des CIA, die dem Zweck dient, sich nach außen hin als "integrativ" in racial issues zu geben, für sich nutzt, um direkt in die Schaltzentralen der politischen Macht zu gelangen und dort Wissen zu akkumulieren. Dieses wiederum nutzt der ansonsten lebenslang so unauffällige, nunmehrige CIA-Agent, um in den Ghettos der us-amerikanischen Großstädte zu agitieren, eine Guerillagruppierung zu bilden und diese schließlich zu bewaffnen. Am Ende schließlich steht der Übergang in die heiße Phase des Kampfes: Der Film endet mit nichts geringerem als einem latenten Bürgerkrieg. Die letzten Bilder sind, gerade auch vom Standpunkt eines Actionkinos aus betrachtet, schlichtweg mitreißende, in denen sich schwarze Guerilleros maschinengewehrbewehrte Gefechte mit dem Militär liefern.
Dabei ist es vor allem die Konsequenz, die an The Spook who Sat by the Door so unglaublich erstaunt - und die ihn von dem ansonsten in manchen Dingen nicht völlig unverwandten Fight Club dringend abhebt. Wo letzterer das ironische Spiel mit Oberflächen sucht und politische Revolution auf ein narrativ interessantes Konzept runterbricht, das einem gelangweilten Mittelschichtspublikum etwas thrill bietet, das eigentliche Moment zum Aufruhr aber individuell in einer persönlichen Identitätskrise eines Neurotikers verortet (was jetzt alles nicht heißen soll, dass ich Fight Club schlecht finde), bleibt in The Spook... seitens der Produktion über die gesamte Spieldauer kein Zweifel an der Aufrichtigkeit und Notwendigkeit des politischen Kampfes. The Spook... ist selbst noch in seinen moralisch heikelsten Momenten absolut ungebrochen und von einer unbändigen Wut über die Verhältnisse getragen. Dass vor allem die militärische Ausbildung der Guerilleros beinahe schon dokumentarisch vom Film verfolgt wird, mag dabei als Verbrüderungsgeste mit dem seinerzeitigen Publikum angesehen werden.
Nicht geringen Anteil an der Wirkmächtigkeit des Films hat auch der von Herbie Hancock komponierte Soundtrack. Hancock trennt sich hier bereits vom klassischeren Jazz seiner früheren Tage (siehe z.B. seine Arbeit für Antonionis Blow Up). Auf dem Soundtrack finden sich zahlreiche, teils schon sehr avancierte Experimente mit den Frühformen des heavy funk, die zuweilen schon eine sehr abstrakte Klangform suchen, die ganz an der Materialität von Studioaufnahmetechnik orientiert ist, und, etwa im Falle rückwärts abgespielter Beats, schon die heraufdämmernden Collage- und Sampletechniken kommender Jahre erahnen lässt. Zwar bin ich kein Fachmann für schwarze Musik, doch scheint mir dies 1973 zumindest in diesem Kontext schon sehr radikal und modernistisch gedacht gewesen zu sein.
Seinerzeit muss The Spook... wie Benzin ins ohnehin schon lodernde Feuer gewirkt haben; offenbar war der Film seinerzeit wirklich einigen Repressionen ausgesetzt und obendrein lange Zeit nicht erhältlich, wie dieser Artikel der New York Times berichtet. Heute ist er in seiner absoluten Aufrichtigkeit seinem Gegenstand gegenüber, die ganz offenbar nicht von Studiobossen, Marktanalysen, Großkonzeptionen und dergleichen verbogen wurde, ein aufschlussreiches historisches Dokument seiner Zeit. Offen bleiben muss aber die Frage, ob man dem Film mit einer Einsortierung unter dem Rubrum "Blaxploitation" wirklich gerecht wird; ähnlich wie im Falle von Melvin van Peebles zwei Jahre zuvor entstandenen Erstling Sweet Sweetback's Baadasssss Song scheint mir hier die zu Grunde liegende Stoßrichtung zu sehr eine andere als die des schnellen cash-ins zu sein, die für den Exploitationfilm im Allgemeinen so grundlegend ist.
imdb ~ movie blog search engine ~ movie magazine search engine

Man kann ihm ja kaum genug dafür danken, dass er sich in die Blogwelt gestürzt hat. Die Rede ist von David Bordwell, der in schöner Regelmäßigkeit - und mindestens einmal pro Woche - , einen unbedingt lesenswerten Beitrag veröffentlicht. Überhaupt halte ich ja seinen ganzen Entwurf von Filmwissenschaft für großartig, wie das immer - und zumal in seinem Blog - ganz dicht am Gegenstand ist und sich nicht in abstrakte Seminarraum-Theorien verliert, bei denen man sich nicht selten fragen muss, ob deren Träger nicht schon längst die Haftung zum Kino verloren haben. Dass Bordwell vor allem nicht einfach nur versonnen vor der Leinwand sitzen bleibt, sondern sich auch mit Filmtechnik hinreichend auskennt, ist hier nur ein weiteres Plus; aber erzähl mal einem europäischen Intellektuellen, dass er sich mit Technik befassen soll, wo in diesem Milieu doch mangelnde naturwissenschaftliche und technische Kenntnis als Indiz für eine beflissene Vergeistigung und vollendeten Intellekt angesehen wird. Aber ich schweife ab.
Grund für den Jubel: Die New York Times veröffentlichte vor wenigen Tagen ein ausführliches Interview mit Steven Soderbergh, den ich ja sehr schätze. Darin äußert sich Soderbergh in erster Linie zu seinem neuen Film The Good German, zu dessen Produktion er den Versuch anstellte, den Code des klassischen Kinos der 1940er Jahre möglichst adäquat zu simulieren. Bordwell wiederum nimmt dieses Gespräch zum Anlass, in aller nötigen (und erkenntnisstiftenden) Ausführlichkeit über die Möglichkeit, einen historischen Stil in die Bedingungen des zeitgenössischen Kinos zu transponieren, nachzudenken.
Filmwissenschaft, wie sie spannender kaum sein könnte.
Und überhaupt: Wie ich mich freue, einem Soderbergh dabei zuzusehen, wie er eigener Aussage nach Michael Curtiz (dessen klassischen Stil ich wirklich höchst elegant finde und zu dessen großartigen Mildred Pierce wiederum Bordwell seinerzeit eine hervorragende Analyse (pdf, ~ 240 kb) verfasst hatte) zu emulieren versucht.
