Ganz am Rande aber gibt es alljährlich eine Kategorie, die mir schon sehr am Herzen liegt: Die des animierten Kurzfilms. Wie überhaupt Animations- und Kurzfilm schon je für sich genommen eigentlich was ganz, ganz tolles sind, was man unbedingt häufiger sehen, drüber schreiben müsste.
Dieses Jahr gibt es Neues von Scrat, diesem Hörnchen mit dem Nüsschen aus Ice Age, das in den Trailern zu den Filmen der Reihe schon immer besonders viel Freude macht. Da die Eiszeit naturgemäß ein limitiertes Szenario für Verwicklungen rund um Nüsse bietet, haben sich die Macher diesmal einen kleinen Kniff einfallen lassen: Scrat jagt der Nuss quer durch alle Zeiten hinterher - und hoppt dabei von einem Großereignis der Geschichte zum nächsten, vorwärts, rückwärts, kein Problem.
Da wird man vor einem Film wieder zum Kind, wenn man das sieht. Ist ja auch gut so. Hier kann man sich das ansehen.
Über Angela Schanelecs Marseille bin ich mir noch im Unklaren. Teilt man den Film in drei Teile, dann haben wir Marselle, dann Berlin, und schließlich nochmals, wenn auch viel kürzer, Marseille. Teil zwei und drei beginnen mit einer fast schockartigen Montage, die gerade nicht verbindet, sondern Lücken aufklaffen lässt, die schlagartig ins Bewusstein gerückt werden. Überhaupt, es fehlt in Marseille weit mehr, als da ist (in dieser Geste, würde ich jetzt schnell sagen, ist wohl auch sein filmpolitisches Projekt zu verstehen; wenn in klassischeren Konzeptionen von Film eine Welt überhaupt erst durch das Kameraauge etabliert und strukturier wird, geht hier gerade Welt durch Kamerazuschnitt verloren, weil die Kamera /inmitten/ des Vorgefundenen, und nicht durch sie Etablierten steht). Wenn Sophie, die Figur, um die es in der Hauptsache geht, im ersten Drittel durch Marseille schlendert, eine ihr fremde Stadt, in die sie aus Berlin gefahren ist, aus Gründen, die nie /ganz/ ersichtlich werden, und sie dabei die Umgebung ja fast schon ertastet (mit den Augen, mit dem Fotoapparat), dann sehen wir zwar /sie/, aber nicht, /was/ sie sieht. Auffällig häufig, fast immer eigentlich, blickt sie, deutlich zwar beobachtend, aber auch merkwürdig indifferent, in das Off des Bildes, das für uns im Unklaren bleibt. Sie macht Fotos, an einer Stelle wird es ihr untersagt (warum, bleibt ein Geheimnis). Dass wir das nicht sehen, was sie sieht, wird in einem Moment zugespitzt, wenn das Filmbild eine belebte Kreuzung zeigt. Mitten auf dieser Kreuzung: Eine Art Verkehrsinsel, auf der Sophie steht. Gerade so lässt sich auf diese Distanz noch erkennen, dass sie den Fotoapparat hebt - und in unsere Richtung fotografiert. Was ist da, hinter unserem Rücken? Eine Straße vermutlich. Später sagt sie das auch, danach gefragt, was sie fotografiere: Straßen. Straßen, deren Präsenz vor allem durch die Tonspur vermittelt wird, deren Relevanz für den ästhetischen Eindruck in diesem Falle der des Bildes mindestens ebenbürtig ist. Die Tonspur nimmt alles auf, was im Off nicht zu sehen ist, der Ton ist immer und völlig präsent, seinem Gegenstand gegenüber, scheinbar, indifferent. Er bildet einen Mantel, einen Kokon, der die äußere Welt fast schon taktil abtastbar erscheinen lässt. Zugleich ein Rauschen, das einbettet und Distanzen aufbaut: Schockartig fällt dann die deutsche Sprache in den Film, nach etwa einer Dreiviertelstunde. Plötzlich ist alles anders. Auch Sophie klingt, als träte sie in diesem Film überhaupt erst hier zum ersten Male auf. Aber ich bin mir noch, wie gesagt, im Unklaren. Das erste Drittel ist famos, nichts weniger. Das letzte Drittel - seine Dauer fällt knapp aus - steht dem in nichts nach. Die Sequenz in Berlin aber, der Mittelteil, fällt zäh aus. Dies ist gewollt, ganz sicher. Sophies persönliches Eingebettet-Sein - die Quasi-Syntax ihres sozialen Gefüges -, der Filz an Menschen und Problemen, aus dem sie stammt, der in Marseille abwesend in Permanenz war, wo sie durch eine Welt ging, in deren Mitte sie zwar stand (daher auch die radikale Auflösung der Einstellungen und der Ton: Mitten drin, doch nicht dabei), zu sehr sie aber doch nicht zählt, diese Ummantelung also aus Beziehungen und Alltag zieht den Drang zur Flucht ganz automatisch nach sich (gut: Keine Romantik, kein Pathos, alles bleibt in der Schwebe, zwischen zwei Bildern liegt hier die Welt). Trotzdem gerinnt der Film an diesen Stellen für meine Begriffe über das rein Funktionale solcher Spröde hinaus; Bürgersöhne und -töchter sprechen Bürgersätze ins Leere hinein. Die eine sagt, man bräuchte einen Landarzt, der immer um einen herum ist, der einen kennt; zu überdeutlich wird hier auf die Zerschlagenheit der Beziehungen angespielt, eine Nuance zu stark tritt hier die Tradition des deutschen Kunstfilms auf.
Hingegen, was mit der Kamera geschieht - oder was hier nicht geschieht - ist bei aller Strenge großartig: Ihre Statik ist nicht kalkuliertes Aushängeschild, jeder Einsatz der Formmittel und -technik Ergebnis einer konzentrierten Reflexion. Man sieht das selten so, selten waren unbewegte Einstellungen über Minuten hinweg spannender, weil man immer mit dem Umschnitt rechnet, der dann doch nicht kommt, und jeder Umschnitt, der dann doch kommt, schlagartig Bedeutung generiert.
Doch wie gesagt, der Ton ist es, der diesen Film für mich am spannendsten macht. Man könnte die Augen schließen - und hätte ein fieldrecording, mit aller Sinnlichkeit, die diese akustische Strategie auszeichnet. Was ich mir gewünscht hätte: Kein Berlin dazwischen, ein Mehr der fremden Frau in einer fremden Stadt, nicht unbedingt die Katastrophe am Ende des Films (die aber, natürlich, an diese Stelle passt), zwei Stunden erleben, wie eine neue Umgebung ertastet wird, die Spannung jeder Geste, jedes Moments, im Widerstreit zwischen Zeigen und Nicht-Zeigen-Wollen. Dieser andere Film, der als Potenzial in Marseille liegt, wird hoffentlich noch zu sehen sein.
weiterführende links:
» imdb ~ filmz.de
» movie blog search engine ~ movie magazine search engine
» marseille-notizen der regisseurin
zur erhältlichkeit:
Der Film ist im Rahmen der Revolver Edition der Filmzeitschrift Revolver beim Label Filmgalerie 451 als schlicht konzipierte DVD erschienen. In Berlin ist sie bei den üblichen Anlaufstellen - Videodrom, Filmkunst und in einigen weiteren Videotheken - für einen geringen Preis zu entleihen. In Ausgabe 13 der Zeitschrift findet sich ein ausführliches Interview mit der Regisseurin, das als Quasi-Bonus zur Veröffentlichung zu verstehen ist.
