Mittwoch, 7. Januar 2004
Thema: Kinokultur
» ...
Wenn aus Filmkritik bloßer Hass wird. Inwiefern diese auch gegenüber dem Leser anmaßende Peinlichkeit von Filmbesprechung dem behaupteten "freche[n], junge[n] Stil, der dennoch einem Publikum mit cineastischem Anspruch gerecht wird" wiederum gerecht wird, weiß der Autor vermutlich selbst nicht.

Nachtrag: Wie man's besser macht, vor allem aber dem Film gerechter wird, hier.


° ° °




Thema: good news
To bleibt sich treu und legt auch weiterhin im atemberaubenden Tempo Filme vor. Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, da präsentierte er auf der Berlinale seinen meisterlichen PTU als Weltpremiere und doch hat er mittlerweile schon zwei neue Filme im Start, die obendrein auch noch - man höre und staune - für eine Weile zusammen die Hongkonger Boxoffice anführten: Neben dem romantischen Liebesfilm Turn Left, Turn Right dürfte wohl Running on karma (Offizielle Website) der interessantere sein. Zumindest verspricht der Trailer, den es hier im Download gibt (6.8 MB, Quicktime), einen ordentlich düsteren Thriller mit allerlei wilden Ideen und außerdem einen Sunnyboy Andy Lau im Muskelanzug (was, zugegeben, etwas befremdlich wirkt, aber für Love on a Diet zwängte er sich ja auch schon in das Kostüm eines, gelinde gesagt, Übergewichtigen, offenbar findet er langsam Gefallen dran). Im Februar ist To ja traditionell auf der Berlinale zu Gast - vielleicht darf man sich ja auf diesen Film freuen? Wünschenswert wäre es allemal. Zumindest aber gibt es schon eine offizielle DVD in Asien.


° ° °




Dienstag, 6. Januar 2004
Thema: Kinokultur
Eigentlich weit besseres ist man von Rüdiger Suchsland gewohnt, der hier für das Bayerische Fernsehen Marcus Nispels Kettensägen-Remake (eigene Kritik hier) bespricht. Nicht nur, dass er Hoopers Original im wesentlichen für Aspekte lobt, die ohne weiteres auch der neuen Version, die, natürlich, ohne nähere Argumentation verrissen wird, zugute gehalten werden könnten und somit einmal mehr das lausige Projekt einer gewissen Tradition der Filmkritik fortschreibt, welches des Schundfilm-Daseins zunächst einmal höchstverdächtige Filme (sicherheitshalber?) niederschreibt, um Jahre später dann Kulanz walten zu lassen. Nein, er gibt dann Leatherface auch noch einen Namen, Ed Bain heißt er nun in seiner Kritik, Kult-Killer wird er obendrein, und bestätigt somit, was sich wenige Zeilen zuvor im unauffälligen Attribut "der auf reale Ereignisse zurückgreifende Film" bereits andeutete: Die Annahme, dass mit diesem Film ein historisches Ereignis erzählt würde. Zugegeben, der Stoff basiert zwar sehr lose auf einem authentischen Fall, dem gleichen übrigens, der auch Hitchcocks Psycho (USA 1960) und Das Schweigen der Lämmer (USA 1991) zugrunde liegt, doch wurde dieser derart verfremdet, dass nur noch weniges in dem Film - ja eigentlich nurmehr das Motiv der übergezogenen Haut - an die Greueltaten und die Vorgehensweise des echten Serienmörders erinnert. Und dieser hieß im übrigen sowieso Ed Gein.


° ° °




das hier.


° ° °




06.01.2003, Heimkino

Nicht, dass ich dem Plot sonderlich hätte folgen können. Eine etwas wirre Detektivgeschichte im klassischen Martial-Arts-Gewand: Ein Meisterdieb wird von der Herrin des "Palace of Magic Water" beschuldigt, jenseits der chinesischen Mauer drei Clansführer hinterrücks gemeuchelt zu haben. Um seine Unschuld zu beweisen (und vor allem: um das über ihn verhängte Todesurteil abzuwenden), macht er sich mit einigen Weggefährten auf, die Intrige gegen ihn aufzudecken. Die Reise führt durch fantasievoll gestaltete Stätten und Städte, in finstere Haine und hinab in die Erde, wo es verschiedenerlei Abenteuer zu bestehen gilt. (Ich bin ehrlich: Im wesentlichen hat mir das, im Nachhinein, diese Besprechung erläutert.)

Auch wenn man den Details der Erzählung oft nicht folgen kann, ist dieser Film erneut ein kleines visuelles Meisterwerk von Shaw-Brothers-Stammregisseur Chor Yuen, dessen Filmografie mir mehr und mehr und zur cineastischen Schatzkammer wird. Es geht, wie stets, weniger um Kohärenz, mehr schon um Optik, ästhetischen Genuss. Es geht um die Eleganz der Bewegungen und, nicht zuletzt, um die filmische Umsetzung obsessiver Ideen. Damit steht dieser Film in der gleichen Traditionslinie wie die anderen mir bekannten Yuen-Filme Intimate Confessions of a Chinese Courtesan (HK 1972) und The Magic Blade (HK 1976). Da flattern kunstvoll gestaltete Tücher durch die Luft, da wird in liebevoll gestalteten und ausgleuchteten Lokalitäten - der "Palace" gehört, neben dem Bordell aus Intimate Confessions, bestimmt zu den schönsten Austragungsorten eines Showdowns im Martial Arts Film der 70er - die hohe Kunst des Faust- und Schwertkampfes angewandt. Obendrein versammelt Clans of Intrigue eine ganze Reihe so altbekannter wie mittlerweile liebgewonner Shaw-Brothers-Darsteller wie Ti Lung, den man auch aus John Woos A Better Tomorrow (HK 1986) kennen darf, Yueh Hua, der seit seinem Auftritt als "Drunken Cat" in dem Klassiker Come Drink With Me (HK 1966) zur festen Riege für Martial Arts aus dem Hause Shaw zählt, die unvergleichliche Betty Ting Pei, die mich bereits in Intimate Confessions in ihren Bann zog, Nora Miao, die man aus den originalen Bruce Lee Filmen kennt, und, für mich persönlich als Neuentdeckung, die schnuckelig-schmollende Li Ching, nach der in Zukunft Aussschau gehalten wird, so dass einem viele freudige Wiedersehen beinahe schon im Minutentakt beschert werden. Ein Shaw-Potpourri sozusagen, auf jeder Ebene. Den Rest mögen ein paar Bilder ergänzen:







imdb


° ° °




Nicht nur eine stets aktuelle Release-Liste asiatischer DVDs, auch viel Coverartwork - interessant zumal bei der kaum überblickbaren Reissue-Welle alter Shaw-Filme - gibt es hier zu bewundern, bei asiandvdguide.com.


° ° °




Montag, 5. Januar 2004
» ...
Das wiederum sehr schöne Gefühl, mit dem ersten Buch, das man von einem Autoren liest, eine Art Schatzkarte entdeckt zu haben, die immerhin den Weg zu einer literarischen Schatzhöhle weisen könnte.



° ° °




Das seltsame Gefühl, zwar bereits im Jahr 2004 zu leben und doch noch immer mit 2001 Zukünftigkeit und Ferne zu assoziieren.


° ° °




04.01.2004, Heimkino



Freunds Kamera fliegt durch die Lüfte, durchmisst die Räume, findet sich wieder im Set, in der Dekoration. Sie imitiert den Weg des (freilich stummen) Tons auf eine Weise, wie es nur ganz kurz vor dem technischen Durchbruch des Tonfilms möglich und aus dieser inszenatorischen Fragestellung heraus auch naheliegend gewesen ist. Kein Wunder, denkt man sich da, wenn man das, wie ich, zum ersten Mal erlebt, dass die frühe deutsche Filmtheorie dem Tonfilm sehr skeptisch gegenüber stand. Weit davon entfernt, dem Ton seine Relevanz für die Filmgeschichte abzusprechen, kommt doch kurz der Gedanke, welche Bilder und Inszenationskraft, vor allem aber: welche Filmkompetenz ein Fortschreiten dieses Weges mit sich gebracht hätte. Ein sinnloser Gedanke, freilich, wie man nur einen Moment später bemerkt, der Film, als Kunst verstanden, ging auch so ganz wunderbare Wege.

imdb | mrqe | murnau-stiftung


° ° °




Sonntag, 4. Januar 2004
Thema: Kinokultur


hier.


° ° °




Thema: Hoerkino
Heute mal wieder bemerkt, wie unheimlich wichtig die Düsseldorfer Band Neu! eigentlich für die Geschichte des Pop war und noch immer ist. Ahead of its time, sozusagen. Aufgefallen ist mir das, als ich letzte Nacht die Website der Seatller Post-Rocker Kinski nach runterladbaren MP3s durchforstete (und im übrigen auch auf den Geschmack gekommen bin, empfohlen wird Semaphore). Klar, die Produktion ist fetter, wo Neu! teils auf feine Gitarrenklänge - das meiste, was sich bei Neu! im schwebenden Ambient auflöst, sind normale E-Gitarren! - setzt, herrscht bei Kinski die warme, erdige Röhre, aber die teils minimalen repetitiven Beats, die endlos weiterzugehen scheinen, die ähnlich im Endlosen versunkenen Gitarren - das ist nicht neu, es ist Neu! (was für ein vermutlich ebenso endlos oft gerissener Kalauer!). Und wären Sonic Youth oder aber, am anderen Ende des Spektrums der Musik, dort, wo man sich beinahe schon wieder begegnet, Stereolab ohne Neu! denkbar gewesen? Ich denke nicht (wobei dei Frage aber natürlich auch schwer beantwortbar ist, sind doch wesentliche Elemente der Krautrocker, zumal seit Grunge gehypt und ebenso schnell wieder verdrängt wurde, längst schon anonym). Und wie häufig begegnete man nicht schon auf Indie-Platten liebgewonnenen Riffs später dann auf einer Neu!-LP, die schon mindestens 20 Jahre mehr auf dem Buckel hatte!

Wo Kraftwerk, bei denen Rother und Dinger ebenfalls in frühen Tagen musizierten, anhand ihres faszinierten Spiels mit dem Geräusch das gewissermaßen auditive Pendant zu den Lichtspielereien des deutschen Expressionismus schufen, wo Can, zu denen ich nie Zugang fand, allzu speckigen Rock spielen, Faust den drögen Soundtrack zu drögen Plena und Diskussionsrunden liefern und Tangerine Dream die Esoterik von Bewusstseinserweiterung musikalisch fortzusetzen scheinen, sind mir Neu!, in dieser Phase hiesigen Rock und Pops, mit ihren schwebenden Melodien, ihrer gleichzeitigen Zersetzung und somit aber auch Fortschreibung von Pop, ihren nie im Hippie-Sinne esoterisch verwertbaren Ambient- und Tapeloop-Spielereien, doch die Liebsten. Es sind dies die besten aller Platten, die mit der Zeit reifen, Nuancen entwickeln und, schlicht und ergreifend, Wegbegleiter werden, auch wenn sie jahrelang nicht angerührt werden (nur um dann ungleich begeisterter wiederentdeckt zu werden). Neu! machen auch bis auf weiteres ihrem Namen alle Ehre - gelinde gesagt: erstaunlich!

Hier ein sehr schöner Artikel zur Re-Issue der drei LPs aus der Jungle World.



° ° °




Samstag, 3. Januar 2004
03.01.04, Heimkino

Ein unsagbar langweiliger, unerheblicher Film von herausragender Dämlichkeit. Mehr gibt es nicht zu sagen.

imdb | mrqe


° ° °




Freitag, 2. Januar 2004
01.01.2004, Heimkino

Der erste Film des Jahres am ersten Tag des Jahres. Und welchen Film könnte man sich an diesem traditionell aus naheliegenden Gründen eh meist recht bedächtig und unspektakulär begangenen Tag besser genehmigen, als diesen knapp dreieinhalbstündigen, farbenprächtigen Ausflug in die Welt des kommerziellen Kinos Indiens? Zumal die Struktur des Films - erzählt werden eigentlich zwei Filme, von einer Intermissions-Tafel getrennt, die sich sowohl geografisch, bildästhetisch und auch auf der Zeitlinie stark voneinander unterscheiden - dem Zuschauer doch recht entgegenkommt, der nach der ersten Hälfte des Films locker-leicht etwa ein Abendmahl zubereiten kann, ohne das Gefühl zu haben, dadurch zu sehr aus dem Film geschmissen zu werden.