[allein der erste Satz dieser Analyse schon: Im Allgemeinen verstehen Zuschauer die Filme, die sie sehen.]
Eines steht dabei ganz wesentlich im Vordergrund, dem Film, wie den vorgestellten Nazis gleichermaßen: Die swastika, bzw. das Hakenkreuz in nationalsozialistischer Drehrichtung. Jenes sei das Symbol, meint einer der Anführer des Haufens, durch das die Kraft der Bewegung spreche; es versetze Feinde und potenzielle Opfer gleichermaßen in Angst und Schrecken und bedinge so deren panische bis hysterische Reaktionen. Ihm eigne eine mythische, wenn nicht, so scheint es, archaische Qualität. Für den so Redenden (der sich, kurios genug, im Rückblick auf seine lange Heim- und Knastkarriere als "genetisch kriminell veranlagt" einschätzt) erweist sich das offensive Zurschaustellen der swastika deshalb als Zeichen der eigenen Stärke, und zwar nicht so sehr symbolisch, sondern durchaus indexikalisch. Entsprechend wird das Zeichen fetischisiert. Es taucht in diesen Zusammenhängen - das Filmteam darf erstaunlich tief in privateste Gewebe vordringen - an allen möglichen Orten auf: Als Christbaumkugel, am Arm von Santa Clause bei einer nationalsozialistischen Weihnachtsfeier, auf LKW-Türen, als Kuchendekoration und wo nicht noch. Mit fast schon entrückter Betulichkeit näht eine Gattin eines weiteren vorgeblichen alpha male ein ums andere die Scherpen und Binden, auf dass sie von Söhnen und Vätern stolz zur Schau getragen werden. Mit Liebe und Demut bügelt sie das Hakenkreuz, wie andere Hausfrauen sonst nur Pausenbrote für den Nachwuchs zubereiten. Putzige Häuslichkeit also auch bei den Nazis von nebenan. Die politischen Zusammenhänge rekrutieren sich, dieser Schluss liegt nahe, vornehmlich aus dem Sediment des poor white trash. Fast ist das schon camp, was man da sieht, wäre da nicht die Widerständigkeit des Realen, die aus dem "nicht glauben können" ein "unglaublich" macht.
Was dabei dem Film gelingt - und dies muss man ihm als Leistung anerkennen - ist die Offenlegung der ungeheuren Infantilität hinter solchem Gebaren. Hinter dem markigen Auftreten selbsternannter Führer steckt allemal ein mit der Über-Komplexität der Welt nicht zurande kommendes Knäblein, das sich hinter liebgewonnener Symbolik verstecken muss und in Anschauung derselben schon Stärke für sich abgeleitet sieht. Das Stumpfsinnige, das Brutale, das Grobe offenbart sich schließlich in trauten Familiensituationen, in denen der jüngste Sproß der braven Nazi-Familie, unter deren Jubel und dabei doch eigentlich nur ungelenk, die in TV-Sendungen gelernten kicks und Schläge vorführt, mit denen er es später mal "Niggern" zu zeigen gedenkt; nicht zuletzt spiegelt es sich in der Unartikuliertheit der portraitierten Protagonisten wider, deren Weltsicht sich offenbar nur anhand verklärter Gesichtsausdrücke, nicht aber wenigstens ansatzweise in sich schlüssig vermitteln lässt.
Indem The California Reich gerade kein empörtes Vermittelndes einbaut, keine ideologisch "richtige" Instanz zwischen Bild und Zuschauer schiebt, hinter der sich der verschreckte Bürger verstecken könnte, weil er sich darauf einigen kann, indem er also da hinschaut, wo andere vorkäuen würden, indem er dort Evidenzen aufdeckt, wo andere Selbstversicherung für gratis mitbeilegen würden, gelingt ihm gerade, was Guido Knopp'sche Dämonenlehre niemals erreichen wird: Die Sichtbarmachung der armen Wurstigkeit hinter markigen Sprüchen und Dämonensymbolen, das Reale hinter dem Symbolischen - und nicht zuletzt: Die banale Normalität hinter den Wortführern von Rassismus und Nationalsozialismus. Ohne es selbst mitzubekommen, entblößen die Portraitierten den Budenzauber hinter ihren heißgeliebten Hakenkreuz-Wimpeln. Diese Entpathologisierung, die gerade nicht Geschichstvergessenheit und Neue Sorglosigkeit meint, scheint mir der erste Schritt hin zu einer nüchternen Analyse, die Basis jeder Kritik und jedes politischen Kampfes sein muss.
imdb
Im großen und ganzen ging es mir bei der Auswahl auch um eine gewisse 'Qualitätssicherung'. Idealerweise soll diese 'Suchmaschine' beispielsweise bei Recherchen (für Hausarbeiten/Artikeln/etc.) schnell und übersichtlich eine Art "erstes Dossier" erstellen, aus dem man nicht noch lange Websites aus den Suchergebnissen qualitativ aussortieren muss (wie das bei 'normalen' Google-Suchen ja meist der Fall ist), sondern gleich einigermaßen verwertbare Ergebnisse für eine Fein-Recherche vorliegen hat. Deshalb auch der Fokus auf cinephile Magazine und Journale - also eher Bright Lights, Senses of Cinema und Midnight Eye statt <name your average review site here>. Und ich will meinen, erste Proben liefern schon ganz brauchbare Ergebnisse.
Ich hoffe, die Suchmaschine gefällt. Hier nochmal der Link zu deren 'Homepage', und im folgenden die Suchbox:
Wer eine solche Suchbox in seine Website/Weblog einbauen will, bekommt den Code auf Anfrage mitgeteilt! [bzw. schaut sich einfach den Seitenquelltext an ;-) ]
'Meine' Suchmaschine berücksichtigt ausschließlich "Movieblogs" (bislang 97 an der Zahl - ich werde den Index aber kontinuierlich um interessante Blogs aufstocken und nein, Hinweise auf eigene Blogs, die doch bitte berücksichtigt werden mögen, werden grundsätzlich ignoriert - ob die nun per Mail oder per Kommentar kommen; echt, ich kriege fast täglich Mails von Leuten, die finden, dass ich "doch einfach mal" auf ihr Blog oder Website hinweisen sollte/könnte/müsse - das ist nervig und schlechter Stil!).