Man kann diesen online lesen (derzeit mit Zwischenschaltung, weil die Jungle World noch immer Abonnenten braucht, ganz unten kann man aber weiter klicken und kommt an der richtigen Stelle raus, auch wenn man ein Abo schon ins Auge fassen sollte!) und er befasst sich mit einem der schönsten Filme der letzten Jahre, die aus den USA zu uns gekommen sind, mit Punch-Drunk Love. Er schließt mit den schönen Sätzen: "Machen Sie sich eine Sternstunde. Gehen Sie ins Kino."
New Filmkritik zitiert Nettelbecks Selbstauskunft aus den 60er Jahren.
Zu häufig haben sie ihre Leser in die falschen Filme geschickt, zu narzisstisch haben sie das Bild ihrer cineastischen Kompetenz gezeichnet und dabei ihre zentrale Aufgabe vergessen, nämlich Entscheidungshilfen für potenzielle Zuschauer zu bieten. Statt sich in den Dienst der Filme zu stellen, haben sie umgekehrt diese für ihre Selbstdarstellung in Dienst genommen. Der heutige Kritiker schreibt am liebsten über sich selbst, der Film ist da nur beiläufiger Anlass.
könnte ich, ums mal gänzlich unnarzisstisch in meinem Mutterdialekt auszudrücken, "glatt die Wänd' naufgeh'".
Mit Verlaub, was für ein Riesenquatsch. Wer so schreibt, schreibt nicht über Filmkritik, sondern über outgesourcte PR-Einsatzkommandos, die man, als Anbieter der Ware Film, obendrein noch nicht einmal auf die Gehaltsliste setzen muss. Dass der Zustand hiesiger Filmkritik, zumindest in ihren bezahltesten Ausläufern, von innen her zur Morschheit neigt, ist dabei gänzlich unbestritten, was allerdings eher am zweifelhaften Gebaren von Ressortleitern liegt, die Hinz und Kunz in Pressevorführungen schicken und wenn sie noch so wenig Ahnung von Film haben. Dass diese Schreiberlinge - mehr sind sie ja wirklich nicht - noch obendrein die Haltung des Finanz- und Konsumberaters, die auch Rohrbach sich erwünscht, schon auf eine dermaßen erschreckende Weise in ihre "Schreibe" internalisiert haben, dass sie Film nurmehr auf Grund von Parametern wie "Spannung", "gute Schauspieler" und "witzig" beurteilen können und dabei noch den einen oder anderen rhetorischen Flachwitz einbauen, garniert mit ein bisschen Wichtigkeits-Kreolen (eine allerdings übliche Krankheit unter Journalisten), ist dabei schon längst alltäglich geworden; Film, so lautet der Tenor, ist eben gefühlig, ein Instant-Erfrischungsgetränk, mit oberflächlicher Abtastung zu meistern, bitte schön.
Schlicht und ergreifend gelogen - dreist gelogen! - ist die Behauptung, Filmkritik sei dazu da, dem Leser eine Entscheidungshilfe zu bieten, was er bitte sehen solle/wolle. Als ob ein Durchschnitts-Kinogänger, und gerade und besonders auch aus jenem leicht an-intellektualisiertem Spektrum, das sich Rohrbach wünscht, nicht von alleine wissen würde was a) ihn interessiert und b) ihn ansprechen wird. Ich wage zu behaupten, dass ein solcher Mensch, der sich einigermaßen um seinen Kinogenuss kümmert, in der Lage ist, schon angesichts eines Trailers eine Entscheidung zu treffen, ob ihm ein Film als Abendinvestition taugen könnte oder nicht. Wer anders argumentiert, behauptet, dass seine Mitmenschen obrigkeitshörige Deppen ohne eigenen Erfahrungs- und Ermessensraum sind.
Filmkritik ist keine Investitionsberatung. Das ist nicht ihre Funktion. Filmkritik kann vieles sein. Zuallererst eine Dokumentation von Erfahrung. Dann Speicher für Beobachtungen, Festhalten von Eindrücken und Auffälligkeiten. Nicht zuletzt wird der einzelne Film mit seinen ephemeren Qualitäten verankert in einem Netz aus Bedeutungen, Ansichten, Geschichten, Traditionen. Filmkritik ist Reden über einen Film - mit dem Vorteil einer dokumentierenden Speicherung der Auseinandersetzung. Sie dient nicht zuletzt der Nachwelt dazu, zu erfahren, was über Film und Filme gedacht wurde, wie sie gesehen wurden, wie sie in der Kultur widerhallten. Wer einen Film aus längst vergangenen Jahrzehnten sieht, wird sein besonderes Auftreten in der Semantik seines eigenen Hier und Jetzt erst wirklich /dann/ verstanden haben, wenn er zu Rate zieht, was über den Film - seinerzeit - gedacht/geredet/geschrieben wurde. Gute Filmkritik vermag einen Film in einer Weise zusätzlich aufzuschließen, dass andere Sichtweisen kommunizier- und teilbar werden (am liebsten lese ich deshalb Filmkritiken, die mir nicht nach meinem Gusto schreiben - sondern die mich in einer Weise konfronieren, die mich reicher werden lässt).
Filmkritik sollte auch niemals "sich in den Dienst der Filme" stellen, wie Rohrbach sich das hier flauschig zurecht imaginiert. Wir haben das schon zur Genüge in der Berichterstattung über "den deutschen Film", bei dem es als Indiz für Supidupi-Neo-Geilheit schon ausreicht, wenn er zahlenmäßig signifikant im landeseigenen A-Festival vertreten ist. Nein, "nicht im Dienst der Filme" steht die Filmkritik, sonst hieße sie ja PR-Agentur MediaCool oder so; sie steht, wenn nicht im Dienst der eigenen Erfahrung, so doch im Dienst der Sache des Films als solchem, Cinephilie heißt nicht "Filme gut finden", sondern Film. Dies schließt ein, dass man ihn überall da verteidigt, wo mit ihm Schindluder getrieben wird; dies heißt nicht unbedingt, dass man in altes und gänzlich ahistorisches Blockwartdenken (hier der böse US-Hochpreis-Film, da das gute Mümmel-Kino mit cineastischem Bonusstempelchen) verfällt.
Rohrbach spricht von "cineastischer Kompetenz", denen die Filmkritiker allzu oft verfallen seien. Dabei ist es ja überhaupt erst diese, die sein Schreiben und seine Wortmeldung überhaupt erst legitimiert und also die unabdingbare Grundlage seiner Arbeit bildet. Nicht ein /zuviel/ an "cineastischer Kompetenz" ist das Problem, sondern ganz klar ein /zuwenig/ derselben: Lieblos runtergeschusterte Texte ohne cinephilen Resonanzraum, die sich genauso gut auf ein "war gut" / "war nich so gut" reduzieren lassen könnten, Texte also, deren Lektüre kein Stück weit lohnt, weil es völlig gleichgültig ist, was da steht, weil sie keine Basis haben und also genauso gut das Gegenteil da stehen könnte (irgendeinen, dem der Film eben "nich so gut" gefallen hat, findet man schließlich immer). Wenn sich Filmkritik auf "cineastische Kompetenz" als Grundlage ihrer Arbeit final verabschieden würde, dann könnte man sie auch gleich vollkommen abschaffen. Dann setzt man sich einfach Freiwillige aus der Bevölkerung vorab in ein Kino, die halt ganz gerne mal 'nen Film schauen, und am Ende darf jeder auf ein elektronisches Abstimmgerät drücken:
- Super Film!