Der Titel ist Programm. Die Tonspur unterstreicht das, indem sie den indischen Originaltitel als Song immer wieder in den Film einfließen lässt und benennt somit die Essenz des Unterhaltungskinos: Mal fröhlich, mal traurig - und jeweils mit ganz großem Sentiment im Bildkader umgesetzt. Der Eindruck vom Bollywood-Kino, das großen Kitsch, große Rührseligkeit unbefangen und auch für dem ansonsten kritisch gegenüberstehenden Filmfreund goutierbar inszeniert, als ein filmischen Ausdrucksformen gegenüber sehr bewusstes und diese reflektierendes Kino festigt sich. Der Film mäandert förmlich um das, was andere Formen des Unterhaltungskinos manifest und verbindlich als Bildinhalt zu inszenieren pflegen: Es ist nicht wichtig, Entwicklungen von Liebesbeziehungen und Sympathien en detail zu chronologisieren, wenn man dies genausogut auch mit Tänzen und Gesängen zum Ausdruck bringen kann: Wesentliche Elemente - erste Begegnung, Annäherungen und dergleichen - werden teils ausschließlich in den Choreografieszenen kommuniziert. Und das Artifizielle der Erzählweise - etwa wenn des Vaters Worte, wenn er den Konflikt des Films lostritt, in jeder Pause von einem Donnergrollen unterstrichen werden - wird zum vorrangigen Element dieses Kinos, in dem es (beinahe) nie um äußere Realität geht, sondern eben um Kino selbst in reiner, und somit offen konstruierter Form, die den Zuschauer zur Auseinandersetzung mit den grundlegenden Semantiken von Film selbst beinahe schon zu zwingen scheint.

Bei allen Bedenken, die man auf ideologischer Ebene gegen ihn hegen kann, ein schöner Film, der, wenn man dieser Besprechung Glauben schenken mag (und ich sage mal: ich tu's), zwar anderen Werken aus der Filmschmiede Bollywoods nicht das Wasser reichen kann, wohl aber, wie im Jahr zuvor bereits Lagaan (Indien 2001), auf diese großen Appetit macht. Mal schauen, was die Zukunft bringt.

imdb | mrqe | trailer | angelaufen.de | links@filmz.de | jump-cut.de:indien


° ° °




27.12.2003, UCI Kinowelt Friedrichshain

Wenn am Ende eine bestimmt bald 20minütige Aneinanderreihung von Happy End an Happy End nichts anderes als Ermüdung hervorruft, wenn nicht sogar, entgegen den rührseligen Bildern, Apathie, dann bemerkt man schlußendlich, wie, auf deutsch gesagt, rundum scheißegal einem eigentlich diese Figuren schon immer gewesen sind, wie wenig es einen juckte, was da genau passierte, wie weit außerhalb dieses Mammutspektakels man gestanden hat, solange es was zu kucken gab, ja wie sehr der Film eigentlich kaum eine andere Position als diese ermöglicht. Paradox eigentlich, denn in den vergangenen zwei Jahren sollten die Gefährten doch eigentlich auch jenseits der Leinwand zu Wegbegleitern durch die Kinowinter gereift sein. Das Gegenteil ist der Fall: So klammheimlich ist man irgendwie doch froh, dass es nun endlich auch mal vorbei ist. Die Vorfreude, die die allerersten Trailer vor gut 3 Jahren - ich weiß noch, als ich sie das erste Mal im kleinen Kino Intimes gesehen habe -, wandelte sich im entscheidenden Moment, auf den solange hingearbeitet wurde, wenn der Ring kurz vor seiner Vernichtung steht, in ein beinahe schon genervtes "Nun ab ins Feuer damit und Feierabend!"



Man hat sich im Verlauf vermutlich sattgesehen an diesem, keine Frage, natürlich imposanten Mammutprojekts. Sattgesehen an epischen Landschaftsaufnahmen mit typischer Kamerafahrt, an detailliert ausgeschmückten Goldschmiedearbeiten in Haupthaar und Rüstung, an Computeranimationen, wie die Welt sie zuvor nicht kannte. Jackson schien genau das geahnt zu haben und inszenierte den Beschluss der Trilogie deshalb als gängigen Sequelregeln gehorchende Effektorgie, die im wesentlichen nichts anders macht, im Einzelnen aber von allem ein gutes Stück mehr bietet: Mehr Orks, mehr Oliphanten, mehr jammernder Frodo, mehr Nazguls, mehr kaputtgehauene Stadtmauern. Ein guter Teil des Films besteht folgerichtig nur aus, zugegeben, amüsanten und unterhaltsamen Geballers, der Rest der Geschichte schmeckt nach Beiwerk aus Alibigründen, um dem Gemetzel Legitimität zu verleihen, und ist entsprechend langweilig. Und irgendwann gehen selbst einem Samweis weise daherlabernde Elben auf den Zeiger, wenn's anstelle dessen doch auch Olifanten in Aktion zu sehen geben könnte.

Wenngleich alle in den vorangegangenen Teilen ausgelegten Fäden schlußendlich zusammenführen, mag sich die Epik nicht so recht einstellen. Eher schon nervt das dargebotene Surrogat, der Überbau, weil man doch endlich, endlich, endlich den Schluß sehen will, und die große Schlacht natürlich, um die ging es doch, der Film selbst macht ja kaum noch einen Hehl draus. Und da Jackson zum Ende hin nicht viel mehr einfällt, als die Spannung vor dem großen Moment dann eben doch nur mit der öden Zeitlupe zu bewerkstelligen, die halt einfach nur dehnt, wo man gerne weiterkommen möchte, verendet der Film, schlußendlich, dann doch noch auf der Zielgeraden. Es hätte viel werden können, sehr viel. Aber Danke wenigstens für die tollen Schlachtsequenzen, die waren echt geil, aber so richtig.

imdb | mrqe | angelaufen.de | links@filmz.de


° ° °




Donnerstag, 1. Januar 2004
cine asia ~ cyberplace ~ del.icio.us ~ f-lm ~ feinripp ~ flickr ~ jump-cut.de ~ jump cut: dvdblog ~ jump cut: filmfilter ~ jump cut: newsblog ~ kollektiv ~ last.fm ~ publizistik in berlin ~ schaukasten ~ splatting image ~ videotheke

buch:
Splatter Movies. Essays zum modernen Horrorfilm.








° ° °




cineasia
epd-film
f.lm - texte zum film
filmbulletin
filmcomment
filmdienst
filmforum (eingestellt)
filter (eingestellt)
ikonen
nachtblende
revolver
schnitt
shomingeki
sight & sound
splatting image
steadycam


° ° °




adrenafilm
bibliothekenverbund berlin
cd-wow
charmes
dddhouse
dvdpricesearch.com
dvdsoon
filmgalerie 451
layoyo
m sucht nach film
negativeland
play
videodrom


° ° °




29.12.2003, Intimes

Die 80er als Jahrzehnt der Auflösung von Verbindlichkeiten und Bedeutungen. Die Schneehütte, wie Ekkehard Knörer vollkommen richtig schreibt, als Allegorie, die Figuren darin als Vertreter von Denkrichtungen. Der unterschiedliche Begriff, den man sich macht (etwa: von einem Wort, einer Ideologie, einem angemessenen Zustand, einer Welt), als Auslöser einer nicht nur Kette, sondern eines Szenarios von Mißverständnissen und Ignoranzen, die, bei aller Komik hier und dort, den Zuschauer schmerzen. Geredet wird viel, geradezu geschwätzig geht es zu, doch kommuniziert im eigentlichen Sinne wird wenig, wenn nicht gar nicht: Unsympathen allesamt. Wenn am Ende dann der kleine, miese Pubertätsjugendliche und das bürgerlich-ignorante Arschloch, das die ganze Zeit vom eigenen Wohlwollen überzeugt war und dabei doch eigentlich nichts anderes als die eigenen Pfründe im Visier hatte, beinahe schon als Sieger dieser zum Scheitern verurteilten "Kommune" (auch wenn das im Sinne der Erzählung das falsche Wort ist, natürlich) davonfahren, dann liegt darin nicht die Formulierung eines Gegenentwurfs mit Zukunft, der endlich wieder für Frieden und Orientierung sorgen würde, es ist eher schon (aber eben doch nicht) galliger Zynismus. Die Schneehütte wird oft genug in der Totalen als Endpunkt einer Sackgasse gezeigt: Hier kommt man nur weiter, indem man zurück fährt. Kein Rückfall ins Bürgerleben, eher schon die Erkenntnis, dass all die sozialexperimentierfreudigen Bemühungen (des Films/der jüngsten Geschichte) doch immer nur aus diesem entsprangen und immer auch wieder genau dahin zurückführen. Quasi dazu verdammt sind. Kein freudiger Ausblick, die grinsenden Gesichter dieser beiden Typen, mit denen dieser unbehagliche Film endet.

Krohmer und Nocke, Drehbuchautor und im Film Wolfgang, der, immer um das überrichtige Maß an Betroffenheit und Paranoia bemüht, eine ganz wunderbar-widerwärtige Präsenz erreicht, werden im Auge behalten.

imdb | angelaufen.de | links@filmz.de


° ° °




Bitter Cinemablack & white world
filmbrain
filmjourney
illuminated lantern
kaiju shakedown
kineast
kinopel
milk plus
mondo schlocko
nichts als film
peter's film-centric blog
twitch


° ° °




8 days in april ~ bedazzled ~ blogio oddio ~ blow up doll ~ diddy wah ~ entroporium ~ essential ghoul's record shelf ~ funk16corners ~ funk45.com ~ funk and soul ~ funk you ~ garage hangover ~ garagepunk.com ~ home of the groove ~ pinicchio's easy listening ~ punk vault ~ recordbrother ~ scorebaby annex~ sem sinatra ~ sex kittens... ~ something i learned today ~ soul sides ~ sounds of champaign ~ space debris ~ spread the good word ~ strangereaction ~ the of mirror eye ~ vinyl mine ~ vociferous slam ~ xtabay's lounge world


° ° °




bibi's box
bighappyfunhouse
earnest little cartoon guy
eye of the goof
filmprogrammhefte
gmtplus9
happy palace
hulks müßiges weblog
mailart
neurasteria
old haunts
onehundred years of illustration & design
paperet
planet of sardines
pongomania
quadernet
rashomon
sinalley
streetart
sugar'n spicy
swapatorium
thingsmagazine
vintage ads


° ° °




wird 85. Herzliche Glückwünsche, Jerome. Und danke.



jungle world | frankfurter rundschau (lange Version des 1. Artikels)

Weil das Medienecho etwas mager ist, hier noch ein älterer, sehr guter Text aus der Jungle World über Salingers Hauptwerk selbst aus Anlass des 50. Jahrestags seiner Veröffentlichung.


° ° °




bags and boards ~ beyond belief '72 ~ bugpowder ~ cartoonbrew ~ gravity lens~ ilovecomix ~ identifying animators and their scenes ~ jack kirby comics ~ the beat@comicon