Zu erreichen ist die "Movie Blog Search Engine" hier. Der Link kann freilich auch gerne weitergesagt und in Weblogs verwendet werden ;-)
Eine Searchbox gibt's auch:
Wer mag, kann den Code dafür gerne anfordern. [bzw. schaut sich einfach den Seitenquelltext an ;-) ]
»On Five - Unofficial information about The Criterion Collection from the people who are officially in charge«On Five.
"Películas para no dormir", verspricht's der Titeleinschub dieses Films im Original nicht wenig bescheiden. Spectre, wie der Film im Deutschen heißt, ist eine Episode einer kleinen, hierzulande auf DVD von e-m-s vertriebenen "Horror Anthology", einer in Spanien allerdings für das Fernsehen produzierten Filmreihe, die einen also um den Schlaf zu bringen verspricht. Dies ist sicher, zumindest im vorliegenden Fall (die benachbarten Beiträge kenne ich nicht), nicht bloß eine Spur zu hoch gegriffen; doch gehört Pauken bekanntlich zum Geschäft des Horror-, bzw. hier eher Gruselfilms, und man ist in dieser Hinsicht von taglines und Werbesprüchen weißgott schlimmeres gewohnt ("Du bist tot, bevor Du stirbst" habe ich letztens irgendwo gelesen, was, außer "Ja, genau", soll man da noch denken ...). Aufmerken lässt allerdings, dass hier Mateo Gil als Regisseur verantwortlich zeichnete, der zuvor vor allem als Co-Autor der Drehbücher der beiden nicht eben schlechten Filme Tesis und Abre los Ojos von Alejandro Amenábar aufgefallen war. Zwar ist die TV-Herkunft dem Film deutlich anzumerken; doch lässt sich eine gewisse Sorgfalt im Umgang mit dem Material nicht absprechen. Das Rad wird auch hier gewiss nicht neu erfunden, doch ist Spectre eine durchaus solide, kleine Schauergeschichte geworden, der man so auch in einer Gespensteranthologie des 19. Jahrhunderts begegnen könnte (ein Umfeld, in dem es ja auch weniger um Grandezza des Autors, sondern eher um den wohlig bewerkstelligten Effekt auf knapp bemessenem Raum geht) - von daher passt die Einsortierung des deutschen Verleihs in eine "Anthologie" ganz gut.
Spectre handelt von Tomás, einem spanischen Schriftsteller mittleren Alters, der nach dem Selbstmord seiner Gattin erstmals seit 40 Jahren wieder in sein provinziell gelegenes Heimatdörfchen zurückkehrt. Die einstige Siedlung hat sich dabei längst in eine ansehnliche, geschäftstüchtige Kleinstadt gewandelt. Alle Spuren von Tomás' Jugend scheinen beseitigt, mit Ausnahme jenes kleinen, einstmals auf einem Hügel vor dem Dorf gelegenen Häuschens, das nun von Neubauten zwar umringt ist, aber als Ruine seiner selbst der Modernisierung nach wie vor trutzt. Dies Häuschen ist das eigentliche Ziel der melancholischen Heimkehr des Hinterbliebenen: In eliptischen Rückblenden erfahren wir, dass hier zu Zeiten seiner Jugend eine rätselhafte junge Frau angesiedelt hatte, die unter den erzkatholischen Dorfbewohnern alsbald in den Ruf, eine Hexe zu sein, geriet, und wohl auch deshalb unter der männlichen Dorfjugend rasch zum geheimnisvollen Objekt erotischer Begierde aufstieg.
Bald ergibt sich eine intime Liaison, die den Gefühlshaushalt des jugendlichen Tomás kräftig auf den Kopf stellt und schließlich in ein Eifersuchtsdrama mündet. Im Dorf formiert sich unterdessen unter Federführung der religiösen Mütter ein Mob wider die vorgeblich sich prostituierende und mit dem Teufel im Bunde stehende Knabenverführerin. Auf den Spuren dieser Geschichte leben die Obsessionen des alten Tomás erneut auf - und wieder begegnet er jenem Tarotspiel, mit dem die rätselhafte Frau ihn schon seinerzeit auf weißen Leinentüchern um den Finger gewickelt hatte. "Wir sind verbunden, bis über den Tod hinaus", sagt sie an einer Stelle. In der parallelen Montage kommt es in Vergangenheit und Gegenwart der Geschichte zur Katastrophe ...
Mit ruhiger Hand inszeniert, gelingt Spectre ein hübscher Anschluss an die klassische Schauergeschichte, in der nie (oder zumindest über weite Strecken nicht) ganz ersichtlich wird, ob hier tatsächlich Hexen- und Gespensterwerk vorliegt, oder ob ein von Schuld und Traumata zerfressener Mann nicht anders kann, als immer nur die Rückkehr des Immergleichen als Zuschauer seiner selbst zu inszenieren. Ein in der schauerphantastischen Literatur nicht unbekanntes Topos, das hier sicher nicht meisterlich, aber doch recht souverän in eine gelingende Filmnarration übersetzt wird. Wo sich in der Literatur die Latenz ergibt, dass nämlich hinter die Materialität des Schriftbildes schlechterdings nicht zu schauen ist, sich genau dort aber das eigentliche Szenario abspielt, das in Worten nur andeutungsreich bleibt, um sich in Lesergedanken zu phantasmagorischen Bildern zu verdichten, wagt Spectre ganz ähnliche Manöver und überlässt die Eigentlichkeit des Geschehens weitgehend der Phantasie des Zuschauers, der gleichsam ein Vexierbild vor sich hat: Ist das nun okkult oder pathologisch, was sich vor ihm abspielt? Welchen Status haben die Bilder - und welchen die Nahtstellen zwischen Gegenwärtigkeit und Erinnerungsbild? Es ist die Frage nach der Gattung selbst: Liebes- oder Horrorfilm? Aber war das Melodram nicht schon immer Teil des Horrorfilms?