- Guter Film!
- Ging so, die Effekte hätten besser sein können!
- Hab mich gelangweilt
- Zu wenig Titten
- Scheißfilm
Das Ende wird dann allgemein kommuniziert. "76% der repräsentativen Zuschauer fanden diesen Film gelungen. 89% der Zuschauer, die diesen Film gelungen fanden, fanden auch die Filme X, Y und Z besonders gut. Auf Grundlage dieses Ergebnisses können Sie nun selbst entscheiden, ob Sie Ihre 3 Euro fuffzich am Kinotag in diesen Film für Ihre gediegene Unterhaltung investieren wollen!"
Film wird auf diese Weise zum BigMac, auf den sich alle einigen können. Schnell gefressen, schnell geschissen. Für das leicht an-intellektualisierte Kulturbürgertum gibt's dann noch etwas Distinktionskolorit, das sich ebenfalls so irgendwie berechnen lässt, muss man halt die Parameter abändern. Ist auch okay so, wenn das so gehandhabt wird - im Supermarkt weiß ich auch lieber vorab, was für Futter mich im Anschluss erwartet -, nur hat diese Domäne eben rein gar nichts mit Filmkritik zu tun. Wer fordert, dass Filmkritik in dieser Funktion tätig sein soll, der führt ein diebisches Projekt im Schilde: Er fordert, dass sich Filmkritik auf eine Weise verhalten soll, die ihre eigene Legitimität und Grundlage schrittweise abbaut, damit sie später nur umso leichter weggewischt werden kann.
Im übrigen gibt es ein ganz einfaches Mittel, sich nölige Kritiken vom Leibe zu halten. Gute Filme drehen.
»Ohne Fördergremien wie den Rotterdamer Hubert Bals Fund oder den Berliner World Cinema Fund könnten Autorenfilmer aus Thailand, Paraguay oder Kasachstan heute kaum mehr arbeiten. Aber welche Art von Film wird da gefördert? Und was bedeutet das für den Aufbau einer Filmindustrie im jeweiligen Land?«
Unter dem Titel Das Weltkino und die Eventkultur schreibt Simon Rothöhler (u.a. new filmkritik) heute in der taz vor dem Hintergrund der neuesten Arbeit des Thailänders Apichatpong Weerasethakul konzentriert, informiert und präzise über die vielfältigen und heiklen Beziehungen zwischen dem filmökonomischen und -politischen Zentrum des hiesigen Festival- und Förderwesens und dem an sich peripheren 'Weltkino' mit geförderter Repräsentationsfunktion.
Ich versteh' zwar kein Wort. Bzw. keinen Satz, das eine oder andere Wort kennt man ja doch so irgendwie. Klingt aber super. Als würden die rückwärts sprechen. Das Hörspiel, das ich gerade höre, hat was mit "G'schbenn'stRR" zu tun, glaube ich; ist also Grusel.
Schon eine eigene Sprache, das, ganz klar. Was ich immer wieder interessant finde, ist ja, dass das schriftsprachlich ja mehr oder weniger hochdeutsch ist; was dann aber, für meine Ohren jedenfalls, immer so vollkommen anders klingt - bis hin zum Moment, dass ich, beim bloßen Hören, die Waffen strecke.
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Und zugleich der alte Traum, dass die Apparate ein "Mehr" entbergen könnten, das dem blanken Auge in Permanenz entgeht, und sei es Bewegung und Zeit als in sich unendlich gewundene Statik.
Ich bin ja mal gespannt, wie das so wird. So recht sinnvoll fand ich das filmportal.de bislang nämlich nicht, von gelegentlich dort entdeckten Dokumenten aus der Filmpublizistik (ältere, online ansonsten nicht abrufbare Texte, Reportagen und Essays aus diversen Filmzeitschriften) mal abgesehen. Schöner fände ich es überhaupt, wenn das Filmportal diese Stärke des Netzes - den schnellen Transport von Schriftgütern - betonen würde als sich als (vermutlich ohnehin nur mäßig interessanten) Konkurrent von archive.org, VideoGoogle und YouTube mit etwas kommerzieller Starthilfe für den deutschen Gegenwartsfilm zu gerieren. Aber mal schauen, vielleicht wird's ja doch prima.
Nachtrag: Ui, wie ich jetzt erst sehe, werden die Clips aus den Filmen - bislang beschränkt sich die Auswahl auf eine von Kinowelt/Arthaus besorgte Vorauswahl aus dem eigenen DVD-Repertoire - in der Tat via VideoGoogle eingebunden. Von dort aus könnten die Dateien dann auch als Videos in beispielsweise Weblogs eingebunden werden (zumindest ist der hierfür nötige Code auf VideoGoogle nicht von der uploadenden Instanz gesperrt worden - ein Versäumnis?). Dasselbe gilt für die Trailer. Das ebenfalls nun via filmportal.de abrufbare Kinomagazin der "Deutschen Welle" indes wird leider Gottes nur über das schrottige RealVideo-Format zur Verfügung gestellt - schade.
(Meine (schon ein paar Jahre alte) Rezension des Filmes hier.)
Haaresbreite, dachte ich. Noch nicht einmal, wenn man den kosmologischen Rahmen sieht. Haaresbreite wäre ja ein anderer Planet oder sowas. Da war ich dann schon wach, als ich das dachte, und blickte hoch an die Decke über mir, wie in solchen Filmen. Man stelle sich das vor, dachte ich, wäre das Ding da auf seiner langen Bahn auch nur irgendwann einmal für den minimalsten Bruchteil einer Sekunde einen Hauch zu stark in die Nähe eines Gravitationsfeldes geraten, dann wäre es womöglich auf uns niedergegangen; und wenn es, diese Annäherung zuviel, vor Milliarden Jahren geschehen wäre.
Am Nachmittag, der zu dem Zeitpunkt längst angebrochen war, noch überlegt, ob darüber nun wahnsinnig zu werden oder ein Roman darüber zu schreiben sei. Für letzteres entschieden, auch wenn das Quatsch ist, juvenil natürlich, dann aber Kaffee getrunken und mich überlebend gefühlt, erneut an Tunguska gedacht und dass Menschen, die an Horoskope glauben, die ersten sind, denen die unendliche Eitelkeit der Menschheit vorzuwerfen ist.

Wer an diesem und am nächsten Wochenende in München weilt, sollte sich ein paar herzallerliebste Kinotermine vormerken: Das nette, kleine - und weit über die Grenzen der Stadt hinaus berühmte - Werkstattkino zeigt dann einige Superverbrecher und Gleichgesinnte von der produktionsökonomischen Peripherie aus den 60er Jahren: Zum einen den ganz wunderbar charmanten Diabolik von Mario Bava und dann auch noch das türkische Pendant Kilink, der sich auf den Cat Suit noch ein Totenskelett gemalt hat.
Genaueres gibt der Wochenanzeiger her.
Besonders lesenswert ist die von Geoffrey Winthrop-Young und Nicholas Gane verfasste Einführung, die auf elf Seiten das ansonsten nur schwer zugängliche theoretische Werk Kittlers gelungen und nachvollziehbar umreißt. Winthrop-Young hat vor kurzem auch die im Junius Verlag erschienene Einführung in Kittlers Theoriewerk geschrieben, ist also ein ausgewiesener Kittler-Experte. Regelrecht faszinierend, zumindestens erhellend und in mancher Hinsicht auch bezeichnend, wenn nicht schon mehr als nur kontrovers, ist hingegen das ausführliche und konzentrierte Interview, das John Armitage 2003 mit Kittler in Berlin geführt hat - eine spannende, anregende, und oft genug konfliktstiftende Lektüre.