° ° °




Mittwoch, 31. Dezember 2003
Thema: Kinokultur
Der Rückblick des Kinogängers. Welche Filme wurden gesehen? Wie in Zukunft mit diesen Bildern des Jahres 2003 verfahren? Eine kleine, unkommentierte Übersicht. Grundlage bildet die gelisteten Filme von angelaufen.de. Ein paar Gedanken folgen vielleicht die Tage, versprochen wird aber gar nichts.
  • Filme für die Ewigkeit
    Solaris | Punch-Drunk Love | City of God | Hero | Mystic River | Kill Bill: Vol. 01 | The Mars Canon | Wolfsburg | What Time is it There? | Takeshi Kitanos Dolls
  • Filme, die auf Konserve zu besitzen man sich zumindest vorstellen könnte
    25 Stunden | Femme Fatale | Die Invasion der Barbaren | | Auto Focus | Pigs will fly | Frida | After Life | Cinemania | Herr Wichmann | 28 Days Later | Herr Lehmann | Terminator 3 - Rebellion der Maschinen | Spun | Swimming Pool | Mein Leben ohne mich | Identität | Irreversibel | Wilbur wants to kill himself | Sein Bruder | Dogville | Gangs of New York |
  • Filme, die man sich gerne nochmal ansehen wird
    Dem Himmel so fern | Master and Commander - Bis ans Ende der Welt | One Hour Photo | No Man's Land | About Schmidt | Adaption. | Confessions of a Dangerous Mind | Weiser | Hulk | Chihiros Reise ins Zauberland | Grabgflüster | Verschwende deine Jugend | Nicht auflegen! | Golden Lemons | Interstella 5555 | In this World | The Italian Job | Sie haben Knut | Matrix Revolutions
  • Filme, bei denen man später beim Reinzappen vielleicht hängen bleibt
    Iron Ladies | Fluch der Karibik | Chicago | The Hours | Findet Nemo | Sick: The Life and Death of Bob Flanagan, Supermasochist | Catch me if you can | Down with Love! | Poem | Die Wutprobe | Russian Ark | Standing in the Shadows of Motown | Die Versuchung des Padre Amaro | 3 Engel für Charlie - Volle Power | Lichter | Die Ritterinnen | Schotter wie Heu | Lilja 4-ever | Ein (un)möglicher Härtefall | Wrong Turn | 7 Brüder | Freddy Vs. Jason | Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs | Tricks | Love the Hard Way
  • Filme, die man sich sehr gerne gespart hätte
    Voll Frontal | Good Bye Lenin! | Whale Rider | Die Regeln des Spiels | Wie werde ich ihn los - in 10 Tagen? | Die Stunde des Jägers | Matrix Reloaded | Ganz und Gar | Bruce Allmächtig | Bollywood Hollywood | Die Blume des Bösen | Europe 99 Euro Films 2 | Fiasko
  • Filme, die man besser schnell vergessen hat
    Das Leben des David Gale | Gefühle, die man sieht... | Igby! | Swimfan | Kops | Die Liga der aussergewöhnlichen Gentlemen | Das Wunder von Bern | It's all about Love | Daredevil | Dumm und Dümmerer | Halbtot | Stürmische Liebe - Swept Away | They - Sie kommen
  • Filme, die irgendwann nachgeholt werden müssen, aus welchem Grund auch immer
    8 Mile | Diese Liebe | Planet B - The Antman | Planet B - Mask Under Mask | Planet B - Detective Lovelorn und die Rache des Pharao | Ausländer raus! - Schlingensiefs Container | Bungalow | The Ring | Jackass: The Movie | Final Destination 2 | Forget Baghdad | Made in Israel | Soloalbum | Göttliche Intervention | Moonlight Mile | The Core | Der Fluch von Darkness Falls | Lampedusa | Dreamcatcher | Below - Da unten hört dich niemand schreien | Der alte Affe Angst | X-Men 2 | Der stille Amerikaner | Long Walk Home | Japón | L.I.E. - Long Island Expressway | Sweet Sixteen | Ten Minutes Older - The Cello | Junta | Babij Jar - Das vergessene Verbrechen | Naqoyqatsi | Planet der Kannibalen | Vampire Hunter D | The Gathering | Okay | Historias mínimas | Islandfalken | Welcome back, Mr. McDonald | Jagoda im Supermarkt | Rosenstraße | Bruno Ganz - Behind Me | Secretary | Irgendwann in Mexico | Voodoo - Mounted by the Gods | Darkness | Bad Boys 2 | Jeepers Creepers 2 | Rad der Zeit | Luther | Derrida | L'auberge espagnol - Barcelona für ein Jahr | Nói Albinói | S.W.A.T. - Die Spezialeinheit | Sometimes Happy, Sometimes Sad | Ich habe keine Angst | Der menschliche Makel | Balzac und die kleine chinesische Schneiderin


  • ° ° °




    Thema: TV-Tipps
    Erstmals seit knapp 20 Jahren wurde vor kurzem die französische Gruselschinken-Parodie Die Herren Dracula (Prisma Online) mit Christopher Lee in der Hauptrolle wieder im TV gezeigt. Wer den Film letztens verpasst hat, kann ihn sich heute nacht um 01:25 auf BR erneut ansehen oder gleich archivieren.

    Das gruslig-groteske Treiben wird kurz darauf um 03:25 auf dem gleichen Kanal mit Das Schloß der Vampire (Prisma Online) fortgesetzt. Regisser Dan Curtis ist mir auch als Regisseur von Das Landhaus der toten Seelen bekannt, einem angenehm surrealen, atmosphärisch dichtem B-Grusler. Beim Schloß könnte es sich demnach um ähnlich absurd-schönen Stoff handeln.

    Um 02:00 Uhr läuft auf ARD das Dinner for one der Tarantino-Generation: Unter dem dämlichen deutschen Titel Sylvester in fremden Betten (Prisma Online), der bitte demnächst mal gestrichen wird, ist dann der vergnüglich schwarzhumorige Four Rooms zu sehen.

    Zum Ausklang des fröhlichen Treibens folgt dem um 03:30 schließlich auf gleichem Sender noch Woody Allens bisweilen etwas albern geratene Aufklärungsfilmparodie Was Sie schon immer über Sex wissen wollten... (Prisma Online). Mit etwas Glück wird nicht die reichlich entstellende Synchronisation mit Harald Juhne als Allens Sprecher ausgestrahlt, sondern die Jahre später mit Allens eigentlichem Synchronsprecher nachgeschobene, eher am Original orientierte Übersetzung.

    Ganz Hartgesotenne können die Widerstandsfähigkeit ihrer Hirnzellen heute auch ab 20:15 Uhr auf Tele5 auf die Probe stellen. Mit Tante Trude aus Buxtehude und dem Sequel Die tollen Tanten schlagen zu (um 21:55 Uhr) starten Ilja Richter und Rudi Carrell den Rundum-Totalangriff auf Geist, Humor und Intellekt. Und sagen Sie nicht, Sie hätten von nichts gewusst.


    ° ° °




    30.12.2003, Cubix Alexanderplatz

    Man hat auch schon bessere Hommagen an Filme vergangener Dekaden gesehen. Vielleicht lag's aber auch nur daran, dass die Ära von Rock Hudson und Doris Day nicht unbedingt zu meinen Spezialgebieten gehört, wenngleich ich mich daran erinnern kann, in meinen ersten bewusst wahrgenommenen Lebensjahren einige dieser Filme im TV gesehen zu haben. Wie auch immer: Ein zwiespältiges Filmerlebnis.

    Gewiss, die Optik ist zum Teil großartig: Bonbonfarbene Kostüme, der wunderbare Vorspann von Asylum, der (die?) auch schon den recht ähnlichen Titel zu Spielbergs Catch me if you can (USA 2002) gestaltete, die direkt aus den referierten Filmen herausgeklaubten Rückprojektionen während der Autofahrten, wie natürlich der absolute Overkill an stylishen Interieurs verwöhnen das Auge in einer Weise, wie man es sich eigentlich von Spielbergs recht fußlahmer juveniler Hetzjagd erwartet hatte.

    Doch auf diesen Pluspunkten ruht sich der Filmbeinahe schon etwas zu sehr aus und verspielt andernweitig leichtsinnig das erwirtschaftete Kapital. Kurz und schmerzlos: Das Drehbuch hat den Film schlicht und ergreifend nicht im Griff. Zwar gibt es immer wieder Momente, die einen - wie etwa in dieser Splitscreen-Sequenz, als McGregor und die Zellweger miteinander telefonieren und die währenddessen durchgeführte Gymnastik in der Organisation des Bildes für allerlei anzügliche Anspielungen sorgt - zwischen peinlich berührt und herzlich amüsiert schmunzeln lassen, aber diese oft genug mit Verve seitens der Schauspieler und der Menschen hinter der Kamera inszenierten Momente wechseln sich dann doch mit eher langatmigen Sequenzen ab, in denen der Film auf der Stelle tritt, sich zu sehr auf 60ies-Schauwerte verlässt und die schlußendlich einfach zu lange dauern. Dies mag vielleicht ja wirklich dem Tempo und der Struktur der filmhistorischen Vorlage entsprechen, nur hätte man hier, zumal man auch andernweitig recht frei damit umging, ein etwas rasanteres Erzähltempo wagen dürfen. In diesen zähen Momenten lässt auch die Inszenierung etwas zu wünschen übrig: Nicht selten filmt die Kamera einfach nur ab, selbst längere Dialoge werden häufig einfach nur in einer langen Halbnahen gefilmt, mit beiden Darstellern ohne Schnitt. Auch hier scheint man sich dem Original zu sehr verpflichtet gefühlt zu haben, gleichso, als wäre eine Hommage einfach nur eine Kopie.

    Anstatt also das Emblematische herauszufiltern und mit zeitgenössischen Mitteln zu überhöhen (wie das Tarantino etwa in seinen Filmen, vor allem natürlich in Kill Bill so wunderbar macht), verpufft Down with Love zur teilweise zwar recht nett anzusehenden, über weite Strecken dann aber eben doch recht faden Mode- und Art deco-Ausstellung. Dann kann man sich eigentlich auch gleich die historischen Originale ansehen, die wurden wenigstens noch auf richtigem Technicolor gedreht (und nicht, wie dieser Film, was der Abspann verrät, auf Filmmaterial von Kodak, dessen Eastman-Color damals, bittere Ironie des Schicksals, das weit teurere Technicolor-Material binnen kürzester Zeit vom Markt verdrängte).

    imdb | mrqe | angelaufen.de | links@filmz.de


    ° ° °




    Dienstag, 30. Dezember 2003
    » ...


    Weitere schöne Original-Materialien zu Wegeners Der Golem, wie er in die Welt kam (1920) in guter Qualität hier, darunter sogar das Drehbuch.


    ° ° °




    Montag, 29. Dezember 2003
    Thema: good news
    ... bringt uns im kommenden Jahr die dafür wohlbekannte Kölner Rapid Eye Movies. Nachdem man sich dort im ausklingenden Jahr eher etwas bedeckt gehalten hat (mit Ausnahme des herausragenden Dolls von Kitano vielleicht), sind für 2004 ein paar echte Schmankerl für's große und für's Heimkino angekündigt: So soll im März Sabus Blessing Bell in die Kinos kommen, eine lakonisch-humorvolle Reise eines schweigsamen Joe Nobody, die - wie es für Sabu typisch ist - vor grotesken Situationen und Wendungennatürlich nur so strotzt. Ein Film, von dessen Qualitäten man sich bereits auf der Berlinale 2003, wo der Film als Geheimtipp im Panorama lief, überzeugen konnte. Ebenfalls im März kommt Shinya Tsukamotos A Snake of June. Tsukamoto inszenierte bereits die beiden legendären Tetsuo-Filme und den wilden Tokyo Fist. Mit Gemini inszenierte er die psychischen Abgründe seiner Figuren zuletzt überraschend reduziert, aber nicht minder intensiv. Auf seinen neuen Film darf man deshalb gespannt sein! Im Mai folgt schließlich Aragami von Ryuhei Kitamura, Regisseur des brühmt-berüchtigten Versus. Aragami stellt dabei bloß die eine Hälfte des Filmprojekts The Duel Project dar: Beide Hälften präsentieren jeweils ein Duell zwischen zwei Kontrahenten, das Projekt als Ganzes bildet schließlich wiederum ein Duell zwischen Kitamura und Yukihiko Tsutsumi, wer denn von beiden das bessere Duell inszenieren könne.

    Und genau dieses Project erscheint dann als Ganzes auch im kommenden Jahr auf DVD - man darf gespannt sein, wer die Nase vorn haben wird. Erste Eindrücke von Besuchern des Fantasy Filmfests '03, wo beide Filme zu sehen waren, finden sich jedenfalls hier (Tsutsumi) und hier (Kitamura). Auch ansonsten bekommt der DVD-Player ordentlich Futter: Im Mai 2004 darf man sich auf eine Doppelbox freuen, die sowohl Kinji Fukasakus Meisterwerk Graveyard of Honor aus dem Jahr 1975 sowie Takashi Miikes höchst eigenständiges und kaum weniger beeindruckendes Remake des Titels vereint. Zuvor erlebt jedoch im März der Samuraifilm seine postmoderne Re-Genese auf digitaler Konserve: Im Kultfilm Samurai Fiction aus dem Jahr 1998 geht's, für dieses Genre recht ungewöhnlich, höchst poppig zu.

    Alles in allem ein schönes Paket, dass die Kölner da geschnürt haben. Bleibt zu hoffen, dass angesichts dieses Fokus auf Japan vielleicht ja auch mal Shunji Iwais wunderschöner All About Lily Chou-Chou in die Kinos kommt. Und warum der thailändische Tears of the Black Tiger, ein höchst unterhaltsamer Technicolor-styled-Western(!)-Spaß aus Fernost, noch nicht berücksichtig wurde, bleibt, gerade und besonders nach den internationalen Festivalerfolgen mit entsprechender Resonanz auch in hiesigen Fachmagazinen, kaum verständlich. Ich würde den ja nur zu gerne mal im Kino sehen - echt jetzt!


    ° ° °




    Montag, 29. Dezember 2003
    » ...
    Des mazens Blog lese ich nun schon recht lange und immer wieder mit Hochgenuß. Eines der wenigen Langtext-Blogs (natürlich in Relation zu sehen), das ich wirklich gerne und ausführlich lese. Unbegreiflich deshalb, warum ich es noch nicht in meine Links aufgenommen habe. Dies sei nun nachgeholt.