Dies ist, zugestandenermaßen, alles andere als neu. Spectre ist auch weniger ein toller, eher ein angenehmer, ja geradezu ruhig plätschernder, mit der Subtilität der Andeutung arbeitender Film, der den um die Motivik wissenden Zuschauer gewissermaßen zum Gespräch darüber einlädt; ganz wie eine routiniert abgefasste Geistergeschichte aus alten Büchern sich weniger an die Literaturkritik, sondern an den Genreliebhaber wendet, ist auch Spectre wohl eher für den Liebhaber jener flirrenden Konzeption von Schauer- und Gespenstergeschichten interessant. Die Unaufgeregtheit, mit der der Film zu Werke geht, macht ihn darüber hinaus sympathisch; und wenn sich am Ende schließlich noch ein kleines Gimmick einfügt, das schockartig an die Festen des Alltagsgefüges rüttelt - und welche Funktion hätte die klassische Schauergeschichte schließlich zuallererst sonst? -, ohne sich dabei in schwerfällig artikulierte Erklärungsmuster zu verzetteln, also eben gerade das Offene sucht, für das man die Ästhetik des Grusels so schätzen kann, dann kann man, als Freund solcher kleiner Mären und zumal im Herbst, eigentlich schon gar nicht mehr anders, als diesen auf allen Ebenen sehr soliden Film zu mögen.
imdb
Sunn o))) & Boris: Altar. Jan Jelinek: Tierbeobachtungen. Isis: The Absence of Truth. Red Sparowes: Every Red Heart Shines Toward the Red Sun. Beirut: Gulag Orkestar.
Alle total super - ich würde jetzt schon sagen: meine Platten des Jahres - und um soviel besser als alles an Gefälligkeits-Schmockpop, der einem sonst immer bei jeder Gelegenheit als "total gut ey" angepriesen wird. Überhaupt wie supi-wurscht dieser ganze "Indie"-Tralala ("Indie", mit Gänsefüßchen, heißt im übrigen was anderes als Indie oder Independent (ohne Gänsefüßchen), das entspricht so in etwa dem Unterschied von "Ich bin Student" und "Ich studiere") mittlerweile ist, hihi. Ich mein, mal echt, "Klatscht in die Händ' und sagt: Jawoll" oder die "Arschkalten Affen" und wie die alle heißen: Das ist so super-gähn, da kann man ja gleich wieder ins Bett.
Deswegen sind die Schwächen des Films nicht aus der Welt, auch das Bedauern der ungenutzten Möglichkeiten der Vorlage ist nicht gemindert. Aber man ist doch eher bereit, sie dem Film nachzusehen, wenn er einem nicht von der großen Leinwand auf den Schoß fällt und sich dann nicht recht Erkenntnis einstellt, was man denn nun damit anfangen solle. Im weiten Feld der direct to video-Produktionen wäre Vendetta sicher ein Ereignis gewesen, wenngleich auch nicht der geeigneteste Kronzeuge für eine Apologetik dieses Segments. Aber der Rahmen wirkt eben immer und unbedingt auf das Gezeigte ein; ein Film für einen A-Festival-Wettbewerb - und wenn es sich um den der Berlinale handelt - ist er nicht (und, eben, auch kein Blockbuster, der der größtmöglichen Leinwand bedürfte).
Alle aktuellen Artikel finden sich derzeit auf der Startseite des Magazins. Folgende möchte ich zumindest aus thematischen Gründen explizit hervorheben:
In einem kursorischen Round Up befasst sich D.J.M. Saunders mit dem Thema "Sex und Spiritualität im Kino". Jüngste Regungen eines "New Black Cinema" stehen im Mittelpunkt dieses Artikels von Lesley Chow. Wiederum Lesley Chow befasst sich an dieser Stelle eingehend mit den Figuren aus Tsai Ming-Liangs Filmen. Passend zur Jahreszeit - alte Gruselfilme gehen am besten eben nur im November - erfährt die unbestrittene Königin des Italo-Horrorfilms, Barbara Steele, hier eine Reverenz - ach, Barbara! C. Jerry Kuttner geht an dieser Stelle der Frage nach den unzähligen Inkarnationen von Norman Bates nach. Einer der populärsten Figuren des japanischen Schwertkampffilmes, dem blinden Masseur Zatoichi, der es auf stolze 26 Filme, eine Fernsehserie und eine Reprise durch Takeshi Kitano vor wenigen Jahren gebracht hat, fühlt Robert Castle in diesem langen Text auf den Zahn. Asphalt von Joe May entstand 1929 gerade auf der Kippstelle vom Stumm- zum Tonfilm und präsentiert sich schon alleine deshalb als ein formästhetisch höchst ambitioniertes Werk (wie ja überhaupt der allerspäteste Stummfilm eine Meisterschaft entwickelt hatte, hinter die das Kino mit Aufkommen des Tons auf Jahre hin zurückfiel), auch wenn Siegfried Kracauer in seiner zeitgenössischen Kritik dem Film vorwarf, Hintertreppen-Literatur durch Formentand unberechtigterweise zu nobilitieren - aus historischer Perspektive kann der Film hingegen frei atmen und gewürdigt werden; Gordon Thomas tut genau dies (wobei ich das Rubrum "Meisterwerk" in diesem Falle schon hinterfragen würde, aber sei's drum). Kaum genug geschrieben werden kann über eine der begehrenswertesten und spannendsten Stars des frühen Kinos: Louise Brooks, die dieser Tage 100 Jahre alt geworden wäre - Dan Callahan gratuliert.
Vom 44. New Yorker Filmfestival berichtet Megan Rattner. Der Trailer als eigene Filmgattung wird nach wie vor viel zu wenig berücksichtigt - gerade im Bereich der unzähligen exploitation movies, wo der Trailer nicht selten (und aus gutem Grund) mehr in Aussicht stellt als später dann wirklich zu sehen ist, lassen sich die abenteuerlichsten Exponate dieser Form auffinden; Gary Morris hat sich ein entsprechendes Filmprogramm angesehen. Mehr als Uwe Boll nerven nur seine ständigen Computerspieleadaptionen - Adam Elkus umreißt hier die Gründe für den kreativen Fehlschlag des jungen Genres der videogame movies.
Zu den großen, ganz großen Klassikern des us-amerikanischen Kinos im Allgemeinen, des New Hollywood bezeichneten Zusammenhangs im Besonderen ist unbestritten Monte Hellmans Two-Lane Blacktop; Tom Sutpen hat ihn erneut gesehen. Zeit der Wölfe zählt sicherlich zu den verstörendsten Filmerfahrungen meiner frühen Jugend (bis heute habe ich mich nicht mehr an diesen Film rangewagt) - Victoria Large spürt der sexual-surrealistischen Motivik des Meta-Märchenfilms nach. Weit entspannter dürfte es in diesem Interview mit Richard Linklater zugehen (von dem ich ja selbst School of Rock wirklich ganz doll gerne hab'!).
