"Idiot" ist gar kein Ausdruck: Eigentlich wollte der Cop, der den Hippie Ned Rochlin (Paul Rudd) am Gemüsestand auf dem Marktplatz um Dope für den Feierabend bittet, schon abziehen, als Ned dann doch was zum Einkauf obendrauf legt. Sogar gratis, Ned ist Menschenfreund. Das könne er nicht annehmen, meint der Cop und insistiert auf einen Betrag. Kein Wunder: Erst wenn Bares fließt, klicken die Handschellen. Tun sie dann auch, Neds Gefeixe zum Trotz, der alles für Ironie hält, die ihn aber doch noch vor dem Filmvorspann für acht Monate ganz unironisch ins Kittchen bringt. [weiterlesen bei der taz]

Das sehr beglückende Gespräch zwischen Rainald Goetz und Diedrich Diederichsen, dessen Zeuge man vergangene Woche bei den Mosse Lectures in Berlin werden konnte, ist nun auch bei YouTube hochgeladen worden. Sehr schön!
Siehe dazu zum Beispiel auch diesen schönen Text von Detlef Kuhlbrodt.
Ein paar Hinweise: Der Bayerische Rundfunk hat sich in der Sendung Eins und Eins ausführlich mit Klaus Lemke unterhalten. Dank Podcast kann man die Sendung auch nachhören:
(direktlink)
Außerdem neu im Hörspielpool des BR: Nicht nur ein Stück schlummriger Bayernambient mit Gerhard Polt am Schliersee (hier die MP3-Datei), sondern auch die Radiobearbeitung von Thomas Harlans Veit:
(direktlink)
Außerdem: Das Korean Film Archive auf YouTube mit Klassikern der koreanischen Filmgeschichte - offiziell und größtenteils englisch untertitelt. Und Lloyd Kaufman kündigt an, regelmäßig Troma-Filme auf YouTube zu posten (eine gute Zahl findet sich schon dort).
Zwei Texte heute in der taz: Fast schon übergehenswert entbehrlich ist Das Hochzeitsvideo, Sönke Wortmanns Versuch, die Found-Footage-Ästhetik mit der deutschen Beziehungskomödie zu vermählen, was nach allen Regeln der Kunst schrecklich schief geht. Außerdem: Das Langfilmdebüt Die Vermissten von Jan Speckenbach, dessen erste Hälfte leider in den trüben Gewässern des deutschen Problemfilms fischt, dann aber eine zwar nicht vollends gelungene, aber interessante Wendung hinbekommt - mehr dazu hier.

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Andreas Beilharz schreibt auf artechock über die Anstrengungen, die es braucht, in Deutschland gute Filme aus Deutschland zu finden. Gewissermaßen auch eine Ergänzung zu Dominik Grafs Text in Zeit vor kurzem.
Auf der Website des Amherst College gibt es den Videomitschnitt eines Vortrags von Werner Herzog, den der Regisseur dort vor einigen Tagen gehalten hat. Leider nicht embeddable, macht aber nix.

Michael (Zoé Héran) ist neu in der Stadt. Es ist Sommer, die Schule hat noch nicht begonnen. Michael freundet sich mit einem Haufen Jungs und einem Mädchen, Lisa (Jeanne Disson), an. Man tollt im Wald, spielt Fußball, rauft, schwimmt. Was Jungs in dem Alter - alle sind um 10 herum - eben tun. Lisa mag Michael, Michael mag Lisa, beide küssen sich im Wald, ganz scheu und zaghaft. Dass Michael Laure heißt, erfährt man vom Film erst später, wenn Laure in der Badewanne mit ihrer kleinen Schwester spielt. [weiterlesen bei Perlentaucher]