Von Kittler selbst wurden die beiden, allerdings ins Englische übersetzten, relativ jungen Aufsätze Farben und/oder Maschinen denken (in dem sein spezifischer Medien- und Technikmaterialismus quasi-programmatisch umrissen wird) und Zahl und Ziffer beigesteuert. Beide können als Updates, bzw. Ergänzungen zu seinen Aufsätzen in der meines Erachtens idealsten Einstiegspublikation Draculas Vermächtnis. Technische Schriften. betrachtet werden.
In weiteren Aufsätzen befassen sich schließlich Geoffrey Winthrop-Young (Kittler und Pink Floyd), Sybille Krämer (Time Axis Manipulation - Kittlers Medienkonzeption) und Claudia Breger (über seine derzeitige neo-helenische Phase) mit einzelnen Aspekten.
Ob es wohl ein bewusster Gegenpol ist? Der zweite Schwerpunkt der Ausgabe ist auf die feministische Kulturtheoretikerin Donna Haraway gelegt, mit deren Cyborg-Konzeptionen Kittler so einige Probleme hat, wie er immer wieder einstreut (und es sich auch implizit aus seinen Schriften ergibt).

Vier Hunde auf dem Asphalt. Maschinelles Lärmen aus dem Irgendwo. Plötzlich, unvermittelt von oben: Vier mechanische Arme einer, vermute ich, bizarren Maschine, mit der Straßen aufgerissen werden. Die Maschinenarme schlagen zu, heftig. Laut. Die Hunde rennen davon, jaulen. Ein starkes Bild, mit dem der Film beginnt, in ihm liegt eine Form von Archaik und Mythik, die durch das ganz reale, ästhetisch nicht überhöhte Bild gebrochen wird; dass man es nicht direkt versteht, ist wesentlicher Bestandteil seines Gelingens und darüber hinaus programmatisch für den sich diesem Bild anhängenden Film, in dem das Direkte und Beobachtete, das Gefüge der alltäglichen Realität bis zu einer diffusen Kenntlichkeit verfremdet wird. 4 ist der Debütfilm von Ilya Khrjanovsky, der ihn in Zusammenarbeit mit Vladimir Sorokin, einem Provokateur der russischen Gesellschaft, konzipiert hat, und allemal Erfahrung. In ihm überwuchern sich Bildertumore ins Groteske, zugleich ist er, vielleicht, einer der wichtigsten, wohl aussagekräftigsten, zumindest aber bemerkenswertesten Filme aus/über Russland der letzten Jahre.
Dreh- und Angelpunkt ist ein nächtliches Gespräch an einem Tresen einer Bar, in irgend einer größeren russischen Stadt. Drei finden sich ein, der vierte ist der Barkeeper, der im wesentlichen aber mit einnicken beschäftigt ist. Zwei Männer, eine Frau, sie vermutlich Prostituierte, jedenfalls wohl keine, die in Werbung macht, wie sie sagt, der eine vorgeblich in der Administration des russischen Präsidenten beschäftigt, in echt jedoch nur ein mafiöser Gammelfleischhändler, dessen kartografierte Businesswelt bald in sich zusammenbricht, wenn er erstmals von der Existenz kugelrunder Ferkel erfährt, der letzte schließlich Pianostimmer, der allerdings vorgibt, in ein weit in den Stalinismus zurückreichendes Klonprojekt jenseits administrativer Kenntnis von ganz oben verstrickt zu sein, und dabei sehr deutlich in den Raum stellt, dass die einst noch hinter dem Eisernen Vorhang gezüchteten "Doubles" längst schon massenhaft in der Gesellschaft angekommen seien. Die Ziffer 4, sagt jener letzter, sei schließlich diejenige, die mythologisch und kulturell am wenigsten aufgeladen sei: 1, 2, 3, 7 - undsoweiter - alle belegt, aufgeladen, mythologisiert. Die 4 hingegen ist die reine Funktionalität; vier Beine hat der Tisch - und vier Kanten, sagt man sich als Zuschauer, fast jedes Industrieprodukt.
Das Gespräch dauert lang, entzündet sich an Small Talk und ist streng funktional gefilmt. Es führt vom Tresenplausch direkt in die Zone, die schmerzt, in das Unterirdische jeder Gesellschaft, dorthin, wo man das Gespräch beendet, aufsteht und vondannen zieht. In dieser Form bildet es das Auge des Sturms, der sich in den ersten Filmbildern andeutet - und mit dem er - lange, schmerzvoll - enden wird. Weit draußen in der russischen Provinz, in einer Art Kolonie der alten Vetteln, die mit ihren ganz eigenen Psychosen zwischen Stützstrümpfen, gekautem Brot und verwelkten Titten das Leben zur Hölle umformen.
Provinz und Stadt, Straße und tiefste Keller (in denen Tierleichen seit den 60er Jahren gehortet werden - es hat hier 28 Grad unter Null, die kann man noch verkaufen!) - in einer Art Schuss-/Gegenschussverfahren (das ist durchaus wörtlich zu nehmen; wo man hier hinblickt: man will den Blick abwenden) faltet 4 eine eigenartige mentale Karte der gegenwärtigen russischen Gesellschaft auf, ohne dabei aber didaktisch, essayistisch oder gar analytisch vorzugehen; man muss ihm dies danken. Khrjanovsky/Sorokin verfolgen eine Strategie der Eskalation, die jedoch nie das bloße Bersten sucht (die Kamera weiß, was sie tut, immer), sondern, sozusagen, nach Methode einer kontrollierten Sprengung vorgeht.
Das Ergebnis ist das Paradox eines surreal flirrenden Realismus: Quasi-instinktiv /weiß/ man, dass dieser Film sich mit höchster Relevanz zum Zustand des gegenwärtig gärenden Russlands verhält, ohne dass man konkret benennen könnte, wie. Wenn, wie Brecht das richtig gesagt hat, die Fotografie einer Fabrik uns noch nichts über den Kapitalismus sagt, dann zieht 4 - weit abseits bloß abgefilmter Begebenheiten - mit geschliffenem Skalpell tief ins Gewebe einer Gesellschaft, die vor den Trümmern der eigenen Geschichte steht und sich deshalb in Permanenz transformiert. Das Umspannende einer derart disparaten Kultur, die sich vielleicht am ehesten mittels des schönen englischen Wortes vast ausdrücken lässt, versucht 4 in den Blick zu kriegen.
Speaking of Geschichte. Tarkowskij war vielleicht derjenige Regisseur, der einen Moment zumindest der russischen Mentalitätsgeschichte unter Umständen am prägnantesten ins Filmbild übersetzt hat. 4 ist übervoll mit zumindest ikonischen Anspielungen auf sein Werk: Vor allem Stalker und Solaris kommen einem immer wieder in den Sinn. Doch im Unterschied zu dem mexikanischen Regisseur Carlos Reygadas, der sich in Japón ganz offenkundig an die Tarkowskij'sche Ästhetik angeschmiegt hat, sucht 4 nicht die cinephile Liebkosung, sondern betont das Moment des Aufbrechens und der Inversion: Wenn der Gammelfleisch-Sohn nach Hause kommt, fällt der psychotische Hygiene-Vater auf die Knie und schmiegt sein Gesicht an des Sohnes Rumpf - eine ikonisch direkte Umkehrung des Schlussbildes aus Tarkowskijs Lem-Adaption. Und die Hunde rennen draußen vor den Türen über vor Nässe glitzernde Straßen, als wäre die Welt überflutet worden wie die Gemäuer in der Zone, während am nebligen Horizont über winterlich vermatschten Seepfützen die Türme der Atomkraftwerke in sich ruhen.