Weiterhin erschließt das Magazin nach und nach auch seine früheren Printausgaben dem Internet. Diesmal ist das Noir-Special aus dem Jahr 1994 dran: Es geht um die 'Knights of the Road' des "Genres" (warum ich Film Noir nicht als Genre verstehe, kann man bei Burkhard Röwekamp nachlesen), um Noir County, um das Verhältnis zwischen William Faulkner und Film Noir, um die Nachzügler des Films Noirs nach seiner Blütezeit, um Mike Leighs Naked (was ich jetzt einigermaßen interessant finde...), um Red Rock West als Vertreter einer Konzeption von "Neo Noir" und schließlich um einige Noir-Filme, die nun, wenn ich das richtig verstehe, endlich auf Laser-Disc vorliegen (this is '94, baby!). Mehr Noir schließlich in dieser Übersicht.
Phew. Das Wochenende kann kommen. (und dies ist natürlich nur eine Auswahl - noch viele weitere Artikel gibt es in der Übersicht der aktuellen Ausgabe, und natürlich im Archiv).
(und zwischen den Ausgaben natürlich immer wieder: Das Weblog des Magazins mit allerlei verstreutem und zerstreutem, beispielsweise vor kurzem ein Plädoyer für den '31er Dracula von Tod Browning, der ja nun nicht eben im besten Rufe steht (also, der Film jetz'))
[via]
Zur Einstimmung auf die kommenden Wochen und zur Erbauung aller Anwesenden und Mitlesenden im folgenden ein Griff in die angestaubte Flimmer-Kiste der Flimmer-Filmgeschichte. Moskau im Schnee, gedreht 1908. Schon damals war der Schnee ein ganz besonders mieses Stück.
»Vor 100 Jahren wurde Luchino Visconti geboren. Wie kaum ein anderer Filmregisseur verband er Ästhetik und Stilempfinden mit scharfsinniger Gesellschaftsanalyse.«Visconti zum 100. (Deutschlandfunk, Volltext)
Das Kino Arsenal zeigt im November/Dezember Filme des Regisseurs. Empfohlen sei natürlich Der Leopard, den man, glaube ich, nur im Kino /wirklich/ sehen kann. Eine internationale Presseschau findet sich, wie immer, bei GreenCine Daily.


Via GreenCine Daily bin ich gerade auf eine ganze Reihe von Videos auf YouTube aufmerksam geworden, die besonders pointierte Ausschnitte aus einer Diskussion (oder Vorlesung? Vortrag?) mit Peter Greenaway zeigen.
Da ich mir nur ungern die Startseite mit haufenweise Videos tapezieren möchte, habe ich die Clips im ersten Kommentar hinterlegt. Ich hoffe, ich habe alle berücksichtigt. [und natürlich, das ist mal wieder alles großmauliger als ein Breitmaulfrosch ...]
Hochgeladen wurden die Filme von dem User Afracious, der im übrigen ein hochinteressantes VideoLog mit zahlreichen weiteren tollen Clips auf YouTube führt.
Steven Jenkins hat sich für GreenCine.com mit dem Chef des Unternehmens unterhalten, der sich, was Wunder, als aficionado von altem Schrot und Korn erweist.
Dort hat Herzog seit dem etwas obskuren Rad der Zeit in kurzer Zeit eine Fülle von Arbeiten vorgelegt wie schon seit langem nicht mehr: Den hervorragenden Grizzly Man etwa, kurz zuvor The White Diamond (der es immerhin auch in hiesige Kinos geschafft hat, wenn auch nur mit kläglicher Kopienzahl) und nun The Wild Blue Yonder, eine irritierende Mischung aus Dokumentation, Essayfilm und Science Fiction; ebenfalls zu erwähnen ist seine Mitarbeit als Schauspieler in dem großartigen Incident at Loch Ness. Rescue Dawn, ein neuer Spielfilm feierte jüngst Premiere, hie und da hört man bereits von weiteren Projekten.
Das interessante aber ist nun eben, dass diese Filme in den Staaten auch wirklich wahrgenommen werden - kurios genug, sollte man meinen, handelt es sich doch (zumeist) um Dokumentationen, die zumindest hierzulande eher als Kinoblei verschrien sind (so sie denn keinen Karneval nach Fasson von Pausenclown Michael Moore in Aussicht stellen). Kaum eine Woche ohne ein Feature, einen ausführlichen Artikel, ein Interview oder einzelne Filmkritiken in den US-Printmedien - und dies meist an prominenter Stelle und von kundigen Autoren verfasst. Henry Rollins hatte sich Herzog sogar als Gast in seine TV-Show geholt. Seine Filme führen einige Jahrestoplisten der US-Kritiker an und wenn man Herzog selbst Glauben schenken darf, katapultierte sich der DVD-Release seines Nosferatu seinerzeit binnen einer Woche auf die Top-Position der Verkaufscharts (wenn ich mich recht erinnere, sprach er von 300.000 verkauften Einheiten, wobei hier wohl auch der Weltmarkt zu berücksichtigen ist: Meines Wissens handelte es sich um die weltweit erste Veröffentlichung des Films und dies sozusagen 'zur Pionierzeit' des DVD-Imports). Werner Herzog Superstar!
Einen rechten Reim kann ich mir allerdings nicht darauf machen (davon abgesehen, dass ich die Filme für große halte!). Natürlich freut es mich aber - und ich finde es, als Phänomen, eben sehr interessant. Allerdings ist es natürlich auch für den hinreichend morschen Zustand der hiesigen Kinokultur bezeichnend: Während hier das Kinoprogramm in einer unglaublichen Art und Weise von Woche zu Woche öder wird, erfahren andernorts einige großartige Werke die breite Aufmerksamkeit, die sie auch verdient haben.
Zum Nachvollzug der medialen Präsenz Herzogs empfiehlt sich im übrigen das Werner Herzog Archive.
»A tale of love and horror that brings together two unsuspecting ladies. Nuan Jan, a rural girl who is in search for her long lost love, ... Alle » runs into a rich widow named Ran Juan. Clues and eerie events lead up to portray Run Juan as a very mysterious person. The towns’ people say that she is hiding her lover away from the public eye. It is also rumored that her lover is not even human!«[via]
Entnommen habe ich sie der Beschreibung des Trailers, der auf VideoGoogle zu finden ist:
Ich hoffe, dass sich die hiesigen üblichen Verdächtigen bereits um die Lizenzen für eine Kinoauswertung reißen.