    ° ° °




    Liebestrunken sitzt Hsiao-Kang in Taipeh/Taiwan nachts vor dem Fernsehschirm, schaut sich sehnsüchtig Truffauts 400 coups an, denn seine Liebste, Shiang-Chyi, lediglich eine Projektionsfläche, weilt in Paris, wo sie, wie wir wenig später sehen werden, etwa zum gleichen Zeitpunkt auf einer Parkbank sitzt, neben sich - Nanu! - Jean-Pierre Léaud. Hektisch kramt sie in ihrer Tasche, sucht, wie sie Léaud auf dessen Frage nebenbei antwortet, nach einer Telefonnummer, nach Hsiao-Kangs Nummer, wie wir es wissen, auch er fungiert als Projektionsfläche. Ganz französischer Charmant kritzelt Léaud die eigene Nummer auf einen Zettel, reicht ihr diesen mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht, stellt sich als "Jean-Pierre" vor und meint, da habe sie nun eine - seine - Telefonnummer. Mal ganz ehrlich, muss man einen Film nicht alleine schon für diese Szene, diese Idee lieben?

    Nun, man kann, natürlich, ist aber - zum Glück - nicht dazu angehalten, ihn allein aufgrund dessen zu lieben, denn auch jenseits dieser kleinen, cineastischen Augenzwinkerei - es versteht sich von selbst, dass Léaud allein für diese Idee, nicht aber darüber hinaus eine Rolle spielt - weiß What Time is it there? von Tsai Ming-Liang mit vielen kleinen und größeren Einfällen zu überzeugen.

    Um was geht's? Hsiao-Kang ist Straßenhändler, verkauft, eher lustlos, Uhren. Der Vater ist vor kurzem gestorben, die Mutter flüchtet sich in den Trost des Buddhismus, glaubt, dass ihr Gatte reinkarniert zurückkehren werde, richtet die Organisation des Alltags und damit auch des Zusammenlebens zunehmend auf dieses Ereignis aus, was zusehends zum Zwist mit dem Sohn führt. Shiang-Chyi lernt er dann auf der Straße beim Geschäft kennen, sie interessiert sich für die Uhr an seinem Handgelenk, doch die ist, zunächst, unverkäuflich. Im Verhandlungsgespräch stellt sich heraus, dass die junge Frau schon bald in Paris weilen werde, dass sie deshalb eine Uhr benötige, die ihr beide Uhrzeiten - die lokale, wie die der Heimat - anzeige. Für den nächsten Tag wird ein weiteres Treffen verabredet, dann könne Hsiao ihr ein Exemplar dieser Uhr besorgen, verkauft wird, letztendlich, dann dennoch das eigene. Für beide - Hsiao durch den Tod des Vaters, die Entfremdung der Mutter traumatisiert, Shiang-Chyi in der Fremde isoliert - gerinnt die flüchtige Begegnung zur Projektionsfläche eigener Sehnsüchte, zum sicheren Anker in Zeiten der Unsicherheit. Hsiao flüchtet sich in französische Filme, die er nicht versteht, macht es sich zur Aufgabe, jedwede Uhr in seiner Umgebung nach Pariser Zeit einzustellen (was die Mutter im Haushalt als Zeichen der baldigen Wiederkehr des Gatten umdeutet), denkwürdige Parallelen im Bestreiten des Alltags, wie etwa die eingangs skizzierte, tun sich auf.

    Klingt vielleicht ein wenig nach Wong Kar-Wai, ist aber in der Auflösung denkbar weit von den stilisierten Melancholielektionen des Hongkong-Chinesen entfernt. Eine weitgehend unbewegte Kamera fängt das Geschehen ein, macht sich selbst so zum statischen Fenster, den Kinosaal zum Kuckkasten in die Alltagsrealitäten weit - auch voneinander - entfernt lebender Menschen. Der Zuschauer ist auf sich selbst zurückgeworfen, ist durch und durch Betrachter - die bestrahlte Leinwand als bewusst wahrgenommene Fortsetzung des Raums. Denn um den trennenden Raum - immerhin der halbe Globus liegt zwischen beiden Spielorten - geht es: Hier das moderne Taiwan, dort das gleichsam alt wirkende Paris. Und damit immer auch verbunden die Zeit, die man rumkriegen muss, bis man den anderen wieder sieht, die man totschlagen muss, ist doch nichts anderes zu tun, als den Verlust an sich nagen zu lassen.

    Doch sind die einzelnen - ja, man kann sie wohl so nennen - Bildkapitel, die What Time is it There? aneinander montiert, niemals beliebig oder gar banal. Jedes Bild erfüllt seinen Zweck im Ganzen, jedes ist, wenn auch oft understatement-haft, durchkomponiert, in sich austariert. Der Film entwickelt dabei eine ganz eigene Freude am Sehen, lässt durch die empathisch nur langsam vergehende Zeit die Freude am Detail und am Blick darauf erwachen: Ein Treppenhaus, so und nicht anders, die Kamera keinen Millimeter anders positioniert, in Szene gesetzt, ein Hausflur, so banal in seinem Dasein, so schön in der Aufnahme. Ruhig, gleichsam meditativ das Erzähltempo, geradezu verschwenderisch werden Aspekte des Alltags gezeigt, doch immer eingebettet in ein, wenn nicht narrativ, so doch atmosphärisch in sich geschlossenes Ganzes.

    Und dann immer wieder der trockene, poetische Humor, etwa wenn Hsiao jede, aber auch wirklich jede Uhr umzustellen versucht. Von einem flachen Dachgelände aus beugt er sich zur Fassade hinab, angelt mit einer zweckentfremdeten Antenne nach dem Uhrzeiger eines Hochhauses, zieht den Zeiger in die gewünschte Position, Paris Ortszeit bitte schön. Gänzlich unspektakulär setzt der Film das in Szene, fast schon beiläufig, kein Kommentar. Man schmunzelt in sich ein, lächerlich indes wird's nie. Man bleibt gespannt, mit welcher Begebenheit uns der Film als nächstes auf Entdeckungsreise schicken wird.

    Man kann davon ausgehen, dass What Time is it there? auf nur wenigen der hiesigen Leinwände zu sehen sein wird. Wer die Möglichkeit zu einer Sichtung hat, sollte sich diesen kleinen, unspektakulären, lebensklugen, und, ja, auch gewitzten Film nicht entgehen lassen.

    imdb | mrqe | angelaufen.de


    ° ° °




    15.05.2003, Heimkino

    Das ist jetzt auch wieder so ein Fall, wo man sich anschließend fragt: Für wen soll das was taugen? Mauer, langweiliger Abklatsch von EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE für picklige Backfische. Hausbacken inszeniert, darstellerisch hölzern, zu 100% vorhersehbar, noch nicht mal für ordentlichen Trash hat's gereicht! Fade, unheimlich fade, genaueres kann man hier nachlesen.


    ° ° °




    14.05.2003, Heimkino

    Die Tickets sind gebucht: Am 10. Juni, abends um 17 Uhr, geht's gen Big Apple. Grund genug, für eine kleine, undurchdachte, herzlich unverkrampft verfolgte "New York im Film"-Reihe. Die Wahl auf FAST FOOD FAST WOMEN als ersten Teil dieser Reihe ist dann auch gleich nicht etwa Resultat einer großen Überlegung, eines konzeptuellen Vorgehens, sondern allein einem uninspirierten Gang durch die Gänge meiner Kiezvideothek geschuldet: "Was denn nur schauen... Ach ja, der da... Habe ich ja damals im Kino verpasst... Und SUE fand ich ja eigentlich ganz nett... Ist wieder vom gleichen Regisseur und mit der gleichen Schauspielerin... Und so langsam solltest Du die "New York"-Reihe eh mal in Angriff nehmen." Keine Minute später war der Film entliehen.

    Knapp 3 Stunden später wurde er zurückgebracht, etwas widerwillig wurden die fälligen 1,60 Euro bezahlt. Was, bitte schön, soll das denn jetzt gewesen sein? Wer soll sich das denn, und zu welchem Zweck bitte, ansehen?

    Nun gut, also von vorne. Die Wurzeln sind klar: Auf Teufel komm' raus wurde da versucht, das "Wang"-Gefühl entstehen zu lassen. Wildes Treiben geschlechtsreifer, im Leben gestrandeter, liberaler Mitt-30er bis Mitt-70er in New York City rund um ein kleines Bistro, im Zentrum Bella, dargestellt von jener immer etwas affektiert zeigefreudigen Anna Thomson. COFFEE IN THE FACE hätte man's nicht nennen können, ohne dümmlichen Slapstick einzubauen, wurde eben FAST FOOD FAST WOMEN draus. Und was geschieht? Wüsste ich auch gerne, aber ich versuch's mal: Da legt man sich auf die Straße vor ein Auto, um sich den Sonntagnachmittag etwas aufregender zu gestalten (es versteht sich von selbst, dass diese seltsame Sequenz keinerlei Zweck im Film erfüllt, zumindest keinen, der sich mir erschlossen hätte), da verkehrt die Affäre der einen mit der Affäre des anderen, ohne dass die beiden gehörnten davon was mitkriegen, grantelnde Männer mit zuviel Zeit seit ihrer Pensionierung trinken schlürfend ihre Kaffees, nur einer mag nicht so recht in den Kanon des Alterzynismus miteinstimmen und sucht die Freuden des Lebens - er bringt die alte, nervige Vettel sogar mal mit ins Bistro. Allesamt haben sie liberal eingerichtete Appartements, allesamt kommen sie eigentlich ja nun gar nicht so recht mit dem Leben zurecht, aber für etwas lebensweisen, liberalen Small-Talk im liberalen Cafébistro mit dem liberalen Chef reicht's allemal. Liberale Wünsche werden formuliert, liberale Lebensträume wahlweise verwirklicht oder verworfen, Allen meets Wang unter Berücksichtigung der femininen Perspektive also.

    Klappt aber alles nicht, da kann Anna Thomson noch so oft beatnik-like (und natürlich: liberal) desnächtens das um den Körper geschlungene Badetuch frohlockend vom Balkon aus in die Finsternis schmeißen und dem Obdachlosen unten auf der Straße ihre prallen Titten präsentieren. Das mag den vielleicht ja sogar erfreuen, aber unsereins kriegt die nun wirklich in nahezu jedem ihrer Filme auf's Auge gedrückt und für etwas mehr als käsiges Angeödet-Sein ob der bemühten Etablierung New Yorker Schrulligkeit reichen solche und vergleichbare Szenen nun wirklich nicht aus. Ferner ist's einem auch einfach nur vollkommen scheißegal, was da vorne passiert. Ist eh meistens die andauernd aufs Neue reichlich lauwarm aufgewärmte Sauce von den New Yorker Stadtgeschichten, die in diesem Fall weder sonderlich charmant noch dramaturgisch sonderlich gewitzt in den Sand, pardon, in Szene gesetzt wurden, zumal sich der Film auch gar keine Mühe gibt, zu verstecken, dass dem traurigen Treiben ein äußerst lahmes, undurchdachtes Drehbuch zugrunde liegt. Angesichts der Lücken in selbigem, angesichts der seltsamen Sprünge in der Dramaturgie und angesichts der zahlreichen Weglassungen, die dringend nötig gewesen wären, um die einzelnen Episoden wenigenstens halbwegs in ein wie auch immer geartetes homogenes Ganzes zu verwandeln, beschleicht einen dann und wann gar der Gedanke, lediglich eine Aneinanderreihung all jener Szenen zu sehen, die in der Post-Production eines vollkommen anderen (vielleicht ja sogar recht gelungenen?) New-York-Films den Schneideraum nicht mehr verlassen hatten, zumindest nicht in den Filmrollen, die anschließend zum Kopierwerk gebracht wurden.

    FAST FOOD FAST WOMEN ist durch und durch, ganz ohne Zweifel, ein abgeschmackter, fader B-Movie-Abklatsch eines Arthausfilms und das ist etwas, was die Welt nun wirklich überhaupt nicht braucht. Und das nächste Mal Frau Thomson bitte unbedingt etwas mehr Gage anbieten, um ihr diesen nicht nur ihre primären Geschlechtsmerkmale betreffenden, seltsam peinlichen Zeigegestus auszutreiben. Das kann sich ja kein Mensch ansehen, wie die sich vor der Kamera zum Horst macht


    ° ° °




    14.05.2003, Filmkunsthaus Babylon

    Adaption des gleichnamigen, über die tschechischen Landesgrenzen hinaus kaum bekannten Märchens mit Witz: Verlegt in unsere Neuzeit, entblättert sich nicht nur die Erzählung des Märchens, nein, ein den Verlauf des Geschehens beobachtendes Mädchen wird sich dessen gewahr - es kennt das Märchen aus dem Buch! - und versucht das drohende Ende zu verhindern. Dass das nicht klappt, ist schon allein Svankmajers Vorliebe für die Verquickung des Organischen mit dem Mechanischen geschuldet: Das Organische wird gleichsam mechanisch, das Fleischliche ist stets im fremdbestimmten Fluss, der Vorgang gleich welcher Art ist nur als automatisiert verstehbar.