4 entlässt einen mit Rätseln, Andeutungen, nicht zu Ende gedachten Sackgassen und Ekel allenthalben. Er bietet kein hermeneutisch zu entschlüsselndes "Paket" an, vielmehr lässt er Gedanken fließen, ohne ins bloß delirierende Assoziieren zu verfallen. Eine Welt wird etablert, die ganz alltäglich ist und von der Kamera nie überhöht wird, und doch ist sie bizarr und jenseitig. Momente des Dokumentarischen, fast schon Ethnografischen, stehen neben offenkundig Fiktionalem. Doch alles ist aus einem Guss, folgt einer eigenständigen Syntax. 4 ist einer der spannendsten und vielleicht, was die Filmkunst betrifft, wichtigsten Filme der letzten Jahre.
weiterführende Links:
» imdb ~ offizielle website
» movie magazine search engine ~ movie blog search engine
» kinokultura.com ~ jump-cut.de ~ taz ~ senses of cinema ~ rouge
Zur Erhältlichkeit:
Der auf internationalen Festivals ausgezeichnete und von der internationalen Kritik gefeierte Film ist in Deutschland - wen sollte dies auch wundern - weder im Kino gelaufen, noch auf DVD erschienen. Eine englisch untertitelte DVD lässt sich mittels Eigenimport aus Großbritannien beziehen. In Berlin kann der Film in den Programmvideotheken Videodrom (Kreuzberg) und Filmkunst (Friedrichshain) entliehen werden.
Is' wohl klar, wem ich die Daumen drücke.

Das Netlabel Laridae begeht seinen Einstand ins Jahr 2007 auf ganz bezaubernde Weise: Seit kurzem steht dort das neue Album von Guy Andrews a.k.a iambic2 zum Download und Stream bereit - und es ist eine ganz wundervolle Zusammenstellung von zirpenden Klängen und warmen Pads geworden. Wenn Laridae u.a. Sigur Ros als Einflus nennt, liegt das Label damit nicht völlig falsch; ein bisschen Air schwirrt da ebenfalls drin rum, unter anderem jedenfalls. Und plötzlich träumt der Januar vom März.
01 regulus
02 touch the sky
03 enigma
04 sleepless night
05 aura
06 for you…
07 going home
08 now we’re mobile
09 situla
10 moment
11 rain drop
12 caelum
13 these lights
» m3u
» release
» archive.org
[via]
Lange Rede, kurzer Sinn: Im Zeitalter von VideoGoogle war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis Dünyayi Kurtaran Adam auch in dieser Umgebung abrufbereit sein würde. Eine gute Seele hat hier unlängst Abhilfe geschaffen und den Film, der sich selbst mit freudiger Nonchalance wider jedes Urheberrecht bei Star Wars und dergleichen bedient (wohlgemerkt: nicht motivisch, sondern durch herausgeschnittene und wiedereingefügte Szenen und Sequenzen!), in völler Länge bei Google hochgeladen. Da das türkische Genrekino kiloweise Filme solchen Formats und Zuschnitts hevorgebracht hat, deren Rechteinhaber vermutlich kaum mehr ermittelt werden können, darf man gespannt sein, ob es in naher Zukunft wohl noch weitere "Turkploitation"-Reißer auf VideoGoogle zu sehen geben wird. Im folgenden jedenfalls Dünyayi Kurtaran Adam, now for everyone to see und in völler Länge. Viel Spaß:
[direktlink]
[via]
Nachtrag:
Eine Website, die sich auf ganz hervorragende (und teils sehr erhellende) Weise mit dem Film beschäftigt, findet sich hier.
Apocalypse Oz ist eine CineClash-Produktion, was sich unter Umständen wirklich als die Langfilm-Nachfolge der digitalen Kunst des Trailer-MashUps fassen lässt. Ganz konkret heißt das, dass für den Film keine Zeile Dialog geschrieben wurde; dafür wurde der gesamte Film aus Dialogstellen der beiden Filme Apocalypse Now und The Wizard of Oz zusammengestellt. Was für eine fabulöse Idee!
Ob das Experiment gelingt, steht abzuwarten. Auf der Website kann man sich jedenfalls schon einen Trailer anschauen, der recht vielversprechend ist. Ich bin gespannt!

The Omen kam am 06.06.2006 ins Kino. Und man spürt es dem Film in jeder seiner lustlosen, uninspirierten Einstellungen ab, dass er genau für diesen Zweck inszeniert wurde: Um an diesem Tag ins Kino zu kommen. Damit reiht er sich in die Riege jener Filme ein, die über ihre Erstverwertung hinaus fast schon erschreckend an Belang verlieren; man erinnere sich an das Schwarzenegger-Vehikel End of Days, das den okkult bedingten Untergang der Welt anlässlich des Milleniumwechsels zum Thema hatte - und wenige Tage vor dem 31.12.1999 ins Kino kam. Ein Film also, der spätestens am 02.01.2000 so veraltet war wie höchstens noch Brötchen der Vorwoche. Hallo, Gimmickfilm.
Im vorliegenden Fall aber ein Gimmickfilm, der eben außer diesem einen Witz seine Weltpremiere betreffend so gut wie nichts zu bieten hat. Die Kamera steht irgendwo, sie wackelt immer ganz leicht, weil das vermutlich Authentizität suggerieren soll (als ob gerade ein okkulter Horrorthriller von der Authentizität seiner Bilder leben würde!) oder weil es zumindest modisch ist, und die Darsteller chargieren sich mehr schlecht als recht durch abrufbare "Gefühlsgesichter", die so nervig sind, dass man regelrecht froh darüber ist, wenn Frau Stiles endlich der Gravitation zum Opfer fällt und also aus Leben samt Film scheidet. Toll ausgeleuchtet ist zwar jede Falte in den Gesichtern. Nie war Schwärze so konsequent in sie hineingedrungen; allein, es ist egal. Weil dem Film das A und O des okkulten Horrorfilms nicht gelingen will: Das Etablieren von Atmosphäre, die sanfte bis bedrohliche Verschiebung des Raumgefühls - vom Alltag in den horriden Raum.
Dies alles entsteht im Horrorfilm gerade durch den Modus der Inszenierung; weil The Omen aber keine Ahnung hat, und rein gar nichts anderes will, als pünktlich ins Kino zu kommen, und keinen Moment lang noch nicht einmal den Hauch einer Ahnung einer womöglich vorhandenen Vision (selbst eine gescheiterte wäre ja noch interessant genug) entstehen lässt, ist The Omen - ganz im Gegensatz zur einstigen filmischen Vorlage - ja fast schon als Bravourstück der Klasse "langweiliger Film" anzusehen.
Einzig für den Aspekt des creative killing - hier war schon der ältere Film gewissermaßen ein Meilenstein - ließ man etwas Sorgfalt walten, so dass man zumindest gelegentlich aus dem Schlummerschlaf aufmerkt. Hübsch geraten ist beispielsweise die Abwandlung der legendären "Glasscheibenszene". Drei, vier Inseln ergeben sich auf diese Weise, in denen man den Eindruck gewinnt, dass Mühe aufgewandt wurde; im Großen und Ganzen betrachtet ganz schrecklich vergeudete allerdings.