enjoy some creepy movies from the past!
Der Film ist in Deutschland, wie so viele weitere Arbeiten Argentos, bislang indiziert. Die Indizierung ist ein Verfahren, das immer wieder und vor allem Horrorfilme trifft, was nicht nur in dem Maße ärgerlich ist, dass erwachsenen Menschen auf eine sehr schwammige Art und Weise Filme vorbehalten werden (ja, ich weiß, die Filme sind nicht "verboten", sie sind sogar käuflich erhältlich; unter Ladentischen und auch nur in gesonderten Räumen und ohne Werbung drumrum - und jetzt fragen Sie sich mal, ob das nicht hinreichend Gründe in der Marktwirtschaft sind, indizierte Filme überhaupt erst gar nicht ins Sortiment zu nehmen...), sondern auch, weil entscheidende Bewegungen im Horrorgenre auf Grund solcher Interventionen hierzulande kaum nachvollzogen werden können, sich also auch nur schwerlich eine adäquate Form von Auseinandersetzung, Einsortierung und Kritik (also allem, was zivilisierend wirken könnte) entwickeln kann. Eine Bewegung ist beispielsweise diejenige, die sich zwischen barockem Kunstfilm und hyperbolischer Drastik des späteren Horrorfilms vollzieht; ein Entwurf, für den Argentos Kino ein typischer Vertreter ist und der vor allem im angelsächsischen Sprachraum schon häufig als Gegenstand für film- und kulturwissenschaftliche Auseinandersetzungen figurierte.
Jedenfalls, die Tatsache der Indizierung impliziert zweierlei:
1) Es ist ungewiss, ob arte den Film überhaupt zeigen kann. Ein User des Forums von cinefacts.de hat beim Sender nachgefragt und die Antwort erhalten, dass sich die Rechtsabteilung des Senders noch uneins sei; die Entscheidung werde wohl in letzter Sekunde fallen, heißt es in der hier wiedergegebenen Antwortmail.
2) Der Film darf nicht beworben werden, weshalb ich dieses Posting dringend nicht als Genussempfehlung, sondern lediglich als Hinweis verstanden wissen will. Ich möchte den Film aus diesem Grund nicht persönlich anpreisen (was ich könnte, wenn ich dürfte, bzw. mir sicher sein könnte, dass ich dürfte), sondern die Ausstrahlung, so sie denn stattfindet, als Dokumentation dessen empfehlen, was einem - dank indizierender Eingriffe der dafür zuständigen Gremien - zuweilen vorenthalten wird, und wie wenig sinnvoll solche Maßnahmen zumal in Fällen solcher Zwitterfilme - wie Suspiria einer ist - erscheinen, in denen die Frage nach dem justiziablen Grundcharakter - sozial-ethisch desorientierende Gewaltverherrlichung oder durch das Grundgesetz geschützte Kunst - nicht mehr ohne weiteres mit der souveränen Geste eines erfolgreichen Indizierungsbeschlusses beantwortet werden kann.
Weiterhin halte ich den Film als angehender Film-, Kultur- und Medienwissenschaftler auch aus rein wissenschaftlichen Gründen für interessant und dies vor allem auch aus einer filmhistorischen wie filmhistorisch-ästhetischen Perspektive. Der Gebrauch von Filmfarben und die sich daraus ergebende materialästhetische Reflexion suchen ihresgleichen; ohne weiteres meisterlich und beispielhaft ist seine Konzeption einer überwältigenden Wirkungsästhetik, die sich vor allem aus dem Gebrauch grundlegender filmischer Mittel ergibt (und eben nicht so sehr aus dem bloßen Motiv der gewaltsamen Öffnung von Menschenkörpern). Überhaupt nimmt der Film aus filmhistorischer Perspektive eine Schlüsselposition im oft genug aus unverständlichen Gründen übergegangenen Zusammenhang des italienischen Kommerzkinos ein: In Suspiria erfährt der vor allem an Schauerästhetik orientierte Italohorrorfilm, wie er durch Bavas Maschera del Demonio als Filmzusammenhang mitkonstituiert wurde, seine Apotheose und wendet sich zugleich final jener leicht surrealen Entrücktheit zu, welche die hiesige, zumeist konfessionell angehauchte Filmkritik immer etwas zu voreilig als mangelnde, narrative Kohärenz bemäkelt hatte. Indem sich der Film von einer gegenständlichen Wiedergabe einer Abfolge kausaler Kontingenzen geradewegs ablöst, erweist er sich nicht nur als anschlussfähig an die (zumal deutsche) literarische Schauerromantik des 19. Jahrhunderts, sondern weist auch schon die Richtung zu einem späteren, eher simulakralen Kinoentwurf.
Sicher, der Film ist in mancher Hinsicht drastisch. Ihm dies vorzuwerfen, hieße aber, ihm sein Genre vorzuwerfen: Der Horrorfilm im Allgemeinen handelt nun einmal von einem ganz grundlegenden Aspekt des menschlichen Daseins und menschlicher Wahrnehmung und Empfindung: Von der Angst, und zumal von ihren irrationaleren Ausformungen. Dies macht beileibe noch nicht jeden Horrorfilm automatisch zu einem guten; indem Suspiria aber eben nicht bis in die letzte Instanz rationalisiert, sondern eher vage Zustände und Verfassungen sucht, bekommt er gerade die Angst als Irrationales zu fassen. Und es weist sich in diesem Falle - und deshalb empfehle ich die Sichtung als Nachvollzug eines Beispielfalls aus der Kulturgeschichte hiesiger Zensurpraxis - , dass Drastik alleine keinen Unterschlagungsgrund darstellt, solange ihre ästhetische Einbettung in die integrale Gestalt des Films als ihr Kontext nicht einmal im Ansatz berücksichtigt wird.
Im übrigen denke ich, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährende Medien abgeschafft werden sollte.