    Ein kinderloses Paar wünscht sich nichts mehr als Nachwuchs, durchlebt, aufgrund des Ausbleibens desselben, eine neurotisch durchtränkte Alltagshöllenwelt und fetischisiert schlußendlich ein Stück Wurzelholz - es erinnert entfernt an einen Säugling, sehr offensichtlich aber an die Skulpturen David Lynchs. Nach 9 Monaten schließlich kommt das Kind auch noch zur Welt: Das Holz, es schreit, entwickelt Leben, vor allem aber: Hunger. Der Vater hätt's niemals geglaubt, die Mutter hingegen war von der Niederkunft überzeugt. Wie nun aber das nimmersatte Wurzelstück vor den neugierigen Blicken der Nachbarn - "Den kann man ja nun keinem Menschen zeigen!" - schützen, wie den Hunger des Vielfraßs - gestatten, Otik sein Name - stillen, wie Aberdutzende Fleischzentner durch's hellhörige Treppenhaus schleusen, ohne aufzufallen? Da schief geht, was schief gehen muss, wird das "Kind" obendrein auch noch zum Menschenfresser, lässt schon mal Postboten, allzu neugierige Jugendamtbeauftragte, Hunde und auch Nachbarn verschwinden.

    Das kleine Nachbarsmädchen, das die Augen vor allem in Aufklärungsbücher steckt, sich selbst als "possesiv" umschreibt und auch sonst nicht müde wird, die Verfehlungen ihrer Mitmenschen psychologisch zu analysieren, riecht den Braten schon bald, sieht endlich - endlich! - die Chance auf einen, zumindest halbwegs, gleichaltrigen Spielgefährten im Haus. Und setzt dementsprechend alle Hebel in Bewegung, den kleinen Gierschlund vor dem mittlerweile panischen Zugriff der Elten zu schützen, ihn zu bemuttern. Dafür wird dann auch schon mal - der Otesánek will schließlich auch in der Diaspora des Kartoffelkellers weiterhin gefüttert werden - der senile Lustgreis von nebenan verfüttert.

    Svankmajer bleibt seiner surrealen Welt, zumindest auf der reinen Handlungsebene, treu, wenngleich eine stete Loslösung von der totalen Absurdität seiner frühen Kurzfilme, die nicht mal den Verdacht aufkeimen liessen, eine authentische Abbildung unserer Welt darzustellen, festzustellen ist. Geradezu auffällig normal ist der Blick auf's Prag der Jetztzeit über weite Strecken, die gewohnten Animationsphantastereien, die Svankmajerschen Reisen ins Surreale, die Illustrationen unterbewusster Vorgänge werden nur pointiert und dezent eingesetzt, wohingegen die altbekannte Lust an der Textur des Organischen nach wie vor herzhaft ausgelebt wird: Spiegeleier, Rühreier, Kartoffelsuppe, abgenagte Hundeskelette, Gemüsebrei, Sabber am Mundwinkel und was sonst nicht noch alles wird im Detail vorgeführt, die Konzentration unseres Blicks darauf immer wieder durch die gnadenlose Montage erzwungen. Das mag für einige gewöhnungsbedürftig sein, grenzt, in der Radikalität dieser Darstellung - trotz des Allerweltscharakters des Gezeigten, ein Spiegelei sehen wohl nicht wenige täglich -, nicht selten ans Ekelerregende. Es entsteht eine Welt des Organischen, eine Klaviatur des Ertastbaren, Schaubuch der Ursuppe, aus dem alles, auch der Mensch - wenngleich unsere Vorstellung von diesem in der Regel kaum dem Svankmajer-Brei entspricht -, entsteht. Dem steht das zeugungsunfähige, sehr unorganisch gezeichnete Paar gegenüber, deren Flüssigkeiten in der Vermengung, nun ja, bislang rein gar nichts ergaben.

    Gegen Ende wird's ein wenig lang, das kann der Film kaum verbergen, zu sehr wurde da die eigene Note zu unterstreichen versucht, zu wenig ließ man sich auf's bloße Genre-Dasein - vom Märchen über's Drama hin zur schwarzen Gesellschaftssatire und dem Splatter reicht das Spektrum - ein. Da ertappt man sich dann schon dabei, dass man den Film gerne überholen, ihn doch endlich zum Abschluß bringen möchte. Das soll aber mitnichten darüber hinwegtäuschen, dass dem beinahe 90 Minuten gewitzten, phantasievollen Kinos vorangegangen waren.


    ° ° °




    12.05.2003, Heimkino

    Die Skyline der Großstadt bei Nacht, ein markerschütternder Schrei, ein rennendes Mädchen, Blut, ein zweites Mädchen, tot. Mittendrin in einem Giallo, möchte man meinen, etwas mehr Blut, etwas mehr Gewalt und das könnte vielleicht auch ein Film von Argento oder Fulci sein. Doch dann trittt Donald Sutherland als ermittelnder Polizist ins Bild, dem die Lösung des Verbrechens zur Obsession wird, und das wirkt, in den Siebzigern, eben immer auch wie Wenn die Gondeln Trauer tragen von Nicolas Roeg. Auf dem Regiestuhl saß jedoch Chabrol und so ist's kaum ein Wunder, dass der Thriller einen etwa nach halber Laufzeit im Stich lässt, zum Familiendrama mutiert. Recht elegant geschieht das: Die Ermittlungen bleiben stecken, nicht zuletzt auch weil die Überlebende des Verbrechens, die "Schwester" des Opfers, recht widersprüchliche Aussagen macht. Das Tagebuch des Opfers, im Müll geborgen, soll Aufschluss geben, bleibt alleiniges Indiz. Um Inzest geht es, gewissermaßen, denn das Opfer war lediglich in jungen Jahren in die Familie aufgenommen worden, nur Cousine der Überlebenden und deren Bruders. Mit dem sie ein Verhältnis hatte. Und der sehr eifersüchtig ist.

    Die Suche nach dem Mörder da draußen, irgendwo zwischen den Fassaden der Stadt, gerinnt zur spannenden, buchstäblichen Lektüre der Obsessionen da drinnen, ausgefochten allein in den Seiten des Tagebuchs, zu einer Studie familiärer Stukturen und Implikationen. Chabrol eben, einmal mehr. Mir hat's gefallen.


    ° ° °




    11.05.2003, Heimkino

    Das Grauen gleich zu Beginn: eine Enthauptung. Groß füllt die Guillotine den Bildkader aus. Baron Frankenstein - wie immer natürlich großartig: Peter Cushing - soll für seine Verbrechen aus Curse Of Frankenstein mit dem Tode büßen. Der Priester spricht salbungsvolle Worte, der Henker und sein Gehilfe nicken sich bedeutungsschwanger zu. Die Kamera tastet die Guillotine nach oben entlang ab. Da - auf einmal! - aus dem Off die Geräuschkulisse des Miteinanderringens, ein Ächzen, ein Krachen, das Beil saust nach unten und ? Schnitt! Buchstäblich und doppeldeutig! Ein gellender Schrei überlagert ihn, doch sofort wird ein burleskes Lachen draus, wir befinden uns, nach dem Schnitt, im nahen Wirtshaus. Das Entsetzliche und der (Mords)Spaß, das Grauenhafte und das Komische, das alles liegt nahe beieinander. Die Quintessenz des Horrorfilms also, in nur wenigen Bildern auf den Punkt, mit minimalem Aufwand zustande gebracht. Und auch erzählt uns das: Dass nichts im Horrorfilm so ist, wie es uns das Bild glauben machen möchte. Dass alles immer auch ein scherzhaftes, augenzwinkerndes Spiel mit dem Grauen ist, dass der Bildinhalt (dass es, natürlich, nicht etwa Frankenstein gewesen war, der im Off geköpft wurde, das erfahren wir schon kurz darauf) nie bloß das ist, was er vorzugeben scheint. Dass der Horrorfilm, was das Inszenatorische angeht, vor allem immer ein doppeldeutiges Spiel mit filmischen Mitteln ist, eigentlich ja sogar, nimmt man den Film beim Wort, filmische Essenz darstellt.

    Auch jenseits dessen ein schaurig-schöner Film, eine Geisterbahnfahrt durch die Welt der Hammer-Studios, mit subtilen ironischen Untertönen, einer moralisch - wie es sich für einen zünftigen Film aus dem Frankensteinkomplex gehört - vollends grau gezeichneten Welt und einer gewitzten, lakonischen Pointe am Ende.


    ° ° °




    Thema: Kinokultur
    Nur dumme Menschen würde das nicht interessieren. Deshalb: ja, bitte!



    ° ° °




    Samstag, 27. Dezember 2003
    10.05.2003, Heimkino

    "Film is like a battle ground. It has love, hate, action, violence, death. In one word: emotions.", antwortet Samuel Fuller, lässig, vielleicht sogar leicht gelangweilt, an eine Wand gelehnt, während einer Party, jenem Ort also, an dem, dem Ideal nach, die Klassengegensätze aufgehoben, soziale Begehrlichkeiten formuliert und eingelöst werden sollen. Nichts dergleichen hier, es herrscht allein die Sprache der Reklame, des Kommerzes. Ein Leben, das, selbst in eigentlich ja Momenten des Ausbruchs, nurmehr in der Vorgabe dieser Koordinaten, in Begriffen der Verwaltung denkbar scheint.

    Es geht also um Emotionen, weiß Ferdinand nunmehr. Er war es, er hatte die Frage zuvor gestellt, was Film denn sei. Und eigentliche Emotionen, das Authentische, scheint es in seiner Welt - die unmittelbare Umgebung gibt ihm recht - nicht mehr zu geben. Er nutzt die Chance des Nunmehr-Besser-Wissens und macht sein Leben zum Film, zum Genrefilm, um genau zu sein. Dazu gehört eine schöne Frau mit einem Geheimnis an der Seite, ein schnelles Auto, viele Dollars, Schlägereien, Polizisten, Verfolgungsjagden, Unfälle, gefolgt von Feuerbällen, eine einsame Insel, wilde Tiere! Und es gehört etwas Außenseitertum dazu, der Ausbruch aus den Konventionen als solcher, und Musik, Liebe, Poesie! Die ganz wilde Räuberpistole also, eine wilde Reise durch's Kino, durch die Genres, liebevolle Hommagen allenthalben.

    Vielleicht sogar Godards schönster Film.


    ° ° °




    10.05.2003, Heimkino

    Samstagnachmittagsfilme, wie ich sie mag: augenzwinkernd, eine geschmeidige Umsetzung und ohne nennenswerteres Drama - alles klappt wie am Schnürchen, am Ende steckt man sich grinsend eine Zigarre in den Mundwinkel und klopft sich gegenseitig auf die Schulter. Dazu, diesseits des Bildschirms, ein paar Gläser White Russian und der Tag ist gerettet.

    Ein schöner "Rauben wir gleich die ganze Bank"-Film ist das, mit einem ganz unglaublichen Plan, einer haarsträubenden Umsetzung desselben und reichlich Schlitzohrentum. Sogar der Zuschauer wird an der Nase rumgeführt und das, obwohl er es doch eigentlich, schon allein aufgrund des ersten Clous gleich zu Beginn des Films, besser wissen müsste. Schön, dass Soderbergh mit Ocean's Eleven eigentlich eher ein Remake von The Sting gedreht hat und sich nicht 1:1 an die Vorlage des eher öden Ratpacks gehalten hat.

    Köstlich!


    ° ° °




    08.05.2003, Kino International

    Die Feuertaufe eines Films stellt immer erst die zweite Sichtung dar. Erst hier bewahrheitet sich, ob ein Film in erster Linie davon lebt, dass man ihn schlicht und ergreifend noch nicht kennt und den Zuschauer dadurch bei Laune hält, oder ob er auch jenseits dessen zu begeistern weiß.

    City Of God darf sich in dieser Hinsicht, zumindest was meine Person betrifft, entspannt zurücklehnen: Auch beim zweiten Mal ein rundum spannender, sehenswerter und geradezu euphorisierender Film, der zumindest mich ganz ungemein in seinen Bann zieht. Steckt man erstmal drin, in diesem Geflecht, dann möchte man - perfiderweise eigentlich, ob der dargestellten Gewalt - gar nicht mehr heraus. Man möchte sehen, wie es weiter geht, möchte zurückblicken, ob in den Gassen und Hinterhöfen der Favellas nicht noch etwas ausgelassen wurde, ob es da nicht doch noch etwas gibt, was nicht erzählt wurde.