» imdb ~ angelaufen.de ~ filmz.de
» movie magazine search engine ~ movie blog search engine
»Guillermo del Toro on fairy tales, fascists, and everybody's new favorite movie«
» Austin Chronicle.
Siehe auch hier. Videos? Go!
Auch was die alljährlich interessanteste Sektion des Festivals, das Internationale Forum des jungen Films betrifft, sind erste Regungen zu verzeichnen. Traditionell ist hier vor allem das Weltkino sehr stark vertreten, mit regelmäßigen Ausblicken ins japanische und indische Kommerz-/Genrekino.Besonders gespannt bin ich schon auf den japanischen Dokumentarfilm Senkyo und den neuen Film von Amir Muhammad, dessen letztjähriger Beitrag The Last Communist mir sehr gefallen hat.
Im folgendenen eine erste Auflistung mit Angaben von Filmen aus der heutigen Mail des Forums:
Jagdhunde
R: Ann-Kristin Reyels, D: Constantin von Jascheroff, Josef Hader, Luise Berndt, Sven Lehmann, Judith Engel, Ulrike Krumbiegel, Marek Harloff Deutschland 2007, WP, 35mm, 85 min., Deutsch
Als Zugezogene sind Vater und Sohn Außenseiter in einem Dorf in der Uckermark, ihre Beziehung ist in Sprachlosigkeit gefangen. Während der Vater eine neue Frau ins Haus holt, lernt der Sohn ein Mädchen aus dem Dorf kennen. Zu Weihnachten taucht die Mutter mit einem neuen Liebhaber auf. – "Jagdhunde" ist Ann-Kristin Reyels’ Spielfilmdebüt.
Klopka (The Trap)
R: Srdan Golubovic, D: Nebojsa Glogovac, Natasa Ninkovic, Anica Dobra, Miki Manojlovic, Marko Durovic, Dejan Cukic, Vuk Kostic Serbien/Deutschland/Ungarn 2006, WP, 35mm, 106 min., Serbisch mit engl. UT
Weil er das Geld für die Operation seines todkranken Sohnes nicht auftreiben kann, lässt sich ein Vater auf ein Angebot ein, das ihn in ein unbarmherziges Dilemma treibt zu töten, um das Leben eines geliebten Menschen zu retten.
Pas douce (A Parting Shot)
R: Jeanne Waltz, D: Isild Le Besco, Lio, Steven de Almeida, Yves Verhoeven, Christophe Sermet Frankreich/Schweiz 2006, WP, 35mm, 85 min., Französisch mit dt. UT
Im Affekt schießt eine lebensmüde Krankenschwester im Wald einen Jungen an. Im Krankenhaus treffen die beiden aufeinander. Zunächst drückt sich die junge Frau vor ihrer Verantwortung, doch langsam entdeckt sie Ähnlichkeiten zwischen sich und dem Jungen. Seine Hassausbrüche empfindet sie als willkommene Bestrafung.
L’Esprit des lieux (The Spirit of Places)
R: Catherine Martin Kanada 2006, IP, 35mm, 84 min., Französisch mit engl. UT
Auf den Spuren des Fotografen Gabor Szilasi bereist die Filmemacherineine ländliche Region im Québec. Szilasis 30 Jahre alten Fotografien sind heute Dokumente einer vergangenen Zeit und Lebensweise. Zugleich sind sie Ausgangspunkt für die lebendigen Erinnerungen der verbliebenen Bewohner. – Catherine Martin war bereits 2002 mit "Mariages" im Forum vertreten.
Dans les villes (In the Cities)
R: Catherine Martin, D: Hélène Florent, Robert Lepage, Hélène Loiselle, Ève Duranceau, Béatrice Picard, Markita Boies
Kanada 2006, IP, 35mm, 88 min., Französisch mit engl. UT
Als eine Art Komplementärstück zu "L’Esprit des lieux" erkundet dieser Spielfilm den Alltag und die Gemütszustände von vier Stadtbewohnern in Québecs Metropole Montréal, deren Wege sich kreuzen. So begegnen sich mit der naturverbundenen Fanny und dem blinden Fotografen Jean-Luc – gespielt von Robert Lepage – auch Sehvermögen und das Gespür füreinander.
Dol
R: Hiner Saleem, D: Nazmi Kirik, Belcim Bilgin, Omer Ciaw Sin, Rojin Ulker, Tarik Akreyi Autonome Region Kurdistan/Frankreich/Deutschland 2006, IP, 35mm, 90
min., Türkisch/Kurdisch mit engl. UT
Am Tag seiner Hochzeit muss Azad nach einem Konflikt mit den dort stationierten türkischen Soldaten aus seinem türkisch-kurdischen Dorf fliehen. In der autonomen Region Kurdistan im Nordirak ebenso wie auf seinem gefährlichen Weg in den kurdischen Iran begegnen ihm viele
weitere kurdische Schicksale. – "Dol" wurde vom World Cinema Fund für die Verleihförderung ausgewählt.
Senkyo (Campaign)
R: Kazuhiro Soda Japan/USA 2006, WP, HDCAM, 120 min., Japanisch m. engl. UT –
In der Tradition des Direct Cinema begleitet der Filmemacher den Wahlkampf eines politisch völlig unerfahrenen Kandidaten für Japans Liberaldemokratische Partei im Jahr 2003. Ein ungeschminkter und bisweilen hochgradig komischer Einblick in die Eigenheiten der politischen Kultur Japans.
El Telón de Azucár (The Sugar Curtain)
R: Camila Guzmán Urzúa
Spanien/Frankreich 2006, 35mm, 82 min., Spanisch mit engl. UT –
Die Filmemacherin, in Cuba aufgewachsen, kehrt nach Jahren der Emigration zurück, um dem Glück ihrer Schulzeit in jenen "goldenen Jahren" der Revolution nachzuspüren. Der nostalgische Blick auf den einstigen kollektiven Traum weicht nach und nach dem Eindruck einer widersprüchlichen und desillusionierten Wirklichkeit. Wie sie selbst haben die meisten ihrer Generation dem Land den Rücken gekehrt. – "El
Telón de Azúcar" ist Camila Guzmán Urzúas Debüt.
Apa Khabar Orang Kampung (Village People Radio Show)
R: Amir Muhammad
Malaysia 2007, WP, DigiBeta, 72 min., Malaiisch/Thai mit engl. UT
Porträt ehemaliger Angehöriger einer muslimischen Division der kommunistischen Partei Malaysias, die heute als Bauern im thailändischen Exil leben. Ihre brüchigen Erinnerungen an die Guerillakämpfe verschmelzen mit einer örtlichen Radioshow, einem Shakespearschen Drama um Liebe und Verrat. – 2006 war Amir Muhammads "Lelaki komunis
terakhir" ("The Last Communist") im Forum zu sehen.
Tuli (Tuli (The Circumciser))
R: Auraeus Solito, D: Desiree del Valle, Vanna Garcia, Carlo Aquino, Bembol Rocco, Eugene Domingo Philippinen 2006, HDCAM, 113 min., Tagalog mit engl. UT
Die Coming-of-Age-Geschichte einer jungen Frau in einer isoliert lebenden traditionellen Gemeinschaft auf den Philippinen erzählt von Normen und Anpassung, Verweigerung, erwachender Sexualität und sexueller Selbstbestimmung vor dem synkretistischen Hintergrund von Christentum
und Naturreligion. Auf der Berlinale 2006 gewann Auraeus Solito mit "Ang Pagdadalaga ni Maximo Oliveros" ("The Blossoming of Maximo Oliveros") sowohl den Teddy für den besten Spielfilm als auch den Preis der Internationalen Jury des Kinderfilmfestes/14plus.