The Electronic Literature Organization today released the Electronic Literature Collection, Volume One. The Collection, edited by N. Katherine Hayles, Nick Montfort, Scott Rettberg, and Stephanie Strickland, is an anthology of 60 eclectic works of electronic literature, published simultaneously on CD-ROM and on the web at collection.eliterature.org. Another compelling aspect of the project is that it is being published by the Electronic Literature Organization under a Creative Commons License (Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.5), so readers are free to copy and share any of the works included, or for instance to install the collection on every computer in a school’s computer lab, without paying any licensing fees. The Collection will be free for individuals.[q]
The 60 works included in the Electronic Literature Collection present a broad overview of the field of electronic literature, including selected works in new media forms such as hypertext fiction, kinetic poetry, generative and combinatory forms, network writing, codework, 3D, and narrative animations. Contributors include authors and artists from the USA, Canada, UK, France, Germany, and Australia. Each work is framed with brief editorial and author descriptions, and tagged with descriptive keywords. The CD-ROM of the Collection runs on both Macintosh and Windows platforms and is published in a case appropriate for library processing, marking, and distribution. Free copies of the CD-ROM can be requested from The Electronic Literature Organization.
Ich habe da jetzt nur ein bisschen quergeklickt und geschaut; aber es schaut zum mindesten sehr interessant aus. Ich bin jedenfalls gespannt, was sich da tun wird. Plötzlich, so scheint es, ist Rom, Blicke wieder ganz aktuell (vom Konzept her, meine ich jetzt, die eine oder andere Platitüde, na gewiss, geschenkt).
Und ich hoffe ja, dass Bibliotheken von dem CD-ROM-Angebot eifrig Gebrauch machen werden.
[via]

Frisch
Releaseinfo ~ archive.org
der kühlschrank brennt
geteiltes sein
snakes reachin' the ballroom
who are you to put me under water
rauschen
oder komplett im Flashplayer.
Siehe hier: http://www.ezaf.org/Borat.pdf
Schade, dass sich so eine wichtige Einrichtung durch so eine Aktion ausweisen zu müssen meint und damit Gefahr läuft, die eigene Arbeit in Misskredit zu bringen; dass es in dem Film ebenso wenig um eine Affirmation des Antisemitismus, wie des Antiziganismus geht, dass es in ihm eben gerade nicht darum geht, Sexismus und Homophobie zu zelebrieren und zu bejahen, lässt sich ohne weiteres an ihm feststellen. Ganz im Gegenteil tritt die erschreckende Naivität hinter solchen Konstruktionen ebenso zutage, wie deren historische Kulturalität. Natürlich strapaziert der Film solche Modelle, bis sich die Balken biegen; gerade darin entlarvt er die tief in ihnen versteckte Barbarei und deren von Grund auf neurotischen, an jeder Evidenz mangelnden Charakter. Es ist ja eben kein Zufall, dass Borat eben nicht in Kasachstan spielt und dort einfach nur barbarische Klischees willkürlich aneinanderreiht (das wäre an Langeweile und Dummheit ja auch kaum mehr zu überbieten); im Gegenteil nämlich, im vollen Bewusstsein um die Wirkung werden hier kulturelle Entwürfe, die sich verbal zwar gerade noch "Guten Tag" sagen können, unter dieser Oberfläche aber schon schreiende Dissonanzen hervorbringen, direkt aneinandergerieben, um ein Spannverhältnis herzustellen, in dem Affirmation schlechterdings schon mangels sicherer Beobachtungswarte nicht möglich ist. Borat macht in der Konfrontation überhaupt erst sichtbar, was an Ätzendem noch hinter Fassaden schlummert. [wiederum falsch aber finde ich die Beobachtungen, die heute in der "Berliner Zeitung" geschrieben stehen und in eine ähnliche Richtung zielen, und dies nicht nur, weil die Wiedergaben der Szenen zum Teil stark verzerrt sind; was hier, auf Seiten der us-amerikanisch "Bloßgestellten", als Affirmation von Barbarei gedeutet wird, ist dies eben gerade nicht, sondern Ausdruck tiefster Irritiertheit, was erst deutlich wird, wenn man das im Film sieht und eben nicht auf verfälschende Wiedergaben zurückgreifen muss; "Borat" ist eben, und Gott sei's gedankt, kein Michael Moore]
Freilich, wer nur geschichtsverbissene Moralität sucht, deshalb über den einzelnen Begriff nicht mehr hinauskommt und ästhetische Verortung und Position im Diskursfeld nicht mehr in den Blick bekommt, mag zum typischen Kurzschlussreflex neigen, der sich immer wieder in der Kulturgeschichte der politischen Bewegtheit nachweisen lässt: Zum Angriff nämlich auf die symbolische Ordnung, in die der politische Kampf verschoben wird, und darin zumeist auch schlechterdings ausgerechnet auf jene Schnittstellen, die gerade irritieren und Krisen auslösen, in denen es um soviel besser wäre, sich zu verorten und zu intervenieren, als die blanke Konfrontationsstellung zu suchen. Das Modell dahinter ist strukturell ur-christliche Schlichtheit: Das Wort wird Fleisch und lebt, seiner allerersten begrifflichen Natur nach. Das Begriffe aber Operatoren ausgesetzt sind, dass es Bedeutungsebenen gibt, ästhetisch-begriffliche Schaltkreise, einrückende Verfahen und Gänsefüßchen, dass eben ein Begriff nie nur an und für sich /ist/, dies will solche Methode kaum wahrhaben.
Solche Schlichtheit jedenfalls, die von Grund auf ein Bild vom Menschen als höchst dummes Wesen in sich trägt, ist es, die mir weit mehr Angst macht, als der Scherz mit dem Entsetzen, der in Borat Signifikantenketten aufsprengt und einen dabei - ich denke an jene Szene mit den White-Trash-Proleten im Van - Nase und Gebiss voran auf eine blanke Realität des Barbarischen stößen lässt, die - im ganzen Kinosaal - das Lachen angesichts solcher Evidenz verstummen ließ. Zumindest in dieser einen Hinsicht (doch beileibe nicht in jeder) immerhin ähnelt die Figur Borat strukturell einer anderen aus der Filmgeschichte, die durch dynamische Brutalitäten jenseits eigener Interventionsmöglichkeiten taumelt, die grotesk über-affirmierend durch Konventionen und die Physik stolpert und beides dadurch überhaupt erst in den Blick geraten lässt, Chaplin nämlich.