    Einmal mehr benommen den Saal verlassen, benommen und begeistert.



    ° ° °




    07.05.2003, Heimkino

    Im letzten Schnitt wird in einem Essay der Film als Zeitmaschine bezeichnet und Video als deren neue Qualität. Eine Zeitreise stellt, zumindest für mich, die Ausstrahlung von L'Aile ou la cuisse auf dem neuen Senderkonglomerat RBB definitiv dar, eine Reise zurück in frühste Kindheitstage, als der Betamax-Rekorder unterm Fernsehgerät mich zum Film, zur Liebe zum Film brachte.

    Was habe ich diesen Film doch geliebt! Seine dummen Sprüche habe ich mitgesprochen, mich über Funes' Grimassen amüsiert, zwar nichts vom Plot wirklich verstanden - war ja auch gar nicht nötig! -, aber stets hemmungslos gelacht. Was habe ich diesen Film also geliebt, wie auch alle anderen mit Louis de Funes, oder aber auch mit Pierre Richard, oder mit Bud Spencer und Terence Hill, mit Dudu, dem Käfer, mit Chewbacca und Rocky, mit Conan und dem Orang-Utan Clyde und wie die ganzen Figuren des 70er/Früh-80er Unterhaltungskinos noch heißen mögen, dessen Pforten mir, zum Glück, nicht von pädagogikverblendeten Eltern verschlossen wurden (später, bei Rambo und Konsorten - ich war gerade mal 10 - wurde es dann etwas kritischer, aber man hat ja so seine Wege, bzw. seinen Freudeskreis).

    Und heute? Heute ist's ein willkommenes Wiedersehen, ein Sprung zurück in jene Zeit, als dämliche Filme noch unberührte Herzen weit öffnen konnten, als die Welt der Erwachsenen, die meine eifersüchtig gehüteten Juwelen - was ein Drama, wenn eine dieser kleinen Betamaxkasetten abhanden gekommen, vermutlich gar gelöscht worden war! - als "Blödsinn" belächelten und stillschweigend hofften, dass mit dem Alter wohl auch die Einsicht käme, seltsam entrückt wirkte, unerreichbar weit weg. Ich hatte auch gar keine große Lust darauf, irgendwann mal so reif zu sein wie die, um dann etwa - Gott, bewahre! - meine eigenen Filmlieblinge nicht mehr schätzen zu können.

    Natürlich, heutzutage würde mich L'Aille ou la cuisse ohne diese biografische Vorgeschichte wohl nicht mehr vom Hocker reißen, klar. Doch anschauen mag ich mir das noch immer sehr gerne, zum Glück! Ich kannte sogar noch einzelne Elemente des Plots - irgendwas bleibt selbst beim größten "Nicht-Verstehen-Müssen", ewigen Wiederholungen sei's gedankt, hängen - und die Witze konnte ich noch immer mitsprechen, auch die Slapstickszenen waren mir noch wohlbekannt. Fast gruselig eigentlich schon, was man selbst noch nach Jahren des "Lange-Liegen-Lassens" dem Hirn an abgespeicherten Informationen entlocken kann. Neu waren mir, da war der kleine Junge vor dem Fernseher dann doch noch zu naiv, ein paar soziale wie politische Seitenhiebe in den Dialogen, die sich aus einer ähnlich rustikalen, ganz spezifisch französischen "mir-san-mir"-Mentalität speißen wie die Asterixcomics und dieser seltsame Antiglobalisierungsaktivist (wie heißt der noch gleich? Dieser Typ, der links daherkommt und rechtes spricht, während er McDonald's an die Fassade pinkelt?). Da passt es dann auch ganz gut zusammen, wenn man auf der imdb nach kurzer Recherche feststellt, dass Claude Zidi, der als Regisseur für diesen Delikatessenklamauk mitverantwortlich zeichnete, in den späten 90ern diese Asterixadaption mit realen Menschen bewerkstelligte.

    Irgendwann war der Spaß dann auch vorbei und ließ mich mit dem festen Entschluß zurück, auf dem Regal eine kleine Extrasektion einzurichten: "Kindheitserinnerungen". Der Betamaxrekorder ist lange schon den Weg alles Irdischen gegangen, liegt vermutlich auf irgendeiner fränkischen Müllhalde unter, mittlerweile wohl, 20 bis 30 Metern Hausmüll begraben, die dazugehörigen Kasetten, die sind schon längst von der Sperrmüllabfuhr abgeholt worden, sind vermutlich schon verrottet, die Informationen auf den Bändern schon lange nicht mehr abrufbar. Aber der naive, mit großen Augen staunende Junge, für den diese Kasetten und dann diese Wundermaschine einst ein kleines Stück Paradies auf Erden darstellte, den gibt's noch immer. Manchmal, wenn sich irgendein öffentlich-rechtlicher TV-Sender erbarmt, die alten Bestände aus dem Archiv mal wieder auszuwerten, kommt er zu Besuch.


    ° ° °




    05.05.2003, Filmtheater am Friedrichshain

    Schwierig, was zu diesem bemerkenswerten Film zu schreiben, wirklich schwierig. Nur zwei Zitate deshalb, beide via angelaufen.de: "Es sind nur die besten aller Filme, die diesen Wunsch auslösen: Dass man jedes Detail notieren, ihr Universum komplett verstehen, die Geschichte Bild für Bild nacherzählen möchte.", schrieb Tobias Kniepe in der Süddeutschen. Und Tom Tykwer meinte im Spiegel: "Schon lange nicht mehr haben wir etwas so Andersartiges im populären Kino gesehen, eine filmische Erfahrung gemacht, die so substanziell abweicht von all den vielen hysterischen, freundlichen, absurden und biederen Bildern, die uns ständig auf die Netzhaut prasseln. Punch-Drunk Love, so heißt dieser lächelnde Alptraum, diese zärtliche Bestie von einem Film. Er wird niemanden enttäuschen, der noch auf der Suche ist."



    Besser kann man diesem Juwel wohl nicht begegnen, ohne ihm Gewalt anzutun. Dieser Film ist herrlich, glaubt den Unkenrufern kein Wort!


    ° ° °




    05.05.2003, Pressevorführung

    Der etwas bodenständigere Zwilling von George Clooneys Regiedebut: auch hier ein TV-Star, den die Geltungssucht in die Medien treibt, den vor allem aber die Libido umtreibt, auch hier ein retro-chices Ästhetikdestillat der 60er und 70er. Allein, in Auto Focus geht's ein wenig ernsthafter zu als beim "The Showbiz Must Go On"-Kollegen. Bob Crane steht hier im Mittelpunkt, den man hierzulande wohl vor allem als Hogan aus Ein Käfig voller Helden, dieser bisweilen recht witzigen Klamotte im Nazi-Gefangenenlager, kennt, und wie er - Schrader bleibt sich treu - einsam in der Masse ist, mit den Konventionen seiner Zeit nicht umzugehen weiß, an diesen zusehends zu ersticken droht. Am Ende ist er tot: ermordet, 1978, der Schuldige wurde nie gefasst.

    Crane ist, wenn auch zunächst noch biederer Familienpappa, sexsüchtig. Mit seinem überaus zwielichtigen Kumpan John Carpenter (nein, nicht etwa zu verwechseln mit...), der Cranes Celebrity-Status bereitwillig nutzt, um ebenfalls zum Zuge zu kommen, dreht er Homemade-Pornos, denn Carpenter ist Technikaficionado und Bastel-Ass, hat zudem einen hohen Posten in der Entwicklung bei Sony und kommt an alle Goodies und Prototypen: Video tritt seinen Weg an, die Welt zu erobern! Die Pornobänder stapeln sich, zusammen (aber ganz klar: nicht gegenseitig) holt man sich vor dem Bildschirm einen runter, redet über den Fick auf dem Bildschirm, weiß schon den Namen der Frau gar nicht mehr: Sex, Lügen, Video. Doch Crane zerbricht an seinen Obsessionen, mit denen er, trotz zweier Scheidungen, noch immer recht naiv umgeht: "Ich liebe Titten! Große, kleine, hängende, straffe - Titten sind was Schönes!", verkündet er aus dem Off und klingt dabei wie ein Kind, das mit leuchtenden Augen von seinen Lieblingsschokoriegeln erzählt. Dem kurzen Ruhm von Hogan's Heroes folgt der lange Absturz, das lange Siechtum, die biederen 70er, die political correctness.

    Ein Film über den Wandel, den das davon betroffene Individuum nicht fassen, lediglich fassungslos beobachten kann. Ein Film über den Zeitgeist der Mode also, über die Mode des Zeitgeists. Die Interieurs ändern sich, die Kleidungen ändern sich, die Frisuren ändern sich, Vorstellungen vom gesellschaftlichen und privaten Miteinander ändern sich. Ja, sogar die Technik zur Bildfabrikation, die ändert sich, ebenso wie die Archivierung: die blanken Bandrollen der ersten Videotage werden, geradezu beiläufig, eines Tages von den noch globigen Vorreitern der heutigen Videokassetten abgelöst. In grellen Farben kommen die 60er daher, wie in einem hippen Club in Berlin Mitte sieht das alles aus, die 70er dann schon etwas reduzierter, wenn wir dann am Tiefstpunkt angelangt sind, wechselt gar das Aufnahmemedium: Crane ist - buchstäblich - gefangen im Videobild, grobkörnig, verwackelt, amateurhaft, blass: Video killed the tv-star!

    Schrader wagt es nicht, über Crane zu urteilen. Klar, das ist schon ein Arschloch, so irgendwie. Egozentriert, geltungssüchtig, gegenüber anderen geradezu sorglos hedonistisch. Doch Crane ist auch ein Mensch, der für seine Veranlagung augenscheinlich nichts kann, für den "Sex vollkommen normal" ist, so normal gar, dass er sein Fotoalbum, darinnen Aufnahmen zahlloser geschobener Nummern der letzten Jahre, bereitwillig jedem zeigt, der sie gar nicht sehen will. Einer also, der mit den bürgerlichen Vorstellungen von Monogamie und Sexualität nichts anzufangen weiß, letzten Endes gerade an der Allmacht dieser Moralvorstellungen im Leben scheitert. Disney wagt es jedenfalls nicht mehr, mit diesem Mann einen Film zu drehen. Nicht, nachdem "diese Fotos" in der Boulevardpresse aufgetaucht sind.

    Auto Focus ist sicherlich kein Meisterwerk, auch ob er als großer Klassiker in die Annalen der Filmgeschichte eingehen wird, ist zumindest fraglich. Sorgfältig inszeniertes Qualitätskino, dem man die vielen Jahre seines Urhebers im Geschäft, damit einhergehend dessen Reife hinsichtlich der Wahl und des pointierten Einsatzes filmischer Mittel, in jeder Einstellung ansieht, stellt er aber in jedem Falle dar.


    ° ° °




    04.05.2003, Heimkino

    Hammer-Retro, Teil 3: 1966 waren die Zombies noch ganz der klassischen Tradition verpflichtet: willenlose Arbeitssklaven, derer man sich mittels exotischer, haitianischer Voodoorituale ermächtigen konnte. Bis zur modernen, esoterischen Hokuspokus gänzlich beraubten Neuinterpretation der Untoten sollte es in der Lumière-Galaxis noch 3 Jahre dauern, erst ein us-amerikanischer Werbefilmer aus Pittsburgh sollte diesen filmgeschichtlich ungemein wichtigen Schritt wagen.

    Hier jedoch sind wir einer Einladung der vergleichsweise konservativen Hammer-Studios gefolgt und dort beginnt ein Zombiefilm eben, ganz der Tradition verpflichtet, in einer scharf kontrastierenden Parallelmontage, die das "das Eigene" und "das Andere" nachhaltig betont: hier also das beschauliche England, Cornwall, um genau zu sein, dort das geographisch noch nicht näher lokalisierbare Voodooritual mitten im Verlauf, stilecht in einer Grotte, mit exotischen Masken ausgestattet, von monoton vorgetragenen Beschwörungsformeln getragen und von, nunja, trommelnden "Negern" begleitet, deren filmdramaturgischer Zweck sich allein auf eben jenen exotischen Mehrwert reduziert. Dem folgt eine beinahe etwas behäbige Gruselgeschichte um eben jenes Cornwall, in dem auf überaus mysteriöse Weise in den letzten 12 Monaten ein seltsames Sterben die Runde macht. Der noch junge und noch nicht so recht anerkannte Dorfarzt ruft seinen ehemaligen Lehrmeister in den Ort, um mit dessen Hilfe dem Mysterium auf den Grund zu gehen. Dass die eingeschworene (buchstäbliche) Lokalgemeinschaft beiden nicht traut, ist schon allein den Genrekonventionen geschuldet: "Reing'schmeckte" von Außen sind das, Intellektuelle obendrein, die hinter verschlossenen Türen seltsam vor sich hin forschen.