Ichijiku no kao (Faces of a Fig Tree)
R: Momoi Kaori, D: Yamada Hanako, Momoi Kaori, Ishikura Saburo
Japan 2006, 35mm, 94 min., Japanisch mit engl. UT
Bizarres Familiendrama in einem Tokyoter Vorort: Nach dem mysteriösen Tod ihres Mannes lebt Maasa zeitweise bei ihrer Tochter, bis sie mit einem neuen Mann in das alte Haus zurückkehrt. Dort entwickelt sie nach und nach Wahnvorstellungen. Die ungewöhnlich inszenierte Geschichte mit skurrilen Seitensträngen enthält animierte Passagen. – Momoi Kaori ist als Schauspielerin bekannt, etwa als pfeifenrauchende Lady in "Memoirs of a Geisha".
Don
R: Farhan Akthtar, D: Shah Rukh Khan, Priyanka Chopra, Arjun Rampal, Kareena Kapoor
Indien 2006, 35mm, 169 min., Hindi mit engl. UT
Remake des gleichnamigen Films von 1978. Im Kampf gegen ein international agierendes Drogenkartell bittet Indien die malaysischen Geheimdienste um Unterstützung. Zielscheibe sowohl der Ermittler als auch so mancher vermeintlicher Komplizen ist der gefürchtete Kartellchef Don – gespielt von Bollywood-Superstar Shah Rukh Khan.
Meng Na Li Sha (Mona Lisa)
R: Li Ying, D: Xiu Xiu, A Quiong
Volksrepublik China/Japan 2007, WP, HDCAM, 110 min., Chinesisch (Henan) mit engl. UT
Als ihre Großmutter im Sterben liegt, entschließt sich Xiu Xiu, ihre Adoptivmutter im Gefängnis aufzusuchen und eine letzte
Familienzusammenführung zu erwirken. Während der langen Heimreise entwickelt sich ein zarter Dialog zwischen Xiu Xiu und der Frau, die beschuldigt wird, sie als Kleinkind
entführt zu haben. Mit einfühlsamem Blick und unmittelbarer Direktheit beleuchtet Li Ying das Schicksal einer zerrütteten Familie in der armen chinesischen Provinz. – Li Ying war zuletzt 2003 mit "Aji" ("Dream Cuisine")im Forum vertreten.
Kurz davor ist es passiert
R: Anja Salomonowitz
Österreich 2006, IP, 35mm, 72 min., Deutsch –
Künstlerische Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Frauenhandels, die auf den realen Erzählungen betroffener Frauen basiert. Ihre Geschichten werden von Personen rezitiert, die mit den geschilderten Ereignissen und Orten in einer Beziehung stehen könnten: einem Zöllner, einer Dorfbewohnerin, einem Bordell-Kellner, einer Diplomatin und einem Taxifahrer. – Auf der Viennale 2006 hat "Kurz davor ist es passiert" den Wiener Filmpreis gewonnen.
A.K.A. Nikki S. Lee
R: Nikki S. Lee
USA 2006, IP, HDCAM, 60 min., Englisch und Deutsch mit engl. UT –
Dokumentation der für ihre Identitätsexperimente bekannten New Yorker Konzeptkünstlerin Nikki S. Lee, in der sie sich selbst in Szene setzt. Ein Jahr lang lässt sie sich von der Kamera auf ihren Reisen um die Welt begleiten und inszeniert die unterschiedlichen Facetten ihrer Arbeit – des Spiels mit immer neuen Identitäten – und ihrer Person.
Ein Mann für gewisse Stunden lautet der deutsche Verleihtitel von American Gigolo, der bekanntesten Regiearbeit des Jury-Präsidenten Paul Schrader. Filmgeschichte schrieb er allerdings mit dem Drehbuch zu Taxi Driver (1976). In der Zusammenarbeit mit Regisseur Martin Scorsese feierte er Erfolge mit Wie ein wilder Stier (1980) und Die letzte Versuchung Christi (1988). Sein Regiedebüt gab Schrader 1978 mit Blue Collar. Es folgte u.a. 1985 Mishima. Herausragend war seine Verfilmung des Romans The Comfort of Strangers (1991) von Ian McEwan mit Nobelpreisträger Harold Pinter als Drehbuchautor. Im Berlinale-Wettbewerb 1992 präsentierte Schrader sein Kriminaldrama Light Sleeper.
Auch die palästinensische Schauspielerin Hiam Abbass schreibt Drehbücher und führt Regie. Die in Paris lebende Schauspielerin hat in herausragenden Filmen der vergangenen Jahre mitgewirkt, so zeigte sie ihre Wandlungsfähigkeit in Satin Rouge und spielte 2004 Die syrische Braut. Zuletzt wirkte sie in Hany Abu-Assads Paradise Now (2005) und Steven Spielbergs München (2005) mit.
Mit Mario Adorf ist ein Kenner des deutschen Kinos Mitglied der Jury. Weit über 120 Film- und Fernsehrollen haben ihn zu einem der bekanntesten Schauspieler Deutschlands gemacht. Adorf spielte in Filmen wie Volker Schlöndorffs Die verlorene Ehre der Katharina Blum und Die Blechtrommel, in Fassbinders Lola und in Helmut Dietls Rossini. Darüber hinaus wirkte er in zahlreichen internationalen Produktionen mit – u.a. von Claude Chabrol, Sergio Corbucci, Sam Peckinpah und Billy Wilder.
Der mexikanische Schauspieler Gael García Bernal ist seit seinem Kinodebüt im Oscar-nominierten Amores Perros von Alejandro González Iñárritu nicht nur in seiner Heimat ein gefeierter Star. Walter Salles besetzte ihn als Che Guevara in Die Reise des jungen Che und Pedro Almodóvar in La mala educacíon – Schlechte Erziehung. 2006 war Bernal in dem Berlinale-Wettbewerbsfilm Science of Sleep – Anleitung zum Träumen zu sehen sowie in Iñárritus Kinoerfolg Babel.
Willem Dafoe gehört zu den profiliertesten US-Schauspielern und gilt als Meister der abgründigen Charaktere. Nach seinem Debüt in Michael Ciminos Heaven´s Gate (1980) erregte er 1986 als Soldat in Oliver Stones Platoon weltweit Aufmerksamkeit. Er beeindruckte in Blockbustern wie Spider-Man ebenso wie in Arthouse-Produktionen von David Cronenberg, Lars von Trier oder Martin Scorsese. Auch als Theaterschauspieler ist Dafoe sehr anerkannt, insbesondere durch die Arbeit mit der legendären „Wooster Group“.
Mit der Filmproduzentin Nansun Shi aus Hongkong kommt eine Frau nach Berlin, die zu den „50 einflussreichsten Machern im internationalen Filmgeschäft gehört“, so das Branchenfachblatt Variety. Einer der großen Erfolge in ihrer 20-jährigen Karriere ist der preisgekrönte Hongkong-Thriller Infernal Affairs, der die Vorlage für Scorseses Departed bildete. Außerdem produzierte sie das Martial-Arts-Epos Die sieben Schwerter von Tsui Hark, der 2005 die Biennale in Venedig eröffnete.