Zwar habe ich mit dem Oberbegriff "Art Metal" meine ganz persönlichen Probleme - weil die gemeinte Sparte sich eben aus der Hardcore-Szene abgekoppelt hat und mich Assoziationen, die sich mir bei einer Verknüpfung von "Kunst" und "Metal" einstellen, eher schaudern lassen -, aber es kommt eben letzten Endes auf die Musik an, die in diesem Falle sehr hervorragend ist. Zumal auch deshalb, da Isis gerade wieder ein ganz herausragendes, episch-ozeanisches Album vorgelegt hat, das nicht nur auf den Herbst einstimmt, sondern auch ganz konkreter Anlass für die thematische Ausrichtung der aktuellen Sendung gewesen ist. Zwei Stunden für lange Abende - listen closely:
Hörbar Abstrakt #53
»Der Chaos Computer Club unterstützt die Online-Petition beim Deutschen Bundestag zur Abschaffung von Wahlcomputern in Deutschland. Hierin wird die ersatzlose Streichung des § 35 Bundeswahlgesetz (Stimmabgabe mit Wählgeräten) gefordert.«Meldung ~ Petition ~ Radiosendung

[verlagsinfo]
Großes Vergnügen zuletzt: Die Schwarze Messe, Nicht-so-sehr-aber-doch-schon-auch-Kriminalroman von Charles Willeford. Komik (eine sehr groteske Form davon zumindest) und Schrecken liegen hier in einer Weise dicht beisammen, die an Grundfesten des Miteinanders rüttelt; und die Figur ist ein Man who wasnt' there, der schon alleine deshalb nicht da ist, weil es ihn gar nicht zu geben scheint, so sehr ist er Loch, in das alles reinfällt und das als solche dennoch adressierbare Stelle das größte Unheil heraufbeschwört. Er ist nicht so sehr amoralisch im eigentlichen Sinne, da er kaum nutz- oder zielgerichtet handelt; vielmehr steht er neben sich und schaut und berichtet und wir stehen eine weitere Nuance noch daneben und die Umstände ergeben sich, weil er sich ihnen ergibt und rückblickend das beste draus macht, weil er grundsätzliche Verpflichtungen, die sich aus Sozietät ergeben, scheint's, schlicht nicht kennt. In seinen besten Momenten kann man sich das fiese Grinsen, auch das Loslachen kaum verkneifen; schon alleine weil der lakonische Zynismus (wobei, ob Zynismus da wirklich das beste Wort ist?), der dem Buch zu Grunde liegt, nicht so sehr auf erster Ebene ausformuliert wird, sondern ganz im Hintergrund bleibt, durch den Text hindurch scheint, als Geste des Schriftstellers, der grundsätzlich mit dem Ich-Erzähler nicht zu verwechseln ist.
Ich könnte wohl noch manches, und bessere Literaturkenner als ich sicherlich noch weit mehr, über diesen Roman schreiben, der nun, 1958 erstmals erschienen, seit kurzem auch in deutscher Übersetzung vorliegt, was der ohnehin verdienstreichen Reihe "Pulp Master" kaum genug zu danken ist. Im schönen und unbedingt lesenswerten Nachwort von Ekkehard Knörer steht indes alles, was man wohl sagen könnte, schon geschrieben; und selbstverständlich hat er Recht - auch wenn manche das nicht wahrhaben wollen -, wenn er das Buch schlußendlich zu einem der großen des 20. Jahrhunderts erklärt.
Tun Sie sich einen Gefallen und lassen Sie mal von den ganzen großen und etablierten Namen des Literaturbetriebs für den Winter ein wenig ab. Geben Sie einem kleinen, höchst ambitionierten Verlag eine Chance, der in schöner Regelmäßigkeit Großartiges leistet, und vor allem Charles Willeford, von dem ich jetzt unbedingt mehr lesen muss. Auch der ebenfalls immer empfehlenswerte Alexander Verlag hat hier in letzter Zeit einige Veröffentlichungen angestrengt.
related:
mord und ratschlag ~ crime-corner.de ~ wikipedia
alligatorpapiere ~ @del.icio.us ~ @furl
[ach, und überhaupt Dath, wie toll das ist, wie und was er schreibt, wenn er dabei ganz bei sich ist und sich nicht an einem Popanz abarbeitet, wie leider viel zu oft]
Auf YouTube gibt es außerdem einen eigenen SubCin-Channel, der neben dem GreyLodge-Channel natürlich unbedingt abonnierenswert ist.
Weitere elf Hörspiele finden sich in der Sektion "Premiere im Netz", die ebenfalls gestreamt und runtergeladen werden können.
Insgesamt eine schöne Sache, die sich hoffentlich bald institutionalisiert und die vor allem auch Möglichkeiten aufweist, wie die öffentlich-rechtlichen Anstalten sich in Zukunft im Web präsentieren könnten. Da die PC-Gebühren wohl im kommenden Jahr endgültig kommen werden (was ich grundsätzlich nicht falsch finde, wie ich überhaupt ein großer Freund der Idee eines gebührenfinanzierten Rundfunks bin, nur ist die Umsetzung eben horrend und im Hinblick auf soziale Reserviertheiten gegenüber der GEZ wenig feinfühlend), sollten diese Mehreinnahmen genau für solche Projekte und Archive genutzt werden; zu hoffen bleibt, dass dann auch diese unsinnige 0,75%-Klausel fällt, die das Online-Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in lächerlicher Weise überreguliert und beschneidet.
[via]
Seltsam genug ist das ganze jedenfalls schon; auf eine erste Sichtung bin ich schon gespannt. Schon das still, mit dem die Times ihren Artikel illustriert, ist auf sehr seltsame Weise irritierend:

»Poet, playright, theatre director, filmmaker, essayist, agitator and lover of all things anarchistic, chaotic, and truthful, Terayama Shuji (1936-1983) is one of Japan's most revered and respected artists. In the heady and extremist Japanese art scene of the late '70s, Terayama created a number of unforgettable and highly controversial films. EMPEROR TOMATO KETCHUP is his epic, sexually revolutionary and hallucinatory work from 1972 in which "magical women act as the initiatory, yet protectively maternal sexual partners to children. The children, in revolt, have condemned their parents to death for depriving them of self-expression and sexual freedom; they create a society in which fairies and sex education are equally important and literally combinable.«» Terayama Shuji - Experimental Image World.
- Amos Vogel, Film as a Subversive Art
Auf YouTube finden sich einige Beiträge von Terayama. U.a. ein Schnipsel aus einem Experimentalfilm:
Der Trailer zu Pastoral: To Die in the Country (1974):
Der Trailer zu Throw Away your Books, Rally in the Street (1971):
[Es gibt im übrigen auch die Möglichkeit eines "Online-Abos", das ich schon eine ganze Weile habe: monatlich 5 Euro quasi als freiwillige Entrichtung für's Onlinelesen]