    Kurz bevor der Film droht, langweilig zu werden, tritt er gehörig auf's Gaspedal: Das Grauen, zuvor ja immer nur behauptet, tritt ganz offen, schockierend unvermittelt in den Bildkader: Die Gestorbenen werden - "Von wem?" , "Ja, genau darum geht's!" - ausgebuddelt, werden zu Wiederkehrern! Mit formalen Mitteln weiß man dieses "Einbrechen ins Vertraute" zu unterstreichen: Denkbar spektakulär und reißerisch wird der erste Zombie des Films in Szene gesetzt. Was folgt ist eine, für damalige Verhältnisse und für den Kontext des viktorianischen Gothikgruslers, in dem wir uns bewegen, einzigartige Achterbahnfahrt, die mit Schauwerten nicht geizt: Wo hat man schonmal die Übergangsphase vom Toten zum Wiederkehrer derart charmant aufgelöst gesehen? Wo gab es zuvor - später in Genrefilmen oft zitiert! - einen wildgeschwungenen Spaten zur Dekapitation eines Zombies zu sehen? Die existenzialistische Erfahrung, die Entfremdung, die man desnächtens auf dem Friedhof durchlebt, wenn sich vor den eigenen, ungläubigen Augen die Erde auftut und Untote ausspeit, wurde kongenial mit formalen Mitteln zum Ausdruck gebracht! Und der Showdown, ja, mensch, der wilde Showdown nimmt schon wesentliche Aspekte von Fulcis erst 13 Jahre später entstandenem Heuler Woodoo vorweg.

    Jedoch, nicht nur allein die Toten kehren wieder, auch den Sets und Locations wird ein zweites Leben gegönnt: wie's bei den Hammer-Schinken der klassischen Horrorphase schöner Brauch ist, wurden die Bauten, aus ökonomischen Gründen, auch für andere Filme verwendet, für Das Schwarze Reptil, um genau zu sein. Auch einige Darsteller sind dieselben, was zu nicht wenigen, schönen Déja-Vu-Effekten führt, vom heimeligen Gefühls des "Alte-Freunde-Wiedersehens" mal ganz abgesehen, wenn sich die selben Gestalten durch die selben Bauten bewegen. Der Fairness halber sei's aber nicht verschwiegen: Plague ist der eigentlich Ältere der beiden Filme, in der filmischen Biographie des Autors dieser Zeilen jedoch der Zweitgesehene!

    Fazit? Plague ist ein überaus schöner, nostalgischer Horrorstreifen, den es zu entdecken gilt. Mit einigen ganz köstlichen, kindlich naiven, genau deshalb aber sehr effektiven Spielereien kann er auch heute noch das Herz des Zuschauers erobern. Grund zur Vorfreude gibt's obendrein: der Film ist für den Mai kommenden Jahres von Anolis in der, bislang, voll zu überzeugen wissenden "Hammer-Edition" den deutschen DVD-Markt angekündigt.

    Eine Veranstaltung, übrigens, des "CineClub klassisch", der sich über's Web gemeinsam zum Ansehen alter Horrorklassiker, jeweils zuhause, verabredet. Die anschließende Filmdiskussion zu Plague findet sich hier. Eine sehr schöne Idee, der sich weitere Filmenthusiasten und Freunde des altehrwürdigen, modernden Gruslers gerne anschließen dürfen.


    ° ° °




    03.05.2003, Heimkino

    Eine alte Swingplatte entdeckt, behutsam aus dem Cover geholt, hier und da schon die Altersspuren auf dem alten Vinyl, und dann sachte aufgelegt. Es knarzt, knistert, zärtlich, und dann, aus heiterem Himmel, geht es los! Es kracht, es fetzt, es swingt, mann, das Timing, es passt exakt, kurzum: es begeistert! Euphorie und, ganz einfach, eine gute Zeit, egal was der Alltag mit sich bringt. Das ist Eskapismus, sicher. Egal, manchmal braucht man das!

    Genauso fühlt sich Some Like It Hot an, ein großes Konzert verschiedenster wilder Elemente, die genau aufeinander abgestimmt sind, genau im richtigen Moment zünden und dem Zuschauer keine ruhige Minute lassen. Die Patina, die der Film sicher schon angesetzt hat, schadet nicht im geringsten, unterstreicht eher noch den zeitlosen Charakter!

    "Nobody's perfect!", das Schlußwort. Auch kein Film ist perfekt, könnte man ergänzen wollen. Allein, nach diesem Filmerlebnis fällt es sichtlich schwer.


    ° ° °




    03.05.2003, Heimkino

    Eine alte Swingplatte entdeckt, behutsam aus dem Cover geholt, hier und da schon die Altersspuren auf dem alten Vinyl, und dann sachte aufgelegt. Es knarzt, knistert, zärtlich, und dann, aus heiterem Himmel, geht es los! Es kracht, es fetzt, es swingt, mann, das Timing, es passt exakt, kurzum: es begeistert! Euphorie und, ganz einfach, eine gute Zeit, egal was der Alltag mit sich bringt. Das ist Eskapismus, sicher. Egal, manchmal braucht man das!

    Genauso fühlt sich Some Like It Hot an, ein großes Konzert verschiedenster wilder Elemente, die genau aufeinander abgestimmt sind, genau im richtigen Moment zünden und dem Zuschauer keine ruhige Minute lassen. Die Patina, die der Film sicher schon angesetzt hat, schadet nicht im geringsten, unterstreicht eher noch den zeitlosen Charakter!

    "Nobody's perfect!", das Schlußwort. Auch kein Film ist perfekt, könnte man ergänzen wollen. Allein, nach diesem Filmerlebnis fällt es sichtlich schwer.


    ° ° °




    03.05.2003, Heimkino

    Mai in Berlin, Frühling! Von wegen, vor meinem Wohnzimmerfenster ist Herbst, mit allem was dazugehört: grauer Wolkenhimmel, steifer Wind, hochgekrempelte Kragen, dann und wann ein kleiner Regenguß. Außerdem ist's Samstag Nachmittag, man hat so richtig gar nichts geplant - keine Verabredungen, keine Verpflichtungen! -, hat seine Wohlfühlklamotten an, etwas Kuchen und eine frischgebrühte Kanne Kaffee stehen ebenfalls bereit. Was bietet sich da besseres an, als sich faul vor die Glotze zu flätzen, das schlechte Wetter ein genau eben solches sein zu lassen und sich einen alten Schinken der legendären Hammer Studios (siehe auch schon 28.04.) anzusehen? Eben! Und die erst jüngst erschienene DVD zu Yeti, der Schneemensch fristet ja auch noch ungesehen ihr Dasein im Regal.

    Mit Hammer, wie man's eigentlich kennt - knallig farbig, gotisch -, hat Yeti, auf den ersten Blick, nicht allzu viel zu tun: In kontrastreichem schwarzweiß kommt er daher und auch wenn sich der Film motivisch hier und da ein wenig an King Kong anlehnt, ist das keiner der klassischen Hammer-Grusler - wurde ja auch noch kurz vor der Initialzündung Curse Of Frankenstein gedreht -, sondern vielmehr ein Abenteuerfilm mit gruseligen Untertönen: eine kleine Gruppe unterschiedlich motivierter Abenteurer macht sich, ausgehend von einem tibetanischen Kloster, in die Höhen des Himalayas auf, um den "abscheulichen Schneemenschen" (so der ins Deutsche übertragene Originaltitel) ausfindig zu machen. Kein Monster aus alten Universal-Filmen, keine Schlösser, keine Aristokraten!

    Was sonst eigentlich diversen SciFi-Filmen als gängiges Motiv vorbehalten ist, findet sich in Yeti wieder: die Reise einiger, gewissermaßen archetypischer Repräsentanten der Menschheit in eine Zone jenseits der Grenzen zur Zivilisation, zum Vertrauten entpuppt sich als existenzielle Parabel, als Diskurs über die Rolle des Menschen im Weltgefüge von Zeit und Raum. Man kennt das ja, aus Filmen wie 2001, Stalker oder Solaris, wenngleich Yeti seinen recht grimmigen Unterton längst nicht derart verkopft ausformuliert.

    Und gruselig ist er dann auch noch - ja, und wie! Die Klaustrophobie des Zeltes, das stets präsente Pfeifen des eisigkalten Windes, das dichte Schneetreiben, so dass man kaum die Hand vor Augen sieht und dann noch das Wissen, dass sich, irgendwo da draußen, die Gefahr befindet (vielleicht aber auch gerade nicht unbedingt da draußen? Der Film ist dahingehend recht tricky!). Eine diffuse Gefahr zudem, die niemals wirklich in Erscheinung tritt, immer nur erahnt werden kann - trotzdem Tote! Was für ein atemberaubender Moment dann, wenn man endlich - endlich! - ein Detail des Schneemenschen, in aller Deutlichkeit, zu Gesicht bekommt, wenn das "Außen" ins "Innere" vordringt. Tastend, zaghaft, dennoch bestimmt.

    Ein rundes, überaus spaßiges Genrewerk mit düsteren Untertönen und einem, wie immer, mit Leib und Seele agierenden Peter Cushing. Mehr davon!

    imdb | mrqe | bmovies.de | hammer studios

    tv-termine: peter cushing
    filmtagebuch: peter cushing | val guest | hammer studios


    ° ° °




    01.05.2003, Heimkino

    Eigentlich mag ich solche Geschichten ja sehr gerne: ein Kleiner, der sich durchsetzt, der gegen die Normen rebelliert und sich allein aufgrund seiner Hingabe, seiner Passion, seinem Glauben an die eigene Sache durchsetzt. Sowas darf auch gerne etwas kitschig sein, mir meist egal.

    Kurioserweise funktioniert Billy Elliot dann aber doch nicht mit mir. Klar, hier und da ist das schon nett anzuschauen, wie sich der kleine Billy gegen die Ideologie schaffender Männlichkeit im englischen Arbeiterbezirk der Mitt-80er durchzusetzen versucht, seinen Traum, Tänzer zu werden, hartnäckig - against all odds - verfolgt. Über weite Strecken bleibt das dann aber eben doch nur bloße Behauptung von Emotion, reines Runterkurbeln gängiger Motivkonventionen, die weder sonderlich spannend noch sonderlich charmant vorgetragen werden. Der Film will vor allem, schafft es aber nicht, einfach nur zu sein. Und wenn dieser Umstand erstmal klar ist, dann wartet man eben nur noch gelangweilt auf den Schluß, um sich danach wieder anderen Dingen zuwenden zu können. Immerhin: der Vorspann mit dem springenden Billy ist sehr gelungen, was aber vor allem an der musikalischen Untermalung liegt. Formal mag das ganze zwar versiert umgesetzt worden sein, andererseits ist das aber auch ein zu erwartender Standard, wenn jemand schon knapp 2 Stunden meiner Lebenszeit für sich beansprucht.

    Schlecht ist Billy Elliot ganz sicher nicht, aber eben auch nicht sonderlich gut. Durschnittlich also, lauwarm, gewollt, aber nicht gekonnt, behauptet, aber nicht eingelöst. Ich bleibe dabei: das ist das schlimmste, was ein Film sein kann. Über schlechte Filme kann man sich wenigstens noch aufregen. Verspürt man indes während einer Sichtung den Drang, mal eben nebenher seine E-Mails zu checken, so sollten die Alarmsirenen grell aufheulen!


    ° ° °




    28.04.2003, Heimkino
    Erzählzeit und erzählte Zeit fallen, zumindest emphatisch, aufeinander, allein David ist zu spät. Seltsam, ist doch sonst eigentlich nicht seine Art...

    Gelungene Suspense-Studie vom Altmeister, die mich mit inszenatorischem Witz, geschliffenen Dialogen und einer überaus reizvollen Ausgangssituation vor einem ansonsten doch recht langweiligen Abend gerettet hat. Und nach einer Niete wie SWEPT AWAY am Vormittag braucht's einfach zumindest abends etwas für den Genießer. Kleiner, überschaubarer Film. Dennoch sehr, sehr groß!


    ° ° °




    28.04.2003, Pressevorführung

    Postmodern angehauchter Ex-Werbefilmer macht mediterrane "Verlassene-Insel"-Schnulze mit der Gattin in der Hauptrolle. Wer meint, das könne doch eigentlich nicht gut gehen, der hat Recht. Die Ironie und Coolness, mit der Ritchie berühmt geworden ist, gibt's hier nicht, hier soll die ganz große Romanze auf die Leinwand gezaubert werden. Unfreiwillig komisch ist das ganze Geschehen jedoch, bestenfalls. Blöd nur, dass sich der Film gerne als ernsten Beitrag verstanden wissen möchte.