Die Cutterin Molly Malene Stensgaard aus Dänemark schnitt fast alle Filme ihres Landsmannes Lars von Trier - von der Serie Hospital der Geister über Idioten, Dancer in the Dark, bis zu Dogville und Manderlay und hat somit den dänischen Film mit ihrer Handschrift geprägt. Sie arbeitete unter anderem auch für die Regisseurin Anette K. Olesen, deren Film Forbrydelser (In deinen Händen) vor drei Jahren im Berlinale-Wettbewerb zu sehen war.
Doch kann auch ein schlechtes Publikum gute Filme nicht kaputtkriegen, weshalb vor allem The Life of Brian selbstverständlich einer der ganz großen Filme ist, die man gesehen haben muss. Sei es, weil man als Lateiner den Horror von Deklination und Konjugation nur allzu gut kennt; oder weil man sich als Freund eines ätzenden wie aufklärenden Humors am Witz über hyper-religiösen Irrsinn nicht satt erfreuen kann. Und nicht zuletzt, weil der Film immer exakt diejenigen, wegen denen er gedreht wurde, zum Aufheulen bringt. (wir wollten den Film damals an Ostern im Latein-Unterricht kucken, wohlwissentlich, dass unser Lehrer auch (katholischer) Religionslehrer war, was entsprechend erfreuliche Abwehrreaktionen bis hin zum offenen Blasphemie-Vorwurf nach sich zog) Man wünscht sich solche Filme auch heute wieder, deren Witz radikal respektlos ist, ohne ins dümmliche Geunke zu verfallen.
Auf YouTube kann man sich derzeit die Dokumentation The Secret Life of Brian anschauen, in dem unter anderem die zeitgenössischen Reaktionen auf diesen Film zusammengefasst werden. Sehenswert!
[via]
Und weil es einfach so ein wunderbares Dokument ist, das mir regelmäßig die Tränen in die Augen treibt: Graham Chapman, co-author of the Parrot sketch, is no more.
Ein auf den ersten Blick sehr interessantes (und erst wenige Tage altes) Movie Blog mit sehr ausgewähltem Geschmack. Unbedingt im Auge behalten!
Die Szene stammt im übrigen aus Godards Bande à part.
Aber wurscht, denn wenn der Kinobetrieb - wohl gemerkt: nicht das Kino - immer schlechter wird, wird mittels DVD der Filmgenuss nur umso größer. Und es gibt ja durchaus auch Kinos, die sich, gottlob, nicht auf den Kinobetrieb der Aktualitäten verlassen. Also mal schauen, was ich so geschaut habe, ohne Druck von Verleihfirmen mal betrachtet jetzt.
Interne Reihenfolge finde ich immer blöd, also ohne:
- Miami Vice (Michael Mann)
- The Devil and Daniel Johnston (Jeff Feuerzeig); den habe ich nach der Silvesternacht gesehen, also eigentlich schon im Neuen Jahr, aber das war so super und ich war ja noch vom Vortag wach.
- Napoleon Dynamite (Jared Hess)
- Vendredi Soir (Claire Denis)
- Battlestar Galactica (die neue Serie)
- Lost (Serie)
- Prison Break (Serie)
- The Shield (Serie)
- Blast of Silence (Allen Baron)
- The Saddest Music in the World (Guy Maddin)
- Operation Dance Sensation (Timo Gosejohann)
- Clean, Shaven (Lodge Kerrigan)
- Shije - The World (Jia Zhangke)
- The Mysterious Geographic Explorations of Jasper Morello (Anthony Lucas)
- Borat: Cultural Learnings... (Larry Charles)
- 901: After 45 Years of Working (Eames Demetrios)
- My Date with Drew (Jon Gun/Brian Herzlinger)
- Takeshis' (Takeshi Kitano)
- Zero Woman: Red Handcuffs (Yukio Noda)
- Die Delegation (Rainer Erler)
- Csillagosok, katonák (Miklós Jancsó)
- La Vampire Nue (Jean Rollin)
- Grey Gardens (Maysles Bros.)
- Aus der Ferne (Thomas Arslan)
- Georg G. Glaser - Schriftsteller und Schmied (Harun Farocki)
- In the Year of the Pig (Emile de Antonio)
- Angst (Gerald Kargl)
- The 40 Year Old Virgin (Judd Apatow)
- Dear Pyongyang (Yong-hi Yang)
- Montag kommen die Fenster (Ulrich Köhler)
- Kurutta Ippeji (Teinosuke Kinugasa)
- Tokaido Yotsuya kaidan (Nobuo Nakagawa)
- Brothers of the Head (Keith Fulton, Louis Pepe)
- Grizzly Man (Werner Herzog)
- Unseen Cinema (DVD-Box)
Nachtrag, da bei der Zusammenstellung übersehen:
- Yorokobi mo kanashimi mo ikutoshitsuki - Monate und Jahre in Freuden und Schmerz (Keisuke Kinoshita)
Begonnen wurde die Reihe bereits am vergangenen 05.01. mit der zwar mäßigen, aber als Einführung vielleicht nicht verkehrten Dokumentation Midnight Movies, mit der ich bereits an dieser Stelle ins Gericht gezogen bin. Fortgesetzt wird sie am 11.01. mit dem eher seltenen Film Der Teuflische von Mario Bava, ein Spätwerk des für seine Form- und Farbspielereien bekannten Italo-Regisseurs, das zwar eigentlich so gar nicht zur Midnight Movies-Doku passt, aber durch eine hübsch entrückte, fast schon traumartige Stimmung besticht. Außerdem spielt die wunderschöne Elke Sommer die Hauptrolle als Touristin, die auf einer Insel in die Fänge von Telly Savalas gerät, der an einer Stelle sogar an einem Lolli lutschen darf. Kein Meisterwerk, aber schön entspanntes Gruselkino. [Programmtext]
Am 18.01. läuft The Glamorious Life of Sachiko Hanai, eine Art Reprise des japanischen Pinku Eiga, vom Verleih Rapid Eye Movies zwar als anarchisch-subversives Stück Underground-Kino angepriesen, insgesamt aber auf Grund seiner latenten Lustlosigkeit und filmischen Uninspiriertheit eher enttäuschend. [Programmtext]
Der 25.01. bringt dem deutschen Publikum schließlich Jean Rollin näher, den Großmeister des spezifisch französischen, surreal flirrenden Grusel-Erotikfilms. Ob allerdings die Entscheidung, für eine solche Begegnung ausgerechnet den 2002'er Beitrag Draculas Braut vorzusehen, die richtige ist, wird sich noch weisen müssen; besser wäre es gewesen, man hätte eines seiner großen, fast schon psychedelischen Meisterwerke aus den frühen 70er Jahren gewählt. [Programmtext]
Ein weiterer, von dem Programm völlig unabhängiger Grund zur Freude ist freilich, dass ausgerechnet das Zentralorgan für bundesdeutsche Verklemmtheit und Ignoranz, genau: die B.Z., zum Sturm auf
Andererseits, arte als Pornosender - warum nicht? Wie toll wäre das, wenn arte mal Eon McKais überaus bemerkenswerten Neu Wave Hookers zeigen würde, der beispielhaft vor Augen führt, zu was dieses Segment imstande sein könnte. Auf den Aufschrei freue ich mich schon ganz besonders! [und welches deutsche Filmmagazin hatte den Film als erstes besprochen? Genau! Die gute alte Tante!]
Mehr Informationen zur Trash-Reihe hier.