Spread the news und aktualisiert Euren Feedreader: David Hudson wechselt von Mubi zu Fandor. Damit sind auch die DailyTweets nun hier zu finden.
Adrian Hovens nach meinem Kenntnisstand recht rarer Krimi Der Mörder mit dem Seidenschal ist derzeit noch für wenige Tage in der Mediathek von Das Vierte zu sehen.
Ein typischer Kraut-Krimi der damaligen Mode steht bei diesem günstig entstandenen Film aus dem Jahr 1966 allerdings nicht zu erwarten: Weder handelt es sich um eine Wallace-Produktion, noch standen hier die üblichen Verdächtigen (Artur Brauner, Horst Wendlandt) Pate. Auch die Wiener Kulisse hebt den Film vom Teutonen-London der Wallace-Filme und ihrer Plagiate spürbar ab: Kein spätbürgerliches Dekors bestimmt die Kulisse, sondern Innenstadtatmosphäre zwischen modernem Café und Kino, zwischen Kiosk, Boulevard und Hinterhof. Mitten drin: Susanne Uhlen, hier wenige Jahre vor ihrer großartigen Rolle in Brynychs Engel, die ihre Flügel verbrennen, in ihrem Debüt, gerade mal 10 Jahre alt. Mit erschrockenen Rehaugen spielt sie als Symbol der in einer verkommenen Welt zuschanden zu kommen drohenden Unschuld alle an die Wand.
Hoven, der als Schauspieler im muffigsten Sumpf des deutschen Trivialkinos begann und nach einem Zwischenspiel für Jess Franco bei Fassbinder landete, dreht im tänzelnden Flirt mit dem modernen Film einerseits, der Filmgeschichte andererseits eine Art urban-düstere Rotkäppchen-Variante: Die Stadt mit ihrem Betrieb ist der Wald, das ringsum alles bestimmende Profitdenken der böse Wolf und der rettende Jäger ein lange im Dunkeln tappender Polizeibeamter, der das Mädchen, das den Mord an ihrer Mutter beobachtet hat, im Wald nicht findet.
Zwei, drei Schwächen mag es geben - auf Juhnke als jungen Ermittlungsassistent mit Pfiff und Witz, sehr deutlich ein Zugeständnis an vergleichbare Typen beim populären Wallace-Franchise, hätte man vielleicht verzichten können -, von der Entdeckung dieses zumindest in Sichtweite zum gerade in Italien (Co-Produktion!) prosperierenden Giallo vorbeisegelnden Krimis sollte dies indessen nicht abhalten. Auch wegen seiner Koketterie mit der urbanen Verruchtheit scheint mir der Film im direkten Zusammenhang mit Dominik Grafs kürzlicher Kritik am Besinnungsaufsatz-Kino im heutigen Deutschland sehenswert: Es bleibt zu erwägen, ob man Hoven in die Reihe von Regie-Ekstatikern, die Graf dort auflistet, mitaufnehmen sollte.

(Mehr großartige Lobby Cards zu diesem Film hier bei Kino-50er)
Das Oberhausenjubiläum und der Filmpreis bedingen gerade wieder einige Wortmeldungen zur Filmproduktion in Deutschland: Beim Perlentaucher gab's "im Kino" diesmal nicht, wie ansonsten üblich, zwei Kritiken zu neuen Kinofilmen, sondern eine kritische Bilanz von Maximilian Linz, der an der dffb studiert(e?) und für arte creative die Webreihe "Das Oberhausener Gefühl" gedreht und produziert hat. Dazu flankierend hat sich Frédéric Jaeger von critic.de mit Max unterhalten. Bereits im März hat Romuald Karmakar ein Videogespräch mit ihm geführt.
Außerdem findet sich in der aktuellen Zeit ein Grundsatzbeitrag von Dominik Graf wider das deutsche Themen- und Fleißstempelchen-Kino.
Nur Lemke ist die Tage still.
Für sein Buch Film als subversive Kunst habe ich buchstäblich geblutet: Die schöne Ausgabe aus dem Hannibal Verlag hatte ich mir damals, finanziell ging's nicht eben bestens, mit wöchentlich ein bis zwei Blutplasmaspenden erspart. Wie aufgeregt ich war, als ich das Buch dann in Händen hielt, stundenlang darin blätterte und nicht glauben wollte, wieviele Filme (und was für welche!) es da draußen gibt, was für eine Welt da draußen wartet, weiß ich noch heute.
Ein paar Jahre später sah ich auf der Berlinale den schönen, inspirierenden Portraitfilm von Paul Cronin über ihn. Nun ist Amos Vogel tot, habe ich heute nachmittag erfahren. Gegründet hatte er damals den Filmclub Cinema 16, der Filme aus entlegensten Nischen ans Projektorenlicht holte und damit buchstäblich sichtbar machte. Cinema 16 gibt es nicht mehr, bzw. hat sich dieser Filmclub vielleicht nur räumlich entgrenzt (ein wenig gefällt mir der Gedanke, dass Amos Vogel, der sich in seinem Buch auch viel zu Raum und Zeit im Film äußert, mit diesem Gedanken anfreunden könnte): Dass das Internet heute dieses Cinema 16 ist, das gerade ein paar vereinzelte Gestalten aus hässlichsten Motiven kaputtschlagen wollen, beweist schon die Tatsache, dass Paul Cronin seinen tollen Film über Amos Vogel ins Netz gestellt hat, wo viele andere jener Filme, die Vogel, dieser unermüdliche Bildforscher und -sucher, früher nur mit viel Mühen in einen Projektor brachte, nun auch in fast direkter Nachbarschaft zu finden sind. Rest in Peace, Amos.