    ° ° °




    28.04.2003, Heimkino

    Die lange Reihe der Neuinterpretationen klassischer Universalfilme der britischen Hammer Studios versprühen, zumindest zu Beginn jener Adaptionsphase, einen ganz eigenen Charme. Nicht nur das in der Filmgeschichte erstmalige Verwenden buchstäblich blutroten Lebenssaftes, damit einhergehend die, für damalige Verhältnisse, recht graphische Gewaltdarstellung, die den sich bereits am Horizont abzeichnenden Splatterfilm erahnen ließ, gehört dazu, sondern auch, und vor allem, die stellenweise ziemlich pfiffigen Spielereiein mit dem Originalplot und -stoff sorgen für die eine oder andere angenehme Überraschung. "Horror Of Dracula", die zweite Universal-Adaption, ist das beste Beispiel dafür.

    In wunderschönen Sets und Locations wird da die Geschichte um den blutsaugenden Aristokraten, komplett ins Deutschland des 19. Jahrhunderts verlegt, erzählt. Dramatisch, unglaublich dramatisch wird sie angelegt, das Orchester kommt kaum zur Ruhe, so häufig sind die bedeutungsschwangeren Fanfaren vonnöten. Wir werden Zeuge einer einzigen Passionsgeschichte von Verlusten und Niederlagen. Getragen wird diese, wie so oft bei den Hammerstudios, eigentlich recht traurige, am Ende nur wenig versöhnliche Geschichte vor allem durch die klassische Besetzung jener glückseligen Tage: Peter Cushing als Van Helsing, Chrisopher Lee als Dracula, beide gehen sie mit der höchsten Perfektion ihrer Kunst zu Werke. Wunderbar die Szene, als sie sich zum ersten Mal begegnen: Van Helsing entdeckt Draculas Ruhestätte, den Sarg, im Keller eines Anwesens, plötzlich stürzt der Graf zur Tür hinein, erblickt seinen Gegenspieler, verlässt den Ort umgehend wieder, schlägt die Tür hinter sich zu.

    Früher, ganz früher, waren die Hammer-Filme - mehr Einträge werden in den nächsten Tagen folgen - wohl eher Kost für Jugendliche. Heutzutage wird man jene Klientel wohl kaum von den gotisch-romantischen Schauer-Moralgeschichtchen überzeugen können, dafür sind sie, jetzt nicht etwa kulturpessimistisch gemeint, einfach nicht mehr grell genug. Man muss schon in die Filme hineinreifen, sich von ihnen und ihren ganz eigenen Reizen verführen lassen können, um ihre überschaubar angelegten Erzählungen, ihre visuellen Reize und ihre Umdeutungen gängiger Topoi genießen zu können. Wenn dies aber gelingt, diese Voraussetzungen erfüllt sind, dann sind die Hammerfilme einfach Genrekost zum rundum Liebhaben.


    ° ° °




    27.04.2003, Pressevorführung

    Nicht bloß der Name Steven Seagal ließ Erwartungshaltungen rapide nach unten sinken, auch die beinahe schon unglaublich schlechten Kritiken aus den USA taten ihr übriges. Doch beides reichte nicht aus, um den Film dennoch würdevoll über die Leinwand geistern zu lassen. Hinterher ist man zumindest dahingehend schlauer, dass selbst noch niedrigste Erwartungen von manchen Werken mit geradezu gruselig leichter Hand unterschritten werden können.

    Weitgehend peinlich versucht der Film also einerseits mittels stumpfer, schwerfälliger NuRock-Standardriffs auf der Tonspur dem xXx-Zug hinterherzuhecheln ("aufzuspringen" wäre wohl in der Tat der falsche Terminus, schon allein angesichts des dargebotenen Seagal'schen Unvermögens hinsichtlich athletischer Leistungen), andererseits aber auch - eigens dafür wurde gar ein Schlitzaugenchoreograf, mit dem sich reichlich profiliert wird, aus Fernost importiert - den Sehgewohnheiten eines Post-Hongkongfilm-Publikums gerecht zu werden. Ganz konkret sieht das dann so aus, dass ein, analog zur musikalischen Untermalung, recht plumper, bisweilen markant übergewichtiger Seagal, dessen streetcredibility mit einem leicht albernen Bandana zu erhöhen versucht wurde, immer mal wieder durchs Bild fällt und ca. alle 2 Minuten vollkommen willkürlich Actionsequenzen runtergeleiert werden, die durch ihre Beliebigheit, ihre dramaturgische Nichtigkeit und ihrer, selbst noch für Freunde des Selbstzweckhaften, nicht zumutbaren Selbstzweckhaftigkeit eigentlich bloß nerven. Die Story an sich ist selbst Freunden gestandener 80er-Gülle kaum servierbar, das lediglich vermeintlich trickreiche biographische Geflecht zwischen den Hauptdarstellern ist schon noch nichtmal mehr nur abgeschrieben, zudem auch nicht sonderlich einfallsreich und gleich drei Mal nicht ausgereizt worden. HALF PAST DEAD - unumwunden ein Fall für die nächste Kloschüssel, anders kann man es, einen zumindest noch rudimentär vorhandenen Stolz als Genrefilmfreund vorausgesetzt, nicht umschreiben.

    "Halb tot" nennt sich dieser Schmu dann in deutschen Landen. "Todlangweilig" oder "Mausetot" hätte es weit besser getroffen. Man kann eben nicht alles haben.


    ° ° °




    Einen ganz besonderen dieser Sorte gibt es hier, bei den Schluckspechten von Sprittwoch.de. Eine amüsante Lektüre, durchaus.

    Ergänzend wird dieser Hasselhoff-Shrine empfohlen.



    ° ° °




    27.12.2003, Heimkino

    Sehr schade: Der 3D-Effekt stellt sich auf der Mattscheibe natürlich nicht ein. Dafür aber wird man, in Folge der besonderen Inszenierung, mit einigen visuellen Gewitztheiten entschädigt, die den Film schlußendlich dennoch zu einem aufregenden Erlebnis gestalten. Immer wieder wird der Zuschauer von der Bildfläche torpediert: Polizisten richten ihr Gewehr frontal in die Kamera, ein Messerwerfer bewirft das Publikum mit scharfen Klingen, ein Gorilla stürmt die Kamera, Leichen fallen nicht nur vom Schornstein in den Kamin, sondern auch von oben im Bildvordergrund ins Bild und dergleichen noch vieles mehr. Das Konzept ist klar: Nicht die altebekannte Bewegung aus dem Hintergrund in den Vordergrund konstruiert Dynamik, das Publikum selbst ist Ziel der ausholendsten Bewegungen.

    Und dann die zahlreichen Morde und Entführungen, deren Inszenierung zwar sicher noch weit von der Zeigefreudigkeit der teilweise durchaus vergleichbaren italienischen Gialli der 60er entfernt ist, aber dennoch einigen Nervenkitzel bieten. Vor allem der spannende Überfall im Dachatelier eines Malers wäre da zu nennen. Der Mörder bleibt nur ein Schatten an der Wand, doch die handwerklich geschickte mise-en-scène, der tolle Schnitt und natürlich, für einen us-amerikanischen Gruselfilme dieser Jahre beinahe schon ungewöhnlich, die besondere Betonung der rein optischen Ebene machen aus dieser Sequenz ein kleines Fest für den Genrefreund. Alles in allem, trotz eingangs erwähnten Abstrichs, eine kleine Überraschung für mich, da ich doch eigentlich mit nahezu keinen Erwartungen an den mir bis dahin noch nicht untergekommenen Film herangetreten bin. Ein schöner untergegangener Klassiker.

    Das schöne Covermotiv ist übrigens Stefan Haas' sehr schöner Website http://www.bmovies.de entnommen. Ein kleiner Tempel für Freunde gepflegter Genrenostalgie, der zum stundenlangen Stöbern enilädt. Herzliche Empfehlung natürlich!

    imdb | mrqe | bmovies.de


    ° ° °




    Thema: Hoerkino
    Schon immer mal verlinken wollte ich den Soul Club. Ein riesiges Streamarchiv alter und seltener Soulstomper mit Schwerpunkt auf die 60ies (den 70ies Autoren- und Bombastsoul mag ich persönlich nicht ganz so sehr). Besonders empfohlen wird bei dieser Auswahl natürlich die Random-Playlist-Funktion.

    [via soulblog]


    ° ° °




    Thema: DVDs
    Eigenlob stinkt, Eigenwerbung hoffentlich nicht. Neue Texte vom Filmtagebuchschreiber, allerdings nicht im Filmtagebuch, sondern bei jump-cut.de. Und zwar DVD-Besprechungen von

    May - Die Schneiderin des Todes
    Naufragos - Gestrandet
    Keoma - Melodie des Sterbens
    Draculas Hexenjagd
    Circus der Vampire
    Monpti
    Oliver Twist

    Kollege Thomas Reuthebuch bespricht gleichenorts noch eine Jet-Li Box und Takashi Ishiis Gonin 2

    Viel Spaß beim Lesen!


    ° ° °




    Freitag, 26. Dezember 2003
    BLACK AND WHITE CU of a WOMAN
    lying on the floor, looking up. The woman on the floor has
    just taken a severe spaghetti-western-style gang beating. Her
    face is bloody, beaten up, and torn. The high contrast B/W
    turning the red blood into black blood.

    [...]

    The BRIDE
    on the porch; we do a quick Shaw-Brothers-style Zoom into her
    eyes.

    -----

    kill bill: script


    ° ° °




    Mittwoch, 24. Dezember 2003
    Thema: good news
    Antonionis Meisterwerk Blowup (GB/Ita 1966) stellte bislang eine der großen Lücken im Aufarbeiten der Filmgeschichte auf DVD dar. Doch as Warten hat nun bald ein Ende: Zumindest für den nordamerikanischen Markt kündigt Warner für Februar eine Veröffentlichung an - wohl dem also, der eine Kreditkarte sein Eigen nennt. Zumal der Titel im Pre-Order bei dvdsoon für umgerechnet beinahe schon geschenkte knapp 9 Euro bestellbar ist.



    ° ° °




    Diverse Würdenträger der beiden großen christlichen Konfessionen in diesem Land haben es sich auch zu diesem Weihnachtsfest nicht nehmen lassen, mal wieder das Gebahren diverser TV-Sender über die Weihnachtsfeiertage anzuprangern. Dies konnte man bereits vor ein paar Tagen bei digitalfernsehen.de nachlesen. Mal vom geradezu sorglosen Gebrauch von Vokabeln wie "gewaltverherrlichend" abgesehen, der bereits diverse Alarmglocken schellen lässt, ist es doch erstaunlich, wie selbstverständlich manche Kleriker noch immer von eigenen Hegemonien ausgehen. Okay, zum Boykott aufrufen darf jeder. Richtet sich in dem Fall ja auch nur an Gleichgesinnte und Weihnachtsfetischisten, die aber, davon ist wohl auszugehen, Heiligabend bestimmt nicht mit Knallereien aus dem Hause Schwarzenegger beschließen. Absolut sauer stößt hingegen auf, wie da von "Gewaltfilmen" zur Weihnachtszeit als ein "Widerspruch in sich" gesprochen und Beschämungen zum Ausdruck gebracht werden. Hallo? Anyone home? Wieviele Menschen leben in Deutschland, denen Weihnachten herzlich am Arsch vorbeigeht? Wieviele Moslems und Juden und Atheisten und Agnostiker und Weihnachtsmuffel? Und wievielen Menschen ist ein irgendwie gearteter frommer Background der Feiertage völlig wurscht, aber ist halt geil weil neuer DVD-Player und fett Braten und so. Eben! Woher da die Pfaffen nun also einen Anlaß zur Beschämung herleiten (der ja wiederum auf einer Überzeugung fußt, die einen anderen Zustand nicht nur individuell als besser empfunden, sondern als eigentlich auf absoluter Ebene angemessen ansieht), bleibt schleierhaft. Scheint aber wohl irgendwas mit der nie ganz überwundenen Erniedrigung durch die Säkularisierung zu tun zu haben.

    Wo wir schon beim Thema sind: Nachher um 01:00 Uhr nicht Ein Einsamer kehrt zurück (Italien 1972) verpassen! Ein recht später Italo-Western aus der B-Schublade mit Klaus Kinski. Und bestimmt auch mit Gewalt. Läuft auf dem reanimierten Tele5, dessen Nachtprogramm im übrigen von Freunden alter und rarer B-Movie-Ware im Auge behalten werden sollte.


    ° ° °